Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1914)
- Date
- 1914-09-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2651869-2651907--09822-2667180- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 364 Nr. 37 'i) .A C11. worin cs 11. a. heißt: ״Laßt uns nicht durch Worte, sondern durch Taten beweisen, daß allen Verleuin• düngen /um Trotz die um das Banner des Zionismus gescharte Jugend in bezug auf Vateiiamlsliebe niemandem nachsteht, Hie Verteidi► gmig des Vaterlandes ist unser aller Pflicht.!Weidet euch freiwillig zum Heeresdienst! Diejenigen aber, die zum Waffendienst untauglich sind, mögen auf andere Weise für die vaterländische Sache wirken.“ Der Präsident der ungarläiiilischen zionistischen Organisation und Redakteur ihres Organs ״Zsidö S/cmk'", Ingenieur Benjamin Her cgi, ist zu den Waffen cinberufen worden. Während seiner Ab- Wesenheit hat Rechtsanwalt Dr. Leo L u k ü c s die Redaktion der ״Zsidö Szenile“ übernommen. Budapest. Allgemeine Anerkennung hat sich die jüdisch-nationale PfadfindcrgrupjH: ״Kadimah“ durch ihre pflichteifrige und unermüdliche Tätigkeit im Interesse der verwundeten Krieger und auf dem Gebiete der Erntehilfe erworben. In einer Zuschrift des Budapester Roten Kreuzes vom 7. August heißt es: ״Mit innigem Dank erkenne ich au, daß die 30 Mitglieder der Pfadfindergruppc ״Kadimali" in unser am 5. und (>. August auf dein Bahnhof Bor* aroster eingerichteten Kraukeitstatiou wirklich schwierige und physisch anstrengende Arbeit mit Begeistenmg, Präzision und Gewandtheit vollbracht haben. Auch ich persönlich spreche ihnen dafür Dank und Anerkennung aus. Mit vaterländischem Gruße' Dr. Zoltän Körmöczi, Kommissar des Roten Kreuzes. Außer ihrer Tätigkeit im Lazarett auf dem Boraroster haben sich unsere Pfadfinder auch im Dienste des Vorstandes des VII. Stadtbezirkes, des Vereins für unentgeltliche Milchverteilung, des hauptstädtisehen Kindergartens usw. ausgezeichnet. Im Auftrage des k. u. k. Platzkommamlos bereisten sic die benachbarten Dörfer in einem Umkreise von 30־ Kilomciern, sammelten Daten bezüglich der Presduktions- und Arbeitsverhältnisse in der Landwirtschafl mul sorgten für Beschaffung der fehlenden Arbeitskräfte, Die Räume des Zionistischen Heims waren von Scharen jüdischer Arbeitsloser gefüllt, die die Besorgung der Ernicnrhciien übernahmen. Das Verdienst, diese erfolgreiche Aktion in die Wege geleitet zu haben, fällt dem Kommandanten unserer Pfadfinder, Herrn Dr. Ludwig Dom e 11 y , zu. Das k. u. k. Heereskommamlo spricht in einer Zuschrift ״den Pfadfindergruppen der ,Kadimalt* für ihre außerordentlich gründlich und bez.iiglieh der Verpflegung der Hauptstadt überaus wertvollen Arbeiten die vollste Anerkennung aus“. Die hiesigen Tageszeitungen besprechen auch lohend die Mitwirkung unserer Pfadfinder hei den Arbeiten der Budapester Rettuugsgesellschaft. Krakau. Ist Galizien auch schon zu l'ricdciis/citcii das Land lies Judenelemls, so zeigte uns doch der Krieg, daß auch dieses noeh grenzenlos entwickhingsfähig war. Der Krieg bedeutet natürlich Tod und .Stillstand für alle Erwerbszwcige und Betriebe, die sonst einen kleinen Teil der Jmleiihci! kümmerlich genug ernährt hatten. Dazu kommen jetzt die tausende von jüdischen Flüchtlingen aus Antwerpen und Brüssel, die dort ihre gesamte Halle lassen mußten und hier bei ihren Anverwandten Unterkunft suchen oder den Gemeinden zur Last fallen. Die Bruderliebe und Gastfreundschaft der galizisehen Juden zeigt sieh hier in vollem Glanze. Sieht cs doch auch der Aermste als seine jüdische Pflicht an, den kargen Bissen mit demjenigen zu teilen, der auch diesen entbehren muß. Norderney. Lehrer A. Rot h sc h i 1 d aus Achim- Bremen berichtet dem ״Frankfurter Israelitischen Familicnblatt“: ״Am Freitag wurde Norderney als im Kriegszustami befindlich erklärt, Auch dieser Umstand vermochte unsere ausländischen Juden in der