Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1914)
- Date
- 1914-07-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 30 J UII Dl C C H E ״ U r; D SCHAU Seile;27 r ZIONISTISCHE BEWEGUNG Wir bitten alle Gesinnungsgenossen, die Bade• und Kurorte autsuchen und bereit Find, uns rednerisch oder bei der Voran• staltung von Versammlungen zu unterstützen, sich mit uns In Verbindung zu setzen. Zionistische Vereinigung für Deutschland. * ״Die Vorgeschichte des Zionismus“ In einein Schweizer Verlag wird demnächst erscheinen ' ״Die Vorgeschichte des Zionismus“ von Dr. I*. Gold ring• Hern. Auf Grund reichhaltigen Qncllenmateriais, das;;101 zum Teil vom Odcssacr Coinite der Chowewc- Zion zugegangen war, schildert der Verfasser die Entwicklung der Zionsidee in den letzten Decennien \׳!r dem Auftreten Theodor Herzls. Das Werk ist;11,s einer Doktordissertation hervorgegangen, die von dir philosophischen Fakultät der Universität Bern 1:1i Lob angenommen worden ist, und wird eine tjereichcrung der historisch-zionistischen Literatur darstellen. t Vom jüdischen Nationalfonds Mitteilungen der Zentrale für Deutschland Das Hauptbüro des J, N. F. gibt folgendes hekönnt: In der Nation ׳alfondsbibliothek ist soeben erschienen: ״G e m c i n e i g e n t u m und P r i v n I e i g e 11 - tum an Grund und Boden“ von Dr. Franz Oppenheimer, Preis 30 Pfg. In Vorbereitung sind: ״Erbpacht und Erbbaurecht von Dr. Kurt Nawratzki, ״A rb c i t c rh c im s t ii 11 c n und Arbeitersiedlungen“, ״La 11 d a rbc i• terfrage und Genossenschaft“. — Diese Monographiccn sollen die Grundlage für eine Diskussion über das Arbeitssystem des Nationalfonds bilden. Agitationsschriften: Soeben erschienen: ״Der Traum von der N at ion a Ifo n dsbüch sc“, ein Märchen von Simon Nciimann. Eine Reihe von Propagandaschriften über die Zwecke des N. F. befinden sich in Vorbereitung. Alle Schriften sind durch die Sammelsteileii und Vertranensmänncr des Jüdischen Nationalfonds, sowie durch den Jüisclicn Vcrdlag zu beziehen, Meine Arbeit an der Biographie Theodor Herzls hat mir gezeigt, daß ein sehr großes Material von Briefen unseres verewigten Führers nicht nur in den Archiven, sondern auch in den Schreibtischen Privater vorhanden ist. Sic sind zürn Teil sehr interessanten Inhalts, und ich habe die Absicht, diese zerstreuten Dokumente, die nicht nur für die Lebeiisbcschreibiing Herzls, sondern für die zeitgenössische Ge• schichte der Juden überhaupt interessant sind, zu sammeln und eine "Auswahl zu""veröffe11tlicben. Ich wende mich deshalb mit der Bitte an alle, in deren Händen sich Briefe Herzls befinden, mir dieselben zur Verfügung zu stellen. Die Originale werden nach ganz kurzer Zeit unter Anwendung jeder Vorsicht zurinkgcsaiidt. Die Veröffentlichung des Inhalts wird selbstverständlich nur mit Einwilligung des Eigen- Ihn:׳ rs erfolgen. Zwecks systematischer Bearbeitung erbitte ich nicht nur sogenannte interessante Schriftstücke, sondern auch Briefe gleichgültigen und für die Ocffentlichkcit nicht bestimmten Inhalts. Die Zusendung erbitte ich an die Adresse des lüdischen Verlages, Berlin W. 15., Sächsische Straße 8, Dr. Adolf F r i e d e 111a n n. Bericht der Zionistischen Frauenweltorganisation Januar bis Juni 1914. Die auf dem letzten Kongreß reorganisierte f'r.iacnweltorganisation konnte erst im Februar mit ili׳•׳! Tätigkeit beginnen, da sie bis zu diesem Zeit- Pi■!:!.Je mit den Vorarbeiten der Konstituierung besch'dligt war. Die Organisation hat bis jetzt alle in Europa belebenden zionistischen Frauen• und Mädclicuvcrcm! festgestelit und sich mit ihnen in Verbindung Hcwi/t, Von den außereuropäischen Ländern