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Jüdische Rundschau · 1914-11-06 · Heft 45 (6.11.1914) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 45 (6.11.1914)
Date
1914-11-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Nr. 45 Seite 412 Ein antizionistischer Ausfall Zangwills Israel 7■ a n g w i 11 hat eleu Versuch gemacht, die jüdischen Massen in den neutralen l.iiudcni, hesonders in Amerika, für die englische Politik >11 interessieren. Kur/ nachdem er noch gegen das Bündnis Englands mit Rulilaud die Einsprache des Kultur• maischen erhoben batte, war es ihm ein genügender Anlall, seine Ueber/eugtmg zu iimlern, ilall ihm (i rey einige verbindliche Worte über die /Möglichkeit einer Beeinflussung des Zarismus im judenfreuudliehen Sinne zu flüsterte. Wir kennen Israel Xangwills politische Reife und haben uns ■über die Wandlung des jüdischen Schriftstellers nicht gewundert; wir haben uns, weil wir Zmigwill kennen, auch nicht entrüstet, wie es die Mehrzahl der jüdischen Organe getan hat, denen sonst immer Z a 11 g w׳ i 11 das politische Orakel war, dem sie mit Ehrfurcht vertrauten, wenn cs die Anklage gegen den vernichten und gefährlichen Zionismus erhob. Wir haben uns mit der einfachen Zurückweisung der Zaiigwillsclien Pose begnügt, w e i 1 1111 s e re Gegnerschaft nicht erst neu betont werden muß. Zangwill genügt aber scheinbar der Versuch nicht, die jüdischen Massen in Amerika für die Tripelentcnte gegen die Feinde des russischen Zarismus aiifz.uwiegeln. Der Kampf gegen Deutschland ist dem großen Politiker nicht gewaltig genug. Er halt auch den Augenblick für gekommen, wieder einmal gegen den Zionismus Sturm zu laufen. Ein jüdischer Journalist, H e r 111 a 1111 B c r 11 - stein, versuchte iiiintlich in New York die Gründung einer 1111 p a r t e i i s c 11 e 11 j ii d i s c 11 e 11 Zeitschrift. Israel Zangwill war klug genug, tun sofort zu verstehen, daß die ״lhiparteilielikeit“ einer jüdischen Zeitschrift nichts anderes als ״Bekämpfung des Zionis• mus“ bedeute — auch uns ist ja tliese 1 Iciiehclei der ״Unparteiischen“ nicht unbekannt —, 11ml er schrieb dem Herrn Bernstein schleunigst einen Brief, der nun die Kunde durch die amerikanischen Blätter macht. Der Brief ist langweilig und nichtssagend; wenn wir nicht Krieg mit England führten, hätten ilm bestimmte aiitizionistiselie Blättchen in Deutschland sicher mit Jubel abgedriickt, Zangwill klagt, —• um den Inhalt zusammeii/iifassen, - - darüber, «laß ״unsere Presse zu sehr vom Zionismus beeinflußt worden sei". Er mißbilligt ferner «lie Pal.isüiinaibeit, weil Palästina doch nicht das ganze jüdische Volk fassen könne. (Und Ihre gewesenen Territorien, Mister Zangwill?) Er beklagt es schließlich, daß der Weltkrieg die öffentliche Versammlung unmöglich gemacht habe, welche anläßlich der früher geplanten Ito-Koiiferenz. in einem Züricher l.okal hätte stattfiudeu sollen. In dieser Versammlung hätte mau über die Schaffung eines jüdischen Sy n 11 e d r i o 11 s sprechen sollen. Zangwill schließt den Brief mit der Versicherung, daß er für die Befreiung der russischen Juden arbeiten wolle, ״selbst auf die Gefahr hin, in diesem furchtbaren Augenblick ״antienglisch" genannt zu werden.“ Zangwill jiat den Brief also wohl noch kurz, vor seinem Besuche bei G r c y abgeschickt. Auch mit diesem Vorstoß gegen den Zionismus hat sich Zangwill keine Lorbeeren geholt. Die amerikanische Presse lehnt die Argumente Zangwills ah. So schreibt ״The American Israelite“ vom 8, Oktober: ״Es ist schwer zu glauben, daß irgend etwas, was Zangwill möglicherweise tun k,11111׳, im mindesten wirksam sein wird. Selbst wenn England einwilligcn würde, seinen Einfluß zu benutzen, so würde dies wenig bedeuten. Rußland muß selbst an seiner Rettung arbeiten. Es wird niemals einen Platz unter den gänzlich zivilisierten Völkern einuelinieii, bis es nicht seine Autokratie abstreift, und daß es weder den Wunsch noch die Absicht hat, dies zu tun, steht augenblicklich außer aller Frage.