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Jüdische Rundschau · 1914-10-02 · Heft 40 (2.10.1914) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 40 (2.10.1914)
Date
1914-10-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 380 Nr. 40 Frucht des prächtige» Baumes, um ״sich vor Gott m freuen‘'. Der weltfrcnulc Mensch1 würde sagen, man könne sich auch ohne diese Anzeichen ״vor Gott freuen“, cs genügt irgendein Impuls zur Freude; der Allcnveltsincnsch würde sagen: cs ist ganz gleich, welche Pflanzen, es kann ebensogut ein Fichtenzweig und eine Ananas sein. Die Tiiora schreibt aber etwas ganz Bestimmtes vor, ■und sie sagt uns hierdurch ganz schlicht, wie sehr sic an Palästina hängt. Wir ״freuen 1ms vor Gott“, wenn wir, die Pracht der Palästinapflnu/cn anschauend, ehrerbietig geniellen. Die Segensformel und der Ritus, — sic sind ein abgeklärter eigenartig bestimmter Naturgenuß, der Genuß der vertrauten Natur unserer alten Heimat. I)cr Palmcnzweig! Noch inniger als ins äußere Leben zeigt sich die Palme mit ihrer Schönheit ins Innere, in unsere Vorstellungen und Gefühle verwoben, und Sprache und Phantasie sind ganz erfüllt von ihrem Bilde. Was will nicht alles durch die Palme vorgestellt, mit ihr gedacht und gedichtet werden? Der Jugend und Schönheit gehört sie au, sie ist der blühende Herold der Liebe, eine Prophetin der Lust und der Wonnen des Lebens, des Ruhmes und der Ehre. Was ist sie nicht? Und in allen diesen Be- Ziehungen sind Poesie und Kunst, Sprache und natürliches Gefühl, kurzum das ganze Menschengemiit vom Palmeiibikle durchdrungen. Den Etlirog kennen wir weniger, aber auch er ist wirklich eine herrliche Frucht, besonders wenn wir wissen, daß er aus Palästina kommt. Seelen voll spricht auch die Bachweiilc, die wir als zartes, inniges Symbol in unserem Gemüt empfinden. Wir brauchen aber nicht in Pflanzensymbolik zu verfallen. Nichts ist für die uns im üaluth* angewohnte Askese, Grübelei und Naturentfremdung verführerischer als die Allegorie. Dazu ist dieses Fest nicht geschaffen. Es soll unsere Be- Ziehungen zum natürlichen Leben in Palästina, zu seinem Frohsinn, zu seinem Lenz und zu seiner Fülle wachhaltcn, Anders begreifen wir nicht, wie wir das Gebot der Bibel: ״und ihr sollt euch vor Gott freuen“ erfüllen können. Unsere Vorfahren versammelten sich an diesem Fest in Jerusalem, in und um den Tempel und mit den schönsten Zierpflanzen ihres Bodens geschmückt, nach vollbrachter Jahresarbeit über ihren Gewinn zufrieden, von der.'Pracht ihrer Residenz bezaubert, im geeinten Kreise der Volksgenossen, die aus allen Enden des Landes gekommen sind, freuten sie sich vor Gott, d. h. vor und in dem Gottcstempel. Wie soll diese Stimmung jetzt hervorgerufen werden? Wir sind eine Nation, die in Palästina wurzelt und die von dort aus noch immer wächst. Stellt man sich auf diesen Standpunkt, so sind es keine Erinnerungen, sondern Lebensbilder, keine Allegorien, sondern Werte. Dann sind die Feste auch denjenigen Die Sagen des Bin Gorion Von Karl Esch er. In zwei dicken Bänden — weitere sollen folgen — hat Micha Josef Bin Gorion den jüdischen Sagenkreis, von der Erschaffung der Welt bis zu den Tagen der Erzväter, aufgczeichnct. (״Die Sagen der Juden“. Literarische Anstalt Hütten und Locning, Frankfurt a. M.) Ein Werk, das unerreicht dasteht, sowohl an Fülle wie an Farbe. Zuerst: Diese Sagen sind keine eigentlichen, selbständigen Erzählungen, sie sind Paralipomena zu biblischen Geschichten, sie berichten nicht, sie vermitteln; sie zeichnen nicht auf, sie deuten. Tiefe haben sic, mystische, abgrundschwarzc Tiefe, und sternenhelle Höhe — aber keine Weite. Ihr Bogen steigt wie ein Wasserstrahl auf und stürzt farbensprühend wieder herab, aber er nimmt keinen breiten Raum ein. Ihre Mystik hat keine Rätsel, jede Seltsamkeit wird zur alltäglichen Begebenheit. Die Kenner der Schriften haben eben eine rein menschliche Stellung zu spiritualen Dingen, Wunderdinge — der Leviathan, der Vogel Milhain, die Adamssöhne und die Engel — ihnen sind sie Wesen von Fleisch und Blut, mit guten und bösen Eigenschäften begabt. ” Aber wundervoll und grandios sind sie. Aus tausend versteckten Werke« hat sie der Bienenfleiß d(s Bin Gorion zusammengesucht, gewählt und ver- Buchen Er hat einen wahren neuen Sagen-Midrasch geschaffen, der dann von Rahel Ramberg-Bcrdy- CMwski in ein prachtvolles Bibcldcutsch übertragen wurac. So ist alles von einem tiefen Brausen erlullt, was in diesen Büchern steht, stark und erhaben. _ ju:d!.