Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1914)
- Date
- 1914-09-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 363 doch Gast e Deutschlands im urcigcntlichstcn Sinne des Wortes sind, sondern auch.gegen Leute, die seit vielen Jahren ansässig sind und sieh als vollkommen stnalstrcuc und unverdächtige Bürger bewährt 11.11)1:11, Wir müsse» vorerst annehmen, dati es sieh bei den bayrischen Internierungen und Verhaftungen um vorübergehende Anordnungen handelt, die hoffentlich bei entsprechender Aufklärung der Behörden rück- };.'innig gemacht werden. Möchte mau in Bayern vor allein auch den in den letzten Tagen durch die spanische Botschaft in Berlin erlassenen Aufruf beachten, der auf Cirtmd des amtlichen Zeugnisses des ainerikanisehen Gesandten in Petersburg versichert, 1 all inan die Tausende von Deutschen in Rußland bisher durchaus rücksichtsvoll behandle. Um wievielmehr sollte inan diese Rücksicht hei uns üben, wo es sich uni seit Jahren eingebürgerte, von 1 laus;ms vier deutschen Kultur nahestehende Kreise und um Kurgäste handelte, die Jahr für Jahr ihr Geld ii.uh Deutschland getragen haben und tragen, Dem Aiigusthcft der ״Blau-Weiß-Blätter“ entnehmen wir folgenden Artikel: Der Krieg, zu dein unser deutsches Vaterland gezwungen ist, hat auch auf unsere junge Bewegung seine Schatten geworfen. Zahlreiche Führer sind zu den rahnen gerufen, zahlreiche Füliraämicn haben sieh dem Roten Kreuz, zur Verfügung gestellt, so «lall in vielen Bünden die Wanderungen vorläufig eingestellt werden muliteu. Nicht wenige ältere Wanderer haben nach Ablegung des Abiuiriciiteiiexamcns die Waffen als Kriegsfreiwillige ergriffen. Wir erwarten von allen denen, die 1111 Felde stehen, dall sie sich eines Blau-Weißen würdig halten und schlagen, Mögen sic immer eingedenk sein, daß sie außer der vollen Pflichterfüllung gegen das deutsche Vaterland die Ehre des jüdischen Namens hoctizulvaltcn haben. Denn die Wacht für diesen Namen wird uns — das lehrt uns der neue Geist, der unter der jüdischen Jugend unserer Zeit herrscht stets heilige Pflicht sein müssen! Auch die Wanderer und Wanderinnen, die in der Heimat Zurückbleiben mußten, hat es zur Arbeit fürs Vaterland gedrängt, und so sind viele von uns beim Roten Kreuz und bei der Erntearbeit tätig. Wir haben mit Freude gesehen, dall alle den 1111• bedingten Willen zur Hilfe in dieser Not haben, Bei dem großen Angebot von Arbeitswilligen hat es sieh aber hcrausgestelit, daß die Verwirklichung dieser Arbeitslust nicht ganz einfach ist. Viele Organisationen haben in richtiger Erkennt■« nis, dall die Not noch nicht so groll ist, daß von Jugendlichen unentgeltliche Arbeit geJeistet werden muH, die Arbeitsangebote zurückgcwicscn. Dieser Standpunkt deckt sich mit dem unsrigen, Auch wir sind der Ansicht — ohne uns im übrigen in die Maßnahmen der einzelnen Bünde eiiiinischen zn wollen daß an zahlungsfähige Verbände oder private Personen unentgeltliche Arbeit nicht geleistet werden soll, da dies den zahlreichen Arbeitslosen das Brot nimmt. Ferner müßten diejenigen von uns, die unseren Wanderern die öffentliche Arbeit verinittelii, darauf sehen, daß ihr jeder spielerische Charakter, den sie doch leicht anncluncn kann, genominell wird, und es muß immer darauf hingewiesen werden, dall es außer der Arbeit, die die Oeffentliclikcit sieht, in diesen schweren Zeiten viel ini Verborgenen zn tun gibt. Viele Verhältnisse in den einzelnen Familien haben sieh