Mehrheit Russen - - nicht aus ihrer Ruhe zu bringen, Als aber am Sonnabend morgen der Mobilmaelumgsbcfelil bekannt gegeben wurde mit dein Vermerk, daß alle Ausländer binnen 21 Stunden die Insel zu verlassen hätten, sah man unsere ausländischen Juden nach Beendigung des Gottesdienstes auf den Straßen etwas flinker dahineilen, Schon vor II Uhr war das Polizeihaus von ausländischen Juden umlagert. Einen Trost erblickten sic in der Bestimmung einer 2-lslündigen Frist, brauchten sie doch den Sehahbos nicht zu entweihen. Als aber der Kommissar verkündete, daß alle Ausländer um ü Uhr’ mit dein letzten von Norderney fahrenden Dampfer die Insel zu verlassen hätten, entstand eine tumultartige Aufregung unter den Juden, Sie sollten den Sehahbos entweihen? Auf keinen Fall! Einer aus der Menge wagte es, dem Herrn Kommissar ztiznrufen: ״Herr Kommissar, wir sind strenggläubige Juden und fahren am Sonnabend unter keiner Bedingung! Die Sabbatentweihung gilt uns als eine der größten Sünden.“ Einige versuchten, den besonders Erregten zu beruhigen mit dem Hinweis: ״Wetm der Kaiser bcfielilt, so muß jeder gehorchen, und das Fahren wäre in diesem Falle keine Sabbatschiiiidu’ng.״ ״Was?“ schrie mit fester Stimme der russische Jude, ״über dem Kaiser steht Gott, und dessen Gebote müssen Ö״ 5״׳ ״־־׳* A ,! . .y ... ■ .j y < 4 .• ׳'״ ־ ־ ־;' u ** Sozidc* Hilfe ist jetzt die Pflicht aller derjenigen, die nicht mit der Waffe in der Hand dem Vatcrianclc dienen können, in allen Schichten der Bevölkerung hat man sich zusammengcschlossen, um durch gemeinsatne Hilfe die allgemeine Not zu lindern. Zahllose Familien sind durch den Krieg in ihrer wirtschaftlichen Existenz vernichtet oder doch schwer betroffen worden. Viele Tausende von Flüchtlingen weilen in Deutschland und wissen nicht, wie sie ihr Leben fristen sollen. Beson־ ders gross ist die Zahl der Juden, die während des Krieges in furchtbare Not geraten sind. lln scre Organisationen haben sofort bei Beginn des Krieges Hilfsaktionen ein־ geleitet und Aufrufe zur Linderung der Not erlassen. Das Hauptbureau des Jüdi־ sehen Nationalfonds in Köln hat eine planmässige Aktion für die Sammlung von Spenden für verwundete Krieger und für durch den Krieg in Not geratene Familien eingeleitet. Als bestes Sammelmittel hier־ für hat sich die diesem Zwecke dienende ״Hilfsinfzrke des Jüdischen Nationalfonds“ bewährt. Dieses wirksame Propagandamittel mussinZukunftmit besonderem Eifer in allen uns nahestehenden Kreisen verwendet werden. Auch die Zionistische Vereinigung für Deutschland hat es unternommen, sich insbesondere der notleidenden Juden anzunehmen, die fern von ihrer Heimat und ihrer Familie in Deutschland vom Krieg überrascht worden sind. Zu diesem Zweck ist eine Sammlung eingeleitet worden, deren bisherige Ergebnisse bereits viele Familien vor der grössten Notlage bewahrt haben. Mit beiden Aktionen stehen wir jedoch erst im Beginn unserer Arbeit. Das Elend wird immer grösser. Unsere Anstrengungen müssen verdoppelt werden, um den Anforderungen, die man an uns stellt, gerecht werden zu können. Um die Sammeltätigkeit noch planmässiger und wirksamer zu gestalten, haben wir beschlossen, beide Aktionen zu vereinigen. Für die Sammlung grösserer Spenden haben wir ausser der Hilfsmarke Quittungsbücher herausgegeben, die den Vertrauensleuten und Sammlern in beliebiger Anzahl zur Verfügung stehen. Wir sind überzeugt, dass die bekannte Opferwilligkeit der deutschen Juden auch für dieses überaus wichtige Hilfswerk nicht versagen wird und unsere Freunde sich ihm mit gewohnter Hingebung und Umsicht widmen werden. Spenden sind an Herrn Max Wolisteiner, Charlottenburg, Roscherstrasse 5, Post־ Scheckkonto Berlin 3847 zu senden. Jüdischer Nationalfonds Centrale für Deutschland Justizrat Dr. Bodenheimer Max Wollsteiner Zionistische Vereinigung für Deutschland Dr. Arthur Hantke Hilfskomitee Frau Dr. Zlocisti wir zuerst befolgen, Os mag kommen, was da wolle, ich werde am Sehahbos nicht fahren." I>er Kommissar vernahm die Worte, gebot in energischer Weise Ruhe und verkündete nach kurzer Beratung mit dem Inselkomiiumilanten Oberleutnant Schütze und dem Polizcikommissai־ Freiherr» von So lern ach er: ״Meine Herren, ich werde für Sie um IO1׳״ Uhr nach Sabbatausgang einen Extradampfer fahren lassen.