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Jüdische Rundschau · 1914-06-26 · Heft 26 (26.6.1914) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 26 (26.6.1914)
Date
1914-06-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 278 Nr. 26 Wichtig ist uns nur eines: daß wir die jüdische Jugend erziehen dürfen. Noch haben wir keine Methode, und was wir versuchen und tun, .kann jeder kritisieren. Aber die Glut, aber die Kraft, aber die Liebe haben wir, ohne die inan junge Menschen nicht gewinnen, das ,heißt: nicht erziehen kann. HugoH e rrm an n. Die ״Friedensbedingungen“ Das ״Hamburger Israelitische Familicnhlatt“ hat bereits in der vorigen Woche einen ausführlichen, objektiven Bericht über den Leipziger Delegiertentag gebracht und versucht nun in der dicswöchigcn Nummer seine Schlüsse ans dem in Leipzig Gesehenen und Gehörten zu ziehen. Abgesehen von einigen Einzelheiten, in denen die schlechte Tradition des Kampfes gegen den Zionismus um jeden Preis ge• wahrt scheint, ist der Artikel ruhig, vernünftig ah• wägend und besonnen. Natürlich ist es im Interesse unserer Gegner, die Ahstiinnuuigsresultate des ersten Tages so zu deuten, als ob die gegen die ״radikale Agitation“ gerichtete Opposition mehr als ein Viertel des Delcgiertcutages, ja am Montag, in der Jugenddebatle, sogar die Majorität auf ihrer Seite gehabt hätte. Hier rächen sich taktische Ungeschicklichkeiten der Majorität; übrigens sind diese Dinge nicht von überragender Bedeutung und es liegt uns ferne, an den Abstimmungsergebnissen herumzudcutelu, Was vor• hamlen, was real und was wichtig ist, sind die gefaßten Beschlüsse und die erfolgten Wahlen, Das allerdings möchten wir bemerken, daß es ziemlich deplaciert ist, von dem ״radikalen E I i'1 g e I ä la Hantke Klee Kurt Blumenfehl“, so wie schon früher von dem ״radikalen Qriippclien", den ״paar radikalen Schreiern", zu sprechen, Unsere Organisation ist, das hat sich eben erst in Leipzig nieder deutlich gezeigt, sehr demokratisch eingerichtet und gibt sich die Leitung, deren Richtung ihr paßt. Und in dem in Leipzig eingesetzten Zentralkomitee bildet Dr. ITiedemami nur den alleräußersten rechten Fliigel. Die Organisation, die weit überwiegende Mehrheit des Zentralkomitees, die Exekutive, der Gescliiiftsführciide Ausschuß, sind ״radikal“. Im Anfang des Artikels heißt es, der rückschauende Teil des Geschäftsberichtes sei ״nach dem Rezept literariscli nicht sehr hochstehender Romane und Dramen konstruiert, in denen neben dem peehrabenschwarzen Bösewicht und Intriganten imver• mittelt die reine l.iehtgcstalt des vollkommenen Tugemlliohles steht.“ Die Rolle des letzteren falle selbstverständlich den Zionisten zu, während der Gegenseite alles Unrechte zugeseliolK'ii werde. Kurz darauf wird aber dargelcgt, wie glimpflich der ״lliifsverein" in dem I iaiitkesclien Bericht fortkomiiu־. Daß wir den I lilfsvereiu ״glimpflich" und gut behandeln, beweist eben, (laß wir nicht so uugereclil, daß wir objektiv sind. Wir wissen Verdienste zu würdigen, selbst an einem Gegner, mit dem w׳ir eben noch so scharf die Klingen gekreuzt haben. Und auch das Eingeständnis manches Mißerfolges konnte, wer gut hilihörte, aus dem Leipziger Bericht entnehmen. Wir haben es nicht nötig, einseitig zu sein. ln den Mittelpunkt seiner Betrachtung stellt der Artikel Dr. Hantkcs Aeußenmgcn