י.c1 ע• ±_!iעז?HA<J teuer, der■..:! f.a naiv G' i;uT kdt Kdnv.seh geworden ist; ja de*• ab!midier iniiit bei alte:! f.| •eh!; .!; •!.:.! der r.idaphysiudu• ■Sinn nicht bei r.tka gSddi rege sein. Werden die Details nach ver..d.ie>knei1 Arten und mit verschicdene״) ״..Jeu der pciuiichcn Genauigkeit beobachtet, so kad doch im große» und ganzen die Feste ticfbcgTÜndote, empfiudungsreiche und wahre Lcbeimmomente. D..s sind sie aber nur in ihrem richtigen Zusammenhänge. Und wenn sie in der Diaspora ebensogut, wenn auch, nicht so echt wie in Palästina gefeiert werden, so ist es nur deshalb, weil Palästina der Mittelpunkt, den erwärmenden, anregenden und befruchtenden Mittelpunkt des jüdischen Gesamtlebens darstellt. Wer ein Judentum ohne Palästina will, will die Blume ohne Wurzel und lebenspendendes Erdreich. N. S o k o 1 o w. h!?aüSsflna zu Bsfaa cles [{rieges Jerusalem verließ ich am Donnerstag, den 5. August, Jaffa am 7. August, Haifa am 0. und möchte hier nur das hervorheben, was die damalige Lage sachlich kennzeichnet. * Ueber die Anfänge des Krieges waren wir ganz gut orientiert. Das Tageblatt ״Hacheruth“ brachte täglich Depeschen und auch das neugegründete Wochenblatt ״Haor“ gab täglich mindestens ein Sonderblatt heraus. Es ist klar, daß nicht alle Nachrichten richtig waren; aber man darf sich das nun nicht so vorstellen, wie es nach deutschen Blättern erscheinen könnte, als ob von den auswärtigen amtlichen Stellen bewußt falsche Nachrichten verbreitet worden wären. Vielmehr entstanden überall, man weiß nicht wie, Gerüchte, diese Gerüchte wurden weitergegeben und meist mit allem Vorbehalt veröffentlicht. Wenn auch in den ersten Tagen Deutschland feindliche Gerüchte überwogen haben mögen, so beeilte sich doch das französische Konsulat, diese als noch nicht authentisch hinzustcllen und ebenso tauchten andererseits gleich unbegründete Gerüchte auf, die für Deutschland günstig waren, z. B, schon am 2. August die Nachricht vom Einrücken des deutschen Heeres in Rußland und einer erfolgreichen Schlacht bei Kowno. Im ganzten dürfte man damals wie auch heute einigermaßen imstande sein, dem wirklichen Verlauf des Krieges zu folgen. * Die Türkei seihst mobilisierte seit Ende Juli. In Jerusalem wurden in einer Nacht sämtliche ״Der Herr schuf den Himmel und die Erde. Woraus machte er aber den Himmel? Ja, aus dem Licht seines Kleides; Gott nahm seinen Mantel und breitete ihn aus, denn so heißt es: Licht ist das Kleid des Herrn, er spannt den Himmel aus wie einen Teppich. Aber die Himmel dehnten sich und gingen immer weiter und weiter, bis der Herr rief; halt! dann blieben die Himmel stehen; und hätte er ihnen nicht zugerufen, sic dehnten sich noch heute.“ Und weiter an anderer Stelle: ״Am ersten Tage nahm der Herr einen Klumpen Schnee von unter seinem Thron und warf ihn in die Mitte der Wasser, und daraus ward die Erde; dann nahm er einen Stein und versenkte ihn an der Stelle, da dereinst der Tempel zu stellen kommen sollte, und dieser Stein ward zum Grundstein der Welt.“ Und schließlich am sechsten Tage: ״Sodann versammelte der Herr um sich die himmlischcn Heerscharen und sprach zu ihnen: Lasset uns einen Menschen machen!