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Jüdische Rundschau · 1914-11-06 · Heft 45 (6.11.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 45 (6.11.1914)
Date
1914-11-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 414 Nr. 45 J IAU״.: Helft heg! Die Not wächst von Tag zu Ta;■;! Die Zahl der armen Familien, die der Unterstützung dringend benötigen, wird täglich gröber, je länger der verheerende Krieg wütet. Die letzten Irr• spnrnissc sind verbraucht, die Bedürfnisse sind schon aufs äußerste eingeschränkt — der Hunger droht. Nur die deutschen Familien von allen unseren jüdischen Brüdern sind durch die Ar• beitsloscnfürsorgc von Staat und Stadt vor dein Verhungern geschützt. Aber auch ihre Existenz ist dadurch nicht gesichert. Vielköpfige Familien können mit 5 M. pro Woche nicht erhalten werden, noch weniger kann die Miete davon gezahlt, können warme Kleidungsstücke angescliafft und Feuerung eingekauft werden. Um ihnen zu helfen, brauchen wir Eure Hilfe! Cie zahlreichen Familien ausländischer Juden aber genießen keinerlei Vergünstigung. Keine helfende Hand streckt sich ihnen entgegen. An uns ist cs, liier cinzugrcifcn mul mit unserem ganzen Können für unsere Brüder und Selnvestern ein/utrcteii. Um ihnen nach besten Kräften zu helfen, hat sich die neuerdings versuchte Methode bc* währt, je eine Familie dem Schutze und der Hilfe einer gütigen Helferin zu überweisen, die persönlich mit der Familie in Fühlung tritt, ihre Not und Bedürfnisse kennen lernt und sie nach Kräften zu lindern und zu befriedigen strebt, Damen, die sich so betätigen wollen, wenden sich zweckmäßig direkt an F r a u H u I d a Z1 o c i s t i, W e i ß c n b 11 r g e r s t r. 6, die geeignete Familien zuweist. Zahlreiche Flüclitlingsfamilien aus Ost• preuilen, aus Oalizien, aus Belgien befinden sich hier vollkommen hilflos, zum Teil ohne jedes Obdach, Wcfr in der Lage ist, Kinder oder Er■ wachsene bei sich iiiif/unelimen und diesen Acnn• sten ein Asyl zu bieten, wolle uns das milteileii! Auch bitten wir gütige Spender von Möbelstücken, Betten usw. zur Ausstattung leerer W0I1mingeii, sieli bei 1ms zu melden! Jede Spende, auch die kleinste, ist willkommen. Die Not wa c 11 s t v u 11 T a g z u T a g. Helft uns, sie zu 1 i 11 der 111 Hilfskomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Berlin W 15, Sächsische Str. 8. Aus dem österreichischen Heere Melucren Offizieren, deren Namen schon früher erwähnt wurden, ist noch nachträglich eine besondere Auszeichnung zuteil geworden. Der Bntnilloiisknmiiiaiidant Major Kraus, der am 10. September gefallen ist, hat nach seinem Tode vom: Kaiser in Auerkennung der hervorragenden Leistungen vor dem Feinde den Orden der Eisernen 'Krone 3. Klasse mit der Kriegsdekoration erhalten. Der schon zum Leutnant ernannte Fähnrich Alfred S c 11 ö n 11 o f, unser Gesinnungsgenosse aus Brünn, ist wegen hervorragender Xcistungcn auf dnr; Schlachtfeld ׳nachträglich durch die Verleihung der silbernen Tapfcrkcitsmedaitle ausgezeichnet worden. Unser Oesin11ungsge.nos.se L)r. Jacob Ehrlich in Wien wurde zum Oberleutnant der Reserve ernannt. Regimentsarzt Dr. Julius Weiß (A. 11. des Bar Kochba,!,rag) erhielt wegen aufopferungsvollen und tapferen Verbalteils vor dem Feind das Ritterkreuz des Franz Josef- Ordens am Bande des Militiir-Verdienst-Kreuz.es. Unter unseren jüngeren Gesinnungsgenossen ist Dr. 