über das künftige Verhältnis des Zionismus zu den uiclitzionistisehen Orgauisatiouc», die ״F r i c d c n s he d i 11 g u ng e 11 für die künftige Einstellung der bisherigen Kämpfe“, Er zitiert Dr. Hantkcs Wort, daß eine dauernde Zusammenarbeit zionistischer und niehizio- «istischer Organisationen überaus unwahrscheinlich sei, so lange nicht auch der außerhalb unserer Organisation Stehende sieh zum mindesten mit dem natiolialeu Charakter der neuen Siedlung in Palästina inner• lieh ausgesöhnt habe. Er sucht diesen Satz zu iuterpretieren. ״Was heißt ״innerlich ausgcsöliiil“? Soll das heißen, daß die Nielitz.ionisleii unter den deutschen Juden das zionistische א a t i on a I p r i!1 z i p, vorläufig mir in Palästina, auch für sich bindend als richtig anerkennen und betätigen sollen, so wird mau init diesem Verlangen kein Glück haben. Zu dieser Verleugnung innerer Uebcrzcugung, zu diesem Vorzieht auf freie Meinungsäußerung und Betätigung wird sieli kein aufrechter Nielitzionist, auch um’den Preis zionistischen Wohlwollens, verstehen. Soll es aber heißen, daß die deutschen Nichtzionisten — wenn sie auch den prinzipielle״ Kampf gegen das Natio* na itatsdoirnia fortsetzen — schiedlich friedlich natio* na -jüdische Institutionen in Palästina ihre Wege gehen lassen sollen, daun ist das, sobald die Z10nisten keine privilegierte Domäne, wie etwa die Jugenderziehung, für sich in Anspruch nehmen, eine Forderung, die bereits längst auf nichtzionistischcr »eite als berechtigt anerkannt und erfüllt worden ist. Wenn noch dazu kommt, daß die Formen c!8י c 1G g e r K ri t i k sich in den Schranken des ״Ü1\ 7ones u״l* einander schuldigen Respekts vor Ueberzeiigungen halten, dann wird mau bald den me«1arbeiteny1״ren"״d׳ S°Wdt ,י,1״'״0״ dcs Z״sa,־״ j UEDiSCHE RUNDSCHAU Das Richtige liegt, wie meist in solchen Fällen, in der Mitte, Wir müssen fordern, daß jede Organisation, die in Palästina arbeitet, dort auf jede assimilntorisclie Einwirkung,verzichtet, daß sie den nationalen Geist micrkcmit, der das neue jüdische Leben in Palästina beherrscht, und in ihrer Palästinnarbcit diesem neuen jüdischen Leben ohne jeden Vorbehalt, ohne jeden Hintergedanken dient. Wir verlangen keine Verleugnung innerer Ucberzeugtmgcn, dazu sind uns die unsri’gcn zu teuer; wir verlangen Respekt vor der Tatsache des nationalen Lebens in Palästina. Wenn das in allen Kreisen des deutschen Judentu ms cingeschcn wird, dann werden die Formen der gegenseitigen Kritik sicher nichts mehr zu wünschen übrig lassen, und der erträgliche Modus vivendi, den das ״Hamburger Israelitische Familienblatt“ nur mit den Anhängern der ״gemäßigten" zionistischen Richtung für möglich hält, wird sich auch dem Kern, der Leitung und der Majorität der zionistischen Orga* nisation gegenüber denkbar erweisen. Bertha von Suttner Bertha von Suttner ist gestorben. Es ist bckannt, daß diese Führcrin der Friedensbewegung lebhafte Sympathie für den Zionismus hatte, der sie auch öfters Ausdruck gab. Im Jahrgang 18W der ״Welt" schrieb sie kurz vor ihrer Ahreise zum Haager Friedenskongreß über den Zionismus: ״Unsere merkwürdige Zeit, so nngcfiilit mit den sogenannten ״Bewegungen“, den hoffnungsreichen, freiheitsringciuleii, glück erstrebenden Bewegungen, welche die Rechte des arbeitenden Volkes, die Rechte der Frauen, die Rechte aller bisher