Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1914)
- Date
- 1914-09-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 RUNDSCHAU Seile 3 9 ZIONISTISCHE BEY9E6UNG Mitteilungen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Die Zionistische Vereinigung für Deutschland hat ein Hilfs-Komitee begründet, das sich die Erleichterung der Lage unserer durch den Krieg hierher verschlagenen Brüder, sowie der aus den Ostprovinzen hierher geflohenen, zur Aufgabe gemacht hat. Zu diesem Zwecke ist ein reiches Adressen-Material für den Nachweis billiger Wohnungen und Pensionen gesammelt worden. Reflektanten wollen sich deswegen an das Bureau der Zionistischen Vereinigung, Sächsische Str. 8 wenden. Spenden und Beiträge für obige Zwecke nimmt Herr Max Wolisteiner, Roscherstr. 5, entgegen. Jüdischer Maäooalföiidb Zentrale für Deutschland Geldsendungen sind •u«1chl!c»*lich tu richten «n Herr* Mais Wollat«in«r Cksrlotteaburg, Roacher-StraQ« $• In den letztenWochcn sind Nationalfondsausweise mit Rücksicht auf den beschränkten Raum unseres Blattes nicht erschienen. Wir werden uns auch in Zukunft vorläufig Vorbehalten müssen, die Nationalfondsausweise in größeren Zwischenräumen als früher zu bringen. Der erste Ausweis erscheint in Nr. 37 vom 12. September. Spenden, die in diesen Ausweis aufgenommen werden sollen, müssen bis zum 7. September bei Herrn Max Wolisteiner, Charlottenburg, Roscherstr. 5, Postscheck-Konto 3847, eingegangen sein. Unsere Gesinnungsgenossen haben die Möglichkeit, unsern Freunden, die im Felde stehen, ihre Grüße zu übermiüeln, da wir denjenigen Abonnenten der ״Jüdischen Rundschau“, die zum Heere eingezogen sind, das Blatt ohne Erhöhung des Bezugs-Preises nachschicken, wenn ans die Feldpostadresse aufgegeben wird. AUS ALLER WELT Zangwill von der englischen Regierung verhaftet Wie das Budapest״ Wochenblatt ״Egyenlösdg“ at& London über die Schweiz durch Vermittlung eines Züricher Freundes des Blattes erfährt, wurde Israel Zangwill von der englischen Regierung dieser Tage verhaftet. Zangwill begann im Sinne der liberalcn öffentlichen Meinung seines Landes eine A g i - tation gegen den Krieg, und dagegen, daß das freie England dem verfallenden Zarismus zur Hilfe eile. Zangwill stand nicht allein mit seiner Ansicht, die die Unterstützung zahlreicher liberaler Kreise gejvann, Zangwill veranstaltete in London in der Vorwoche drei Versammlungen gegen den Krieg, sie fanden Tausende von Teilnehmern. Er berief auch in Leeds ein Meeting ein und griff hier die englische Regierung heftig an. Er forderte namens der Kultur, daß England den i m I n t e re s s e R u ß - lands unternommenen Krieg sofort einstelle. Als Zangwill von dieser Versammlung nach J U E D! London zurückrt'isle, wurde er auf Befehl des Ministeriums vuiluhei. Eine Prokl״',na׳;l־>n an die Juden ln Polen Wie deutsche T,>;;e;».׳eiun1gen berichten, verbreitet die oste i,rcicl;i::1-1:1!,.־igari!;cl1e Anneeleitung in Russisch-Polen folgende Proklamation in b e b r ä ischer und jiddischer S p r a e 11 e: An die Juden 11t Polen! Die heldenmütigen Armeen der mitteleuropäischen Staaten Deutschland und Oosterrcicli-Uligarn sind in Polen eingediungen. Der wuciitit'c Marsch unserer Armeen hat die despotische Rejjicruug zur Flucht gezwungen. Niemand wird sich ihnen entgcgenstcllen. Unsere Fahnen bringen euch Recht und Freiheit, gleiches Bürgerrecht, Glaubensfreiheit, die Freiheit, u n g c s t ö r t auf allen (i e 1) i e t c n des ökonomischen und kulturellen Lebens i 11 e u r e m 0 eiste zu leb e n. Zu lange habt ihr unter dem eisertie'n mos■ k o w i t i s c 11 e n Joche g e I i 11 e 11, Als Freunde kommen wir zu euch; das barha