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Jüdische Rundschau · 1914-09-04 · Heft 36 (4.9.1914) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 36 (4.9.1914)
Date
1914-09-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seile 358 Nr. 36 weit, weit mehr als die Hälfte aller Juden, vvoh• neu in den umnittelbaren Bezirken des Krieges und verlieren, auch soweit sie ihr Leben retten, Hab und Out. Uns deutschen Juden wird nach dem Kriege die Pflicht zufallen, unsern jüdischen Pflichten nachzukonnnen, wie jetzt unsern deutschen. Auch wir werden ja Opfer genug gebracht haben. Dabei werden gerade wir Zionisten, die wir fast unsere ganze Jugend bei den Palmen haben, weit mehr Verluste aufweiser!, als die älteren Gruppen, die naturgemäß weniger Jugend in ihren Reihen zählen. Aber der Friede wird uns nicht verzagt finden. Unsere jüdischideale Gesinnung, die uns anspornt, für das Vaterland alle Opfer zu bringen, deren jeder fähig ist, wird nach dem Kriege ihren alten Zielen sich zuwenden, getreu unserer alten Losung: ln deutschen Dingen deutsch, in jüdischen jüdisch! H. L. Ein zionistischer Generalmajor in Oesterreich Von niehtzionistiselicr Seite ist wiederholt die Befürchtung ausgesprochen worden, dali unsere Uewegung ein Hemmnis für die Betätigung patriotischer Gefühle bedeute. Wir bestritten diesen Einwand gegen unsere Bestrebungen stets nachdrücklich und betontem die Verdienste, die sich so viele unserer Mitglieder um das Wold ihres Staates erworben haben. So wollen wir auch heute, wo nicht mit dem Munde, sondern mit der Tat unsere wahre Gesinnung hervortreten wird, auf ein Beispiel von uhwiderleg• lichcr Wirkung Hinweisen, das der Aktualität nicht entraten dürfte. Es handelt sich um einen Mann, der bis in sein Grciscnalter hinein für die Ausgestaltung der österreichisch-ungarischen Armee hervorragende Leistungen aufzuweisen hat und, als Theodor I terzl seinen Ruf erschallen ließ, sich ihm anschloß, um der zionistischen Bewegung als einfacher Mann ohne Titelclien oder Ehrensteihnig zu dienen. G e 11 e r a I m a j o r Alexander Ritter von C i s wurde im Jahre 1832 in Fiesling in Mähren geboren, Br meldete sieh mit 16 Jahren freiwillig zum Waffendienste und machte den Feldzug von 1818 in Ungarn mit. Als Leutnant focht er in der Schlacht von Magenta und erhielt am gleichen Tage den Rang eines Oberleutnants. Noch ein zweitesinal kämpfte er gegen Italien, Sein tapferes Verhalten in der Schlacht bei Gusto/./.a brachte ihm den Orden der Eisernen Krone. 1881 zürn Major aufgerückt, trat Eis nach den Ordensstatuten in den Ritterstand. 1800 bekam er die Ernennung zum Obersten und Kommandanten eines Infanterieregiments. Ritter von Eis’ Verdienste im Frieden liegen auf dem Gebiete organisatorischer Begabung, Die Anerkennung dafür wurde ihm nicht vorenthalten. Er durfte sich alle Zeit der persönlichen Glinst seines obersten Kriegsherrn erfreuen. Im Alter von 73 Jahren trat der verdiente Militär in den Ruhestand, Bei dieser Gelegenheit verlieh ihm Kaiser Franz. Josef mit dem Ausdruck allerhöchster Zufriedenheit den Leopold-Orden. Doch der arbeitsame Offizier konnte und wollte nicht feiern, Hingerissen von den mutigen Ideen Theodor Her/.ls, schloß er sich