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Jüdische Rundschau · 1914-07-17 · Heft 29 (17.7.1914) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 29 (17.7.1914)
Date
1914-07-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2Q J U E D!;AU Seile 315 Erwägungen nicht in der eisten Linie stellen. Der Gegensatz war vorhanden und wurde gefühlt, ,־!her )1'!1;״ vertrug sich leidlich. Während der Zionismus in lafa durch die Gründung von Teil Ahib unbestriuencr Herrscher wurde, besaß er die Führung in Jerusalem nicht. Der Gegensatz führte in Jerusalem zu einem heftigen Streit aus Anlaß der S p r ache n f r'a g e. Bekanntlich war die hebräische Sprache seit langer Zeit tot; Gelehrte schrieben sie wohl noch, aber niemand sprach sie mehr. Die einzelnen Gruppen der Juden redeten unter sich im ״Jargon“, der je nach dem Lande, in dem sie lebten, stark mit Fremdwörtern veivtzt und voneinander sehr verschieden war, so daß sie ihre Mundart, die zugleich ihre Muttersprache war, nicht zur gegenseitigen Verständigung gehr.idien konnten. Diese Friahrung drängte sielt den jn Palästina zusammeugcwanderteii Juden in bc• sonders fühlbarer Weise auf und führte zu dem Wunsche, wieder eine allen Gliedern des Volkes genu'iiisainc Sprache zu besitzen. Daß man dabei nur;111 das alle Hebräisch dachte, verstand sich für alle von M'lbst. Einige besonders eifrige Familien machten zimädist für sich den Versuch, die erstorbene Sprache im :miiullichen Verkehr neu zu beleben. Der BeiiiiiC. llilfsvereiu der deutschen Juden liell in den von ihm unterhaltenen Schulen in Jerusalem besondenn Fleiß auf das Hebräische verwenden, während sich die von englischer und französischer Seite gestitutcii Schulen (Rothschild, Alliance Isrnclite) um dies׳■ Aufgahe des Unterrichts nicht kümmerten. Für die Zionisten war cs hei der Einrichtung des hehräisehen Gymnasiums in Teil Abib bei Jafa von vornherein nicht zweifelhaft, daß die Unterrichtssprache mir die hebräische sein könnte. Ich habe mich dank der freundlichen Erlaubnis des dortigen Direktors Herrn Dr. Mossinsohn mit eigenen Ohren davon überzeugen können, wie der Unterricht in verschiedenen Fächern (Religion, Geographie, Chemie usw.) mittels der hebräischen Sprache glatt vor sieh ging. Nun schritt man vor einigen Jahren von Berlin aus zur Ausführung des glücklichen Gedankens, ein jüdisches Technikum für Palästina in Haifa zu errichten, Nachdem die Bauten rasch vorgeschritten waren, bestimmte man Deutsch als Unterrichtssprache der Anstalt.• Dieser Schritt wurde um die Wende iles Jahres von den Zionisten mit einem offenen Angriff auf die Schulen des Berliner I lilfsvereius in Jerusalem erwidert. Man versuchte sie zu sprengen, indem man Lehrer und Schüler, zum Teil unter haßliehen, völlig aus der Luft gegriffenen Vorwänden, abwendig machen wollte. Das gelang freilich nur zum Ted; man gründete aber doch mit Hilfe der Gewonnenen und anderer neue Schulen, so daß nun die Jerusalemer Juden in Schulen alles doppelt haben mul ein hebräisches, zionistisches Gymnasium dazu. Ja, wenn es nach den Plänen der Zionisten geht, so wird Jerusalem in absehbarer Zeit seine jüdische Universität besitzen, an der in hebräischer Sprache geleint, geprüft und — promoviert wird. Der Streit ist im Winter 1913/14 in Jerusalem mit außerordentlicher Heftigkeit geführt worden, jetzt ist ein Waffenstillstand eingetreten, ln Sachen des Techiiikums kann der Zionismus einen Sieg verzeichnen: die Unterrichtssprache