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Jüdische Rundschau · 1914-07-24 · Heft 30 (24.7.1914) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 30 (24.7.1914)
Date
1914-07-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 62 JUEDISCHE RUNDSCHAU SO?013! 1/22 f däa's wurden vier Molkereien gegründet» eine vom Jüdischen Nationalfonds in Benscheincn, eine auf Privatreclinung von Herrn J. L. Goldberg .aus Wilna in Artuf, eine mit iiilte einer Anleihe der A. P.C. in Ekron, und die vierte endlich ist ebenfalls unter Mithilfe der A.P. C. in Ein-Gauim im Entstehen begriffen, Die Einrichtung dieser Molkereien ist dadurch erniöglidit worden, daß der einzige, oben erwähnte Tierar/t sich in Judäa (Pethach Tikwah) ansässig gemacht hat; ferner dadurch, daß cs mit vieler Mühe gelungen ist, die Kolonisten davon zu überzeugen, daß bei Futterbau und Stallfütterung die Viehseuchen außerordentlich an Heftigkeit und Gefährlichkeit verlieren. In Wirklichkeit hat die Pest den Kolonien im allgemeinen nur geringen Schaden verursacht. Von mehr als 200 Stück Vidi in Rischon sind 1mr vier, von den grollen Herden in Petlmch Tikwah mir acht Stück durch die Pest weggerafft worden. Etwas schlimm er war es in Benschemen» wo eine gefaltrlichc Seuche, die Geryza gatigrencx, 17 Kühe und 20 Kälber als Opfer gefordert hat. Es ist klar, daß bei Hinzuziehung noch einiger Tierärzte und bei sachgemäßer Stallhaltung des Viehes mit genügendem Futterbau die Seuchen nur geringen Schaden verursachen dürften. Um aber sicher vorzugehen, müssen wir Viehvcrsiclierungsgesdlscliaften einführen. Einige kleinere Gesellschaften dieser Art sind in Palästina schon vorhanden. Sie sind aber nur für kldnerc Unfälle leistungsfähig. Die Kolonie zahlt 3 "/o des Wertes der Herden als Prämie» kann aber dadurch nur einen Schaden decken, der auch nicht mehr als 3 ״,'o des Wertes ausmacht. Bei einer Seuelie, die etwa 10 ס/יי des Bestandes vernichten würde, sind diese Gesellschaften hilflos. Diesem Ucbelstande müßte man dadurch ein wenig abhclfcn, daß man alle kleineren Gesellschaften zu einer einzigen größeren vereinigt. Wie in Europa die Regieruiigeu cingreifen mußten und aus ihren Finanzmitteln Fonds für Viehversicitcrung schufen, so muß auch in Palästina ein solcher Fonds geschaffen werden, und ebenso, wie in den europäischen Staaten diese Fonds niemals erschöpft werden, sondern im Gegenteil die Reservefonds vergrößern helfen, so wird es auch in Palästina sein. Wenn man annimmt, daß der Viehbestand der jüdischen Kolonisten einen Wert von ca. 400 000 Fres. repräsentiert, so würde sich, wenn entsprechend den bisherigen Erfahrungen eine größere Seuche einmal in sechs bis sieben Jahren Palästina hcimsucUt und ca. 10 °/0 des Viehbestandes vernichtete, der Schaden einmal in sieben Jahre» 40000 Frcs., also ca. 6000 Frcs, jährlich betragen. Nehmen wir dagegen extreme Fälle an: eine Seuche einmal in sechs Jahren und ein Verlust von 25 ״/o des ganzen Viehbestandes (ein Fall, der sich bisher allerdings in de« jüdischen Kolonien noch nicht ereignet hat), so würde sich in diesem Falle der jährliche Schaden auf ca. 17 000 Frcs. stellen. Zu dieser Summe könnten die Kolonisten selbst 12000 Frcs. beisteuern, als dreiprozentige Prämie des Vichwertcs, die übrigen 5000 Frcs. müßten durch irgend eine Organisation gesichert werden. Eine kapitalkräftige, in Palästina arbeitende Organisation, die 100 000 Frcs. für diese Zwecke bei der A. P, C. Nr. 28/30 oder einer anderen Institution deponieren würde, könnte zur Hebung der Landwirtschaft außerordentlich viel beitragen. Die Zinsen würden als Fonds für die Viehversicherung dienen; das Kapital selbst müßte einen Lcilifonds für Viehzucht und Milchwirtschaft darstellen. Die Nachfrage nach Milch und ihre Produktionen wird in Palästina immer größer. Die jüdische Bevölkerung von Jaffa allein kann mindestens 3000 Liter Milch täglich konsumieren. Von Ekron, Ben Schemen, Ein- Ganim werden heute ca. 800 Liter auf den Markt gebracht. Für die fehlenden 2200 Liter könnten noch viele kleinere Molkereien «ingerichtet werde«; eine Molkerei in Nach lath-Jchuda bei Rischon würde der industriellen Kolonie Rischon Milch verschaffen; eine Molkerei in Be’cr-Jakob würde ihre Produkte nach Rcchoboth verkaufen. Der Hauptmarkt für Milch und ihre Produkte wird aber immer Jerusalem sein. Die 60000 Juden in Jerusaletn könnten täglich ca. 15 000 Liter Milch verbrauchen, wahrend heute Jerusalem noch nicht 1000 Liter pro Tag verbraucht, weil der Preis für den größten Teil der Bevölkerung unerschwinglich ist: im Hochsommer kostet ein Liter meist stark verwässerter Milch ca. 60 bis 80 Centimes. Es ist daher notwendig, eine große Molkerei in der Kolonie Artuf zu gründen, eine zweite in Kafr-Uric, eine dritte in Hulda. Ferner könnte die Molkerei in Ekron noch stark vergrößert werden. Am alleruötigstcii aber wäre es, sofort eine Molkerei in Moza, ganz in der Nähe von Jerusalem, zu gründen. Diese Kolonie liegt sehr darnieder, und es gibt kein anderes Mittel, sie wieder in die Höhe zu bringen. Docli auch andere Kolonien in der Umgebung von Jerusalem werden nicht lebensfähig sein, wenn sic sich nur mit Pflanzungen beschäftigen: nur Molkereien, verbunden mit Geflügelzucht und Gemüsebau sind in der Umgebung dieser Großstadt existenzfähig. Von den Städten entfernter liegende' Kolonien werden Milchvieh für die Molkereien züchten, ferner Fleischvieh und Arbeitsvieh. Solche Kolonien können auch Trocken* käse bereiten, Es wird jährlich in die asiatische Türkei mindestens für 1/1 Million Frcs. Käse importiert und, wenigstens in Palästina, zu außerordentlich hohem Preise verkauft. Ich resümiere: Die Zukunft der jüdischen Kolonisation in Palästina ist von einer rationellen Viehzucht abhängig. Eine solche ist nur bei Schaffung eines Ver- Sicherungsfonds und eines Betriebskapitals für Molkereien möglich. Die Bereitstellung eines solchen Kapitals ist für eine in Palästina arbeitende, kapitalkräftige Personliebkeit oder Organisation von Vorteil, denn das Kapital wird sich verzinsen nud sich vergrößern, weil die Seuchen in Palästina im allgemeinen nur geringen Schaden anrichten. Durch ein Kapital von 10Ö 000 Frcs. wäre es möglich, unter Mithilfe der A. P. €. in vielen Kolonien Viehzucht zu treiben bzw. Molkereien einzurichten. Milch- Wirtschaft und Viehzucht wird die Kolonisation rentabel machen und eine Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse der Juden Palästinas mit sich bringen.

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