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Jüdische Rundschau · 1914-11-27 · Heft 48 (27.11.1914) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 48 (27.11.1914)
Date
1914-11-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 48 Seile 439 unserer Chanukahsemlungeii verstanden haben: über die Licbesgabensendungcn hinaus, die unsere Soldaten von Freunden und Verwandten so oft als möglich bekommen, ist diese Sendung eine besondere. Die jüdischen Soldaten sollen merken, da» am Tage der Makkabäerfeier die jüdische G c m c i n s c h a f t ihrer gedenkt. Abgeordneter Nisselowitscli gestorben in Genf ist der Abgeordnete Nisselowitsch gestorben. Als einer der wenigen jüdischen Ab* geordneten in der dritten russischen Duma hat er, auf schwierigstem parlamentarischen Boden, unermüdlich gegen die Bedrückung gekämpft, die dem jüdischen Volke durch das russische System auferlegt ist. Er war von nie gebrochener Aktivität in diesem Kampf, dessen entscheidende Wendung in diesem Krieg er noch erlebt hat. Jetzt, da die Juden Rußlands in banger Sorge an ihr künftiges Schicksal denken, starb Nissclowitsch, fern seinen Kampfgenossen, im neutralen Ausland, RUNDSCHAU DER PRESSE Mit Bezug auf die neuesten Vergeltungs- 111a »na Innen der deutschen Regierung gegen die feindlichen Ausländer schreibt der ״Israelit": ״Gerechtigkeit erwarten wir gegen diejenigen Ausländer, die nach den obwaltenden Verhältnissen im Feindesland auch i 11 r Feindesland sehen müssen. Da» wir cs ganz offen aussprechen: Die vielen russischen Juden, die in Deutschland, zum Teile seit Jahrzehnten, sich des Gastrcchtcs erfreuen .... und die mit der russischen Heimat nur die traurige Erinnerung einer endlosen Leidenskette verbindet, diese müßten, sollte die Maßregel vom Geiste der Gerechtigkeit getragen sein, s a m t und sonders von ihr gänzlich unberührt bleiben. Diese Leute, die das Unglück, Untertanen des russischen Zaren zu sein, nicht erst zu Kriegs- Zeiten so schwer tragen, sollten nicht verantwortlich gemacht werden für eine Politik, deren bcmiUeidcnswerteste Opfer sie selber darstcllcn. ... Es diesen Leuten vergelten zu wollen, was ihre Verfolger im Lande ihrer Geburt an Attentaten am Mcnschium verübt haben, wäre, sagen wir cs offen heraus, mehr als ungerecht. Die Bestrafung dieser Kategorie von Russen würde aber auch den Zweck der Vergeltung und Druckausübung vollständig verfehlen und eher noch das Gegenteil von dem erreichen, was erreicht werden soll. Weil es den russischen Machthabern nur erwünscht sein kann, wenn auch diejenigen Juden, die sich durch die Flucht aus der Heimat ihrer Geißel entzogen haben, so hart wie nur möglich betroffen werden. Aus dieser niedrigen Gesinnung ist in Petersburg und Moskau nie ein Hehl gemacht worden, und jede Bestimmung der deutschen Gesetzgebung, die dort mit Recht oder Unrecht als gegen die Juden gerichtet aufgefaßt wurde, erntete noch immer den heißen Dank der russischen Presse. Man erinnert sich noch des Frcudcngeheuls der offiziösen Petersburger ״Rossia“, als die deutschen Universitäten sich gegen die jüdischen Studenten, die Opfer der russischen Prozentnorm, abzusperren begannen. Nichts ist den Drahtziehern der russischen Reaktion iinangenehmer, als wenn ihre Opfer unter einer milderen Sonne eine Ruhe-Insel finden .... Diesen Gefallen wird die deutsche Regierung bei Anlaß der jetzt ,gebotenen V׳*rgeltungsmaßrcgcl der russischen Reaktion hoffentlich nicht erweisen. Soviel