'Erwin Gallus, Leutnant der Reserve, k. 11. k. Richter, die allerhöchste belobende Anerkennung für tapferes Verhalten vor dem Feind zuteil geworden. Fähnrich , Goldschmidt (Veritas-Brünn) erhielt die silberne TapferkeitstMedaillc 2. Klasse. Besonders, erwähnens- | wert ist die Heldentat eines jüdischen Fliegeroffiziers, des Oberleutnants Aladar T a u s s i g, der mit einem Generalstabs-Offizier durch wütenden Sclineestuniiuiid den Geschoßhagel der, Russen in die belagerte Festung P r z e m y s I hincingckdiiiincn dar mul mit' seinen wichtigen Meldungen, obzwar verwundet, wieder zurückgekehrt ist. Seine Heldentat wurde übrigens in den amtlichen Meldungen des österreichischen Armeekommandos besonders gerühmt, wenn auch sein Name erst später bekannt geworden ist. — Eine erfreuliehe Nachricht ist cs auch, daß der tapfere Feldwcbcl Julius Reif, dessen Tod schon gemeldet worden war, nach einer neuerlichen Mitteilung nicht gefallen ist, sondern sich, allerdings schwer verwundet, in russischer Gefangenschaft befindet, ,t J ivimdc hat um; du' Tud llliimi.'111 t: .; I 1־1... , ״• II ■ ... von Ei: . c U־;,,i de.; C»״mr״l!,1,.,ur; Akxmiuer Ritter \.׳u R!::;■.ן י v! 1 .h /. 1» Cic.d1i.n1n;;יgeiiuwcii, der iJn.׳ licrzl Leiter des Jüdischen National!■•'!■! ■ ,!uveie-ii gewe.-.en war. Vor dem Feinde i•־■ t iVriter It.gcnictir Uuttolf (iniiiinicr, k. U. k. I-c11f1M11t d. Res. aus Ungar. Firadisch, gefallen, der sich wahrend;:e'mca Berliner Aufenthalts im Kreise der B. V. vi.de Freunde erworben hat. Der Verein jüdischer Ilochscduicr Bar Kochba, Prag, hat einen seiner Aiteii Herren verloren, der auf dein südlichen Kriegsschauplatz den Heldentod gefunden hat: Karl Stein, Fähnrich d. Res. im k. u, k. Lamlwe!1r-I!1fn!11ene-Regiment Nr. 8. Karl Stein hat sich besonders als eifriger zionistischer Arbeiter im Budweiser zionistischen Volksverein bewährt und war vor kurzem als Vorstands-Stellvertreter der k. u. k. priv. Allgemeinen Vcrkciwsbunk nach Wien gckommen. 'Ebenso hat unser tk'sinmmgsgeuosse aus Oderberg, Leutnant Karl Grünberger, den Heldentod gefunden. Von unseren Wiener Gesinnungsgenossen werden Assistenzarzt Dr. Felix <> rüste in und Assistenzar/t-Stellverlretcr Dr. Alexander Cohn in der II. reitenden Artilleriedivision vermißt. Au? de«! Marsche Unser Gesinnungsgenosse Herr Df. S, Stichel aus Hamburg, der seit dem •1. August auf dein östlichen Kricgsschatiplatz, in einem Feldlazarett des 17. Armee- Korps als Oberarzt tätig ist, schildert in den folgenden uns zur Verfügung gcstellten Versen ein ״kleines Erlebnis“ aua dem Feldzüge. Sabbat i;t’s. -״ Durchs kleine Städtchen, Tief in Polen ist’s gelegen, Fern der Heimat, fern den Freunden• Reiten wir dem Feind entgegen. Steli’u zwei Juden auf »lein Markte, Alte, ktmimermüde Juden, Sellen sorgenvollen Auges Unser Heer ,vorüberfluteii. Denken ihrer fernen Kinder, Die der