Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1914)
- Date
- 1914-06-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 280 Nr. 26 tatsächlichen palästinischen Verhältnissen entsprechen oder ob sie von der Wirklichkeit modifiziert wer• dem Kafr-Urie und Sarona stellen im ersten, kucluima im zweiten und Poria im dritten Wirtschaftsjahr. Hier arbeitet Simon Ooklmann, der Begründer der Adiiisabewegung, ein praktischer Idealist, der das Land kennt und frei von aller Theorie ein Muster- Beispiel für die Besiedelung Palästinas durch Kleinkapitalisteil schaffen will. In der Tat stellt das von jüdischen Arbeitern geschaffene Poria, das aut den Anhöhen westlich vom Kincrcthsee in reizvoller UnicclniHK liegt, eine musterhafte Leistung dar. Inteili׳• genz, Fleiß, Beharrlichkeit und eine planvolle Wirt• schaltliclikcit haben hier ein Werk geschaffen, das einen vollen Erfolg wahrscheinlich macht, in welcher Weise die Rentabilität eines Aclnisauntcrnchmens bc• rechnet wird, sei hier an der Aufstellung der Achusa A - Chicago illustriert. Es sind etwa <>000 Dunam Land für 270 001) Frcs. gekauft worden. I־ür die Reinigung und Bepflanzung des Bodens sind 100 F'rcs. pro Dunam in Anschlag gebracht. Zieht man indes selbst die Ersparnisse. ab, die der für Häuser, Gärten und Straßen freibleibende Boden ge• stattet, so übersteigen die Aufwendungen das Kapital der Gruppe. Sic würden bei einem nach zehn Jahren vorhandenen Kapital von 700 000 Frcs. rechnerisch baianzieren, wenn nur 4000 Dunam in Arbeit ge• nominell werden. Nicht einbezogen sind indessen Gemeinschaftsausgaben wie Bewachung, Brunnen, Zäune und dergleichen. Trotzdem soll die Rechnung nicht gefährdet sein, weil die angelegten Kulturen bereits im sechsten bis achten Jahre einen Ertrag von 23 Frcs. auf den Dunam bringen, der sich später auf *10 Frcs. hölie. Die Erträge des achten, neunten und zehnten Jahres würden also die Bilanz hcrstelicn. Und dieses um so leichter, als die amerikanischcn Aehusavorkäitijifer aus den kostspieligen Fehlern der bisherigen Kolonisation den Grundsatz gewonnen haben: die Siedlungen möglichst in 1111mittelbarer Nachbarschaft zueinander anzulcgen. So erst kann mit der ideellen eine wirtschaftliche Ein* hcitlichkcit geschaffen werden. Die amerikanische Achusa hat in ihren Bereclinungen einen stark optimistischen Charakter. Sie setzt einen Fundus an sicheren Erfahrungen voraus mul ein Menschcnmatcrinl, das im amerikanischen Wirtschaftsleben hartnäckige Geduld, Ausdauer und Untcrnchmungsgeist gewonnen hat, groß genug, um selbst unvorhergesehener Schwierigkeiten Herr zu werden. Darum dürfen, so lange bestimmte Resultate nicht vorliegen, die amerikanischen Berechnungen nicht ohne weiteres allen ähnlichen Anregungen als Grundläge dienen. Im Bewußtsein ihrer Verantwortung haben darum die Begründer der am 23. Februar 1011 in Wilna rechtlich konstituierten ״Nordwestlichen Pflanzlingsgesellschaft״ (gemeinhin wilnacr Achusa genannt) ein größeres Ausmaß an Bodenbesitz für den einzelnen Genossen verlangt. Sie bestimmen für jedes ihrer sechzig Mitglieder eine Fläche von 150 Dunam, von denen die Hälfte gemeinschaftlich he• pflanzt werden soll, ferner 10 Dunam als Bauland und etwa 8 Dunam für allgemeine Zwecke, Die Ein• Zahlung der Beiträge wird auf 10 Flalhjalire vorteilt. Ein Terrain von 10000 Dunam stellt unter günstigen Erwcrbsbcdingungcu zur