“ Mit großer Befriedigung nahmen die Juden das Entgegenkommen auf. Um 11 Uhr brachte sic der Dampfer nach Norddeich.“ Jüdische Feldgeistliche Das Preußische Krlcgsmiiiistcriuin hat sich den alsbald nach der Mobilmachung gestellten Anträgen des Verba 11 des der Deutschen Juden sowie der 1׳ r c i e 11 V e r e i 111 g u n g f i'1 r die Int e ressen des orthodoxen Judentums die zunächst unnbhän!;ig von ersterem vorging, sich aber dann seinen Schritten anschloß . eiilgegenkomnieiid erwiesen, und man kann auf eine Verfügung rechnen, auf Grund deren Rabbiner aus verschiedenen dem Preußischen lleereskontingent zugehörige״ Landesteilen als Feldgeistliche zu den Truppen gehen werden, Ls liegt auch Grund zu der Annahme vor, daß die — in dieser Sache, wie in vielen ~ selbständige Bayerische Militärbehörde in gleicher Weise verfahren wird, wie die Preußische. 1 Der Gang der Verhandlungen im einzelnen verspricht ein baldiges günstiges Ergebnis. — Erwähneuswert ist, daß auf die Umfrage des Verbandes eine den Bedarf weit übersteigende Zahl von Rabbinern aus allen Teilen des Reiches sich zu dem ebenso mühewie ehrenvollen Dienst sofort freiwillig zur Verfügung gestellt hat, Herr Dr. Heinrich Loewc bittet uns mitzulcilcn, daß sein in der vorigen Nummer der ״Jüdischen Rundschau־. ״!!)gedruckter Artikel ״Die Juden im Kriege“ ohne sein Wirsen erheblich verkürzt und verändert /um Abdruck gekommen ist. Er legt Wert darauf, festzustellen, daß manche seiner Ausführungen über die Stellung der Juden in Polen zum preußischen Staate fortgefallen sind, Herr Dr. Loewc halte in seinem Artikel u. a. folgendes dargelegl: ״Wenn es möglich wäre, den preußischen Patriotismus der Bürger unseres Staates überhaupt noch zu steigern, so müßten wir sagen, daß der polnische Jude heule der eifrigste preußische Patriot ist. Denn diese Juden, die als hauptsächlichste Bewohncr der polnischen Städte, wie Kalisch, C/enstoehau, Bend/in, Wjcltin unsere Truppen mit offenen Armen und hilfsbereit aufnehmen, sie schreien ja danach, endlich einmal preußische Untertanen werden zu können.״ Wir sind der Ansicht, daß diese und ähnliche Stellen in dem Artikel des Herrn Dr. Locwt. ohne dessen Wert zu mindern, wcggeblicben sind. Jüdische Gemeinde, Berlin (Gottesdienst) Freitag, H, September, abends: in allen Svnagogen (Vj Uhr. Predigten: Synagoge Lindenstr.: Dr, Julius Colm. — Synagoge Fasaiienstr.: Rabb. Dr. Baeck. S o n 11 a b e n d, 12. S e p t e in b e r, vormittags: in der Alten Synagoge 8<2 Uhr, in der Kaiscrstr.- liml Rykestr.-Synagoge •) Uhr, in der Neuen, Lindenstraße-, Liit/owstr,־, Fasaiienstr,- und Levetzowstr,- Synagoge: Frühgottesdienst 7Vs Uhr, Hauptgottes. dienst 10 Uhr. Dr, .. V "1,h 8*1 ' ־VU(/D, | r\ , I v III v) lt' 1 ח' יי — Synagoge Kaiscrstr.: Rabb. Dr. Eschclbacher. ~ Synagoge Rykcstr.: Rabb. Dr. Stier. — Synagogi Lützowstr.: Rabb. Dr. Hochfeld. — Synagogi , Levetzowstr.: Rabb. Dr. Lewkowitz, h ri V c rl< r Ui1K: Synagoge: Rabb Warschauer.. Jugendgottcsdieust: nachm, 4 Uhr.!> o n n a b e n d, 12. S c p t c in b e r: Synagoge denstraßc: Rabb. I>r. Blumenthal, Abendgottesdienst (Sabbat-Ausgang): 7 14 Min. — M i n ch a in der Alten Synagoge 5 Lin- Uhr .. ....... Uhr, in den anderen Synagogen •/2 Stunde vor Sabbatausgang, Gottesdienst an den Wochentagen: morgens: in der Alten, Kaiscrstr.- und Rykcstr,-Svn■ ngogc: am 13. September 6 Uhr, vom 14. bis IS. September ö'/4 Uhr. In den anderen Synagogen 7 Uhr. — Abends; in allen Synagogen: 6Vs Öhr.