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Jüdische Rundschau · 1914-07-31 · Heft 31 (31.7.1914) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 31 (31.7.1914)
Date
1914-07-31
Page
– (sequence 13)
Language
German
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!8 r. 01 uns Kr. 01 JUEDISCHE RU N DSC H A. U Seiw «ל 11er zu erwerben. Und sollte sich diese Begeisterung noch erwecken lassen, so könnte es auch vielleicht in einem Teil der Masse Mode werden, ihre Kinder wieder hebräisch lernen zu lassen. Dies wäre dann das einzige Mitte!, um die Massen an das Judentum zu fesseln, denn Theorien und Probleme taugen nur für die (der Zeit nach) allerersten Träger der Bewegung und verlieren ihre Wirkung sehr bald auch aut die intelligenten Kreise. Eine gesprochene Sprache aber taugt für alle. * Sollte sich diese Begeisterung unter den deutschen Juden aber nur bei den wenigsten erwecken lassen, so müllteii w׳> dennoch diesen Weg gehen, da es keinen anderen Weg gibt, und wenigstens ein kleiner Teil von uns würde dann Volljude werden, auch außerhalb Palästinas. (Man darf vielleicht auch die Ghettojuden des Mittelalters zwar nicht als V 0 11 m ensc 11 cn , aber mit gewissem Recht als Volljudcn bezeichnen.) Und dieser kleine Teil würde sich dasselbe Ziel nationaler Kultur für das üalutli setzen, wie der Jude in Palästina, nur mit dem Unterschiede, daß es dort jedem Bauern möglich ist, Volljude zu sein, hier dagegen nur einem kleinen Kreis auserlesener, national begeisterter Männer und Frauen, welche selbstverständlich kulturell von Palästina abhängig wären. Ucbrigens ist ein solcher Zionismus allein imstande, die großen Mittel, welche Palästina braucht, flüssig zu machen. Denn nur für ״heiligste Güter“, d. h. vor allem für ihre Sprache, geben Völker Blut und Leben Ihn. Auch bei uns wird man mehr dafür lassen als Kupfergeld für die Nationalfondsbüchse. Wir haben bei den Juden Rußlands schon manch gutes Vorbild dafür. Ich resümiere meine tlieoretischen Auseinander- Setzungen. Alle zionistische Arbeit, welche bisher in Deutschland getan wurde, ist gewiß notwendig und gut gewesen, aber sie diente bisher lediglich dem Zweck, die Minderuisse, welche uns den Weg zum Judentum versperren, liimvegzuräumen. Zu positivem Judentum ist cs bisher nicht gekommen. Die bisherige Agitation wird man, wenn auch vielleicht mit wenig Erfolg, 110tgedrungen weiter bei größeren Massen anwenden, aber in erster Linie ist es notwendig, auf eine gesunde, positive Entwicklung bedacht zu sein, welche U11 ersten Stadium selbstverständlich eine rein persönliche Entwicklung der Besten und Energischsten ist. Jetzt, nachdem der große Umschwung seit dem 7. Kongreß in Deutschland uns erst klar vor Augen tritt, nachdem der hebräische Osten und Palästina uns Werte schenken, die uns zu heiligsten Gütern werden können, jetzt ist es an der Zeit, daß jeder seine Begoistcrungsfähigkeit von neuern prüfe und daß seine Begeisterung noch zehnmal so stark werde als zur Zeit, da er Zionist w?^c• ״Weit, sehr weit entfernt ist der Hafen, den wir mit der Seele suchen. Dem tausendjährigen Waneier^ jedoch darf kein noch so weiter Weg zu laug sein. (Autoemancipation.) Cl1 kkuibe, meine theoretischen Auseinander- 7;״r״c£Cn ^rden zum großen Teil unser» deutschen non ״" ״״!