Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1914)
- Date
- 1914-10-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 ג J U E ü 1 S C H E ז?. U N f נ S € HAU Seile 390 Zionistische Tätigkeit im Kriege Aus dem Vortragscyklus der Berliner Zionistischen Vereinigung Hie Berliner Zionistische Vereinigung veraiistaltet in den nächsten Monaten einen interessanteii Zyklus von Vorträgen, in denen die Stellung der Juden in Oesterreich, in Ruliiand und insbesondere in Polen, ebenso wie im Orient von genauen Kennern der Verhältnisse *large legt werden soll. Der Zyklus wurde durch einen Vortrüg eingeleitet, den Herr Rechtsanwalt Dr. Hantke am 20. Oktober in den Prachtsiilcn des Westens, Spicheinstraße, über das Thema ״Zioiiistisehe Tätigkeit im Kriege" hielt. Der Vor•!tagende skizzierte den Einflnll der Ereignisse in den letzten Wochen auf die äußeren Arbcits- \ crhiiltnisse in der Ziouistiselicn Organisation mul besonders auf die Palästina-Arbeit. Die Arbeit ist natürlich sehr erschwert, doch immerhin in gewissen Grenzen auch jetzt schon wieder möglich. Herr ür. Hantke schilderte, wie der Krieg auf die zionistische Arbeit und die ziouistischv Stimmung in den einzelnen Ländern gewirkt habe und führte erfreuliche Tatsachen an, die beweisen, daß wich besonders in Oesterreich-Ungarn und in Deutschland die Zionisten der Grüße der Zeit und ihrer schweren Verantwortung gewachsen zeigen. Einen gewichtigen Garantiefaktor für die Sicherheit der zionistisehen Weiterarbeit besonders in Palästina bietet die energische Initiative, die die amerikanischen Zionisten, angeregt und beeinflußt von Herrn Dr. S c h m a r j a L e v i n , entfalten. Sclbstvcrstündlich hat die Zentrale in Berlin alle Maßnahmen getroffen, die Weiterarbeit zu Stehern. Die Aussichten für die Zukunft sind günstig, besonders werden in Deutschland und Oesterreich manche Widerstände, auf die unsere Arbeit bisher stieß, in Zukunft ausgcschaltet sein. Die Haltung der Zionisten wird alle Versuche, den Zionismus als eine Gefahr für das Vaterlandsgcfühl der deutschen Juden hin/.ustellen, einfür allemal unmöglich gemacht haben. Von der großen Zahl unserer zionistischen Freunde, die im Felde stellen Herr Dr. Hantke schätzt die Zahl der deutschen Zionisten im I leere auf ungefahr 1500 — wissen wir, daß ihr warmes Interesse für alle zionistische Arbeit ungebrochen ist. Der Zionismus ist zum unverlierbaren Besitztum jedes Einzelnen geworden und das nationale Judentum wird durch die inneren und äußeren Erfahrungen, die wir alle erleben konnten, stärker und einhcitlichcr, denn je. Der Redner, der reiches Tatsachenmaterial vorführte, schloß mit dem Ausdruck der Ucberzcugung, daß die zionistische Tätigkeit, die auf dem festen nationalen Willen aufgebaut ist, nach dem Kriege *zu neuen Erfolgen führen werde. Der nächste Vortrag im Zyklus findet am 3. November statt. Es ist sehr erfreulich, daß die Vorträge einem lebhaften Interesse begegnen. Hoffentlich werden sich in Zukunft alle Zionisten Berlins bei ihnen zusammenfinden. Eine Hebräertagung in Amerika (Von unserem Berichterstatter.) Als Parallele zu der großen zionistischen Konferenz, die eine machtvolle Demonstration für den zionistischen Gedanken war, darf die vor kurzem abgehalteiie hebräische Konferenz bezeichnet werden. Es war derselbe Saal des Hotel Marseille, wo die begeisterte Aufforderung zur Unterstützung des zionistischen Palästina Werks erklungen war; dort fand auch der Aufruf zur Unterstützung der hebräischen Sprache und Literatur einen guten Resonanzboden. Ist doeli der Anlaß der zionistischen und der hcbräiselien Konferenz ein und derselbe: die Kriegsercignissc und die gegenwärtige Lage in Europa. Nicht nur das wirtschaftliche Leben der jüdischen Masse» hat dadurch eine Erschütterung erfahren, auch die geistigen Interessen unserer nationalgesinnten Massen sind großen Gefahren ausgesetzt. Die gesamte hebräische Bewegung ist beinahe lahmgelegt. Die hebräische Histadruth in Berlin ist