Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1914)
- Date
- 1914-09-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Amt Uhlsnd 845, 846, 868. j Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. ר״/ 7־e נ״: ) ' / 3 1 c—3 ח XIX. Jahrgang. Hilfskomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Tausends unserer russischem Stammesgenossen sind durch don plötzllclion Kriegsausbruch hier In Deutschland zurtlckgohalton worden. Oesterroichische Juden, die aus Frankreich und Belgien vertrloben wurden, sind hlerhor goflüchtot. Auch dlo In Berlin wohnenden Palästinenser sind von Ihrer Kolmatvdlllg abgoschnltton. Das Elend all diosor Vertriebenen und Holmatlosen ist grenzenlos. Wir halten es tUr unsore Plllcht, unseren bedrängten Brüdern mit allenKrätten zu holten und bitton unsere Gesinnungsgenossen, uns In diesem Bestreben zu unterstützen, Gammlungen zu veranstalten und das Ergobnls derselben mSgliehstumgehondelnzusendon. Alle Spenden sind an Herrn Max Wolistelnor, Charlottenburg, Roscherstr. 5, zu senden. 1. Spendenliste. Mark Dr, Heyntann.* 280,- Frau Lotte Heyniaiin .... 50,- Dr. flaiilkc und Frau .... 200,— R.-A. üroiicinanu . 20,- Frau Dr. Zlocisti. 10, - Dr, Eliasberg und Frau . . . ־־,20 Frau Ida Marx. 20,- H. M. 100,— Prof. Carl Lewin ...... 10,- Familie S, Rosenhlüth .... 10,-- Frau Vally Weissbrcm . , . 20,- Architekt Eliasberg (Monatsrate) 20,— Kurt Blumenfeld und Frau . . 10,- Georg Knreski . 10,- Dr, Mühsam . 20,- Apotheker Kromolowsky . . . 3,- San.-Rat Caspary . 10,- Dr. Egon Rosenberg .... 10,- S. liepner. 100,- Dr. Bradt. 50,- Prof. Wartung . 10,- Ing. Pewsncr. 65,— F. Oliven . 10,- Frau P. Schottländer , . . 50,— Dr. Kirschner. 10- Frau Johanna Hantke .... 10,- Frau Paula Heymann .... 30,- Herr und Frau Ludwig Oliven . 20,- Frl. Brenner . Frau A. B. 10,- Frau L. 0.. 20,- Frau lila Jolowicz. 10,- Frau Auguste Oliven .... 30,- Br. Max Oliven. 30,- Herr und Frau S. J. Leszynsky 20,- Herr und Frau Dr. Rud. Leszynsky . 10- Gideon Heymann ...... 40- Maximilian Heymann . , . . 40,- Eugen Cohn . 20,- Willy Cohn. 5,- Paul Meyer.. . . 20,- Pr. Siegmund Loewenherz . . 10,- Leo Czapski ....... 20,— Erich Goldschmidt. 30,- Dr. Siegfried Goldschmidt . . . . < . 50,- Direktor Carl Adler . . . . 20,- Hermann Struck. 20,- Dr. Ignatz Rosenberg . . . . 20,- Dr. Theodor Zlocisti und Frau 20,- Dr. Julius Katz. 20,- Dr. David Feitelberg . . . . 10,- (verpflichtet sich ferner 6,-- M. wödientlieh zu zahlen) Dr. Eugen Kaminski .... 10,— Dr. Arnold Kutzinski . . . . 5,— Dr. Elias Orlow . . . ... ״ 5- H. Wolfermatui .. , m ' 5.“ N. N.. 2,- Dr. Wermuth.. . 3,- Rabbiner Dr. Warschauer. , ״ 10,- Frau Hedwig Scholcm . . . . , 2,- o. Rath. . , . . ...; 3,— Münchhausen. . 10,- Justizrat Dzialoszynsky . . . 10,- ״Der sJonl.'iinu* ertirebi für da* JüdUchc Volk die Schaffan* einer öKcntlieh-rechtlich gesicherten *flclmstlitte In Palästina." Baseler Programm. Die jadoa io Kriege In dieser ernsten Zeit, wo die aufflainmcndc Vaterlandsliebe alle Parteien im Deutschen Reiche zu einer einzigen untrennbaren Patriotenschar zusanimengcschmiedct hat, deren einziges Ziel die Rettung und Größe des Gesamtvatcrlandes ist, dürfen wir doch nicht der besonderen Pfliciiten vergessen, die uns durch die Bande des Blutes auferlegt sind. Die Liebe zur Familie und zu den eigenen Brüdern kann durch die Vaterlandslicbc weder aufgehoben noch eingeschränkt werden. Im Gegenteil; Das scharfe Hervortreten der vaterländischen Pflichten, das alle materiellen Erwägungen weit in den Hintergrund drängt, läßt uns auch die Baude des Blutes stärker fühlen, als das sonst der Fall ist. Und wenn cs anders wäre, so wäre das unnatürlich. Die Sorge um unser Heer draußen, dessen Siegen wir erwartungsvoll und zuversichtlich entgegensehen, wird von einer andern bangen Sorge begleitet, von der um das Geschick der Juden in diesem Kriege. Denn wenn auch wir deutschen Juden uns genau in derselben Lage befinden wie alle Bewohner und Bürger Unseres Reiches, wenn wir dieselben Opfer willig bringen und uns freuen, daß wir Gelegenheit haben, dem Vaterlande zu dienen, das uns ein wahres Vaterland geworden ist, so dürfen wir doch nicht vergessen, daß sich nur wenige Juden in der glücklichen Lage befinden, für ein Land zu streiten, das sie lieben können und lieben müssen, weil es diese Liebe tausendfältig vergilt. Wir deutschen Juden sind nur eine kleine .Minderheit der Juden heit. Von den rund 15 Millionen