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Jüdische Rundschau · 1914-10-02 · Heft 40 (2.10.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 40 (2.10.1914)
Date
1914-10-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 382 Nr. 40 ilas Lösegckl werden entrichten können, während man es mit der Einberufung unbemittelter Niehtmoslims gar nicht eilig hat , , . Bedenkt man, eiall jet/t Eumilicuviitvr bis /uni 15׳. Lebensjahre, darimtei* viele, die noch niemals beim Militär waren, eiiiberufi'u werden, so begreift man, dall tatsächlich viele recht gern die• 1000 h'res. zahlen würden wenn nur Geldmittel auf irgendeine Weise zu erhalten wären. Palästina macht aber gerade jetzt eine Geldnot durch, von der inan draußen keine richtige Vorstellung haben kann. Die Gründe für die Geldnot sind versehiedener Natur. Es ist schon oben bemerkt worden, daß Palästina zum großen Teil von Geldern lebt, die vom Auslände hierher fließen. Dies gilt nicht bloß für das jüdische Palästina, sondern /um Teil auch für das christliche. Durch den Krieg aber sind die meisten Länder, die die palästinensischen Anstalten unterstützen, nicht in der Lage, ihr Liebeswerk fortzusetzen. Tausende Familien stehen infolgcdessen plötzlich ganz mittellos da. Ls sind darunter I lospitalär/te, Lehrer, Beamte nsw. Dann aber ist z.u bedenken, daß zumindest unsere judäisehe Kolonisation in der Hauptsache auf l'flan/ungsbau beruht. Dies hat jetzt zweierlei Nachteile zur Folge, Die Plantagen nämlich, die noch nicht ertragsfähig sind, bedürfen zur Fortführung der allemotwciuligstcn Arbeiten beträchtlicher Summen. Die zu investierenden Gelder werden aber aus dein Auslände bezogen, was jetzt so gut wie unmöglich ist. In dieser Lage befinden sich unzählige Pflanzer, ja ganze Siedlungen. Die ganze Achusabcwcgung z, B. beruht ja auf dem Prinzip, daß die Pflanzer eine große Plantage anlegcn und jährlich die nötigen Beträge aus ihren Aufciithnltsliindern schicken. In der jetzigen Krisis ist aber auch die Lage derjenigen Kolonisten, deren Plantagen bereits frudittragend sind, eine recht traurige. Auch ihre Plantagen erfordern Arbeit und Pflege. Die Produkte aber sind für den Weltmarkt bestimmt mul der ist jetzt für sie nicht erreichbar. So ist beispielsweise die E t h r o g i in e r n t e , auf deren Ertrag zahlreiche Familien ausschließlich angewiesen sind, völlig vernichtet. Auch für die Maiulclernic wie für den Wein gibt es momentan infolge des Krieges keine Käufer, ja die früheren Bestellungen sind rückgängig gemacht worden. Aber diese Produkte verderben nicht, und so ist begründete Aussicht vorbanden, daß sie nachher zu guten Preisen auf den Markt komm.cn werden. Unbestimmt ist jedoch noch das Schicksal der Orangen ernte, der wichtigsten Bamnproduktion unserer judäischeii Kolonien. Ihr Wert sollte sieh in diesem Jahre auf einige Millionen Francs belaufen. Noch trennen uns mehrere Wochen vom Beginn der Oraugeiienite, und bis daliin kann sich noch manches zum Besseren wenden. Wenn aber die jetzigen Verhältnisse andauern sollten, so wäre das Unglück der Bojarenbesitzer kaum ab/usehen, d e 11 n d i e O r a n g e vordirbt ja nach kurz.er Zeit. Die Besitzer von Oraiigenplantagcn sind schon jetzt in der größten Klemme. Denn im Gegensatz zu den Trockenpflan- Zungen (Oliven, Mandelbäuinen, Weinreben, Etiknlypten usw.) bedürfen die Orangen d e r Be- Wässerung, welche mit vielen Kosten ver* blinden ist, Geld aber ist jetzt in Palästina auch für wohlhabende Leute bei der jetzigen Gcklkmippheit nicht aufzutreiben. Wie