Verfügung. Die Kosten des erworbenen Bodens werden auf *100 (HK) Francs veranschlagt. Die Bearbeitung und Sicherung des Bodens sind auf 600 000 Frcs, berechnet, so daß der Genosse in acht Jahren zirka 1 000 Frcs. einzuzahlen hat. Siedelt ein Genosse schon nach drei Jahren über, so wird ihm ein Bauplatz und die ihm zukommende nicht bepflanzte Parzelle zugewiesen. Haus und Inventar sind in dem Bctciligimgsbctrng nicht cingesclilossen, <1. h, bei der Ucbcrsiedclung muß sich jedes Mitglied auf eigene Kosten ein Haus bauen, sowie lebendes und totes Inventar ansehaffeu. Rentabilitätsberechnungen werden nicht gegeben. Aber die vorliegenden agrikulturcllen Erfahrungen lassen die Gewißheit, daß bei planmäßiger Verwaltung, intensiver Bewirtschaftung und einheitlichem System ein Anlagekapital von rund 30 000 Frcs. midi acht Jahren eine «lauernde Rente von <>()00 Frcs. erwarten läßt, wenn der Besitzer sich selbst an der weiteren Pflege und Bearbeitung seines Gutes beteiligt. Gewiß, die Dinge sind in vieler Beziehung noch problemalisch; weniger freilich, als der Fernstehende an• zunchmcn geneigt ist! Aber hier ist ein Weg. Das erkennt der russisch-jüdische Mittelstand: ein Weg, der zu einem Ziele führen kann, der Erlösung Pa- Uistinas zugleich mit der eigenen Befreiung; hier wird durch Arbeit eine Heimat vorbereitet, die ein freiheitliches Schaffen ermöglicht und den soziologisehen Unterbau befestigt für eine ungezwungene, innere Ausbildung und Entfaltung der kommenden Geschlechter. Dürfen die deutschen Zionisten in gönnerhaft! Abwartcstelhmg der vollen Klärung der neuen p lästinischcn Arbeitsmethoden zuschauen? Oder sn sic verpflichtet, Pioniere zu stellen der Eroberung I» Instinas für die Kultur? Gewiß, weder eine äuße: Not, noch die Angst um unsere bürgerliche Z kunft erzwingen ein fürsorgliches Handeln. Wir leb« m einem Staate, der stark ist in der Duldung ui Gerechtigkeit; und auch die Juden, die ihrer A stamimmg und Geschichte bewußt in Treue stell« zum Geiste und zu den Lcbcnsgehoten ihrer Weise! auch die Juden, denen historischer Stolz verbiet« cm Judentum anschmiegsamer Zugeständnisse zu di {Jc!i TT• aufjh sie wissen, daß sie in der Gcrcchti Kcit ihrer Regierung einen sichereren Schutz finde *Cr.• Kctzerriechcrei und Intoleranz uns״ il״fr״ih4»,l«dlfchfn 0^walthaber. die sich durch jed mit 11m ultum?e<lroht füllten. Ohne Konflik mit den I fhchten eines freudigen Staatsbürgertu! j u EPISCHE RUNDSCHAU fürchten zu müssen. können der Stammes• und der gesetzestreue hule ihr Judentum frei u״a ׳V^"׳ wenn sic nudfi nie vergessen, Bürger eines St.utes ”in der selbst nach der Erfüllung, liberalster Cileichheitsfordcruiigen nicht aufhören wird - cm christlicher Staat zu sein! So kann cs für deutsche Zionisten^ die Im dcutsehen Idealismus die Reinheit ihrer Seele bewahrt haben, nur eine sittliche Verpflichtung für die Einheit des Judentums sein, ihre ganze Persönlich- L. i II11v11 VIV.3 1 unv iiiwm.t '־ ־”■ <•*•׳■״׳ r* -- . . keit einzusctz.cn für ein Werk, das nach unserer Ikbcr• zeugung allein diese Einheit erhalten und schöpferisch machen kann. Aus diesem Geiste ist die Poscncr Resolution entstanden. Aus diesem Geiste, dem alle Stilistik gleichgültig sein kann, ist sie zu bewerten. Aus diesem Geiste heraus werben wir für die deutsche Achusa. Und darum kann der Ruf zur Tat nicht verhallen. Die Oekonontic des Werkes ist