rische fremde joch ist vorbei. Eine neue Aera zieht für Polen herauf. Wir werden alle unsere Kräfte ins Werk setzen, damit d i e gleichen Rechte auch für J u d e 11;1 u f festen Fund a menten errichtet werden. Laßt euch nicht durch schmeichlerische Veo■ sprceliungen betören, die ihr schon oft gehört habt. Hat denn nicht der Zar 1905 den Juden gleiche Rechte versprochen, lind hat er denn nicht dieses sein Versprechen mit dem höchsten Manifest bekräftigt? Wie hat er sein Wort gehalten, das er vor aller Welt verpfändet lut? Gedenket der furchtbaren Ausweisungen, die gegen die großen jüdischen Massen in Anwendung gebracht werden, Gedenket der Städte Kischinew, Hornel, Binlystok, Siedlec und der übrigen Hunderte von Pogromen, Gedenket des B c i 1 i s -1' r o /. e s s c s und der Anstrengungen der barbarischen Regierung, die schreckliche Lüge des Blut 111 ii r e 11 c n s zu verbreiten. Also hielt der Zar sein kaiserliches Wort, welches er gegeben hat, als er in der Not war, Audi jetzt befindet er sich zwischen Hammer und Ambos, und das ist die Ursache seiner Versprechungen. Eure heilige Pflicht ist es, jetzt sämtliche Kräfte •inz.uspannen, 11111 an der Befreiung mit/.uarbeiten. Sämtliche Kräfte: eure Jugend, eure Gemeinden, eure Vereine müssen wie e i n Manu auf treten, der heiligen Sache zu helfen. Wir erwarten, daß ihr eure Gesinnung und eure Ergebenheit durch Tatsachen dokumentieren werdet. Wendet euch mit der größten Zuversicht an die Kommandeure unserer Heere in den Orten, die euch am nächsten sind, Alle Arten Lieferungen werden prompt und ordentlieh bezahlt. Bahnt den Weg, tun den Feind vollständig zu bezwingen, um da mit der Freiheit und Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen. /n *fl Der Aufenthalt Max Nordaus Das Zionistische Zentralbureau ist fortgesetzt bemüht, den Aufenthaltsort Max Nord aus, von dein bekanntlich seit Ausbruch des Krieges jede Nachrieht fehlt, zu erkunden. Bisher' sind jedoch alle Nachforschungen leider erfolglos geblieben, Hamburg. Die Frauen Vereinigung der Zionistischen Ortsgruppe Hamburg-Altona hatte ihre Mitglieder zu einer außerordentlichen Ver- Sammlung cin'berufen, um ihnen Vorschläge betreffs der Kriegshilic zu unterbreiten. Die Vorsitzende Frau Dr. Fink teilte mit, daß der Vorstand einstimmig beschlossen habe, sowohl das Vermögen der Frauen- Vereinigung, wie auch das der Tagesfcricnkolonicn in den Dienst der vaterstädtischen Kricgshilfe zu stellen. Zunächst soll mit der Einrichtung einer Abendküche tc,0.1׳׳«׳ neu werden, Der Verein zur Speisung hilfsbedürftiger israelitischer Kinder hat in freundlicher Weis« seine Räume zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt. Allabendlich können hier 100 bis 200 Personen, ohne Unterschied der Konfession, ihre warme Suppe, hdeptes Brot mit Tee oder Kaffee zu sich nehmen. Die Küche wird streng rituell geführt. Die rrauctiVereinigung bat sich den unter Leitung von Frau.Trau 11 vereinigten Hamburger Frauen vereinen r.igcr.chlorocu 1und dem Fonds der Kriegshilfe 200 kt, übe; '.7k.r,c;1. Srenlau. Sär.Riidie Aktiven der Verbindung Jüdischer Studenten zu Pro 11׳:״ haben sich bald’ nach der Mobilmachung r.b J<i-k8״frd\vil1ige gemeldet und stchea zura griff»!cu Teil h-veUs unter Waffen, Posen, iu vt1,v.u<gei״:r Woche wurde hier als Geisel mit einer Anzahl anderer Männer ein Rabbiner aus Kaliseli eingelielert. Rabbiner l)r. Silberberg intervenierte für den gefangen genommenen Rabbiner ans Kaliscli und erreichte bei der tjefiingnisverwaltung, daß dein Gefangenen koscheres Essen, Tallis, Tetfilin und ein Sefcr ׳ zugebracht wurde. Chemnitz. Durch den Krieg wurde ein großer Teil der hiesige» Juden, die