ist nun diese so plötzlich eintretemle Geldnot zu erklären? In Palästina gibt es als hauptsächliches Umlaufsmittel nur Gold, und zwar in erster Reihe 20-Francs־Stückc, die man liier Napoleons nennt. Daneben türkische und englische ,Pfunde. ,Papiergeld gibt cs nicht. Zwar hat die Ottomanische Bank das Hecht der Notenausgabe, aber es ist ihr bisher nicht gelungeii, ihre Banknoten in den Verkehr eüvzuführeu. Das Gold fließt durch die Regierungssteuern und durch die Zahlungen an das Hinterland fortwährend aus dem Lande ab. Deshalb sind die Banken darauf angewiesen, ständig neues Gold aus den! Auslände, aus Aegypten, Syrien, Konstantinopel, Triest und Marseille einzuführen. Nun hat der Krieg diese Goldeinfuhr plötzlich zum Stehen gebracht. Schon einige Tage bevor in Paliistina die Krisis sich so schroff bemerkbar machte, waren in Aegypten die Banken genötigt, zu schließen, und fand in Konstantinopel der Run auf den Wiener Itunkverein stritt. Datlurrh blieb eine ganze Reihe von Goldbcstelltiiigen unausgeführt und die hiesig,en Banken sahen sieh'in der Lage, nur mit den Kassen, die sie im Augenblick migesiunmelt hallen, der Nachfrage slandhalten zu müssen. Die politische Beimruhigung verursachte nun auch hier wie überall eine starke Rückforderung der Depositen und in den Tagen vom 31. Juli auf den 2. August sollen, wie wir erfahren, ganz große Auszahlungen gemacht worden sein. Am Montag, den 2. August, nahm die Rückforderung bei einer der im Lande arbeitenden Banken die Form eines Runs an, so daß sic au dem Tage genötigt war, ihre Schalter in Beirut und Jerusalem *r s־'61^ . ״ ^'c anderen Banken mußten sich, da die Stimmung des Publikums nervös zu werden anfj:!DSCI■! AU fing, auf 1 Ais nun e.>! o! dem in j;,!'!;, di a111״lck!i1uli.;L a die vier i.1 Jei. uueere Augio-F noch in besehrä :!;;, ׳.ן!,,״,r!e teil 3 age gcf.e 111 machen. c.1, den 3. Au!,uM, aulier- :: N״J:n!ÜR sic. für die ganze Tüikci;>!•1 o 1׳ i 11111 s emtraf, bc::rl1los׳;ct1 ׳,!!:;uikeii (darunter auch (;,;.,!;):my) Auszahlungen nur;!!ktein Maßstabe zu leisten. Um dein Mangel an einem Zirkulationsmittel weni'-'stcns teilweise abzuhci.cu, hat die Anglo-I a- Icstinc Company denjenigen ihrer Kunden, die Guthaben bei ihr haben ״!lei• denen sie auch unter den jetzigen Umständen Kredite zu gewähren bereit ist, gestattet, Cheques an eigene Order auf sie zu ziehen. Diese Ckeqir.s werden gedruckt jn festen Beträgen von 10, 20 u:ul 100 Frcs. bei der Bank vorrätig gehaftei’i. Die Cheques werden von der Bank mit dem Zeichen ״KegiMered“ versehen, zum Beweise, daß der Aussteller zum Aussteller! des Cheques bercchtippt war. Da mm die Bank die Cheques nicht nur von ihren Debitoren in Zahlung aniiimint,!;ondern au eh Kreditoremvcluimigi'ii öffnet, wenn sie bei ihr deponiert werden, zirkulieren die vom Aussteller in blanko eiidunlerteii Cheques Im Kreise der jüdischen Kunden wie gangbare Zahlungsmittel und bilden dadurch eine außerordentliche Erleichterung des Zahiimgsverkehrcs. Wie wir erfahren, gehen auch andere Banken mit dein Gedanken um, solche Cheques von ihren Kunden auf sieh ausstellcii zu lassen. Mit dieser Malhegel hat die A. P. C. der jüdischen Bevölkerung Palästinas einen großen Dienst erwiesen. Ueberhaupt hat die Popularität unserer Bank in diesen Wochen der Krisis ungemein zugenomrnen. Auch dem Fernstehenden ward jetzt offenbar, wie tief verankert das zionistische Finaii/iustitut im jüdisehen Palästina ist. Auch die Tätigkeit der Beamten rückt jetzt zusehends in eine günstigere Be- Icuchtimg. Auch