gegeben. Vierzig Männer etwa schließen sich zu einer Gruppe zusammai. Nicht verbrauchte und zerbrochene, die nur noch ein friedsames Plätzchen für den Rest ihrer Tage bereiten wollen! Feste und starke Naturen, die aus dem Gesetz ihres Wesens wissen, daß ihr Wille nicht inüdc werden, ihr Ideal im Abenddiimmer nicht blassen kann. Solche, die nicht ihr Leben auf Prozente stellen; solche, die in der Selbstzucht zur Bescheidenheit und Schlichtheit die Materie des( Lebens überwinden und doch erfahren genug sind, die Unabhiingigkeit zu wollen, um aus äußerer Unfreiheit nirht innerlich unfrei werden zu können. Sie werden einen Boden erwerben als Erbpächter des Nationalfonds oder im privaten Besitz. Acht Jahre wird das Land von jüdischen Arbeitern vorbcreitet. Dann ist cs gerichtet den Besitzer als Herrn und Pfleger zu empfangen. Er wird sein Haus bauen. Die Erträge, die ihm sein Fleiß mehren wird, werden ihm ein selbstsicheres Leben gewährleisten, das in sich schon die Fülle und Erfüllung einer Idee ist. In diesem Rahmen werden Winkelmaß und Rechenkstift ihre Linien ziehen. Im vollen Gefühl ihrer Verantwortung, die alle frivole Verwegenheit verbannt, werden die Besonnenheit und die Erfahrupg sie führen. Also werden sie rechnen: Die Gruppe von ■10 Genossen erwirbt einen Boden von etwa 5000 Dunam. Davon werden 200 für gemeinsame Zwecke freigclassen. Jedes Los wird 120 Dunam umfassen, SO werden davon in Kultur genommen. 28 Dunam bleiben für Haus, Garten und Acker frei. Mit einem Zehnte! aber seines Besitzes — 12 Dunam — wird sich ein jeder in der Erneuerung eines biblischen Gebotes für die Gesamtheit besteuern, Es wird dem Nationalfonds übergeben für die Ansiedelung von Arbeitern und Handwerkern. Von der Lage der Pflanzung hängen die Kosten des Bodens ab. In der Nähe der alten Kolonien haben ökonomische Gesetze, die wir zu spät erkamit, die Wertsteigerung in steilster Kurve emporgeführt, vielfach bis zu einer Grenze, wo bereits die Zone absoluter Unrentabilität beginnt. Aber auch in dem Neuland, das gerade noch die Geschlossenheit jüdischer Sieilehmgsarbeit ermöglicht, sind die Preise hastig gestiegen. Wühlt die deutsche Achusa ein Gebiet, das in der Nähe jüngeren jüdischen Besit/es liegt, so wird sie mit einer Aufwendung von 55 Frcs. für den Dunam rechnen müssen. Das hieße für ein Terrain von 5000 Dunam 257 (KW Frcs. ln gleichem Verhältnis sind auch die Kosten für die Kultivierung des Bodens gewachsen. Der alte Satz, daß die Bearbeitung eines Dunanis Land 100 Francs kostet, ist — die Arbeit von Juden vorausgesetzt — nicht mehr gültig. Es sind jetzt dafür 125 Frcs. einzustellen. Die Bearbeitung von 40X80 Dunam würde demnach 400 000 Frcs. kosten. Für einen Drahtzaun, Brunnen, Ackergeräte, Wagen, Ockonomiegebiiude kämen rund 58 000 Frcs. in Rechnung. Von dieser Summe kommen die Kosten für die Häuser indes zur Abrechnung, da sie später an die Oenossen als Wohnhäuser abgegeben werden können. Die Genossenschaft muß demnach eine Summe von 700000 [־'res. aufbringen, wobei angenommen ist, daß die Erträge einiger Kulturen, uie bereits nach dem sechsten Jahre Ernten versprechen, unvorhergesehene Ausgaben decken. Jeder Genosse hat also 17 500 Frcs, einzuzahlcn 14 000 Mark. Die Mechanisierung der Beiträge in 16 halbjährlichen Teil- ‘Zahlungen von 875 Mark empfiehlt sich nicht, weil sie sich den Anforderungen nicht anschmicgt. Die