dem Zionismus an und widmete ihm, soweit er noch konnte, seine Kräfte. An Sclbsthcschcidung und Disziplin gewohnt, stellte sich Alexander v. Eis für Verwaltung«- arbeiten zur Verfügung. Der kleine, graue Mann, dem niemand ansah, was in ihm steckte, saß über den Büchern und verzcichnete im historischen Kongreßbureau von Wien in rührender Einfachheit getreulich und beglückt die Spenden, die den verseliiedenen Abteilungen des Jüdischen Natioualfomls zuflössen. Wer sich die Mühe gibt, ältere Jahrgänge der ״Welt“, des zionistischen Zentralorgans, naclizuschlagen, wird dort im monatlichen Speudctiver» zcichnis unter der Rubrik ״Sclbstbcsteucrung“ an erster Stelle wiederkchrend eine Chiffre finden: A, v. E... 10 Mark oder Kronen. Das ist der Namen Alexander von Eis׳, der auf diese Weise seine Liebe zu jüdischem Volkstum öffentlich bekunden wollte. Auch im Ruhestand wurde seiner nicht vergessen. 1006 im Alter von 84 Jahren erhielt v. Eis den Charakter eines Generalmajors, Wir sind stolz darauf, heute an ihn als einen der unsrigen erinnern zu dürfen. Die Erfolge ließen um nicht vergessen, woher die \Xfttrzeln seiner Kraft Nahrung sogen. Er machte sich, dem jüdischen Volke und seinem Vaterland Eine. (Aus unserem Münchener Bruderblatte, dem ״Jüdischen Echo“) jur.r'!״CHn ru;jdp.cuau Ein tji.'x.i.vc .111.' <1C11!‘doücrjicd Von eine in österreichischen Zionisten, Wir lesen in der ״Vermischen Zeitung“: ״Die österreichische ״Armee-Zeitung“ bringt ein von einem Rer.erveleuiiiant, Dr. Hugo Zuckermann, verfaßtes Reite/lied zum Abdruck, das wie ein altes Lamlknechtslied klingt. Hier ist es: Drüben am Wiesenratid Hocken zwei Dohlen — Fall׳ ich am Donaiistrand? Sierb’ ich in Polen? Was liegt daran? Eh’ sie meine Seele holen, Kämpf’ icli als Reitersmann, Drüben am Ackerrain Schreien zwei Raben — Werd’ ich der erste sein, Den sic begraben? Was ist dabei? Viel Hunderttausend traben In Oest’reichs Reiterei. Drüben im Abendrot Fliegen zwei Krähen — Wann kommt der Schnitter Tod, Um uns zu mähen? Es ist nicht schad׳! Seh’ ich nur unsere Fahnen wehen Auf Beigerad I“ Dr. Hugo Zuckcrmann, der Dichter diese9 kräftigen Liedes, ist A, H. des Vereins jüdischer Hochschüler Bar Kochba in Prag und des Vereins zionistischer Studenten Theodor Herzl in Wien. Die zionistische Presse hat öfter Beiträge von ihm veröffcntlicht. Die Wirkungen des Krieges in Palästina Wirtschaftliche Krise (Von besonderer Seite.) Jaffa, 5. August. Der plötzliche Ausbruch des europäischen Krieges hat hier selbstverständlich so•■ fort eine allgemeine Beunruhigung herbeigefülirt, und das um so mehr, als infolge der Unterbrechung des telegraphischen Verkehrs (nur die Linie über Aegypten ist zeitweilig offen) keinerlei bestimmte Nachrichten aus Europa zu erhalte» sind, und daher der Verbreitung aller möglichen Gerüchte Tür und Tor gcöffnet sind. Die ersten Folgen der Krisis zeigten sich darin, daß alle Schiffahrtslinicn, die die syrische Küste anlaufen (bisher nur noch mit einer einzigen Ausnähme: der Khedivial-Linie) ihren Verkehr einstellten. Wir sind deshalb ohne Post, ohne Ware und ohne Gehl, Die mangelnde Zufuhr an Edelmetallen hat, da gleichzeitig ziemlich starke Abnahmen von Depots bei sämtlichen vier hiesigen