Vertrauen darf man schon in das Rechtsgefühl und Unterscheidungsvermögen der deutschen Behörden setzen. Daß die deutsche Regierung zwischen Feinden und Feinden zu unterscheiden weiß, hat sic bereits durch Gnadenakte gezeigt, die später zu den schönsten Lichtmomenten in der Geschichte dieses blutigen Krieges gehören werden. Man denke an die Freilassung mehrerer kriegsgefangener russischer Juden in ihre von den Deutschen okkupierte Heimat, man denke ferner an die neuerdings vor sich gegangene Entlassung tausender kriegsgefangener französischer Mohammedaner . . . Das stärkt unsere Zuversicht, daß man aucli bei den neuesten gewiß notwendigen und gebotenen Maßnahmen Gerechtigkeit walten läßt und sie, auch wo es sich um Schutzmaßrcgcln handelt, auf diejenigen Personen beschränkt, die In einer Inneren Beziehung zum feindlichen Ausland stehen.*' J- Neues vom Jüdischen Verlag Hermann Struck hat für den J üdisc 11 c 11 Verlag ein neues H er zl b i i dtt i s radiert. Da» Bildnis zeigt Hcrzl in Halbprofil und Halbfigur mit beiden Händen an ciiien Stuhl gelehnt und eine JUEDiGCi«II I;jj :I DSC Ii A U_ Rede haltend. D;,:, ."01 ״u:! iE.; Blute* ist 63:70, das des eigentlichen Bildes •1ü: 50 ein. Es wird eine Vorzug 8־ und eine Schrift* ausgabc vu.״.׳..ta;tcL DU. Vo.zag.uiiisgahc besteht ans <10 Exemplaren, lUJinmeriert und vom Künstler signiert; Nr. 1- 5 .׳!!tf Seide M. 150,—, Nr. 6 •■10 auf altem hollämli chrii fM. Ißt), I ßc Schrittnusgabe kostet M, 15,- . Ein neue» Her/Ibildnis von lkrmar.il Struck ir.t ein Ereignis auf unserem noch armen Kunstmarkt, das sicherlich nicht unbeachtet bleiben wird. — ORicli/citig gibt der jüdische V*rlag ein zweites 1 f c r z I b i I d n i s heraus, und zwar gleichfalls von ,Struck. Es ist eine Gravüre nach einer Zeichnung des Meisters, im Jahre 1003 an* gefertigt und von Her/.l am 27. V. desselben Jahre* deutsch lind hebräisch signiert. Diese Gravüre ist für die L u x u s a 11 s g a b c des Friedemannschcn Hcrzlbucncs bestimmt. Da die Luxusausgabe z. Z. nicht erscheinen kann, wird die Sonderausgabe des Bildnisses ,sicherlich Interesse und Beifall finden. Die Gravüre hat 15,5:21 Blatt- und 8:10 Bildformst. Sic wird nur gerahmt abgegeben, zum Preise von M. .3, . Die Rahmen sind in dreifacher Farbe vorgesehen; braun, duukelrot und weiß, — Die Teilnchmer des diesjährigen Deiegiertcntnges der deutscheu Zionisten haben die prächtige Spende der Lcipziger Ortsgruppe bewundert, die Sonde raus- 1' a b c d c r s e c 11 s Ko n g r c II r e 11 e 11 v 011 H e r z 1. Die Ausgabe, ein Meisterwerk der modernen Buchkunst, wurde in 400 nummerierten Exemplaren gedruckt. Den Rest der Auflage hat der Jüdische Verlag übernommen. Preis des stattlichen Quartbandcs M. •I,— gebunden. Der Jüdische Verlag, der in letzter Zeit angcfangen hat, sich einer seiner wichtigsten Aufgaben zu widmen, nämlich der Pflege der Jugend- I i t e r a t u r und der Erziehungsmittel für die jüdische Jugend, macht auf das Modell des Salomonischen Tempels aufmerksam, dessen Generalvertrieb der jüdische Verlag hat. Das Modell ist auf Baubogen gedruckt, die zum Auseinanderschneiden und Zusam.ncnklebcn bestimmt sind. Das Ganze bildet ein schönes und wahrhaft nationales liesch’iftigungssplel für unsere Jugend. Der Preis beträgt M. 7,—. — Im Sinne der letzten Ausführungen gibt der Jüdische Verlag auch einen Prospekt über 21״ gute jüdische Bücher“ heraus, den er der Aufmerksamkeit jüdischer Eltern und Erzieher