Unterdrückten erkämpfen will, diese Zeit brachte auch den Zionisnius hervor — und wer ihn verstehen gekonnt, der wollte ilm nicht mehr missen in dem Bilde der so heftig bewegten Gegenwart, aus der der ״Friede geboren“ werden soll, Der Zionismus hat übrigens so manches mit der Friedensbewegung gemein; er wird noch von der Allgemeinheit ahgevvehrt, wird wie diese: Verirrung, Schwindel, Utopie genannt, und ist wie diese — ohne daß die Ununterrichteten cs ahnen — schon auf dem halben Wege zum Ziele. Es ist nicht lange her, da war ich ihm selber Feind. Die Nntionalitätensachc mit ihren Streitigkeiten und Rivalitäten und Selbstvcrliimmlungen ist ja im Grunde der Gegensatz zu dem übernationalen Ideal der Vcrb rüde rillig, Soll da noch eine neue Nation geschaffen werden -- noch eine neue Absperrung cingvfülirt, ein neuer Rasseustolz. entfacht werden? Seien wir froh, daß es doch eine Gattung Menschen gibt, die genug Kosmopoliten sind, tun überall nur die Güter der Menschheit und nicht eines einzigen Volkes zu pflegen, machen wir doch nicht aus den Juden auch noch eine getrennte, vielleicht gar kriegerische Das Leben Theodor Herzls von Adolf Friedemann ist soeben erschienenI Unveröffentlicht Briefe und Dokumente. 141 Selten, 1 Blldnii, 2 Fakilmilct. Preis.' M.2.— gebund. Porto; 20Pf. Zu den bevontehenden HERZZ-GEDENKFEIERN empfehlen wir ferner 1. Herzls Zionistische Schriften, mehr als 600Seiten, M.3.50 brosch., M.S. gebd. Porto: SO Pf. 2. Herzlradierung von Hermann Struck, M, 10,—, Porto u, Verpackung: 60 Pf. 3. Herzl-Ansichtskarten in verschiedenen Ausführungen zum Preise von M, 4.— das Hundert, JÜDISCHER VERLAG Nation — mit dieser Bestrebung würden wir ja die Berechtigung der nationalen Trennungen und Feindschäften und Ucbcrhcbtmgcn, die unseren Friedensideen ein Heinnis sind, unterstützen I Das war meine erste und daher ablehnende Auffassung der zionistisehen Bewegung. Ich hielt sie für ein gleichfalls national-fanatisches Getriebe, für ein äffisches Nachahmen, für ein Angestecktscin von der herrschenden Nationalitätsrascrei. Erst nach einigem Vertiefen in die Frage ward sie mir klar. Als Rettung vor Elend und Verfolgung, als stolzes Aufbäumen gegen angetanen unerhörten Schimpf und vor allem als Schaffung eines Zufluchtsortes — so verstehe nun ich die Aufrichtung des Reiches Zion .... Das Bewußtsein, eine mit den anderen Nationen gleichberechtigte Nation zu bilden, setzt ja doch nicht Chauvinismus voraus, denn dieser bestellt eben in dem Vorurteile, daß man einer über die übrigen erhabenen Nation angehört. Jetzt müssen diejenigen Juden, welchen von Antisemiten die Volksangehöri״- keit abgestritten wird, einen ganz besonders heftigen Patriotismus licrvorkehrcn, und dann tragen sie in jedem Lande mm herrsehenden Chauvinismus ein Erkleckliches bei. Durch das Erwachen des zionistisehen Gedankens kann der Friedensgedanke nur gefördert werden, wie denn überhaupt alle Befreiung«■ kämpfe Zusammenhängen. Der Weg zur Freiheit, zur Menschenwürde, zur endlich anerkannten Unver! letzlichkeit der persönlichen Güter — darunter jede« einzelnen Ehre und Leben — dieser Weg wird jetzt von verschiedenen Pionierstruppen ausgchaucn. Eine der tapfersten darunter — weil sie ja unter Steinwürfen arbeiten muß -■ ist die Zionistcntnippv. Darum sind ihr meine Gedanken zugeflogen, während der Reiseanstalten nach dem Hauptquartier des f riedensstabcs.