Juden leben nicht mehr als 600 000 im Deutschen Reiche. Die weitaus größte Masse der Juden wohnt in solchen Staaten, in denen es zum mindesten kein Vergniigen ist, Jude zu sein. Nicht weniger als sechs Millionen wohnen im weiten russischen Reiche, wo sic eingepfercht sind in einem Landesghetto, das sie nicht verlassen dürfen. Aber das ,Geschick will diesen armen Juden keinen Tropfen bitteren Leides ersparen. Und so ist es denn dieses Landesghetto, der jüdische Ansiedlungsrayon der russischen und polnischen Juden, der den 'Schauplatz für die Kämpfe *zwischen uns und unsern österreichischen Bundesgenossen und den Heeren Rußlands abgibt. Man kennt ja die russische Kriegsführung. Man weiß ja, daß die russische Soldateska im cigeneu Lande nicht weniger sengt und brennt als in Feindes Lande. Nimmt man Galizien und die anstoßenden Länder, in denen und an deren Grenzen sich der Krieg abspielt, hinzu, so kann inan leicht be• rechnen, daß mindestens neun Millionen Juden von diesem Kriege unmittelbar in Mitleidenschaft gezogen worden sind, den das Zarentum mit seinen Helfershelfern freventlich über Europa heraufbeschworen hat. Wir hoffen zuversichtlich, daß die mitteleuropäische Kuitunvelt in diesem Kampfe mit den Barbaren des Ostens und den absteigenden ׳ Kulturen des Westens obsiegen wird. Und׳ wir wissen, daß .dieser Sieg der Kultur ein freies Aufatmen auch für unsere Brüder unter der Herrschaft der Knute bedeuten muß. Aber einstweilen gehen die meisten von ihnen dem wirtschaftlichen Ruin entgegen. Hat doch die russische Gewaltherrschaft sie längst von den Dörfern und dem Lande vertrieben. Und während der polnische Bauer nach aller Not des Krieges seinen Acker bebauen wird, wird der polnische und westrussischc Jude der wirtschaftlichen Krise nicht auf eigenem stunnfestem Boden begegnen können. Auch an der östlichen deutschen Grenze, wo sich Kämpfe abwickeln, wohnt ein erheblicher Teil der Juden, aber dort sind sie seit vielen Jahrhunderten die Träger deutscher Kultur und die Vermittler und Förderer deutschen Handels und deutschen. Gewerbeflcißes. Wenn es möglich wäre, den preußischen Patriotismus der Bürger unseres Staates überhaupt noch zu steigern, so müßten wir sagen, daß der Jude unserer östlichen Provinzen heute der eifrigste preußische Patriot ist. Natürlich läßt sich heute noch nichts davon vorausahnen, wie sich nach einem siegreichen Kriege die Verhältnisse in Polen endgültig gestalten werden. Nur Wünsche, Hoffnungen sind es, die unsere Brüder beseelen und aufrecht erhalten, während ihre wirtschaftliche Existenz zusammenbricht. Jedenfalls wird sich in der nächsten Zeit nach dem Kriege unter den polnischen Juden ein Elend offenbaren, das die gesamte Judcnheit durch die Heilung der dort ihren Brüdern ge• schlagcnen Wunden vollauf in Anspruch nehmen wird, Nur in Amerika wird es dann eine Judenschaft geben, die von den Kriegen nicht in direkte Mitleidenschaft gezogen ist, um wirksam an der Hilfe für die Unglücklichen mifarbeiten zu können. Von den andern Ländern haben wir wenig zu erwarten. In Frankreich, dessen Antiscmitismus sich in der Drcyfusaffäre klar gezeigt hat, das die zahlreichen nordafrikanischen Juden entrechtet, das im Frieden manche kleine und jetzt beim Ausbruch des Krieges eine große Hetze gegen die jüdischen Flüchtlinge aus Rußlands Tyrannei in Paris veranstaltete, ist der jüdische Mannesmut zu gebrochen, um es wagen zu dürfen, sich als Juden offen zu bekennen, geschweige denn für die unterdrückten Juden nach dem Kriege wirksam einzutreten. Im belgischen Antwerpen hat der Kriegszustand mit der Hetze gegen Deutsche und Juden eingesetzt, und die Juden aller Länder des gesamten Kriegsgebietes werden von den Gegnern der Deutschen als zu den Deutschen gehörig, deren Sprache sie ja sprechen und mit denen sie fühlen und sympathisieren, angegriffen. Dazu kommt noch, daß der durch den Krieg überall entflammte Nationalismus vielfach zu Chauvinismus ausarten wird, und wir werden dann eine antisemitische Flutwelle sehen, wie sie der Chauvinismus so oft erzeugt hat. So führen uns auch die Erwägungen über die Zukunft, der unsere Stammesbrüder entgegengehen, nur auf die Seite Deutschlands und seines österreichischen Verbündeten. Nur auf dieser Seite werden die Juden Schutz und Freiheit finden. Unser Deutsches Reich steht unerschütterlieh fest, wie der Fels im Meer. Aber als Juden sehen wir mit Bangen Ln die Zukunft. Denn neun Millionen unserer Brüder,