empfiehlt. Das ,Verzeichnis enthält das Beste des Guten, das .die moderne jüdische Literatur unserer Jiigcnd bietet. Außer den ״Kleinen Geschieht c 11“ von Sehalom Asch, die ja für Kinder von 7—10 Jahren berechnet sind, sind nur solche Bücher enthalten, die sich lür die reifere Jugend eignen, also schon als Ba r mi z w a 11 g e s c h c n k in Betracht kommen. Die zionistische Literatur ist durch Herzls zionistische ,Schriften vertreten, die Palästinalitcratur durch die schönen ״Bilder aus Palästina“ von Davis Trictscli. ,Den, Bedürfnissen der orthodoxen Kreise ist durch die Aufnahme des bekannten Bibel- und Talmudschatzes ,von Cohn Rechnung getragen. Sonst waren lür die Auswahl der Bücher lediglich literarisch-künstlerische und ,pädagogische Gesichtspunkte maßgebend. Dieses Verzeichnis istdererste Versuch zu einem Geschenk- und Barmizwahprospekt und beansprucht schon aus diesem Grunde die wohlwollende Aufmerksamkeit aller an der nationalen Erziehung interessierten Kreise. r׳׳׳׳ ׳ -״ 1״-■׳■׳■׳-־■״ Jüdischer Nationalfonds — detitaclics Vaterland Beiden ist gedient, wenn unsere alte Mahnung ״Sammelt Zinnabiälle, sammelt Staniolpapier“ bcherzigt wird. Sie ist bei vielen leider in Vergessenheit geraten oder trotz der häufigen Wiederholung der Mahnung nie beherzigt worden. Jetzt aber kann nicht bloß unser Nationatfonds durch den Erlös lür diese Dinge gefördert werden, auch dein Vatcrlande ist gedient, wem! jedes Stückchen Zinnfolie, also in erster Reihe das sog. ״Stnnmolpnpier“ von Schokolade aufgehoben, gesammelt wird, Wir lesen darüber in einigen Zeitungen: Sammelt Z i n 11 a b f ä 11 c. Rohzinn wird bei uns zum größten Teil durch Länder ciugeführf, die jetzt zu unseren Feinden zählen und sich im Kriegszustände befinden. Die Zufuhr aus diesen Ländern ist also ־zurzeit gcsperrt. Es ist deshalb zu befürchten, daß die vorhandenen Inlandsvorräfo demnächst sehr knapp werden, bc.-or.dera, da auch die Heeresverwaltungen große Pos,;ca brauchen.' Es dürfte darum wichtig sein, die Frage auf/ttverfen: Wie ist dem drohenden Zustande in etwas zu begegnen? Es wird zwar nicht möglich sein, in Deutschland Rohzinn ohne weiteres aus der Erde zu stampfen! aber trotzdem können bedeutende Mengen von Zinn zusainmcngetragcn werden. Wir verweisen nur auf den gewaltigen Verbrauch an Schokolade und Käse, Beide sind fast sämtlich in Zinnfolien verpackt und diese werden sehr oft achtlos beiseite geworfen. Man übersieht ganz, welche großen Werte in diesen Abfällen stecken und welch große Mengen Zinn damit verloren gehen, I her und da wird wohl der Versuch gemacht, die Abfälle zu sammeln und sie der Industrie wieder /»Zufuhren, Fs bleibt in der Regel aber nur bei einem Versuch. Und doch, welch großer Dienst würde der Industrie --- namentlich in jetziger Zeit — erwiesen werden, wenn ihr grolle Posten Stanniol- Abfälle (Schokolade- und Käsepackungen) /.!!geführt werden. Durch das Sammeln dieser Abfälle würde auch eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle gesell,affen werden. Vielleicht wird nun die Mahnung mehr als bisher befolgt. Wir bitten sehr darum 1 Viele Wenig machen ein Viel! Wolffsolin-Feier der V. J. St. Hasmonaea in Berlin Die V. j. St. Hasmonaea hat David W o 11 f - s o h n , ihrem Ebrcnmitgliede, am 1. Oktober abends eine schlichte und würdige Gedenkfeier bereitet. Es versammelten sieh, wie der ״Jüdische Student“ berichtet, in der Caucrstraße die Berliner K. J. V.