Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1914)
- Date
- 1914-07-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 316 J U EDI SC H E RUNDSCHAU Nr. 29 zogen werden. Auch der körperlichen Erziehung durch Turnen, S|*>rt, vor allem aber durch gemeinsames Wandern legt die Schule großes Qcwicht bei. Neben die Schule soll eine Pension treten, die in intimem Zusammenleben von Lehrern und Schülern die Zöglinge im Geiste der Schule erzieht. So hofft die Schule: klare, selbständige, willensstarke, uneigennützige Menschen zu erziehen, deren Wirkung in der künftigen Entwicklung des Landes sich geltend machen soll. Die Einleitung des Programms schließt mit den Worten: ״Wir wollen nicht eine neue Stätte zum Erwerb von Berechtigung für akademisches oder technisches Studium sein, wir keimen nur einen Sinn und ein Ziel für unsere Arbeit, neue Helfer für die Erlösung unseres Landes und die Befreiung unseres Volkes zu schaffen.“ ״Vom Kleinsten bis zum Größten sollen unsere Jungen lebendig das Gefühl in sielt tragen, daß sie Zukimftsmcnsehen sind, Menschen künftiger jüdischer Herrlichkeit.“ PftLAESTINA-RUNDSCHAU Von der Achusa-Bewegung Ein neuer Palästina-Verein in England Die gliin/.cmleii Erfolge der Londoner Palästina- Pflan/uiigsgcsellschaft ״Arluisa“ und die dadurch gesehaffene Möglichkeit einer stärkeren Emigration von England 11,ich Palästina haben vor einigen Tagen zur Gründung des Vereins ,,Heclialuz“ (Der Pionier) geführt, der sich die Aufgabe stellt, die Auswanderung nach Palästina zu erleichtern lind zu regeln. 111 einem Aufrufe des neugegründeten Vereins, an dessen Spitze bewährte Zionisten stellen, wird aut die in letzter Zeit immer mehr zunehmende Einwanderung nach Palästina hingewiesen und aut die Notwendigkeit einer Informationsstelle für alle, die die Möglichkeit und den Willen hallen, sich in Palästina anz.usiedeln. Da an der Spitze des ״llcchalii/“ Männer stellen, die die Verhältnisse in Palästina genau kennen und mit dem Gange der dortigen Entwicklung auis beste vertraut sind, ist die neue Londoner zionistiselie Gründung gewiß dazu benilen, die Aufgabe, die sie sieh gcsteilt hat, zu lösen. Der Verein will, um es kurz zu sagen, Pioniere für 11;ilasliiia werben, 111 diesem Zusammenhänge sei erwähnt, daß die großen jüdischen Arbeiterinassen in England, die bis vor kurzem stark /um .Sozialismus liiimeigten, uaelt und naeli in jiidisiii.nationale Bahnet) einleiikcu. Die zionistische Idee gewinnt in diesen Kreisen immer mein־ Anhänger. Auf die Anwerbung von kräftigen und tüchtigen jüdischen Arbeitern hat es nun der ״I leelialtiz“ teilweise abgesehen. Neben den Arbeitern kommen gewisse .Schicltlcu des gutsituierten Mittel- Standes in lieiradit, die bei einiger Propaganda liir die UiTicrsicdlung nach Palästina zu gewinnen sind, Die jüdische Presse im (Astend von London begrüß! die Gründung des neuen Palaslinavereiiis aul das wärmste und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß dem neuen zionistischen Unternehmen eine Inichlln!־(: Tätigkeit vergönnt sein wird. Eine französische Achusb Schon im vorigen Jahre hat der bekannte Orientalist und Prolcssor au der Pariser .Sorbonne Dr. Nalium SI o u c 11 z versucht, unter dem hebräiselien Namen ״Zorfatli" (Frankreich) eine Palustiiin-Pflnii/ungsgescllschaft (Achusn) in Paris zu gründen. Dieser Versuch ist jetzt von Herrn l>r. Salkind aus London wieder aufgeiiommeii worden, Dr. Salkind hat sich auf seiner Rückreise aus Palästina einige Tage in Paris ant'gvlialten, und hat dort mit der Jewisli Colonisation Association (J. C, A.) betreffs einer Anleihe für die englische Aelmsn-Ge- Seilschaft