soll das Hebräische sein, jedoch ist für solche Fächer, denen der jetzige Stand der hebräischen Sprache noch nicht gewachsen ist, eine Frist von sienen Jahren vorgesehen. Dagegen ist der Angriff gegen die Jerusalemer Schulen mißlungen. Die entstandenen Lücken sind durch neue Meldungen ausgefüllt worden, und daß man die unruhigen Schiller aus dem Lehrerseminar losgeworden ist, empfindet man nicht als einen Verlust. Aber vom Frieden sind die Parteien noch weit entfernt; die Art des von den Zionisten geführten Kampfes hat ein großes Maß von Bitterkeit, Mißstimmung und persönlicher Feindschaft in den jüdischen Kreisen licrvorgcrufcn, an dem sic 01111c Zweifel schwer zu tragen haben. Eine der fühlbarsten Folgen ist das Ausbleiben der freiwilligen Beiträge für das Technikum in Haifa, so dal! der Weiterbau eingeschränkt oder eingestellt werden mußte. Es ist mir ganz verständlich, daß sich die Zionisten, die durch die Erneuerung der hebräischen Sprache die Juden fester untereinander verbinden wollten, verpflichtet glaubten, gegen den Beschluß dvs Berliner Kuratoriums zugunsten der deutschen Sprache am Haifacr Technikum vorzugclicti, Ais Kampf gegen das Deutschtum war der Schritt 11 ieilt gemeint, wenn er auch von ans!,indischer Seite wiederholt so verstanden lind henu .t worden ist. Aber man hätte wohl vorsichtii'vr sein können, damit auch der Schein einer deutsch• feindlichen Stimmung nicht hätte entstehen können. Ui! der Schritt richtig und zeitgemäß war, ist eine amlire Frage, die ieli nach reiflicher Uebcrlegung nieiit zu bejahen wage. Und was bedeutet der leidensciiaGliche Angriff auf die Schulen des Berliner Hilfs- Vereins in Jerusalem? Man kann doch nicht bchaupten, daß dieser, dem auch das Technikum untersieht, nur dort für die Zionisten erreichbar gewesen wäre, und man sieht nicht ein, weshalb ein Sturm auf diese Schulen veranstaltet wurde, die doch für den Beschluß des Berliner Kuratoriums nicht verantwörtlich gemacht werden konnten, Wollte man dadurch einen Zwang ansüben, so war das Mittel brutal, Vermutlich handelt cs sich bei dem Kampf jedoch nicht nur um eine Beeinflussung des Ber- Ijner Vorstandes, sondern um die Herrschaft der Kumisten über die jüdischen Gruppen in Jerusalem. Diese zu erringen, scheint mir das eigentliche Ziel des Streits in Jerusalem gewesen zu sein, Die Zionisten haben dabei nicht nur mit Begeisterung, sondern ־־- zugestandenermaßen — mit Fanatismus gekämpft. Das Judei ‘nclel: liier <h1.־ Jerusalemer ml d״Jt die Wiederaehc einen friedlichen, mählidicn, aber festen :d eine;Wo Ep dirim 1 .eil zuwege gi'iavt •1t, «־!;!״< ebtuig der gn,;cir.v,1m:n Spr wenn auch lau;011 Weg11/ ׳m all Zusauimciiwacli vn ihrhot.“ Dieser Artikel ist für uns wertvoll durch die Feststellung der Erneuerung Palästinas durch die ziouistische Bewegung. Allerdings wird cs unseren Lesern nicht entgehen, daß Herr Professor üuthe die Rolle der Hilfsvercinsschtilen verkennt. Der Kampf richtete sich gegen sie nicht, um ein Faustpfatui vom Hilfsverein zu haben und einen Druck auf das Kuratorium ausüben zu können, sondern weil sie selbst seit einigen Jahren das Hebräische zurückdräng,teil. Und der Kampf, der von nationaler Seite nicht nur mit Fanatismus, sondern vor allem mit Begeisterung;geführt wurde, hat nicht Gegensätze geschaffen, nicht einmal verschärft, sondern höchstens klarer in Erscheinung treten lassen, vor allem den Gegensatz zwischen der Assimilation, die sich auch in Palästina