״ ,. ncu sein- ^er e'ns wird t!en meisten bSier a״״Pfn' 'Ch־?aß man a״f die Weise׳ wie ״la״ cs kann Mit 3”®f11 *18*י allerdings nicht hebräisch lernen schon an C v?r ^urzem eitl Bundesbruder, er habe Sprachkursen teilgenonimen, aber er könne das Hebräische nicht lernen. Nun, wer meint, man könne so ganz nebenbei, neben all seinen anderen Interessen die Sprache erlernen, die für uns ja einen rein ideellen Wert hat, deren Erlernung kein praktisches Agen$ befürwortet, der irrt allerdings. Daß man auf die Weise, wie cs bisher in den Sprachkursen betrieben wurde, nichts weiter hervorbringt, als die Phrase vom zu steinigen Boden für solche Dinge i!1 Deutschland, von unübenvindliclien Schwierigkeiten, liegt auf der Hand. Dali die meisten nichts gelernt haben, liegt an der Inkongruenz, der Zwecke mit den angewandten Mitteln. Die Schwierigkeit, die Sprache erst einmal so weit zu erlernen, bis man in die Literatur liiiicingekoinmeii ist, ist allerdings nicht klein. Ist man aber erst einmal soweit, dann hilft die Literatur selbst weiter und ist imstande, mit äßen den Energien, welche in ihr aufgespeichert sind, doppelt und dreifach zurückzuzahlen. Aber das erste große Hindernis zu überwinden, dazu gehör! allerdings ein ganz anderer Elan, eine ganz andere Ausdauer. Ich will lieber statt allein gleich praktische Vorschläge machen und eine Methode allgeben, welche ich augenblicklich in Posen mit einer kleinen Anzahl junger Leute, die ich selbst unterrichte, ausprobiere, bs ist liier ״wie überhaupt im Leben“. Kleine üpfer werden nicht gern gebracht, also fordere man große. Die Erlernung der Sprache muß k 1U b - mäßig betrieben werden. Es werden nur get-'iguetc Leute (auf Vorschlag) hineiugcwählt, welche die nötige Energie und Zeit aufbringen wollen. Die Erlernung der Sprache ist in den Vordergrund aller luteressen zu setzen (mindestens muß täglich eine Stunde gearbeitet werden). Die Leute müssen sieh kameradschäftlieh anciiiaiidcrsclilicßen und sich bewußt sein, daß sic eine große Verantwortung auf sieh genommen haben, daß der Erfolg nicht ausblcibcn d a r f, Tüchtiges Zusammenhalten verzehnfacht die Energie, (Für mich War jedenfalls das ewige Alleinarbeiten das Schrecklichste an der Sache.) Es sollen mehrere Unterrichtsstunden in der Woche stattfinden. (Ich gebe einmal am Sonntag und einmal in der Woche abends je ly* Stunden.) Die Hauptsache ist die Hausarbeit, Man soll innerhalb eines Jahres imstande sein, sich in der Literatur weiter zu helfen. Selbstverständlich muß ein geeigneter Lehrer da sein. An geeigneten Lehrbüchern fehlt es ja nicht mehr. Die KlubmÜglieder müssen möglichst das Gelernte im Gespräche unter sich anwenden. Hinter den hebräischen Interessen müssen alle anderen zurück stehen. Es muß sich in jedem größeren zionistischen Verein und an jedem größeren Orte, wo Zionisten leben, solch eine festgefügte hebräische Gruppe zusammentun. )״ erster Linie sollen die jungen Akademiker dieser Gruppe angehören. Die hebräische Kommandosprache in den zionisiisehen Turn- und Sportvereinen, welche wir ja über kurz oder lang werden cinfüiiren müssen, ferner hebräische T u r n 1 i e d e r können viel Stimmung für die hebräische Sprache machen und vielleicht bürgert sich die hebritf* sehe Sprache gerade in unseren Sportkreisen zuerst ein. Ich denke mir die ganze Bewegung ja überhaupt nicht derart, daß sich hebräische Salons bilden sollen, sonder« cs sollen gerade die jungen begeisterten Leute sich der Spruche bei jeder jüdischen Arbeit, bei ihren Festen, bei kameradschaftlichen Zusammenkünften bedienen. Daß dies schwierig erscheint, bezweifelt keiner, aber

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