Ausgaben für den Landkauf, Wirtschaftsgebäude, Ackergeräte drängen sich auf die ersten Jahre zusamincn. Die Einzahlungen müßten in einer absteigenden Skala erfolgen, wenn in den ersten drei Jahren keine Kredite in Anspruch genommen werden. Die Frage wird indes wie der ganze Komplex der bcsitzrccntlichcn Fragen erst im genossenschaftlichen Statut ihre Erledigung finden. Nicht einbezogen sind — wie auch in den Berechnungen der anderen Achusoth — die Kosten für ein Haus mul Stiille. Hier entscheiden Geschmack und Bedürfnisse. Und nun noch ein Wort über die Erträge dieser intensiven Kulturen. Sie können nur nach den Erfahrungen der alten Kolonien berechnet werden. Dürfen sic ohne weiteres auf Judäa und Untergaliläa angcweiulet werden, so ist ein Reinertrag von 30 F'rcs. von jedem Dunam׳ zu erwarten. Jeder Genossenschaftler könnte darum aus seiner P f 1 a nzung mit einem Einkommen von 2000 M. rechnen, einer Summe, die groß genug ist, einem Besitzer von Hof, Garten und reichlichem Ackerland ein schlichtes, unabhängiges Bauernleben zu ermöglichen. Zugleich wird ein Stützpunkt geschaffen für eine weitere Immigration und für die Angliederung von Arbeitern, Kleingewerbetreibenden und Angehörigen freier Berufe. Dieses ist ein Gruiidplaii für eine deutsche Achusa. Es gibt gewiß der Möglichkeiten noch viele. Wer in wirtschaftlichen Fragen unbesorgter und kecker ist, wer vor allem Einrichtungen für prnni. tivere Verhältnisse schaffen will, wird vielleicht ein geringeres Ausmaß an Bodenfläche als notwendig bezeichnen. Vollends, wenn er für beruflich tätige Städter an Sicdclungcn denkt, die in der Nähe größerer Plätze den Charakter von Gartenstädten gewinnen können. Allein die Möglichkeiten sollten hier nicht erschöpft oder auch nur angcdcutet werden. Dieses genügt, daß es überhaupt möglich ist, unserm Leben die Wendung zu geben, Ucbcrzcugung und Tat zu vereinen unu die Verpflichtung zu erfüllen.!11. Die praktische Durchführung unseres Planes um[ glcichstrcbigcr Anregungen wird in den Erfahrungen einer verworrenen Uebcrgaugszcit noch manche Um- Stellung der Einzelheiten notwendig machen. Die Geschichte der Völker kennt die Luftlinie nicht. |).«s Wissen wir. Aber das Blut der ׳rechten Pioniers wird darob nicht trage wallen. Nur die Idee יסיח) rein und wahr sein; kein sittliches Bedenken «hrf ihr Wurzelwerk bedrohen. Darum Offenheit und Kmheit! Acngstlichc Gemüter ahnen in dem lau!:;- mannschaftlichen Charakter der Achusabcwcgung eine Gefahr. Sic fürchten, daß die itn Geiste gewonnene Einheit des Judentums zerschlagen werden könnte, wenn die in der Diaspora sich ertrotzenden Assimiiationen an die Völker, hart im Raume, auf «k n engen Boden Palästinas aneinandcrstoßeii. Wie cs nur eine jüdische Idee geben kann, so dürfe «s nur eine jüdische Arbeit gehen, die nichts mehr uv:!; von der persönlichen Geschichte des einzelnen Pioniers. Dürfen wir dieser Besorgnis allein mit dem Hinweis auf die praktischen Notwendigkeiten begegnen? Die Achusa kann nur einen engen Kreis von Genossen umfassen. Sic bringt ihr Mittel in kleineren Einzahlungen auf, die in bestimmten Zeitabständen erhoben wurden müssen. Sic muß hei aller Freiheit einen verpflichtenden Charakter liahcu und daher eine gesetzliche Basis; denn in der Form ist sic ein Erwcrbsuntcrnchmcn. Um Schwierigkeiten braucht sich das Werk nicht eigens zu bemühen. Die Gründung im