Banken stattfanden, zur Folge gehabt, daß die Metallbestände der Banken sehr zusammengcschrumpft sind, und daß sie, als gestern die Erlassung eines Moratoriums seitens der Regierung für die ganze Türkei bekannt gegeben wurde, den Beschluß gefaßt haben, die Auszahlung, der Depots zu verweigern und Schecks nicht zu honorieren. Es ist also hier kein Geld zu erhalten. Die Anglo-Palcstinc Company hofft, als einzige von den hiesigen Banken, in den nächsten Wochen möglichcrweise eine größere Summe von Ooldgeld aus Aegypten herolnzubekommen. Es ist aber natürlich nicht sicher, ob sich diese Hoffnung verwirklichen wird. Die Pannen des Jüdischen Nationalfonds haben selbstverständlich den Auftrag erhalten, keinerlei Ausgaben zu machen, die nicht zur Erhaltung der Betriebe unbedingt notwendig sind, und das Getreide, das in den Farmen lagert, .vorläufig noch nicht zu verkaufen, da es möglicherweise für die Verproviantiening der stiidtiaclien Juden gebraucht werden wird. (Wir haben auf unseren Farmen sehr beträchtliche Gctreidcvorräte aus der vorjährigen und diesjährigen Ernte, und cs ist möglich,, daß ־diese Vorräte für die Verprovkntkrüng große Bedeutung gewinne:: werden.) Von der Regierung^ wurde die Ermächtigung erbeten, zum Schufte■ der jüdischen Kolonien und Stadtviertel die Zahl der jüdischen Wächter zu verstärken und den Wächtern die Eigenschaft Ms Beamte der Regierung bdzülegen, dr.rait sie einen erhöhten Schutz genießen. Fenier wurde bcnchlccscn, daß die wichtigsten Lebensrnittel durch eins Komiulsaloii unter der Auf« sicht des Wand3 von Tölawiw im großen elngokauft werden und zum Selbstkostenpreis an die Konsumenten abgegeben werden, um dieselben vor Aus!- bcutung durch die Händler zu schützen. ■Natürlich sind diese Maßnahmen mit Kosten verknüpft, und alle palästinensischen Institute müssen, sich an der Aufbringung dieser Kosten beteiligen. 111 der soeben eingetroffenen Nr. 40/41 des Jerusn Inner poalezionistischen Wochenblattes ״Haacltduth" vom 15. Ab (7. August) d. J. finden wir folgende Schilderung der wirtschaftlichen Notstände, die in Palästina durch den Krieg hervorgerufen worden sind: ״Der alleuropäische Krieg hat _ kaum begonnen und schon ist das Leben in Palästina von Grund aus verändert und hat eine Gestalt angenommen, die wahrhalt besorgniserregend ist . . . Infolge der Mobilisierung der europäischen Mächte sind uns bereits viele junge Kräfte entzogen worden, die nach ihren Gebtirtsländern abreisen müssen. Ersatz, gibt cs nicht für sic . . . Durch den Krieg ist unsere Verbindung mit dem Auslände ganz unterbrochen. Sämtliche Schiffe werden jetzt von den kämpfenden Staaten für Transportzwcckc gebraucht, die Truppen bedürfen auch aller der verscliiedenen Erzeugnisse, die bisher von Europa hierher ciugeführt worden sind. So sind wir denn plötz lieh von der großen Welt in wirtschaftlicher wie in gesellschaftlicher Hinsicht abgeschnitten. Wir werden jetzt gerade an den unentbehrlichsten Bedarfsartikeln wie Petroleum, Zucker, Mehl u. a. Mangel haben. Und sollten sieh selbst genügende Quantitäten dieser Waren im Lande befinden, um die Bedürfnisse des jüdischen Jischub in den nächsten Monaten zu decken, so müssen doch die furchtbaren Preistreibereien in