“ Das sind Bilder von solch erhabener Größe, daß man mit ihnen nichts als die Erzählungen der Bibel selbst vergleichen kann. Und immer phantasicrcicher geht es weiter. ״Die Haken des Himmels sind in des Ozeans Wasser eingelassen;" mit vier heiligen Tieren und mit vier Engeln: Michael, Gabriel, Uricl und Raphael ist Gottes Thron umstellt; das Heilige Land äst zu allererst erschaffen und der Herr tränkte es selber, und die ganze übrige Welt tränkte er durch einen Baten; Lllith war Adams erste Frau... ״Wie aber Adam das Wort des Herrn hörte: Du sollst das Kraut auf dem Felde essen, erzitterten seine Glieder, Tränen rannen ihm aus den Augen und er sprach vor dem Herrn: O, Herr der Welt! Ich Pferde eingezogen und die vielen ״Jiidencliaisen“, die täglich die Jaf fast!alle auf und nieder fuhren, bläeben aus. Ein 'I'eil der Pferde wurde jedoch nach wenigen Tagen den Eigentümern zurück* gegeben, ln den Dörfern herrschte im Gegensatz zu den Tagen des Balkankricges große Kriegs- Stimmung. Von einigen Dörfern zogen sie sogar mit der grünen Fahne, d. h. der Fahne des heiligen Krieges, aus. Die cingczogenen mohanimedänischen Ottomanen veranstalteten am 3. August große Umzüge in Jerusalem, jedes Dorf mit seinem Scheich an der Spitze sangen Kri< gv ] jeder, ״Es lebe unser großer Sultan“ und klatschten dazu begeistert in die Hände. Am Mittwoch folgten die ottomanischcn Christen und ein Um- ■zug der ottomanischcn Juden, besondere der Jungmannschaft war für Donnerstag nachmit ng geplant. * Der Stadt Jerusalem bemächtigte sich gleich in den ersten Tagen eine gewisse Panik. Die Hausfrauen begannen Petroleum, Mehl u. u. in großen Vorräten zu kaufen, die Waren Stic, in sofort im Prds. Das Kupfcrgeld wurde in den kleinen Geschäften nur ungern oder gar nicht angenommen. Die Versuche, die die Regkning schon lange macht, an Stelle der Kupfcrmetaliks Nickelmünzcn cinzuführen, waren auf einmal gchingen. Auch für den Kupfcrbischlik erhielt man nicht mehr 10, sondern 8 Metaliks. Die deutsche Palästinabank zahlte am 1. August nicht mehr als je 200 Francs aus. Die Banka Ottom uia leistete überhaupt keine Zahlungen, nur die l'alestinc Anglo Company zahlte noch. Aber auch sic fing in diesen Tagen an, Kassenscheine auszugeben, die bei meiner Abreise in Jaffa gern;;c* nommen wurden. Die Panik hatte wohl ihren Grund darin, daß die Schiffe bereits sehr unregelmäßig ankamen und die Furcht vor einer Teuerung bestand. Die Kolonisten in den Dörfern waren der Meinung, daß sie bei den vielen Vorräten, die sie hatten, vor unmittelbarer Not geschützt seien, nur eine Verpflegung der Städte dürfte Schwierigkeiten bereiten. * Seit Ende Juli herrschte der Belagerungszustand. Zur Eisenbahn wurde man nur mit Paß zugelasscn, des Abends durfte man sich nicht aus Jerusalem entfernen und wurde, wenn man cs versuchte, bald angehalten. Da man nicht wußte, welche Schwierigkeiten noch entstehen werden, bildeten sich in den Kolonien, sowie in einzelnen Stadtteilen Jerusalems Selbstwehren, zum Teil Im Einverständnisse mit dem Militärkommando. * Ucberall im Lande stieß man auf Soldaten. Von den neuen zionistischen Schulen sind eine und der Esel, sollten wir beide aus einer Krippe essen? Da sprach der Herr: Nun deine Oiicder von meinem Worte erzittern, so sollst du Brot essen im Schweiß deines Angesichts. Da ward Adam ruhigen Sinnes. Dennoch sprach ein Weiser: wie wohl wäre es den Menschen, cs wäre bei dem ersten geblieben!“ Wundersam ist die Sage vom Matatron, den obersten der Engel, voll tiefer Bedeutung der ambisch-judäische Tiersagenkreis, wie ja überhaupt das talmudisch-midraschischc Schrifttum eine Fülle seit• sanier Dämonen- und Tiersagen enthält, die in iitrer krausen Romantik die isländischen Tiersagas weit übertreffen. Ich hatte mir vorgenommen, die Hauptschönhciieii des zweiten Bandes ״Die Erzväter“ in Zitaten vorn!- führen, denn nichts kann für dieses wunderschöne, tiefe Werk mehr sprechen als cs selber, — nun sehe ich, daß ich nicht weniger als 111 Stellen markiert habe! Wahllos will ich aus ihrer Menge zitieren: ״Wie der Regenbogen da oben in drei Farben aufgeht, so erschienen die drei Boten vor Abraham in den Farben weiß, rot und grün. Weiß von Farbe war Michael, der steht der Majestät Oottcs zur Rechten; rot von Farbe war Gabriel, der steht der Majestät Gottes zur Linken; grün von Farbe war Raphael. Daher heißt cs: Der Herr erschien ihm, weil die Herrlichkeit Gottes in diesen drei Farben sich offenbart.“ ״Manche erzählen, die Leiter Jakobs sei ein Engel gewesen, der auf der Erde gestanden und mit dem Haupt bis an den Himmel gereicht hätte. Das ist das Riesenrad Sandalphan, von dem das eine Ende unten ist und das andere bis an den Himmel, bis

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