Krieg hat fortgerissen, Die ihr Leben für den Zaren In der Fremde lassen müssen. : Da!1:1 flotten Vorwtirtatrabcn Kommen näher wir den beiden, : ׳ Frohgemut ״a guten Schabbes" Ruf ich im Vorübcrrciten. Und mit einem Schlage wandelt Sich der Blick der beiden Alten. Es verdrängt ein freudig Lächeln Jäh׳ die kimimcrtiefcn Falten. Wünschen mir ״a guten Scliabbos“, Wünschen mir ״a gute Reise“, Tief im Herzen fühl' ich klingen Süßer Jugend Sabbatweise, War ein winzig klein Erlebnis, Das der Tag mir hat beschießen, . /':׳•:■ mir ג־יייי נ1שר1׳! frae'c ,.) . •Sab!::•‘, ruhe, Snl:!.'״t!ri״״c!1. . . , '.־ ' ■S. Stiebei. 1C*11lik»aWt.i*«־ i 4.,* t.. kii 141 ׳ u״4׳»J6l*ll£l (Von unserem Berichterstatter.) Trotzdem die Rückwirkungen des Krieges sich auch in Saloniki — dessen Wirtschaftsleben ohnedies viel zu wünschen übrig läßt -— in hohem Maße fühlbar machen, hat die xioni.,tische Tätigkeit keine Unterbrechung erfahren. Namentlich die seit etwa zwei Jahren bestehende Soeidte Nord au. ist mit Erfolg bemüht, für unsere Bestrcbungeu zu werben, und ■es ir.t ihr i:: ־.besondere geglückt, eine Anzahl frischer junger Kräfte für die zionistische Arbeit . hcranzuzisheii. Die S che kc 11 a m m 1 ung c 11 Bind gegenwärtig Im vollen G:׳.:;;;e und versprechen ein günstige:; Ergebnis. Auch für den Jüdischen Nationalfonds v,;i!\( eifrig gc;runmeli. Am 10. Oktober veranstalteten wir eine Ged c n k f c. i ■e r für David Wolf fsohn, die überaus z;:kl,e!eK1;־ P>1.:'.־:en rjfwi:3. Mehrere gehaltvolle Reden brscht-'u den; hiesigen Publikum das Leben und Wirken David Wolf01:116.:׳ näher. Für dje nächsten Monate ir.t die Abhaltung einer Anzahl Vorträge von allgemeinem Interesse geplant, ' ■; ■ 7 Eine zionistische Lesehalle im Haag (Von unserem Berichterstatter.) Bald nach Ausbruch des Krieges zwischen Deutschlami und Itclgiun wurde Holland von einer großen Zahl jüdischer Flüchtlinge überschwemmt. Der größte Teil der in der Diamantindustrie tätigen Juden, bcsonders die ()Österreicher, suchten und fanden im Haag und in S c 11 c v e 11 i 11 g c n eine gastfreundliehe Aufnahme. Als Antwerpen bombardiert wurde kamen auch noch die vielen russischen Juden hinzu die bis daliii» als Bundesgenossen der Belgier in Antwerpen verblieben waren. Unter diesen Flüchtlingen befinden sich auch zahlreiche Zionisten. Zu Beginn des Krieges waren unser aller Gedanken und insbesondere die unserer ausgewicseiicn Juden zu sehr von den traurigen Zeit- Verhältnissen in Anspruch genommen, als daß noch für andere Interessen Raum geblichen wäre. Nachdem man jt'Dt aber etwas zu Ruhe gekommen ist und sich in die neuen Verhältnisse ein/ulcben sucht, macht sich das Bedürfnis nach jüdischem und zionistisclicm Gemeinschaftsleben geltend. Es war daher der zionistisclic» Ortsgruppe im Haag eine angenehme Pflicht, eine jüdische Lesehalle und Bibliothek »len vielen liier weilenden Zionisten und sonstigen Stammesbrüdern zur Verfügung zu stellen. Vor drei Wochen wurde diese Lesehalle unter reger Teilnahme eröffnet. Der Präsident de:; Niederländischen Zionistenhundes, Herr Nchemia de Li eine, um! der Präsident der Ortsgruppe