“ Sehr energisch hat sich unser Gesinnungsgenosse Herr Dr. I. L. M agiles in einem Interview gegen Zangwills Attacke gewendet. Mit Recht erklärt Dr. Mag nes, daß die Ito und Herr Zangwill weder die Entdecker des!1laues eines jüdischen Parlamcnts sind, noch genug demokratisch seien, um die K o 111 p e t e 11 z zur Vertretung eines ansehnlichen Feiles des jüdischen Volkes beanspruchen zu dürfen. Dr. M agn es betont aber, daß gerade die Zionisten für das jüdisch c V o 1 k , seine Mens c 11 e 11 r e c 111 e und seine nationale Existenz, arbeifen. So wäre damit auch Zangwills anlizionistisch er Feldzug in Amerika wieder einmal . mißglückt. Dazu kommt aber, ditß sieb der große Projcktenmachcr jetzt schon in ׳seinen Hoffnungen auf den Erfolg seiner ״\Jjf c 11 pol i t i k" getäuscht sieht. Die jüdische Presse Amerikas berichtet nämlich, daß Zangwill in der Londoner ״T i!11 e 8“ einen Brief veröffentlich^habe, in dem er die Verzögerung in der Erfüllung der Versprechungen des Zaren, den russischen Juden die Gleichberechtigung zu gewahren, als ein großes Unglück hinstellt. ״ sagt, ״daß cs Rußland zum Ruhme gereichen wurde, wenn cs alle antijüdischen Beschränkungen ]11' u sofort atifhi'lH■;!!>!,■׳! nicht (!:׳•mit warten wollte, bis der Krieg zu Ende En“. Wir vc,7.;rl1.”>, .!ic 1Ji:;׳n;!;!l<l, Rußland richtet sich leider m.-lii nach den \7i:1i.u׳hei1 Zangwills. Und Zangwill fühlt üv::־.c;1;-׳s!idss׳h.n Nimbus schwinden, den ihm, früher \vei::v,..te11s,'.-e׳:’.e autizionisfisclicn Streif• züge immer wieder :mf;;x1׳r!:.c!1t haben, ■ , l*. H. Jaffa, 14. Oktober. Noch immer ist'die a 11 g e in eine Lage im Lande uiiveiäudert, aber weil man schon in den letzten Tagen den Ausbruch •eines Krieges befürchtete, hat sich der arabischen Bevölkerung eine gewisse Panik bemächtigt. Aus Furcht vor einer Blockade der syrischen Küsteiistikitc haben viele arabische Familien Jaffa,. Haifa und Beyruth verlassen und sich ins Innere des Landes begeben. Die Juden sind geblieben. Die große Notlage der jüdische״ Bevölkerung, die von allen sonst ciiilaufcudeii Geldmitteln abgcschnitten ist, hat wenigstens eine gewisse Linderung dadurch erfahren, daß von seiten der amerikanischen Juden Geld nach Palästina gekommen ist. Der Botschafter der Vereinigten Staaten iit Konstantinopcl, Herr Morgcnthau, hat seinen Schwiegersohn, Herrn W e r 111 c i m , der bei ihm in Konstantinopcl zmn i111111111111111111111Mm1111!11111n11111m111111111111m1111111m1111111111111111m11111111111111111M111111111111111111n11| I Die Wo?r»;ohn-Mor?tc ist erschienen. f | Ein lief»־ Roaici 2 Mark. / Ei 11t die Pflicht | i Jedes £!0nI5»ca, dis WoI*»sohn-Marke zu be« § g nutzen. / Wir erwarten Beifellunäcn. I :i Die Sßrn;;1c!tlc51c des JfklUchcn Nailonalfondt jj U _ ״ für Deutschland. . I s Berlin W 15. SSditliihcilr. 8. g ^וווווו!ו1וווווווווווו1ווו1ווווווווו1ו1ווווווו1וווווו11(1ווו1ווווווווווווווווווווו11ו1ווווווווווווווווווווווח1ווווווווו!