verhandelt, für deren Rechnung er in Palästina ein Grundstück von 5,100 Dtuiam erworben hat. Bei dieser Gelegenheit ist die Gesellschaft ״Zorfath“ wieder zu neuem Leben erwacht. ln der ersten Sitzung waren zehn Gründer anwesend, von denen jeder sofort 10() Frcs. zur Gründüng der Gesellschaft cinzahltc. ■ Außerdem haben sich die Mitglieder verpflichtet, jeden Monat die gleiche Summe zu entrichten und durch energische Propaganda die Achusa-klee in Frankreich zu verbreiten und neue Anhänger dafür zu werben. Eine palästinensische Pflanzungsgesellschaft deutscher Juden ln Eydtkulmcn hat sich eine Aclmsah (Pfan/.ungsgesellschaft) gebildet, die bereits in McreliaWjali Boden erworben hat. Diese Achusah hat in der paliistinensischen landwirtschaftlichen Zeitug 1״ lachaklai" einen Wettbewerb für die Ausarbeitung eines Bewirtschaftungsplanes ausgeschrieben und einen Preis von 300 Francs für die ocste Arbeit ausgesetzt. Zum ersten Male wird bei der Anlage einer neuen Siedlung dieser Weg gewählt. Es ist z.u erwarten, daß in Zukunft alle neu gegründeten Pflanz.ungsgesellschnften sich In gleicher weise die Grundlage für die Bewirtschaftimg ihres Gebietes verschaffen und so das Risiko wesentlich verringern. * Eisenbahnbau in Palästina Die Eisenbahnlinie, die von Fule (Merchawlah) gebaut wird und bisher nur bis ITsclienin dem Verkehr übergeben war, reicht jetzt bis zu der Station Schiklk. Da die Arbeiten auf der Strecke mit großem Eifer betrieben werden, ist cs nicht ausgeschlossen, daß der Verkehr auf der gesamten Strecke noch im Laufe dieses Jahres aufgenommen wird. Ein neuer Hafen In Palästina Die jüdische Kolonie Chederah zwischen Jaffa mul Haifa wird bald eine Hafenanlage besitzen, die dem dortigen Handel zugute kommen wird. Baron Edmund Ro thsc h ild aus Paris läßt die Anlage aul seine Kosten!!errichten, und er wird auch der Feier der Grundsteinlegung beiwohnen. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Das Actiuns-Comite erläßt folgende Kundmacltung: Die Schekelaktion ist im Gange. Die meisten Landes- und Sonderorganisationen haben die Propaganda energisch aufgenommen und die Saturnluiigcii cingcieitet. Der Charakter der Schekel- Sammlung verlangt, daß die Ausweise über die eingegangenen Schekelbeträge und diese selbst an lins unverzüglich abgesandt werden. Wir bitten um ungesäumte Ueberweistittgcn der einge ga 11 ge nett Bet rii ge. Wir bitten daher unsererseits alle Ortsgruppen und Vertrauensmänner für die unverzügliehe Abführung der Schekcleingiinge. Die Sehekelpropaganda■ muß mit konzentrierter Euergie durchgeführt werden. ♦ Wir bitten alle Gesinnungsgenossen, die Bade- und Kurorte aufsuchon und bereit sind, uns rodnorisch oder bei der Voranstaltung von Versammlungen zu unterstützen, sich mit uns In Verbindung zu setzen. Zionistische Vercinigungfür Deutschland, Sitzung des Aufsichtsrates der Sledlungsgcsclischaft ״Erez Israel“ .Sonntag, den 12. Juli 1<H I, wurde in den Räumen des Hanptburemis des Jüdischen Natiimalfonds in Köln eine Sit/un!; des Aufsiehtsrates des Genossen• seliaftsfomls ahgiTinllcii. Fs waren anwesend die Herren: Justizrat Dr. Kodcidicimcr (Köln) Vor• sitzender, Dr. l'Tan/ Oppenheimer (Berlin) stellvertretender Votsil/eiuler, A Simons (Haag), Ing. Kapl.'inskv, Mitglieder des Aufsielitsrates, und der De• srhnftsfnhrcr, Den׳ Groß. Die abwesenden Mit- (.;Inder des Aufsielitsrates bähe» ihr Fernbleiben ent• schuldigt und zu der I!ige-'oi'dnmig brieflich Stillung genommen. Der Aufsiditsrat beschäftigte sieh mit der Er• ledigiing eines Konfliktes /wischen der Genossrn• seliaft in Mcrhawjah und deren Betriebsleiter, ferner mit der Regelung der Vcrwnllnngsfragc der Genossin• schaff für die nächsten Wirtschaftsjahre und mit der Foitsel/iiug der Werbeaktion zwecks Vermehrung der Mittel des (icnossensehaftsfoiids. In der ersten Frage ist eine völlige Einigung unter den Mitgliedern des Aufsielitsrates erzielt worden, und auf (irimd der vorliegenden Berichte des Palästina-Amtes, der Genossenschaft und des Betriebsleiters wurden lie- Schlüsse gefaßt, die eine befriedigende Beilegung des Konfliktes erwarten lassen. 