so gut wie aufgelöst, die hebräischen Zeitungen erscheinen in verkleinertem Umfange, zum Teil haben sie ihr Erscheinen ganz eingestellt. Die hebräischen Verlagsanstalten haben ihre Tätigkeit unterbrochen. Die New Yorker hebräische Organisation ״Acliicber“ sah sich daher veranlaßt, eine Reihe von Konferenzen emzuberufen, um die gegenwärtige Lage der hebräischen ßpiadie und Literatur in der Diaspora zu besprechen. Dir lieratimgen haben dazu geführt, daß eine große M as s c 11 vers a in in I tt 11 g mit Vertreten» vieler G.meimien 1 )!!berufen wurde. Die Konferenz sollte <10/11 tn!tragen, nicht nur Mittel und Wege zur Aufreeliterlialtimg der gefährdeten hebräischen Bewegung zu i'iiuleii, sondern mich das Inkresse für das I lehräisclic unter den amerikanischen Juden weiter zu verbreiten tmd die zahlreichen zersplitterten hebräischen Elemente der anievikmiischen Staaten zu einer geschlossenen Organisation zu vereinigen. Das Massenmeeting zeichnete sich durch zwei hervorragende Redner aus, die mit großer Begeisterung begrüßt wurden, die I Icrren I Ir. Sciiuiarja L c v i 11 uiul der bekannte Schriftsteller Rüben Brainin. Als Vorsitzender de-. Meetings fungierte Mr. K. Whit- 111 a 11, Die Ansprachen *111־' beiden Gäste machten auf das zahlreiche Publikum einen tiefen Eindruck, ר״ד Lkl' wird eine Sondernummer der ״Welt“ gewidmet sein, die Ende November erscheint. — Freunde und Gesinnungsgenossen, die David Woiifeohn im Lebert nahestanden, haben sich bereit erklärt, das Wirken und die Bedeutung des edlen Toten für unsere Bewegung zu schildern. Schon heute möchten wir mitteilen, daß die Wo!«0©!1a״Gcdcak~ nummer der ״Welt“ ln Inhalt und Form eine würdige Gedenkschrift sein wird. Jeder Zionist wird cs als eine Ehrenpflicht ansehen, für die möglichst weite Verbreitung dieser Gedenknummer Sorge zu tragen. Die Abonnenten der ״Welt“ erhalten die WoMfsoliäi-CicdciilaiisiBiacr gratis /»gestellt. Allen itbrlgcn Bestellern wird die Nummer gegen Voreinsendung des Betrages (evtl, in Briefmarken) zugeschickt. — Die Nummer kostet für Deutschland u. Österreich- Un garn. . 50 Pf. für alle übrigen Länder . . 60 ״ Bestellungen richte man rechtzeitig an den Verlag ״DIE WELT“, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8. c::;.;. ׳..;.ג״״ Es sprachen ferner die Herren Reverend Dr. R e i s i 11, Moses Lcvy und Dr. Ko p c i 0 w i f s c 11. Sämtliche Redner begründeten die Notwendigkeit, dem Hcbräiselien in Amerika von mm ab intensivere ‘Pflege zu widmen. Verschiedene Anträge zur Organisierung der hebräischen Kräfte in den Vereinigten Staaten wurden behandelt. Es wurde festgestcllt, daß ungcaclitet aller Schwierigkeiten für die hebräische Arbeit in Amerika ein sehr empfänglicher Boden vorhauden sei. Das Meeting beschloß, ein Exekutiv-Kom i t c e , aus folgenden Herren bestehend, zu wählen: Abraham G o 1 d b e r g, Redakteur des zionistischen Organs ״Dos Yiddisciie Folk", S. Gins borg, K. Whit m a n , Rcv. Dr. K o p c 1 o w i t s c 11, Rev. Dr. R c i s i n , Moses L c v y, M. L i p s i n , A. Spieg e!, S. M a x i m o w i t s c h, H. V r i c d t a ti d und J. Efros, Es wurden größere Beiträge zur Bildung eines hebräischen Fonds an Ort und Stelle gezeichnet und »!)geliefert. Am nächsten Morgen fand die erste Sitzung des hebräischen Exekutiv-Komitees statt, unter Beteiligung der f ferren Dr. Schmarja Lcvin, Ruhen Brainin und einer Reihe angesehener New Yorker Persönlichkeiten. 1 ierr Brainin entwickelte den Arbeitsplan für die nächste Zeit. Es wurde eine Reihe wichtiger Beschlüsse gefaßt. Nach langen und lebhaften Debatten wurde beschlossen, zu den bevorstehenden Chauukkah-Tagen einen allgemeinen hcbräischcn Kongreß, verbunden mit ■einem Hebräerin g, nach New York ciimibcrufcn. Inzwischen soll eine großzügige Propaganda zur Vereinigung sämtlicher hebräischer Vereine in den Vereinigten Staaten vor sieh!