geändert und es wird eine schöne Aufgabe für unsere älteren Blau- Weißen sein, hier in selbstloser, pflichtgetreuer Arbeit ciuzuspringcn. Audi die äußerste Einschränkung in den persönlichen Anforderungen an Eltern und Verwandte gehört zu dem Pflichtenkreis jedes Wandvicrs und jeder Wanderin, Was nun aber unsere eigentlichen Aufgaben aubelangt, so soll das Wandern fortgesetzt Wertteil, Ebenso wie die Schule ihre Erziehungsarbeit nicht unterbricht, wollen wir diese auch nicht unterbrechen. Es ist unnötig, darauf hinz.uvveiseu, daß wir in unseren Fahrten keine Vergnüguugsveraiistal. tuugcn, für die in dieser ernsten Zeit allerdings kein Platz ist, erblicken. Aber wenn in der Freiheit unsercr Fahrten der Druck, der auf unserem Gemüt lastet, verschwindet, so ist auch dies eine Hilfe in der Not. Denn ein klarer Kopf, der allem, was kommt, mutig ins Auge sciiaut, ist das, was wir brauchen. Die Wanderung halten wir für die geeignete Gelegenheit zur inneren Einkehr, aus der sicherlich nicht mutlose Trauer, sondern frohe Hoffinnig entspringen wird. Und so fordern wir euch alle, Wanderer und Wanderinnen, Führer, Führerüincn und Führerschaft»- leiter, auf, die Arbeit, wieder aufzunehmen, durch Wanderungen und Heimabende die Blais-Weillen zusaminenzuhaltcn und sie, wie im Frieden, so auch in diesen kriegerischen Zeiten zu unsern Idealen zu erziehen. Die Probleme der Jugenderziehung werden wie vieles andere nach dem Kriege verändert sein. Was der Jugend vorher durch das Beispiel früherer Oe- Ln iiiiccre Leasr! Diese Nummer ist b Seiten stark mul eilt■ hält auch wieder einen NationalfoiKlsausweis. Vom I. Oktober ab wird unser Blatt regelmäßig im Umfange "von 8 Seiten erscheinen. Wir sind aber gezwungen, alle Ortsgruppen auch auf diesem Wege zu bitten, uns die Aboime• ineiitsbetriige fiir das am 1. Oktober beginnende vierte Quartal sowie eine genaue Liste der Abouneuten postwendend cinzusnulai, damit wir die Listen dem Post/eitungsauit rechtzeitig aufgeben können. Unter den jetzigen Umständen sind wir leider nicht in der Lage, unser Blatt ohne vor• lierige Einsendung des Abonneinentsbetrages versenden zu können. Verlag und Expedition der ״Jüdischen Rundschau“, Berlin W 15, Sächsische Str. 8. schlechter mühsam naliegehraelit werden mußte, hat sie mit eigenen Augen gesehen mul ist ihr zum sittlichen Gut geworden, Eigennutz, Eigenliebe und Kleinmut sind vor dem Ideal versunken, — Der grolle Kampf, der uns die einmütige Einsetzung von Millionen für die nationale Illire olmc Rücksicht auf Gut und Blut zeigt, wird uns und luiehkomiucuden Geschlechtern ein ewiges, hehres Beispiel für das Wort sein: ״lind setzet ihr nicht das Leben ein, Nie wird euch das Lehen gewonnen sein.“ Die Bundcslcltung: Dr, Adalbert Sachs. N&chrichten Berlin. In der ״Toynbce-Halle" der Berliuer Logen tJ.O. B. Ii, Gipsstrnße 12a, ist vom Sonntag, (>, September d. Js,, an bis auf weiteres eine K r i e g s Sp e i s e A11 s t a 11 (rituell) ein* gerichtet. In derselben wird jedermann ohne Unterschied der Konfession — in der Zeit von 12 1 und 1—2 Uhr für 10 Pfennige ein Mittag• essen verabreicht gegen Marken, die vorher taglieh uitißer am Sonnabend — an folgenden Stellen aaisgegeben werden: 1. in der Toynbce- Halle, Gipsstraße 12a (Hof, 1 Treppe), von 9—11 Uhr vormittags und •I 5 Uhr nachmittags; 2, im Arbeitsnachweis der Berliner Logen U. O. B. B, (Monhijou-Plaitz 10), vormittags 9 — 12 Uhr. Berlin. Die K r i c g s h i I f s k o m