fehlen Teil noch die Antworten. Wir haben ein Prosowohl für die Organisation selbst, als auch Dir die einzelnen Frauen• und Mädcheuvereiiic ausgearbeitet. Dieses wurde in der ״Welt" und der ״Rundschau" veröffentlicht und'an alle Vereine verschickt. Alle Vereine haben die Organisation mit Freuden begrüßt, und von fast allen kamen Sehreiben, welche der unbedingten Notwendigkeit der Organisation Ausdruck gaben. Wir haben 27 zionistische Frauen- und Mädchenycreine in Europa festgestelit. Nach der Veröffentlichung des Programms traten ״er größte Teil dieser Vereine, nämlich 21, mit über 1000 Mitgliedern der Organisation bei. Wir haben durch die •Korrespondenz mit den Vereinen viel Trauriges entdecken müssen. Die meisten Vereine haben programmier, und falsch gearbeitet, und es feiilte ihnen die Initiative. Zum Teil waren sic cingerdilafen. Vereine, die schon jahrelang bestehen, haben ihre Mii1׳lieucr/ahl nicht vermehrt. Weder wagten sie sich au neue Aufgaben heran, die den Milgii ■ilern neue Arbeitsfreudigkeit gewährt hätten, noch legien sie Wert darauf, neue Mitglieder zu bekommen. Den Vereinen wurde die bisher fast überall verkannte Bedeutung׳ der systematischen Beeinflussung unserer Jugend Iclargclegl. Erfreulicherweise fiel diese Anregung auf günstigen Boden. All diese Vereine beschäftigen sich auf unsere Veranlassung jetzt mit Jugenderziehung, entweder Einrichtung von W;Indervögeln, Kiiulcrnachmittagen oder Kindergärten und dergleichen mehr. Für diese Kindcrnacliniittage haben wir an einige Vereine ganz genaue ausgearbeitete Programme geschickt. Wir haben ferner die Vereine angeleitet, nicht nur zionistische Werke zu lesen, sondern ihre Mitglieder durch Diskussionen zur Agitation herau/ubiidcit. Das Wesentlichste war aber für uns, die häufig beobachtete Schlaffheit der Vereine nachdrücklich zu bekämpfen. Wie häutig bekamen u׳ir zu Anfang Briefe von Vereinen, in denen es hieß, ״unsere Mit. glieder zahlen Beiträge, wollen aber von einer Tätigkeit nichts wissen.“ liier setzte der wichtigste Teil unserer Tätigkeit ein. Die Anregungen, das ständige Interesse und die Kontrolle unserer Organisation, gaben für die meisten Vereine zu einer freudig gcsteigerten Betätigung Anlall. Vor Scliewuotli sandten wir an alle Vereine ein genau ansgearbeitetes Programm für Bhimentage. Ein feil unserer Vereine hat diese veranstaltet, und wir haben festgestellt, daß aut unsere Veranlassung dem Nationalfonds durch die Hliimentage 0-10 Mark zugeführt worden sind. Wir werden dafür Sorge tragen, daß sielt diese Summe im nächsten Jahre bedeutend vergrößert, was alle Vereine versprochen haben. Auch für Herzlfeiern sandten wir an die Vereine Programme. Eine ganze Anzahl Feiern haben auf unsere Anregung hin stattgefimden. Wir haben Vorträge für Frauen- und Mädchenvereine speziell ausgearbeitet und diese den Vereinen zur Verfügung gestellt. Einige haben bereits von diesen Vorträgen Gebrauch gemacht. Nach Warschau, Stockholm und nach Sankt Paulo in Brasilien haben wir durch schriftliche Informationen Anrcgungen zur Gründung von Frauengruppen gegeben, die wohl in der kommenden Saison erfolge« werden Wir selbst haben einen Frauen• und Mädchenverein in Bcuthcn mit 25 Mitgliedern, und einen in Leipzig mit 85 Mitgliedern, der aber seine Mitglieder zahl schon vermehrt hat gegründet. Einige Mäd• chenvereine, die vollständig eingesclilafcn waren, haben wir durch persönliche Rücksprache und Kor• respoudenz reorganisiert. Zti verschiedenen Städten lialien w׳ir bereits feste Beziehungen angeknüpft und werden dort in der kommenden Saison Frauciivercinc gründen. Jetzt während der Sommermonate ruht die