die gern Kritisierenden erkennen allmählich, wie die vorsichtige GesehäftsgebalmimJ der A.P. C, sieh jetzt als ein Segen für den Jischub erweist. Freilich, um jetzt die jüdische Kolonisation aus der äußerst kritischen Lage zu befreien, dazu wird es diesmal der tatkräftigen Hilfe der wenigen jüdischen Millionäre bedürfen, welche begreifen werden, daß die mühsam und mit unsäglichen Opfern errimgene Position des jüdischen Volkes in Ercz Israel in diesem Weltkrieg nicht untergeben darf. Bei dieser im allgemeinen reciit trostlosen Lage, die noch durch eine befürchtete Spannung zwischen Juden und Arabern verschärft wird, ist es eine angenehme Wahrnehmung, daß die Aermsten der Armen, die Ycmcnitcn, verhältnismäßig nicht schlecht dastehen. Die jüngst vergangene Zeit bot ihnen lohnende Arbeit, so daß sie einige Ersparnisse machen konnten. Dann kommt ihnen ihre 1111glaubliche Anspruchslosigkeit zustatten. Im Yenien grassiert ja die Hungersnot alle paar Jahre, und da weiß man sieh einzuriehten. Besonders in Jaffa gab die rege Bausaison guten Verdienst. Jetzt freilieh ist die Bautätigkeit plötzlich zum Stillstand gekommen. Viele Häuser wurden auf Rechnung in Rußland wohnender Juden gebaut, und jetzt ist von dort nichts zu erwarten. In großer Not sind bcsonders die vielen Familien, die sieh hier aufhalten, damit ihre Kinder die palästinensischen Schulen bcsuchen können, während die ■Familienväter in Ruß-!and ihrem Erwerbe nnchgchcn. Ucber die Versuche zur Abhilfe werde ich in meinem nächsten Briefe berichten •— vorausgesetzt, daß von hier Post nach Europa abgehen wird. ÄI3l7ds Schekel! Bonn 11,—, Chemnitz 8,—, Marburg 4, —, Stndkowo 4,— M. Landcsbcitrilge! Bonn 12,—, Marburg 10,—, Steilin (außerordentlicher Beitrag) 22,—, Stralkowo 1,— M. Propagandafonds! Rechtsanwalt Dr. Weigert, Berlin, 10,—, Dipl.-Ing. H. Fischei, Cassel, 5.— Dr. H. Levy, Danzig, 20,—, Königsberg (außerord. Beitrüge): J. Salzmaun 200,—, Ecldarzt Dr. Stein 20,—, Stralkowo: Richard Kcmpc 5,—, R. Nelken 5, ~ M. Elngiing vom 8. bis 30. September 19141 Sc h 0• k e 1: 27, -1 I. ,״ n d c k l> e 11 r Jt g c: 15׳,-; P r o p a - g u 11 d a f o 11!1 8; 205,״ M, ticsamtclngnng! Schekel: 3635,—; Lau• desbei trüge: 5876,90; P ro pa g a n d a f o n d 8: 0395,10 M. * Adresse für Geldsendungen ז Zionistische Vereinlgung für Deutschland, Berlin W15,Sächsische Straße 8. Pogtschcchhontoi Berlin 8091, Bankkonto < A. H. Hcymcnn & Co., Berlin W56, Hinter der Katholischen Kirche 1. Attcserordentliche Konferenz der American Zionist Federation (Von unserem Berichterstatter,) Die außerordentliche Konferenz der ameribnj. scheu Zionisten, die am 30. August in New York in! Hotel Marseille stattgefunden hat, bildet ein vielbemerktes Ereignis in! jüdischen Leben Amerikas. Der Appell der Föderation, sämtlielie Kräfte auf«, bieten, um unsere soziale und politische Arbeit fortsetzen zu können, batte einen außerordentlichen l;rfolg. Ihrem Rufe sind die Zionisten aus allen Teil«! der Union gefolgt. Etwa 150 Delegiert!: kamen am 30. August .1׳s verschiedenen Teilen der Vereinigten Staaten zusammen. Einige von ihnen kamen vom fernen Westen mul aus Kanada. Unter den Delegier!(!! waren : Louis IJ. B r a n d c i s , Isak de II a .! s Dr, Herz llorwitz aus Boston, Rabbi Di. .Vax Heller aus New Orleans, Rabbi llillel!, wen aus Denver, Professor Kalle 11 von;\r Wisconsin Univcrsity, Professor Meyer J... co b 8011 von der Roc Bester University, U. Blondheim, Dr. G. Co bau, Dr. H. B. Fried c 11 w a I d - Baltimore, Rüben B r a i n i n aus M <; 11! - real, New York war u. a. vertreten durch!ue Herren Nathan Straus, Samuel Straus, In. J. L. Magnes, Hermann Bernstein, Dr. J >rub Cohen, Rabbi Dr. Ch. Preira-Mcndcs, R.hbi Dr. R a i s e n und sonstige angesehene Pcrsönßtiikeiten. Von den zionistischen Körperschaften wäre!