m i s s i o n der j ii d i s c 11 e 11 G e m c i 11 d e, Abteilung Jugendfiirsorge, hat ihre Tätigkeit (für die Mitglieder der Gemeinde) aufgenommen. Hilfe soll erwiesen werden durch Gewährung von Materialien, durch Speisung in Familien, Volksküchen, Horten, Kindergärten, durch Beschaffen von Arbeiten (für die Mütter) mit entsprechender Vergütung bz.w, Verpflegung, Aufsicht und Fürsorge über die in Betracht kommenden Kinder. Die erforderlichen Mittel sollen beschafft werden, durch privates Sammeln von Liebesgaben mul zwar von Materialien (Eßwarcn), Geld zum Ankauf von Materialien und von Speisemarken. Das Bureau befindet sieli Roscustr. 2/■!, Zimmer Nr. 12; Sprcchstunden von 10 bis D/a Uhr, In den verschiedenen Bezirken Groß-Berlins sind Kommissionen eingesetzt. Die Bureaus befinden sieh: Für das Zentrum: Rosentlialerslr. 40/41; für CI1 n r I o 11 c n h u r g: Mommseiistr. 17׳; für Wilmersdorf: Monnnsen- Straße •17; für S c h ö n eher g: Neue Winterfeldtstr.9; für G c 0 r g c n k i r c 11 s 11\, Neue K ö 11 i g s t r. bis F r i c d r i c h s ha i n: Wallstr, 84; für Elbingcr Straße, Richtung Weißen sec: Landsberger Straße 12; für das Hansavierte 1: Jagowstr. 38; für Weinbergs weg bis Qderbtfrger Str. und Gesundbrunnen: Lothringer Str, 41; (ür Stettiner Bahnhof bis Wedding: Koloniestraße 5; für Ritterstr, bis Kottbuser Ufer: Königgrätzer Str. 65; für Neukölln: Kaiser-Friedricli-Str. 40; für Schönhauser Allee bis Stargarder Str,: Weinbergsweg 13; für Norden, Pankow bis Stargarder Str.: Pankow, Berliner Str. 13 a. Alle Eingaben werden an das Bureau Roscustr. 2/4 erbeten. Köln. Die Mitglieder unseres ״Blau-Weiß“ bitden einen besonderen Bezirk der Kölner Jugendwehr und beschäftigen sich mit den dieser 'Jugendwehr zugetcilten Arbeiten. München, in den ״Münchener Neuesten Nachrichten“ richten eine Anzahl Bürger Münchens an die Bevölkerung folgende Bitte: ״Es leben überall in deutschen Städten, auch in München, russische Juden, die der fürchterlichen Verfolgung in ihrem Vaterlande entflohen sind und bei uns gastliche Zuflucht gefunden haben. Alle diese Juden erflehen ebenso wie wir einen Sie;; unserer Waffen, denn sie wissen genau: nur dadurch kann ihren unterdrückten Glaubciisgcnosscn zu Hause vielleicht endlich die langersehnte Befreiung von schändlicher Knechtung werden. Wir bitten also die Bevölkerung der deutschen Städte, sieh mild gegen diese Armen zu erweisen und ihnen zu zeigen, daß sie nichts zu fürchten haben, so lange sie sielt den Gesetzen fügen!“ München. Der Turnbctricb des Jüdischen Turn- Vereins ist wieder aufgenommen worden. Die Mitglieder des Vereins ״Bnci Jelmda“ sind zum größten Teil «:ingerückt, die zurückgebliebenen halten gelegen)- liehe Zusammenkünfte ab. Frankfurt a. M. Die israelitische Rcligionsgesellscliaft hat sich sofort nach Ausbruch des Krieges unserer russischen Glaubensgenossen äugenominell, welche außerordentlich zahlreich aus «len verschiedenen Bädern nach Frankfurt strömten, ohne im Besitze ausreichender Mittel für einen längeren ־ Aufenthalt zu sein. Die Begüterten hielten sich anfangs in einigen I lotols auf, welche aber bald Schwierigkeiten machten, während die Mittellosen von de«־ Polizei in Schutzhaft genommen wurden. Der Vorstand der Religionsgescllschaft biklcle alsbald für diesen Zweck mit einigen Gemciiulcmitglicdcro eine besondere Kommission, welche sieh mit der Polizei in Verbindung setzte. Die Religionsgesellschaft hatte ursprünglich