Haag, Dr. D. Collen, hießen die Anwesenden willkoin'- men und sprachen ihre Freude darüber aus, daß sogar in diesen traurigen Zeiten soviel Interesse für jüilischcs Schrifttum und Liebe für die zionistisclic Bewegung die vielen hiesigen und ortsfremden Juden zusammengebracht hat. Herr Jean Fischer aus Antwerpen dankte ini Namen der ausländischen Juden für die gastliche Aufnahme. Die besten zionistischen und hebräischen Sclirif* ten liegen in der Lesehalle aus, auch klassische Werke und jüdische und Tageszeitungen. Der Besuch nimmt täglich zu und cs entwickelt sieh ein Ichhaftcr Meinungsaustausch über die politischen Tagesercignisse und über die Zukunft des Zionismus. Die ganze Atmosphäre ist eine zionistische, jedermann fühlt sieh im hvsten Sinne heimisch. Die Samstag• nbende hat die Ortsgruppe für Vorträge bestimmt, denn der l.esesaal bietet für viele Personen Platz, Nächsten Samstag wir»l eine David W 0 H f s 01111 0 c 11 c n k f e i e r statt finden. 1!öffentlich wird ' es möglich sein, in dem kleinen neutralen Holland das gemeinschaftliche Band, das alle Zionisten verbindet, in diesen traurigen Zeiten etwas fester 2u knüpfen. RUNDSCHAU DER PRESSE In der Oktober-Nummer unseres bayerischen Hrudcrblattcs, des ״Jüdischen Echo“, schildert unser bekannter Gesinnungsgenosse Dr, Elias Auerbach aus Haifa, z. Z. Oberarzt d. R, im Lazarett Furth, eine Kriegs fahrt aus Palästina nach Deutschland, die 36 deutsche Reservisten, darunter drei Zionisten, unternahmen. Da die gewöhnliche Route zur Sec die Reisenden in sicltcrc Gefangenschaft geführt hätte, entschlossen sie sich, die schwierige Reise zu Land durch Syrien und Klcinasicu nach Koiistantinopcl zu machen, ein Weg, der wohl bisher überhaupt nur von einigen reisenden Forschern gcwählt worden Ist, Sie mußten hierbei wiederholt den Eisenbahnzug verlassen und - beträchtliche Wegstrecken zu Fuß zurtcklegen. Dr,.,Auerbach erzählt weiter: ■• - ,,Einen •Tag hinter uns war eine zweite Gruppe aus Jaffa und Jerusalem oufgehrachen, um unserem Weg zu folgen, wieder c׳ncn Tag später eine dritte, alte sind glücklich augetaugt, zusammen 130 Mann. Unter diesen waren 13 deutsche Juden, eine recht stattliche Ziffer. Wir kamen freudig, weil nicht nur die Pflicht, sondern vor allem die Liebe zu unserem Ocburtslandc uns rief, wir Zionisten, die wir unser Lehen auf Palästina gcstellt haben. Ich meine, würdiger als durch lange Reden haben wir gezeigt, wie verächtlich das Gerede unserer lieben Anti-Zionisten ist, die uns diese Gefühle abstreiten wollen. Sic kennen unser Herz wirklich nicht, Unser Leitsatz möge er balde auch der ihre sein *— ist und bleibt: In allen jüdischen Fragen sind wir Juden, in allen deutschen Deutsche.“ * Eine sehr beachtenswerte Schilderung der jüdischcn und allgemein wirtschaftlichen Verhältnisse In dem teilweise von deutschen Truppet! besetzten russischen Gouvernement Suwalkl finden wir in , der jüngsten Nummer des ״Israelit“. Es heißt in dem . Aufsatz u. a.:; :! ■ ׳ ״Schon die erste Station WflkoWfsChkf Zeigt uns, daß, wie überall in Westrußland, auch hier die

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