׳ mlgende vertreten. Order Bne Zion durch Jomph Baron des und S p r ,1 y i g c!1, Knights of ZUn durch I). Kaplan und M. Schulmann, ti,r Frauenverein durch Frau Henriette S z o I d , l'onle Zion durch Dr. Syrkin, B. Zuckern!.hin uml H. Ehren re ich, ■Misrachi durch Schrillst! her U u b I i k und Rabbiner Eb i 11, der Nationale Arbeiterverband durch M. Brown. Außerdem waren ׳me ganze Reihe von nationalen Verbänden und Verein!- gungen vertreten. Unter großer Begeisterung cröffncte Mr. Louis Lipsky die Konferenz mit einer kurzen Ansprache. Er begrüßte die zahlreich Erschienenen aufs herzlichste und wünschte der Konferenz einen glücklichen Verlauf. Das Wort ergreift nun, lebhaft begrüßt, das Mitglied des Engeren Aetions-Comites, Dr. Schmarja - Lev in. Er führte u. a. aus, der Zionismus habe bereits vor der ganzen Weit gezeigt, daß er das einzige Mittel sei, das jüdische Volk zu seiner Befreiung zu führen. Der Zionismus hat alle die Probleme auf die Tagesordnung des jüdischen Lebens gebracht,, die so lange Zeit völlig ignoriert wurden, wodurch unsere nationale Schwächung entstanden ist. Nameiitlieh im letzten Jahre hat der Zionismus seine Kraft und Lebensfähigkeit an den Tag gelegt. Eine grolle Reihe sozialer und kolonisatorischer Erfolge im Lande unserer Väter legen Zeugnis davon ab, daß der jiidisclie Befreiungsgcdankc auf dem Boden Palästinas vorwärtsschreitet. Wir standen bereits vor dem Moment, an dem der grolle Gedanke der Gründung einer jüdischen Universität in Palästina Wirklichkeit werden sollte. Es sollte dies ein Bollwerk werden im Lande unserer Väter für das gesamte jüdische Volk, das von neuem die jüdische Ethik vor aller Welt proklamieren sollte, dort, wo sie entstanden ist und ihren Siegeszug durch die ganze Welt begonnen 11,1t. Der Weltkrieg hat diesen großzügigen Plan und viele andere Palästinabcstrcbungcn vorerst in den Hintergrund gedrängt. Aber auch in diesem schrecklichen Moment ist es unsere heilige Pflicht, das Palästinawerk der zionistisehen Organisation weiterzuführen. Dr. Levin wendet sich an die amerikanischen Zionisten, die einzigen, die von den Kriegswirrcn nicht zu leiden haben, und weist auf die Begeisterung und Opferfreudigkeit hin, die unsere amerikanischen Gesinnungsgenossen in den letzten Tagen bekundet haben. Amerika würde die nötigen Menschen und die nötigen Opfer auftreiben, um unsere Arbeit ordnungsgemäß fortzusetzen. Auf ihnen lastet die Pflicht, für unsere Organisation bis zum Eintritt ruhigerer Zeiten in mißerorileiitlieliiT Weise tätig zu sein. Nach der Rede Dr. Leviiis, die mit stürmischen! Beifall uiifgeiiommeii wurde, werden die zahlreichen Telegramme und Begrüßungsschreiben verlesen. Ls gelangt auch ein Brief von Rabbiner Stephen Wisc aus Wisconsin zur Verlesung. Er erklärt, daß er bereit sei, jede Arbeit zu übernehmen, die die Konferenz ihm aufcrlcgen würde. Hierauf entstehen lebhafte Debatteii über die Grundlage und das Programm der Konferenz. Als Referate werden folgende beiden Punkte akzeptiert: 1. Die Zionistische Organisation, wie auch samtliehe Institute in Palästina sollen in vollem Maße aufrechterhalten werden. 2. Es soll Hilfe geschaffen werden in bezug auf die allgemeine jüdische Lage.

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