breitmaclien wollte, und dem neuerwachten Judentum, das sieh nicht bevormunden läßt. Es freut uns wenigstens, daß Herr Professor Guthc objektiv genug ist festzustellen, daß sich unser Kampf nicht gegen das Deutschtum richtete. * Am 28. Juni schloß Professor Gutiie seine Ausführungen in einem zweiten Artikel über 1״.) i e Z u - kunft Palästinas“ folgendermaßen: ״Was für eine Zukunft entspricht der bedeutsamen Geschichte Palästinas? Das Land nimmt eine einzigartige Stellung unter allen Provinzen des tiirkisclicn Reiches ein. Die christlichen Kirchen und Völker haben teils schon seit langer Zeit, teils erst seit dem Beginn des ״friedlichen Kreuzzuges“ feste Be- Ziehungen mit den bekanntesten Orten Palästinas augeknüpft; ihre dort errichteten Anstalten bringen nicht nur alljährlich stattliche Beiträge an Geld ins Land, sie verrichten auch stetig sehr achtungswerte Leistungen zum Besten seiner Bewohner, die dadurch immer enger mit europäischen, christlichen Gewohnheiten vertraut werden. Unsere deutschen Kolonien, die bald 50 Jahre bestellen, bedeuten ein ansehnliches Kapital und unmeßbare Werte an Fleiß. Was die Eingeborenen betrifft, so verlangen die Muslimen mit Recht die Achtling ihrer Rechte, aber auch die Christen suchen das, was sic von ihrem Besitz noch gerettet haben, eifrig zu pflegen und zu bessern. Durch die jüngsten A n s i ed | u ngc 11 der Juden werden endlich deren Schutzinächtc, abgesellen von der Türkei, besonders Rußland und Oesterreich, wieder in ganz, anderer Richtung für Palästina in Anspruch genommen. Fürwahr, merkwürdig viel Gegensätze arbeiten in den! kleinen Lande neben- und gegeneinander! Heute hat der Gedanke, sie mit dem Schwert in der Hand zum Austrag zu bringen für die Mehrheit der Beteiligten sicherlich keine Zugkraft mehr. Man wird lieber auf einen Ausweg sinnen, durch den das Heilige Land über• baupt aus den Werten, mit denen die Politik rechnet, ausscheideu kann. Als solcher empfiehlt sieh meiner Meinung nach, dem Lande unter ähnlichen Bedingungen, wie man sie dem Libanongehict 1862 zugestanden hat, weitgehende Selbstverwaltung zu geben, es unter den Schutz der europäi* sehen Großmächte zu stellen und cs gegebcneufalls für politisch neutral zu erklären. So könnte das Land, das für drei Religionen hervorragende Bedeutung hat und deshalb oft der Schauplatz erbitterter Kämpfe gewesen ist, dauernden Frieden erhalten und für alle, die an ihm arbeiten wollen, eine Stätte friedlichen Wettstreits werden.“ Die hebräische Realschule in Haifa 1 las B e t h H a s c f e r H a r e a 1 i H a i b r i in Haifa versendet sein Programm. Es ist die vieluinstrittene Realschule, die durch das bekannte Kompromiß aus dem Komplex der Tcchnikunisgründungen ausgeschieden ist und der zionistischen Initiative überlassen wurde. Die Schule ist erwachsen aus der in der Kampfzeit auf die hebräische Seite übergegangenen Hilfsvcreinssclmle und umfaßt nach den Ncuanmeldüngen zu Beginn dieses Semesters etwa 130 Schüler aus Haifa und den Kolonien. Die Schule wird nach ihrem vollkommenen Ausbau drei Vorbereitungs- und sieben Realklassen umfassen, von denen die drei Vorbereitungs- und Urei Realklassen bereits bestehen. Nach Sukkotli wird die vierte und wenn genügend Anmeldungen vorliegen, auch die fünfte Realklasse hinzugefiigt werden. Die Schule soll gemäß dem ersten Leitsatz, ihres Statuts zugleich mit einer hebräisch-nationalen Erziehung für technische, überliaupt für praktische Berufe vorbereiten. Die