׳eilen. Zur Verbreitung der hebräischen Idee und zur Förderung des Kongreßgedanktes wurde ein eigenes Preßkomitee gegründet, das die Aufgabe übernommen hat, das jüdisch« Publikum über die Bedeutung dieser Aktion auf zuklären. In den hebräischen Kreisen Amerikas ist man über der! Verlauf der Tagung sehr befriedigt, und allgemein wird anerkannt, daß nunmehr der Weg für ernste und praktische Arbeit gebahnt ist. Trauerfeier für David Wolffsohn in London Eine erhebende Trmierfeier für unseren verstorbenen Führer veranstaltete die E 11 g 1 i s h Zio- 11 i s t F e d c r a 1 i o 11 in der großen Dukes Place Synagoge. Die Synagoge war schwarz drapiert und mit zionistischen Emblemen geschmückt. Die Synagoge, deren Vorstamlspräsident Lord Rothschild ist, war von einer großen Menschenmenge gefüllt. Die Trauerrede hielt Chief Rabbi Dr. Herz. Er schilderte das Leben David W 0 1 f f s o 11 n s und pries ihn als Muster eines stolzen und ganzen Juden. In schwungvollen Worten verherrlichte er die grenzenlose Liebe des Verstorbenen zu seinem Volke und die Opferwilligkcit, mit der er seine Ideale zu verwirkliehen suchte. Wolffsohn war der Typus des vorwärtsstrebenden, nach einer besseren geistigen und sozialen Existenz ringenden Juden. Aus eigener Kraft und durch seine hingebungsvolle Arbeit für sein Volk erreichte er eine der höchsten Stufen unseres gesellschaftlichen Lebens und wurde zu einem jüdischcn Staatsmann, der auch t'i'ir sein Volk viel erreichen konnte. Dr. Herz 110b in überzeugenden und cindrucksvollen Worten die große Bedeutung des Zionismus hervor. Gerade in dieser Zeit, wo das mörderische Ringen der Völker dem jüdischen Volk tiefe Wunden schlägt, kann die Bedeutung dieses heiligen, selbstbefreienden Ideals in seiner ganzen Grolle erkannt werden. Nach dem Kriege dürfte sich zweifellos diese Ansicht in den Reihen unseres Volkes Bahn brechen. Unsere Augen werden sich dann öffnen, und wir werden einselicn, wie unnatürlich unsere Lage unter den Völkern ist. Mit einem Gehet und dem Gesang der Hatik* w;111 schloß die erhebende F'eier, die hei den vielen Versammelten einen ungeheuren Eindruck hinterließ. * Auch aus einer Reihe russischer Städte erhalten wir Berichte über Traucrkundgcbungen für den großen Toten. Besonders eindrucksvoll gestalteten sich die Wolffsolm-Gcdeiikfeierii in Petersburg, Mos-• kau und Warschau. Laßt uns nicht müde werden! Schon sind cs nahezu drei Monate, daß der verheereiule Krieg wütet und die höchsten Anfordertingen an die Opferwilligkcit aller stellt. I in 111 e r größer wird die Not, je länger die Arbcitslosigkeit dauert. A m s c h I i 111 in s t e 11 sind unsere ' armen Brüder daran, die aus Rußland stammen, wiewohl sie so gern Deutsche — auch der Staatszugc« liörigkeit nach — werden wollten, da alle ihre I n - t c r e s s c n hier w u r z e I!1, wo sie eine zw eite Heimat gefunden hatten. Ihre bürgerliche Existenz ist jetzt vollkommen vernichtet, jeder Beruf hat sic ausgestoßen, weil mau sie plötzlich als Feinde bctrachten zu müssen glaubte — sic, die Rußland verjagt und vertrieben hat, die man immer als Fremde betrachtet hat, galten plötzlich als Russen und müssen die ganze Bitterkeit dieses traurigen Verhängnisses ertragen. Ihre Frauen und Kinder hungern mit ihnen, und keine helfende Hand will sich ihnen -־ den ״Staatsfeinden" — auftun. Hier cinzugreifcu und die schreckliche Not der zahlreieben Familien und Einzelpersonen zu lindern, ist unsere heilig« Pflicht. Diese A c r!11 s t c!1 aufzu suchen, diesen Verzweifelten das Gefühl wiederzu erwecken, daß in brüderlicher Liebe auch ihrer gedacht wird, ist unsere A u f g a b e. Ihre Lage erträglich zu gestalten, brauchen wir Mittel und immer wieder Mittel. Lasset uns nicht müde werden! Laßt uns n icht au (hören, zu spenden und immer wieder zu spenden! Gebt uns Geld, dam'it wir unsere Brüder nicht darben lassen; gebt uns Kleidung, warme Wintersachen, damit sie nicht frieren. Jede Gabe, auch die kleinste, ist willkommen! Erst wenn ein jeder von uns erkannt hat, wie sehr es die Pflicht jedes Zionisten ist, unseren Brüdern zu helfen mit I