ilire jetzt unbenutzte Synagoge in der Schüt/enstfnße nebst anschließendem großen Hörsaale als l.azarcit zur Verfügung gestellt. Die lkliürdcn waren aller jetzt damit einverstanden, daß der llörsaal für die obdachlosen russischen Juden bc* nutzt werde. Diese unter dem Vorstände der Reli. gkmsgesellscliaft stehende Kommission sorgt muunchn in Verbindung mit wohltätigen Vereinen für die polizeiliche Anmeldung der Russen und ihre Unterbrillgung im Hörsaale. Dort erhalten die Männer im Saale, die Frauen und Kinder auf der Galerie Nacht- Inger und Verpflegung, •wobei auf ausdrücklichen Wunsch der Polizei auf kräftiges, aber möglichst einfaches Essen gesehen wird. Es mögen zirka 50 Personen zurzeit dort Obdach gefunden haben. Für eine weitere Anzahl solcher Russen, denen man mit Rücksicht auf ihre gesellschaftliche Stellung in ihrer Heimat nicht zumiitcn wollte, in dein Hörsaale zu nächtigen, es handelt sich 7״ B, um einige Rab. Inner, wurden von der Kommission einige leerstehende Mietwohnungen gemietet, soweit sie nicht gratis zur Verfügung gestellt wurden. Eine Anzahl begüterter Leute, die allerdings jetzt über keine Barmittel verfügen, wurden von Gemeiudemitgliedem als Gäste in ihre Wohnungen aufgenommen. Wieviele Personen dies sind, ist nicht genau bekannt. Die Polizeibehörde hat bei all diesen Maßnahmen weitgehendstes Entgegenkommen gezeigt. Die Israelitische Gemeinde hat ähnliche Maßnahmen ergriffen. Es wird auch allgemein interessieren, daß der Vorstand der Israelitischen Reiigionsgesellscliaft eine großzügige Hilfsaktion für diejenigen seiner Gemeindcmifglieder unternommen hat, welche durch die gegenwärtige Lage vorübergehend in materielle Bedrängnis geraten sind. Bei der außerordentlichen Diskretion, mit welcher diese Aktion naturgemäß unternommen werden muß und auch wird, läßt sich nur soviel sagen, daß sich die Gciueindcmitglicder, welche dazu imstande sind, in hervorragendem Maße an dieser Hilfsaktion bcteiligen, daß aber andererseits auch eine große Notläge vorhanden ist. Bremen. Zur Linderung der Kriegsuot sind seitens der hiesigen Israelitischen Gemeinde unifassende Maßnahmen getroffen worden. Der Kranken- Wohltätigkeits-Verein stellte sofort 2000 M, zur Verfiigung und ihm schlossen sich die übrigen Vereine und Stiftungen mit 3500 M, an, während eine Sammlung unter den Geincindcinitglicdcrn über 3000 M, ergab. Von diesen Beträgen sind dem Roten Kreuz 4000 M. für seine Zwecke überwiesen worden, den Rest behält das jüdische Hilfskomitee zunächst zu eigener Verfügung, da es bereits reichlich Gelegenheit hat, helfend cinzugrcifcn. Frankfurt a. M., 3. September. Aus dem Bureau der ״Freien Vereinigung für die Interessen il c s orthodoxen Judentums“ wird uns gemeldet: Für die in h c i in i s c h e 11 Garnisonen (aucli in Festungen) befindlichen jüdischen Soldaten werden die zuständigen Herren Rabbiner, Lehrer oder Gemeindevorstände gut tun, zu den bevorstehenden Feiertagen ohne Verzug um Beurlaubung oder, soweit diese aus dienstlichen Gründen nicht erreidibar, um Di e ns t b c f re iu n g nachzusucheii. Hinsichtlich der etwaigen Dicnslbefreiung bei den i in Felde stehenden Truppeu und der Verfliistaltung von Feldgottcsdicnstcn bleibt eine Verfügung des Kriegsministers abzuwarten. Budapest. Der Klub der zionistischen Uuivcrsitütsliörer ״Makkabän“ und die Vereinigung der jüdisehen Studierenden am Polytechnikum ״Bar Kochba“ erlassen gemeinsam einen Aufruf an ihre Mitglieder, |