“ Eine deutsche Acliusa Referat, gehalten auf dem XIV. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland von Dr. Theodor Zlocisti, Berlin Der XIII. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, der in Posen zusammentrat, hat die folgende Entschließung angenommen: ״In Konsequenz der überragenden Bedeutung der Palästina-Arbeit für die Befreiung der Einzel- Persönlichkeit, sowie für die Erreichung unseres Endziels, erklärt cs der Delegiertentag für die Pflicht jedes Zionisten, in erster Reihe der wirtschaftlicli Unabhängigen, die Uebcrsicdlung nach Palästina in ihr Lchcnsprogramm atifzunehmen. In jedem Falle sollte jeder Zionist für sieh persönliche Interessen in Palästina schaffen," Das waren I lüelistfordermigen, wie sie jede Gruppe mit einem vorwärtsdrängenden schöpferischen Tatwillcn vor sieh lierföhren muß. Voraussetzungen und Ziele wollte diese l’osener Resolution in kühnem Bogen überlmieken. Das Ziel stellt in Klarheit vor uns, wie es die Propheten erschaut, wie es die Sehnsucht eines zweitaiisemljälirigen Märlvi erleben« in eine fröhliche Morgenröte gestellt, wie es der Erneuerer des jüdischen Missionsgcdnnkeiis Moses Hess geträumt und wie cs Theodor Hcrzl als die Verpflichtung einer in der Seele freigewordenen Judcnhcit verkündet hatte: Das jüdische Volk kann für sich und für die Menschheit die Erlösung von aller letzthin nur zerstörend wirkenden Assimilation 'nur finden in seiner Konzentration in Palästina. In der Berührung mit dein heiligen Boden wird sich das Volkstum verjüngen, zu einer Kraft, daß sein Werk sich rein und frei an die heilige Geschichte Israels anfügt. Aber des Weges zu diesem Ziele der Würde und Gesittung gab es viele Pliiue. Der Glaube an das Wunder, in der rationalistisch-engen, und daher vor den Wirklichkeiten schnell verzweifelnden Artung un- *eres Volkes tief verwurzelt, schuf Ideen, die irdisch umkleidet waren, aber ihren Ursprung, den Wunder- (glauben, int Gebilde hatten. Das ist unsere Einsieht, daß der Besitz Palästinas nicht erbetet und erbettelt werden kann; daß das Land erst eine Heimat werden kann, die fest begründet ist eine Kultur zu tragen, wenn es in der Qual der Arbeit erworben wurde. Und es wird ein erhabenes G c s c h i c h t swunder sein, wenn dieses Volk trotz der erdfrcmdeii Verelendung der Diaspora aus seinem nationalen Willen die Kraft gewinnen wird, sich mit Pflugschar und Hacke seine Heimat zu schaffen. Kann sich dieses Wunder — noch! — an uns vollziehen?I Nur in dem freudigen Ja liegt das zionistische Glaubensbekenntnis. Nur dieses unterscheidet uns von den mtderen Juden, deren bestes Teil der Idealismus Von Resignierten ist. Nur dieses differenziert auch unsere Genossen, die Starken, die in diesem frettdigen Ja ihr eigenes Leben gewinnen, und die Schwachen, in denen die Wage von Glauben und Zagen unruhig auf und nieder schwankt. Wer Zion un sich erlebt hat, erlöst seinen Individualismus in seinem jüdischen Volkstum. Ich werde du. Und du wirst ich. Da kann cs keine ״unglücklichen Brüder“ geben. Du bist der unglückliche Bruder. Da kann cs keine Heimstätte mehr geben für das Elend. Denn du bist der Elende, der das Zelt seines Glückes suclrt. Du bist cs, der sich nicht assimilieren kann und will.

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