111 der Verwaltungsfrage von Merliawjah mirden prinzipielle Beschlüsse ge• faßt, die den Zweck haben, Rechte und Pflichten der Genossenschaft sowie ihr Verhältnis zur Siedlimgsgesellsehaft in den nächsten Wirtschaftsjahren zu regeln. Es wurde schließlich beschlossen, die Propaganda für den Genosseiisdinftsfonds imgesdiwädit fortzusetz.cn, um den Betrieb von Merliawjah aus- ׳/ugcstnlteii, den früheren Abmachungen mit dem jüdischen Nationalfonds gemäß, die Genossenschaft bagania zu übernehmen und im Sinne des Be- Schlusses des letzten Kongresses den Qenosscnschafts* fonds derart zu erweitern, damit er vor allem die Ausrüstung der Okkupatiousgcnosscnschaftcn mit dem erforderlichen Inventar in sein Arbcitsprogramni aufnehmen kann. Es wurde in Aussicht genommen, außer der bereits erschienenen Schrift von Dr. Oppenheimer ״Merltawjah“ weitere Agitationsschriften über den Oenossenschaftsfonds herauszugeben und die mündliche Propaganda in erster Linie in den Ländern jüdischer Massensiedlung weiterzuführen. Jahresversammlung der amerikanischen Zionisten Am 28. Juni d. J, wurde in Rochcster, N, Y., die 17. Convention (Jahresversammlung) der Fe deration of American Zion Ist» im Beisein von 250 Delegierten aus allen Teilen der Union und zahlreichen Gästen eröffnet. Den Verhandlungen wohnte auch Herr Dr, Schmarja Levin aus Berlin, Mitglied der zionistischen Zentralleitung, bei, der eine von stürmischen Beifallskundgebungen begleitete Anspräche an die Convention hielt. Aus (Ten! Jahresberichte, der den Delegierten vorlag, geht u. a. hervor, daß im abgeSaufcnen Jahre annähernd 38000 $ (über 150000 Mark) für den Jüdischen Nation a I f o n d 8 in den Vereinigten Staaten aufgebracht worden sind, ferner etwa 10 000 $ für die weiteren Fonds der zionistischen Organisation. In zahlreichen Städten der Union gibt es sogenannte A c hu s a - Gesellschaften, deren Mitglieder die Absicht, haben,.sich nach einigen Jahren als Pflanzer in Palästina niederzulassen. Zu diesem Zwecke erwerben die betreffenden Gesellschaften schon jetzt ausgcdehnte Ländereien in Palästina, die sie von jüdisehen Landarbeitern bepflanzen lassen. Die erste Ge- Seilschaft dieser Art wurde in St. Louis begründet und fand bei den amerikanischen Juden solchen Anklang, daß gegenwärtig bereits Dutzende von Aclmsa- Gruppen in den verschiedenen Staaten bestellen, die sich alle glänzend entwickeln. Von Amerika breitet sich der Aclntsa-Gedankc auch nach anderen Ländern aus, so nach England, Südafrika, Frankreich und Rußland. Auch in Deutschland ist eine Achusa-Gesellschalt in Bildung begriffen. Dem Jahresbericht der amerikanischen Zionistenföderation ist ferner zu entnehmen, daß die Födcration in näcltster Zeit eine zionistische Tageszeitung in jiddischer Sprache und eine Wochenschrift in englischcr Sprache herauszugeben gedenkt. Charakteristisch für das gute Einvernehmen zwischen den verschiedenen Bekenntnissen in Anterika ist die Tatsache, daß zur Begrüßung der zionistischen Jahresversammlung die Glocken sämtlicher christlicher Kirchen, auch der großen katholischen St. Peter-Kathedrale, geläutet wurden. Von einzelnen Kirchtürmen ertönten Glockenspiele nach