Tätigkeit fast aller Vereine. Wir arbeiten in dieser Zeit weiter, und zwar bemühen wir uns, Franenvcreine und Frauen in Badeorten zu zionistischen Tätigkeiten anztiregen. Ferner arbeiten wir an Programmen, welche wir den Vereinen für die kommende Wintersaison über• mittein wollen. Auch arbeiten wir an einem Buch für zionistische Miidcltcnvcreine, welches Fragen und Antworten über den Zionismus, seinen Ursprung, seinen Zweck, seine Ziele, über die ganze zionistische Geschichte und Organisation und über die bedcuteiuleii Persönlichkeiten im Zionismus und Juden• tum enthalten soll. Dieses Buch bekommt die Leiterin des Vereins, und sie stellt bei den Zusammenkünften a!1 die Mädchen die Fragen. Wir glauben auf diese Weise die Mädchen über den Zionismus aufzuklären und zu belehren. Demi wir haben durch unsere Tätigkeit gesellen, daß der größte Fehler der Frauen und Mädchen ist, daß sie noch zum Teil sehr lmoricntiert sind, und deshalb auch nicht imstande sind, uns neue Freunde zuzuführen. In einigen Vereinen hat sich dieses System schon gliinzemF bewährt. Wir gehen ferner mit der Absicht um, auf allseitig drin• )׳enden Wunsch eine eigene Ernucnzehuitg zu schaffen, die alle vier Wochen erscheinen soll, und arbeiten während der Sommermonate an der Verwirklichung dieses Planes. Wir wußten, «laß es für unsere Organ!• sation grenzenlos viel zu schaffen gibt, aber wie ge• waltig die Arbeit ist, haben wir erst recht durch unsere Tätigkeit gesehen, die uns von neuem zeigte, daß nur durch die Organisation es möglich sein wird, richtig arbeitende Frauen- und Miidehenvereine zu schaffen und vor allen Dingen sie zu erhalten. Wir werden weiter mit all unseren Kräften bemüht sein, überall, wo cs nur Irgend möglich ist, die jüdischen Frauen in zionistischen Fratienvercliien zu organisieren. Wir erhoffen einen großen Aufschwung für den Zionismus, wenn überall, wo bereits Orts• gruppen sind, auch Frauen- und Miidehenvereine entstehen. TURNEN ifflD SPORT Berlin. Jüdischer Turnverein Bar K o c 11 ba C11 a r 1 011 e 11 b u rg. Für den am Sonnt a g, d e 111 23. August, stattfindenden Dampferausflug, an dem alle Berliner Abtei• lungen des Bar Kochba teilnchmcn, ist nunmehr nach• stehendes Programm festgesetzt: Abfahrt früh I a9 Uhr ab Jamiowitzlmicke mit Dampfer ,,Odin“ der Reederei Nobiling. Ankunft II Uhr in Wilhelms• II a g e 11 H c s s e n Wink e I. Spiele im Freien. Oenieinsnme Kaffetafel. Wettkämpfe. Kabaret. Tanz. Rückfahrt gegen 9 Uhr. Karten sind im Vorverkauf h 1,23 M. in der Geschäftsstelle des Bar Kocltha, Bieibtrcustr. 23, sowie auf allen Turiibödcn zu haben. Da der Dampfer nur 250 - 300 Personen anfnimmt, die Beteiligung jedoch sehr groß zu werden verspricht, empfiehlt es sich, Teilnehmerkarten rechtzeitig zu bestellen. Berlin. 1. 1 n t e r 11 e s S ק o r t tu e c t i n g der Vereine Jüdischer Studenten zu Berlin. Am 15. und 16. Juli veranstalteten die im Bunde Jüdischer Korporationen kartellierten Vereine Jüdischer Studenten der V. J. St. Berlin, der V. J. St. UhnrloUenburg, der V. J. St. Maccabaca und die Ruderabteilung des V. j. St.cn ihr erstes internes Sportmeeting im Stadion Grunewald und auf dem akademischen Hochschul- Turn-Sportplatz. Das vorwiegend aus leiclitalhletischeu Konkurrenzen bestehende Programm wurde in Gegenwart vieler Alter Herren ausgetragen. Insbcsondere wurde eine •1lOO-m-Stafclte von de« vier Verbindungen gelaufen, die von dem .VJ.St. Berlin in 50,1 Sekunden gewonnen wurde. Ein Fünfkampf bestehend aus Weitsprung, Kugelstoßen, KK)-m-Lnufcn, Schwimmen und Säbelfechten wurde von stud. metl. Oscar Lubowski (V. J.St. Berlin) ge- Wonnen. Die Eiiizclresultate