Rahmen der Korporationsrechte des eigenen Staates macht die Arbeit leichter, fester und beweglicher. Die Stoßkraft der amerikanischen Achusa ist wohl auch darum so wuchtig, weil die einzelnen Gruppen nur Genossen aus einer Stadt aufnehmen. So wird auch eine andere Bedingung erfüllt. Vor den letzten Zielen der Achusa steht --* als eine Kraftstation — die Lebensgemeinschaft der Genossen. Sie bereiten sich auf ihre Aufgabe vor nicht nur durch Sammeln und Sparen. Sondern durch innere Sammlung und das Sparen jenes Energie- Verbrauches, den die Einfühlung ineinander erst auf dein gemeinsamen Dorf verursachte. In der Vorbcrcitungszeit schon stellt sieh einer auf den andern ein, stoßen sicli tlie Kanten der Eigenart ab, lernen die Genossen verstehen und verzeihen. Und das uinschmiegendc Band des gemeinsamen Ideals wird durchwirkt von den Goldfäden der persönlichen Freundschaft. Sic wird wesentlich. Aber schon die — als ein Acußerlichcs erscheinende — Gemeinsamkeit der Gewohnheiten und Sitten, der Lebensformen, harmonisiert die Menschen, die als Pioniere auf einsamen Posten ganz auf sich angewiesen sind. Diese sachlichen und psychologischen Erlcichtcrungen können das nationale Ziel nicht gefährde» Der politisch Orientierte wird vielmehr in dem latulsmannschaftlichen Charakter der Achusoth, die - so hoffen wir — in kurzer Zeit und in großer Zahl an «Jen wichtigsten Ihmktcn des Landes ihre Arbeit leisten werden, in den tätigen Gruppen von Juden der verschiedensten Staatsz.ugehörigkeit neue Perspektiven finden. Der Zionismus wird also entpolitisiert. Seine friedlichen und sittlichen Ziele, in denen sich keine politischen Machtgelüstc verbergen, werden dadurch geschützt werden, den Vorwand für fremde Ambitionen abztigeben. Palästina kann wieder das heilige Land werden, das auch der brutale Eroberergeist nicht zu berühren wagt. Vor allem aber wird die Arbeit von Juden aller Welt, Palästina zu verjungen, ein Bollwerk errichten gegen die Bestrebungen einer durch Halbheit bankerott gewordenen Assimilation. Der fremdnationale Chauvinismus von Juden, dem rassiger Antisemitismus nicht gestattet, sich in den Heimatländern auszuleben, wird aufhören müssen, philanthropisch Revanche zu nehmen an den armseligen verkümmerten Glaubensgenossen des Orients, die der Hilfe bedürfen und nicht der Entwurzelung. Das sind Ergebnisse, die wie Naturgesetze in die Erscheinung treten müssen, wenn die Acliusabewcgung Juden aus allen Ländern der Erde machtvoll ergreifen wird. Mag sie sich noch so besonnen* rechnerisch, noch so mntcricll-irdisch darstcllen, ihre vorwärtsdrängende Kraft ist die Idee. Sie ist die Eine, auch wenn sie sicli im Spektrum der Kulturell in bunten Farben autzulöscn scheint. Wer in der Geschichte der Völker nicht nur Wirkungen sieht, sondern auch Zwecke, mag der Vorsehung dankbar sein, daß sic unsere einheitliche Geschichte durch das Galuth unterbrochen hat, daß sic ihr ein Zwischenstück cingcfiigt hat, darin die Juden in einem opferreichen Martyrium, in den Kämpfen um ihr — um ein freies Menschentum, in dem Auf und Nieder von Sklaventum und Freiheiten ihre Treue erproben, ihre innere Freiheit erwerben, ihren historischen Volksglauben an das Urgesctz aller Sittlichkeit wieder und wieder begründen sollten. Auf dieser Walstatt eines um seine heiligsten Güter ringenden Volkes mußten Resignierte, Ermattete, Zerschlagene bleiben.