וווווווווןן;1 Besuch weilte, mit dem amerikanischen Kriegsschiff ״North Carolina", das jetzt im Mittelmeer kreuzt, II;teil Jaffa geschickt, um 10׳()()() Dollar Gold, die das American Jcwish Committee den palästincnsischen Wohlfnhrlsiiistitutioiien zur Verfügung gestellt hat, hierher zu bringen. Herr Wertlieim batte seine Ankunft Herrn Dr. Riippin vorher telegraphisch milgeteilt, Dr. Riippin empfing Herrn Wertlieim am I fafen von Jaffa und iiberbrachte das Geld sofort in die Safedepots der Anglo Paladine Company. Da der Betrag zum Teil in Silbergeld überwiesen war und in großen Säcken transportiert wurde, hallte die Stadt bald von abenteuerlichen Gerüchten wider, wie, daß die Juden viele Millionen aus Amerika bekommen hüllen. Dadurch ist jedenfalls der Respekt vor den Juden bei der arabischen Bevölkerung sehr gestiegen. ln Jerusalem fand unter dem Vorsitz, des Herrn Wert heim eine Beratung statt und cs' wurde ein Komitee eingesetzt, das die Verteilung des Geldes übernommen hat. Diesem Komitee gehören Dr. kuppin, unser Gesinnungsgenosse Agronom Ah ronsohn und Ephraim Cohn an. in Jcrusalcm ist ein besonderes Vcrteilungskomitee cingc• setzt worden, dem die Herren Ephraim Colin, Dr. L c v y, Dr. W c i z, Prof. Schatz, Brenner, Dr. M a s i e , L u p o , Nissim Eliaschcr, Adclmann, Marx und Leib L c v y angeboren. Mit der Verteilung des Geldes ist bereits begonnen, hoffentlich wird man so wenigstens über die schlimmste Not für die nächsten drei Monate liinwegkonimen können. Das wichtigste ist, daß durch diese Uiiterstiitzuiigsaktion die Mög• liclikeit geschaffen ist, gegen tausend Arbeiter in den Kolonien, die sonst arbeitslos geblieben und dem größten Elend anheimgefallcn wären, mit Arbeit zu versorgen. Die wichtigste Frage der wirtschaftlichen Ver• hältnisse ist die Frage des Absatzes der Obsternte. Die Orangen Palästinas haben ihren Hauptabsatz in England, ferner in Oesterreich, Rußland und Rumänien. Diese Märkte sind dem Orangen- Export so gut wie verschlossen und es gilt nun, einen neuen aufnahmefähigen Markt zu finden. Sicher• lieh ist das schwer, aber idle Möglichkeiten müssen zum mindesten versucht werden. Deshalb ist beschlossen worden, Herrn S. Pcws 11er aus Haifa im Auftrag des Paliistiuaauites nach Amerika zu entsenden, um dort den Oraiigcn-linport aus Palästina zu organisieren. Auch Herr Wertlieim hat sich in Palästina für den Absatz der diesjährigen Orangen- Ernte und für deren Export nach Amerika sehr interessiert und seine Plilfe versprochen. Herr ,Pewsner wird also in Amerika im Auftrag der Oraugen-Vcrkaufs-Orgaiusidioucu. arbeiten.? . Vorläufig ist itsiiu'liel) b ar e a,ß e | d noch immer selten».'■•׳Das■ Haupt/ahlungsmiUcl •unter den,. Juden, sind die׳registrierten Schecks der Anglo-Palestinc Company, 'die einen ziemlich großen Umlauf haben.׳ ' , Die Gestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse ist in nflcrcrntcr Reiht* selbstverständlich von den großen weltgeschichtlichen Ereignissen abhängig. Wird es der Türkei gegönnt sein, nicht in den großen Wcltbraml hincingezogen zu worden? Oder wird das ottomanisclie Reich in einem neuen Kriege seine Existenz und seine Zukunft verteidigen müssen? Arabische Pressestimmen aus Palästina vor dem Kriege J a f f a , 8. Oktober, Die Zahl der arabischen Zeitungen ist infolge des jetzigen Kriegszustandes wesentlich reduziert. Viele Zeitungen sind nämlich wegen ihrer regierungsfeindlichen Tendenz durch die Behörde sistiert worden. In Jaffa ist außer dem ״Palestine" auch das von Dr. Moyal redigierte, im allgemeinen unparteiische Blatt ״Saut jl Osinani" (Ottomanische Stimme), das sich aber während des Krieges zu sehr franzoscnfreuiullich zeigte, am Erscheinen verhindert worden. Augenblicklich wird hier in Jaffa nur ein kleines Nacbriehtenblatt, ״II Ach bar“ genannt, lieratisgcgeben. In Bcyrut haben die Zeitungen: ״Lissan il Clial“ (Zunge der Zeit), Achvval, Sahhatli und die französische ״Rcvvil“ ihr Erscheinen eingestellt. Die wichtigsten in Beyrut z. Z. erscheinenden Tagesblätter sind: ״Pliat tl Arab“ (Der junge Araber), ״Rai cl am“ (Stimme des Volkes), sowie das Wochenblatt ״Ikba", Die Zeitungen sind natürlich voll von den Kriegsnaclirichten aus Europa. Einen weiten Raum haben in der arabischen Presse die