sind folgende: lÖO-m- Laufen: 11,8 Sek. — Kugelstoßen: 9,68 m. — We it Sprung: 5,30 111. — ln den Einzcikonkurrenzeu, die außer den im Fünfkampf erwähnten, stattfanden, wurden ebenfalls verhältnismäßig gute Resultate erzielt: Diskuswerfen: 28.31 nt. — II oeIt s p r 1111 g: 1,55 m. Speerwerfen: 31 m. .100 m - L n u f e 11: 59,1 Sekunden. I >as Meeting wurde eingeleitet durch eine interne Regatta der Rnderabtciluiig vor ihrem Bootshaus in Oberschöneweide. Steglitz-Friedenau. Vor einigen Wochen wurde hier für die südwestlichen Vororte ein jüdisch nationalcr Turnlind Sport-Verein gegründet, der sich eines sehr regen Zuspruchs erfreut und schon jetzt mehr als 50 aktive Mitglieder zählt. — Der jüdische Religionsverein Friedenau Steglitz, der trotz seines mehrjährigen Bestehens bisher nicht das geringste Verständnis fiir .Turnen und Sport gezeigt hat, fünlte sich nun veranlaßt, ohne Befragung seiner Mitglieder einen Gcgenverein zu gründen und versucht durch allerhand Unterbietungen, wie geringere Beiträge, kein Eintrittsgeld usw., Mitglieder zu werben und unseren Verein zu schädigen. Wir konstatieren aber, daß ihm das bisher nicht gelungen ist und daß fast alle Mitglieder bei uns geblieben sind und sich noch täglich neue melden. — Wir veranstalten vorläufig: ׳ Jeden Mittwoch abend, kleine Wanderung, jeden Sonnabend .abend, Rnsenspicle: Fuß-, Faust-, Schlagball, Laufen, Springen usw. auf dem städtischen Spielplatz Schöneberg, Rubensstr. Jeden Sonntag: Tagesnartien. Montag und Donnerstag: Tennis. Gaste, Damen und Herren, sind her/lichst willkommen. Näheres zu erfahren durch Dr. Ernst W o 1 f f, Halensce, Kurfürstcmlainm 109 (Tel. Uhl. 2358), Max Jacobsohn, Steglitz, Kieler Str, 3 fTcl. Stgl, 105), Franziska Holden, Steglitz, Sclilonstr. 120 (Tel. Steglitz 67). AUS DEN GEMEINDEN Jüdische Bewerber für landwirtschaftlichen Betrieb. Bei den zunehmenden Schwierigkeiten, denen die jüdische Berufswahl unter den heutigen Zeitverhiiltnisse ausgesetzt ist, ist seitens des Verbandes der Arbeitsnachweise der Grollloge für Deutschland au eine große Anzahl jüdischer Gutsbesitzer die Anfrage gerichtet worden, ob sie geneigt wären, in ihren Betrieben — und zwar sowohl in landwirtschaftlichen als häuslichen •— jüdische Bewerber für gehobene wie untergeordnete Stellen aiminehmen. In Frage kämen Eleven, Inspektoren, Portiers, Wächter, Erzieherinnen, Stützen der 1 lausfraii, Vorleserinnen, Dienstmädchen tmv. Eine Anzahl der ungefragten Gutsbesitzer hat bereits bejahend geantwortet. Von einigen Gutsverwaltungcn ist der Wunsch ausgesprochen worden, iihucn geeignete jüdische Eleven zw empfehlen. Der Zweck dieser Zeilen ist nun, jüdische junge Leute auf die vorliegende Situation aufmerksam zu machen und sofern sie Interesse für die Landwirtschaft haben, sie zu veranlassen, ihre Namen bei dem Verband der Arbeitsnachweise der Großloge für Deutschland, Berlin W. 62, Klciststr. 12, jtnzugeben, woselbst die näheren Bedingungen zu erfahren sind, Leipzig. Wie aus dem soeben erschienenen Ver. waltungsbericht der hiesigen Gemeinde liervorgclit, hat das Oemeimleverordnetenkollcgiuin ״in Ueben• einstiinmimg mit dem einhelligen Gutachten des hierzu gebildeten Ausschusses“ die Einführung des aktiven Ausländerwahlrcchts abgclelint. Somit bleibt cs einstweilen dabei, daß mehr als zwei Drittel der Steuer- Zahler keine Vertretung und keinen Einfluß innerhalb der Gemeindeverwaltung besitzen. Ob der recht diplomatisch gewühlte Ausdruck ״einhellig“ die Einsuinmigkeit ucs Ausschusses andeuten soll, ist nicht gut autzuklüren. Zum Glück stehen im Herbst die Neuwahlen zum VerordnetenköUegium au, Sache der