hauptsächlich mit dem Auslände in geschäftlicher Verbindung stehen, besonders schwer getroffen. Schwer zu kämpfen haben auch unsere jüdischen Trödler, Hausierer und die anderen kleinen Geschäftsleute. In erfreulicher Wcisq hat hier die jüdische Gemeinde, insbesnndere durch Einrichtung einer jüdischen Volksküche, in der man freien Mittagstisch erhalten kann, unterstützend eingegriffen. Auch den .Angehörigen der im Felde stellenden Juden dürfte׳ die Gemeinde mit Rat und Tat zur Seite stellen, soweit dies erforderlich' ist. Eine größere Zahl unserer Gesinnungsgenossen ist bereits zu den L,ihnen eingerückt, unter anderem unser 2. Vorsitzender, l>ipl..|ng. Winkelsberg, unser eifriges Mitgdied Herr Leopold Jacoby und unser jüngster Gesinnungsgenosse Herr Manfred Gütz, der nach bestandenem Notabiturium als Freiwilliger in das Heer eingetreten ist. — Die Zionistische Ortsgruppe hat dem Rat der Stadt Chemnitz 200 M. für das Rote Kreuz und die Angehörigen der im Felde Stehenden übermittelt, S. Ratibor. Für die Zwecke des Roten Kreuzes und des Vaterländischen Frauenvereins sind von jüdischer Seite in Ratibor bisher abgesehen von den zahlreichen Spenden iu Naturalien, Zigarren, Woltwaren usw. noch 5000 M. zur Verfügung gestellt worden. — Das Mitglied unserer Ortsgruppe Max Böhm ist im französischen Feldzuge verwundet worden; ferner der eifrige Gesinnungsgenosse Einjährig-Freiwilliger Isidor Israel Pinczower, der im Lazarett in Kassel Aufnahme gefunden hat. TURNEN und SPORT Berlin. Der Jüdische Frauenbund für T u men 1111 d Sport beschloß iu einer außerordent. liehen Generalversammlung die GrümJung einer Darlehnskasse für seine Mitglieder für die Dauer des Krieges. Die Kasse hat einen Fonds von 1000 M,, und zwar wurde hierfür die auf zirka 7Ü0 M. angewachsene Palästina-Wanderkassc (die für eine Wanderfahrt der Mitglieder im Frühjahr 1915 bestimmt war) zur Verfügung gestellt, der Rest durch einen Vorschuß aus dem Verciusvcrmögeu gedeckt. Aus diesem Fonds werden au Vcreinsimlglicder, die durch den Krieg in Not geraten, zinsfreie Darlehen bis zu 50 M, gewährt. — Des weiteren wurde für die Dauer des Krieges der Vcrciusbeitrag von 1,50 Mark auf 1 AL pro Monat ermäßigt, um allen Mitgliedern während der schweren Zeit das Verbleiben, im Verein zu ermöglichen. Die turnerischen und sportlichen Veranstaltungen finden auch weiterhin regelmäßig statt. Berlin. Die Fechterschaft des Jüdisehen Turn ■Vereins Bar Kochba veran• staltet für Kriegsfreiwillige, ungedienten Landsturm und uneingezogene Militärpflichtige einen militari» sehen A u s b i 1 d u n g s k u r s u s, um für den Diensteintritt vor/ubereiten und den Körper an an. strengenden Dienst beizeiten zu gewönnen. Der Kursus wird von Fachleuten geleitet und ist von der Militär b e 11 ö r d e g c!1 e h 111 i g t worden, Die Ausbildung findet in folgenden Fächern statt: 1. Fechten mit Säbel und Baiomictticrgcwchr; 2. Exerzieren mit Gewehr und in feldmarschmäßiger Ausrüstung; 3. Schießen. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Wahl des Ausbildungsfaches freisteht, der gewählte Kursus aber auch stets pünktlich besucht werden muß. — Näheres auf dem Fcchtbodcn, Fiirstenbcrg-Festsäle, Roscnthaler Str. 38 (Montag und Mittwoch 8—10 Uhr abends). T cilnahme für jeden (auch Nichtm i t g I i e d e r). 1914 Wochenkalender 5674 חרע״ד September אלול EluI Freitag 4 ע 13 «בי תצא,•;""-ס! Sonnabend שבת 5 יד 14 Kaobt 7,8a J»atjt»h 54, 1-10 רני עקרה (u. Je■«)*)! 54,11-53,5 Sonntag 6 טו 15 עניה סוערת) Montag 7 טז 16 Dienstag 8 יו 17 Mittwoch 9 ירו 18 Donnerstg. 10 יט 19 Freitag 11 כ 20 Sonnabend 12 בא 21 בי תבוא,KMbtbo שבת Nacbt ■T.H 60,1—32 קומי אורי