Erörterungen über die Auflicbu 11g der Kapitulationen eingenommen. Es־ ist zu bewundern, in welch rolliger und würdiger Weise die Presse dieses Ereignis behandelte, wo sic doch hier Gelegenheit zu feindlichen Ausfällen gegen die Fremden und die ״unfreundlichen" Regierungen hatte. In sachlicher Weise wurde die Geschichte und die Bedeutung der Kapitulationen erörtert. Wichtig sind besonders die Artikel in Nr. 218 des ״Pli nt el Arab" vom Advokaten Aref Ads c 11 a 11 a b i sowie in der Nr. 220 des gleichen Blatte־, vom Phaiz il Hussein!, Advokat in Damaskus. Auch im ״U a i i I A m" erschien ein beachtenswerter Artikel über die Kapitulationen, der von A 11111 e d F a ii!1 r i geschrieben war. (״Rai el Am“ Nr. 1325.) Die Zeitungsartikel über die Kapitulationen und alle Reden bei den anläßlich ihrer Aufhebung veranstalteten Festen schließen mit der Beteuerung, daß die Türken jetzt noch mehr als sonst die Pflicht haben, sich freundlich zu den Ausländern zu stellen und durch ihr vorzügliches Verhalten zu beweisen, daß die Kapitulationen vollständig überflüssig sind. Vorläufig sind pünktlich am I. Oktober sämtliche f r c 111 den Postämter geschlossen worden und die türkische Post ist jetzt die einzige, die im ganzen Lande arbeitet. Allerdings ist, trotzdem mehrere Schiffe inzwischen den Jnffaer Hafen angelaufen haben, keine Post ausgeliefert worden. Die Seliiffsverwaltimgen sollen sich nämlich weigern, die an die fremden Postämter adressierten Postsückc der türkischen Post auszuliefern. Uebcr die Zölle is. noch nichts sicheres bekannt geworden. 111 der Ankündigung der Zentralregierung heißt es, daß sic bereit ist, Handelsverträge mit allen fremden Mächten abzuschlicßcn. Danach würde also, wie bei allen anderen europäischen Staaten, ein Zolltarif mit verschiedenen Stufen nach Ländern und Handelsartikeln an Stelle des bis jetzt in der Türkei üblich gewesenen Einhcitszollcs treten. Die Zeitungen berichten allerdings, daß vorläufig der Zoll auf 15 ",0 auf alle Waren erhöht wurde. Andererseits werden verschiedene Artikel genannt, für die ein besonderer Zolltarif bestimmt werden soll. So soll der Einfuhrzoll auf fertige Kleklungsstücke 1. Qualität auf 100 0,״ bereits erhöht werden. Das gleiche gilt für Schuhwerk 1. Qualität und auf .11koholischc Getränke. (Höher verzollt werden sollen auch Petroleum, Zucker, Kaffee, Tee, Streichhölzer, Zigarettenpapier, Spiehvarcn und Alkohol (nicht zum Trinken). In Wirklichkeit ist dieser neue Tarif in der Praxis noch nicht vorgekommen, da jetzt der ganze Warenverkehr aus Europa vollständig ruht. Ebenso wissen wir nicht, ob in der Praxis die gemischten Gerichte abgeschafft werden, oder ob die Gerichte jetzt direkt mit den fremden Staatsangeliörigeu unter Umgehung der Konsulate vcrkchrui werden. Im ״Phat el Arab“ wird behauptet, daß auch die fremden Schulen jetzt als ״private“ An־ stalten betrachtet werden sollen, und «laß sich die-e Schulen von jetzt ab festgesetzten Normen für solche Anstalten zu unterwerfen haben. Bei der Feier anläßlich der Aufhebung der K pitulationen in Damaskus war besonders die Beleihgung der dortigen Gymnasiasten sehr groß, die in nationaler Tracht auftraten, und sich durch nationalarabische Spiele auszcichneten, , Es wurde behauptet, daß die Autonomie im Libanon aufgehoben worden sei. Diese Nachricht stellte sich als nicht richtig heraus. Im Gegenteil berichtet der ״P11 a t e 1 Arab“ vom Besuche des Bcyruter Valis im Libanongebict, wo diesem von den Spitzen der Bevölkerung in feierlichen Reden ihre Anhänglichkeit an die Regierung versichert wurde. Der Vali soll darauf geantwortet haben, daß die Regicrung die Absicht habe, die Privilegien des Libanon

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