-er, dazu einige Vertreter der Zionistischen Vereinigung Berlin, an die Einladungen ergangen waren. Das Zionistische Actious-Comitc war durch eine Reihe von Herren vertreten. Dr, Löwenstein leitete die Feier mit wenigen Worten ein, Dr. Klee entwarf in einfacher, aber eindrucksvoller Rede ein Lebensbild David Wolffsohns. Er schilderte den Werdegang dieses Mannes, der sich aus dem armen Chcdcrknabcn ohne Schulbildung zuin vertrautesten Freunde und zum Nachfolger Theodor Herzls entwickelte. Das Verhältnis zwischen Hcrzl und Wolff* sohu stellte Klee in den Mittelpunkt seiner Ausführungeii und suchte es durch kleine, markante Einzelzüge zu beleuchten. Was Wolffsohn für die Bewegung gewesen ist, die er nach dem Tode ihres Schöpfers in schwerer Zeit geführt hat, wurde nur kurz dargetan, da uns zur Beantwortung dieser Frage noch die Distanz fehlt. Wolffsohn wird, so schloß die Rede, wie Her/1 in der Geschichte und im Mythos des jüdischen Volkes leben bleiben und dank seiner Freuiulestrcuc und der unbedingten Hingabe an die Idee, der er diente, ein unvergängliches, leuchtendes Vorbild sein. Mit der HatikwaJi schloß die Feier. Persönliches Ferrara. Der Präsident der italienisehen Zionisten-Föderation, Dr. Fclice Ravenna in Ferrara, hat seine Schwester Elda Ravcnna-Ottolcnghi durch den Tod verloren. Wir sprechen unserm Gesinnungsgenossen unser herzlichstcs Beileid aus. * Unser Freund Dr. Hugo Herrmann hat sich mit Fräulein Paula Hcrsch, vor dem Kriege Operationsschwester im Krankenhause der Lembcrger jüdischen Gemeinde, jetzt im Dienste des österrcichisclicn Roten Kreuzes, verlobt. Nachrichten Berlin. Folgende Gesinnungsgenossen haben das Eiserne Kreuz erhalten: Vizefeklwebcl Ernst Dülken, Köln a. RI1., Unteroffizier Leo Grünbc rge r, Ratibor (O.-Schl.), Unteroffizier Hans Bielschowsky, Ratthor (O.-Schl.), Bataillonsarzt Dr. Rosenblatt aus Mainz erhielt das Eiserne Kreuz und die hessische Taplerkeitsmedaillc. — Verwundet wurden die Gesinntingsgenossen: Leutnant Hammcrstci 11, Stettin, Ein).- Freiwilliger L a z a r 11 s, Mainz. — Das Mitglied unserer Würzburger Ortsgruppe, Herr Hugo Steinberger, Kitzingen, ist gefallen. Nürnberg. Die Zionistische Ortsgruppe Nürnberg -Fürth ersucht uns um Aufnähme nachstehender Richtigstellung: In einem kürzlieh gehaltenen Vorträge ״Religionsgcschichtlichc Bctrachtungcn zum Kriege“ behauptete Rabbiner Dr. F rc ud c n 111 a 1, daß der englische Schriftsteller Israel Zangwill, der den Versuch machte, die Sympathien der Juden in den neutralen Ländern für England und Rußland zu gewinnen, Zionist sei. Wir stellen demgegenüber fest, daß Zangwill dem Zionismus seit ungefähr zehn Jahren den Rücken gekehrt hat und ihn seitdem aufs Heftigste bekämpft. Das ist übrigens eine allgemein bekannte Tatsache, Berlin. Dank dem außerordentlichen Entgegenkommen des Lngcrkoinmandos in Ruhlcbcn ist es den führenden Persönlichkeiten der ״Freien Vereinigung" in Berlin gelungen, für die in dem Lager zu Ruhtcbcn sich befindenden jüdischen Gefangenen die Einrichtung eines rituellen .Mittagstisches dnrehzuführen. *Nachdein ain ,Sonntag vor vierzehn Tagen bekannt gcworden war, daß viele streng religiöse Glaubensgenossen in dem Lager vorhanden seien, war es zunächst bei dem starken Ziisnmmcnstroin von allen! Seiten nicht möglich, den Wünschen nach ritueller Kost nacliznkoinnicn. Am Mittwoch wurde die Oenchmigung erteilt und es wurden alle Juden in eine

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