Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1914)
- Date
- 1914-07-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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120 22/28 .׳£/88; Jhlieiit, 2 Wich- S Sv!1- '24 Cs, im is ge- BEIBLATT Nr. 28/30 24 Juli 1914' »tiuiial- ״, daß Jr alJc Mittd läuser, i eine l.iiult, dein n i elzehn vl □ □ D O □ □ ם a a a INHALT c o o 0 0 0 ם 0 0 □ Probleme der Landwirtschaft in Palästin; . Von Dr, M. Zaearodsky, Jaffa. — Die erste Session des Jerusalemer Provinzialrates. Vor. zellen- ־n An- 11 instoriuni .* Bauabzud den illigcn lest aue (ie•!11 u ie ic das idu'in :r Deci 111er, Lev in, e und titverer der .rtigeu ) überern in en erleiben, ist in rezent 311 bis Jahre »achter izinses nstaiid *henoii en. ׳11״•<*•) rdiikviilinzi;r fbani Probleme der Landwirtschaft in (Palästina Von Dr. M. Zagoroduky, Jaffa (Die jüdische Kolonisation in Palästina ist bis jetzt nur langsam vorwärtsgegangen, nicht, weil die Juden schlechte Kolonisten wären, oder weil Palästina sieb zur Kolonisation nicht eignete, sondern weil die Organisntion der Kolonisationsarbeit noch keine gute ist. Früher bevorzugte inan in Palästina bei der Anlegung von!andwirtschaftlichen Betrieben den Getreidebau, Heute legt man das Schwergewicht auf die Anlage von Baumpflanzungen, und die Folge ist, daß fast alle Wirtschaften einseitig geworden sind, in einigen Kolonien, besonders in Samaricn und Galiläa, wird fast nur Weizen angebaut, in anderen Kolonien findet man nur PÜan- I zungen. Die Erträge in den Getreidebau-Kolonien sind nied-! rig, da der Boden sehr erschöpft ist, und dieser Er- Schöpfung nur durch Stalldünger abgeholfen werden f] könnte, da chemischer Dünger die Beschaffenheit des r schweren Bodens (und die meisten Getreideböden sind! schwer) nur verschlimmert. Man müßte also in diesen Kolonien Viehzucht einführen, um eine wesentliche Steigerunf der Erträge zu erzielen. Aber auch die Erträge g der Obstbaumplantagen sind schwankend, so daß die erfahrenen Kolonisten heute zu der Ucberzeugung ge-? kommen sind, daß, um die auf Pflanzungen basierenden ׳ Wirtschaften rentabel zu machen, auch bei ihnen die Ein- | führung der Viehzucht Vorbedingung ist. Der Mangel au 1 Nutzvieh hat sich auch sonst verderblich erwiesen: von einem rentablen Gemüsebau kann ohne Stalldünger nicht die Rede sein; die Ernährung der Kolonistenfamilien ist sehr mangelhaft, weil Milch, Butter und Käse nur selten in einer Kolonie anzutreffen sind. Das schlimmste ist aber, daß der Kolonist verhungern muß, wenn bei einer Mißernte die Felder und die Pflanzungen einmal versagen, weil er von all den anderen landwirtschaftlichen Nebenbetrieben keinen Nutzen ziehen kann. Es gibt keine Viehzucht, keine Molkereien, keinen Gemüsebau, keine Geflügelzucht und keine industriellen Betriebe. Nun sind aber alle landwirtschaftlichen Nebenbetriebe einzig und I allein von der Viehzucht abhängig. Garten- und Gemüsebau kann gepflegt werden, sobald Stalldünger vorhanden ist. Wo eine größere Viehzucht vorhanden ist, ist ohne weiteres eine rentable Geflügelzucht möglich, weil sich das Geflügel von den Abfällen der Wirtschaft ernährt. Die übrigen landwirtschaftlichen Nebenbetriebe sind organisch mit der Viehzucht verbunden, — Mol* kereien, Brennereien, Oelpresscn usw. Die Produkte der Viehzucht werden in diesen Betrieben verarbeitet, die Abfälle der Betriebe werden in der Viehzucht verwertet. Viele von unseren Kolonisten sind schon lange zu der Ucberzeugung gekommen, daß die Viehzucht der Lebensnerv de.׳ Landwirtschaft ist. Sie sahen, daß die deutschen Kolonien Sarona und Wilhelma immer reicher werden und daß die einzige Quelle ihres Reichtums die Milch ist, die an die Juden in Jaffa und Jerusalem verkauft wird. Sarona baut aber gar keinen Weizen an, sondern Futter und Gemüse, und fast ebenso ist es in Wilhelma. Man sah die unglaublich hohen Preise, die für Molkcrcicrzcugnisse in Palästina bezahlt werden (Milch kostot bis 40 Centimes pro Liter, Käse bis 1,50 Francs pro Kilogramm, Butter bis 6 Frcs. pro Kilogramni und ist einige Monate im Jahr überhaupt nicht zu haben); man verstand auch die Bedeutung der Milch für die Volkscrnährung, und doch machte man bis vor kurzem fast gar keine Versuche, die Viehzucht im Lande einzuführen. Verschiedene Ursachen wirkten hemmend, — zu• nächst der Mangel an Erfahrung, denn die Viehzucht war den meisten Kolonisten, die aus Städten stammten, unbekannt, und unsere ersten Kolonisten waren für neue Einführungen schwer zu haben. Dann schreckten — und das war das wichtige Hemmnis — die endemisch auftretenden Viehseuchen vor jedem neuen Versuche zurück. Nach jedem Vortrage in irgendeiner Kolonie über die Notwendigkeit der Einführung der Viehzucht wurde an den Redner die fatale Frage gestellt, welches Mittel er gegen die Pest habe. Es kam dazu, daß veterinär-medizinische Hilfe in ganz Palästina vollständig fehlte. Erst seit vier Jahren gibt es einen Tierarzt im Lande, der eine europäische Fachausbildung genossen hat. Infolgedessen ist auch von einer Viehversicherung keine Rede, denn welche Ver* Sicherungsgesellschaft wird in einem Lande arbeiten, wo die sanitären und veterinären Verhältnisse noch so primitiv sind. Diese traurige Lage hat sich erst in den letzten zwei Jahren, 1912 und 1913, gebessert. In den Kolonien Ju-