der Melodie der zionistischen Hymnen ״I latikwali“ und ״Dort wo die Zeder“. TURNEN und SPORT Berlin. Am 5. Juli veranstaltete die S|>ortai>- teilung des Jüdischen Turnverein Bar-Kocliba in• ternc Jugend- und Anfänger-Wettkämpfe auf dein neuen Platz in Friedrichsfclde. Der Meldeschluß zeigte mit 22(1 Meldungen bei 05 Teilnehmern ein gutes Ergebnis; Das Meeting brachte eine Reihe hochinteressanter Kämpfe. Besonders gute Leisttmgen zeigte Kupperstein, der das 100-m׳Laufen in der guten Zeit von 50';, Sek. und das 1000-111 Laufen in 2 Min. 52 Sek. gewann. Auch die Zeiten von Forstenser, 50t) m in I Min. 15 Sek, mul die des noch sehr jungen l.uhasch, 800 m in 2 Min 20 Sek. sind vielversprechend. Die 10 X 100• in Stafette gewann die Sportahteilung überlegen in 2 Min 12 Sek. vor der 3. Jiigcmhibteihmg, die ein sehr gutes Rennen lief. Den Abschluß des Meetings bildete ein Halhstundeii* Paarlaufen, das die M mnseliait Aaron-Raschowsky vor der Fawu'itrumaniiM'hait Kuppersteiu-I kiberzvnsky gewinnen konnte. Alles in allem zeigte das Meeting, ilafl der Bar-Kochbn über eine ganze Reihe von Anfaiigern und jiigendleuten wringt, die bei eifrigem Training den Verein gut naeli außen vertreten könnten. AUS DEN GEMEINDEN ßenthen. Am Dienstag, dem 11. <|. M., wurde hier anläßlich des 10, Todestages von Theodor Hcrzl beim I riiligottesilieust ein El Mole Radiamiiti gesagt, Bei dieser Gelegenheit haben (10 Personell je I Mark für den Ifcr/I-Wnld gestiftet. Zum Gottesdienst waren die Zionisten in ״stattlicher Anzahl erschienen, Köln. Die diesjältrige Konferenz, von R a b b incr ti R h ein! a n 11 s und W e s t f a I e n 8 fand am 28. Juni in der Rhcinlandlogc unter lebliafter Beteiligung statt. Die I lauptverhandlungeu beganucu mit der Verlesung der Beruhte über die beiden Tagungen des letzten Geschäftsjahres und des Proto* kolls über die Zentralaussehußsitzung des Rabbiner- Verbandes vom 20. Dezember 1013. Den Jahresbericht erstattete sodann Dr. Hanover. Die meisten unter seiner Mitwirkung verhandelten Fragen haben die jüdische Volksschule zum Gegenstände gehabt; ihre Förderung und Stärkung in der öffentlichen Meinung und die Festsetzung eines Normallchrplans, Die Bearbeitung eines Lehrplans lind einer Prüflings- Ordnung für jüdische Scniinaristinncn sei in uic Wege geleitet worden. Die Einsetzung des Schiedsgcrichts bei Streitigkeiten zwischen Gemeinde und Kultusbcamtcn ist erfolgt, ln der Nachmittagssitzung erfolgte die Neubildung des Vorstands in der Weise, daß Dr. Caro (Köln) den Vorsitz übernahm, die Stell- Vertretung Dr. rianover, das Schriftführeramt Dr. Samuel, die Kassenführung Dr. Krön Ile im. Es folgte die Wahl eines Vertreters zum Schiedsgericht des Provinzialvcrhandes rheinischer Synagogen- Gemeinden. Hierauf erstattet Eschelbach er (Düsseldorf) ein Referat über die Schäch t f ra ge, Dr. Emil Cohn (Bonn) ein solches ״Zur Methodlk des hebraiselten Unterrichts". Des weiteren stand auf der Tagesordnung: Erlaß eines Sendschreibens über die Heilighaltung der hohen Feiertage an die jüdische Bcvölkerung, insbesondere im rhein.'sch-westphälisclicn Industriegebiet. Das von Dr. Jacob vorgelegte Sendschreiben wurde von der Versammlung als äußerst würdig und zweckentsprechend erachtet und seine Drucklegung beschlossen. Mit einem Rückblick auf die ganze ergebnisreiche Tagung schloß Dr. Caro die Sitzung. Frankfurt a. M. Dem Internationalen Pro-Falascha-Komitee, welches in! März d. J. seinen Sitz von Florenz nach Frankfurt a. M. verlegte, ist es in der kurzen Zeit, welche seither verflössen Ist, gelungen, in der ganzen Welt Sympathien für unsere Brüder in Abessinien zu erwecken. Vor