drei obersten Klassen werden neben den Rcalklassen Parallelkursc für Iiandelswisseiiscliaftlidie Vorbereitung aufwciseii. Gemäß ihrem Lehrziel legt die Schule auf das mamial-training besonderes Gewicht und erhofft durch diese Arbeit eine Erziehung zur Ordnung, Präzision und Gewissenhaftigkeit. Durch die Art ihrer Arbeit will sie klare und selbständige Mensehen erziehen und in konsequenter Methodik durch stete praktische Betätigung den Willen stählen. Die immer neu sieh bildenden Arbeitsgemeinschaften verlangen die Mitrcgiertmg der Schüler, durch die ■le zu Kameradschaftsgefübl und Selbstdiszipliiiicrung er-;tische Z&ntralfonds in Deutschland (Nach dem Ausweis der Herzl-Nummer der ״Welt“ vom 3. Juli 1914) Deutschland Eschwege . Halle . . . « r 122.- | 120.- Berlin . 22 039.42 Kassel . . 120.- Breslau .... 4131.15 Varel . . 120.- | Königsberg . . 2 672.50 Mainz . . 120.- Frankfurt a. M. . 2 634.60 Schönlankc 111.50 Hamburg . . . 2 588.75 Beuel b. Bonn 110- Elberfeld . . . 2093.03 Winzenheim HO.״ München . . . 1 990.97 Bremen 106.- Mannheim . . . 1 959.50 Ahrcnburg b. Ham- Beuthcn . . . 1 790.50 bürg . . 100.- Leipzig .... 1 721.- Bromberg . 100.- Kattowitz . . . 1 045.17 Cottbus 100.- Zwickau . . , 1 000.— Floss i. B. 100.- Posen .... 773.— Offenburg . 100.- Karlsruhe . . . 697.95 Oollub . . 97.40 Danzig .... 6-10.- Fulda . . 95.- Köln. 625.— ( Stettin . . 93.- Chemnitz , . . 600.- Marburg 87.10 Tarnowitz . . . 555.— Eberswaide 75.- Halbcrstadt . . 497.50 Koschmin . 70.75 Evdtkuhnen . . 480.- Öcis . . , 68.- Düsseldorf . . . 470.- Wronke . . 66.- Ratibor .... 457.- Rybnik . , 64.50 Strassburg . . 435.- Emden . . 60.- Nürnberg . . . 432.71 Darmstndt . 60- Hannover . . . 428,- Schlüchtern 60.- Essen .... 400.- Freiburg t 57.- Zabrze . . . 383.- Glogau . . t * 55.- Magdeburg . , . 370.- Bamberg I 54.- Regensburg . . Lüneburg . . . 366.- Köthen . . 53.- 360.- Gr. Strchiitz 52.50 Heidelberg . . 336.- Erfurt . . 52.- Konstanz-Ucilingen 300.- Hameln . . 52.- Dessau .... 287.- Dobrzyn 51.60 Memel .... 271.- Escliwciicr . 50.50 Dortmund . . . 223.- Aachen . . 50.- Dresden . . . 218.- Bunzlau . . 5().- Wiesbaden . . 217.- Gottesberg 50.- Ostrowo . . . 203- Güttingen 50.- Königshütte . ׳. 200.- Weiuheitn 50.- Duisburg , . . 200.- Stuttgart 49.15 Gleiwitz . . . 196.- Sdirimm t ך 48.50 Dcutsch-Eylau 1V2,dU Myslowitz # 43.50 Miiitsch-KrotoscMn 185.- Gunzenhausen 40.- Gotha .... 180,50 Rees . . 40.— Kici. 161.- .Stallupöncn 35.— Bonn. 150,- Crefeld . 30.— Mülhausen 1. E, . 140.- Erlangen 30.- L.übcek .... 130, ~ Saarbrücken 30.- Metz . ... . 122.40 Rawitsch * . * 30.- Jarotschin Insterburg Hagen i. Westl Kitzingen Liegnitz Neuwied Gcra-Reuss Allenstein Crossen . Depenau Frankenthal Gladbeck Grünberg Guben Kissingen Cronach Lissa . . Merzbausen Nikolai . Nordhausen Samter Tapiau Wolfenbüttel Beroltzhcim Pvritz . . Wanne . . Wetzlar . . Neuss . . Willielnisbrück Ahrweiler . Görlitz . . Hohenheim Kempen i. P. Mölsheim Pcnkum Schiitigheim Schivelbcin Schwersenz Wolstcin Hiklesheim . Cosel . . Boitzenburg Zdtiny . , Bleichrode . Brüssow Idar a. N. , Aschaffcnburj Pforzheim . Bischwcilcr Giessen . . Summe 62471,40 M. 28.- 26.- 25.— 24.— 23.05 22.— 20.— 20.— 20.— 20.— 20.— 20.— 20.— 20.— 20.— 20.— 20 — 20.— 20 — 20.— 20.— 20.— 18.— 15 — 12.- 12.— 12.— 11,— 10.70 10.— 10.— 10.— 10.- 10.- 10.— 10.— 10.— 10.— 10.— 10.— 0.— 8.- , 8.— 5.— 5.— 5.— 5.— 5.- י־.4 י-.1

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