Betracht gezogen werden, die eine Folge unserer Abgeschlossenheit von der Außenwelt sind. Die verscliiedenen Spekulanten wittern bereits das gute ״Geschüft“, das sich ihnen darbietet, und fischen lustig im Trüben. Die Banken sind geschlossen, Kredite gibt es nicht mehr. Diejenigen, die noch über einige Barmittel verfügen, haben sich schon jetzt für die bevorstehende ״Hungersnot“ versehen, infolgedessen sind die Preise der Lebensmittel in erschreckender Weise gestiegen, und die breiten Massen stellen ganz hilflos da. Hierzu kommt noch ein anderes. In diesem Augenblick hat sich uns die ganze abnormale Lage des jüdischen Jischub enthüllt, der keinen inneren Markt hat und vollständig aut den ausländischen Markt angewiesen ist. Das Uebet besteht nicht mir darin, daß die ausländischen Waren, die sonst eingefiilirt wurden, nicht mehr eintreffeu, sondern vorzugsweise in dem Umstande, daß unsere Bodencr/eugnissc nicht mehr ausgetiilirt werden können und hierdurch jede Hoffnung auf ein baldiges Ende der Krise geschwunden ist. . . Auch die verschiedenen Erziehungsanstalten, die in ihrer Gesamtheit eine Art ״geistiges Zentrum“ für die jüdischen Kulturbestrebungen der Diaspora bilden, stehen jetzt vor einer schweren Krise .... Unter den gegenwärtigen Umständen wäre das Bestehen einer wohlorganisierten, Einfluß und Anscheu genießenden allgemeinen Körperschaft sehr vonnöten. Die Tagespressc hat bereits die Regierung'- Behörden darauf aufmerksam gemacht, daß sie die Regelung des Lcbeiismittelverkaufs in die Hand nehmen müßten, damit die mittellose Bevölkerung nicht von gowesenlosen Spekulanten ausgebeutet wird, ln Zeiten derartiger Not ist cs überall Aufgabe der Behörden, Höchstpreise für Lebensmittel fcstzuscfzen und den Preistreibereien vorzubeugen. Auch das Kreditwesen müßte geregelt werden. Einige Fabriken in Jaffa sind bereits geschlossen worden, andere stehen vor der Schließung, und auch in Jerusalem spricht man von der bevorstehenden Schließung einzelner Arbcits- Stätten, die ihre Arbeiter nicht mehr bezahlen können. Dies würde zu furchtbaren Konsequenzen führen. Sehr richtig hat darum die Handiverkcrzentrale in Jaffa gehandelt, die in Erkenntnis der ganzen Gefährlich* keit der Lage an die Handwerker und auch an die Arbeiter mit dem Vorschlag herangetreten ist, unter keinen Umständen ihre Arbeit einzustcllcn, sondern gemeinschaftlich das Kreditwesen in den Läden usw. zu organisieren. Ebenso ist das schöne Vorgehen der Landarbeiter in Ncss-Zionah zu begrüßen, die sich in bezug auf die Arbeitsgelegenheit und die Verpflegung zu einer Art Kommune zusammengcschlossen haben. In gleicher Weise müßte in den Städten, namentlich aber in Jerusalem vorgegangen werden, wo die Existenz des gesamten Jischub, des neuen sowohl wie des alten, von der Möglichkeit ausgiebiger Kredite abhängt. In Jerusalem herrscht nach dieser Richtung hin vollständige Zerfahrenheit. Sämtliche öffentlichen Institutionen müßten sich zu■ sammentun und über die notwendigen wirtschaftlichen Maßnahmen beraten. . . , Gesellschaftliche Organi■ sation und gegenseitiges Vertrauen — das sind die Dinge, die uns in dieser schweren Stunde am meisten nöttun.“

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