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Jüdische Rundschau · 1914-06-19 · Heft 25 (19.6.1914) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 25 (19.6.1914)
Date
1914-06-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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$ei*e 264 JUBPiSCHE RUNDSCHAU Nr. 25 reiiden Kreise über die Ursachen dieses Kampfes und über die berechtigten Wünsche der paliistinengischen Juden aufzuklären. Wir fanden auch den Weg zu den Merzen der jüdischen Massen der ganzen Welt und konnten so die großen Mittel aufbringen, die die Eroberung der neuen Positionen in Palästina van uns fordert. Wir verdanken diese Ergebnisse aber nicht nur der Energie unserer Ortsgruppen und unserer Landesverbände. Audi uns standen starke Faktoren zur Seite, weniger bekannt in der Außenwelt als die Vereine und Gruppen jüdischer Notabein, aber weit lebenskräftiger: die Liebe des Juden zur 11cbräischrn Spradie und die nationale Kraft des neuen Judentums in Palästina. Mit ihnen siegten wir und mit ihnen werden wir das Werk fortsetz.cn und zu einem guten Ende bringen. Denn nur der erste Schritt ist bisher getan. Er war der entscheidende. Denn er verhinderte das Auftauchen einer bewußten Assimilation im palästinensischen Judentum der Zukuuft und er ermöglichte gleichzeitig die nationalkulturelle Vereinheitlichung des jüdischen Palästina. Er bereitete die allmähliche Hebraisierung des Technikums in Haifa vor und er schuf ein nationales hcbritisches und von assimilatorischen Einflüssen unabhängiges Schulwerk in Palästina. Die widerstreben, den Tendenzen sind aber noch nicht niedergerungen. In kleinen mul kleinlichen Gegenaktionen suchen sic den realen Wert unseres Erfolges zu schmälern und ihrer assimilatorischen Tendenz weiterhin einen Eingang in Palästina offenzuhalten. Wir dürfen zu unserer Leitung das Vertrauen haben, daß sie dieser heimlichen Arbeit gegenüber auf dem Platze sein wird, und unsere Leitung soll wissen, daß auch in Zukunft die deutschen Zionisten ihr in der Sicherung des Hebraisnuis in Palästina uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Diese Zeit höchster Anspannung des jüdischpolitischen Lebens hat das Autizionistischc Komitee benutzt, um einen, wie es glaubte, entscheidenden Schlag gegen uns zu führen. Wenige Wochen vor der uns günstigen Entscheidung in der Frage des Technikums veröffentlichte es im Inseratenteil der führenden fortschrittlichen und nationalliberaleil Zeitungen eine Erklärung, nach der die Unterzeichner für die Zukunft jede gemeinsame jüdische Betätigung mit den Zionisten ablelinteu und das Tischtuch zwischen sich und uns zerschnitten. Nicht einmal für das neutrale Gebiet der Wohltätigkeit und der rein religiösen Aufgaben war eine Ausnahme gemacht. IX'111 Bannstrahl, den der Ausschuß des deutschen Rabbinerverbandes im Jahre 1896 gegen den Zionismus geschleudert hatte, folgte jetzt der Bann der Notabehl. Jener rabhinischc Bann gehört längst der Geschichte an. Vom Banne der Notnbclu können wir schon jetzt nach wenigen Monaten ein gleiches feststellen, lieber jedes Maß liiiiausgehend, jedem Juden unverständlich, der die Welt nicht mit den Augen einer engen, von der lebendigen jüdischen Entwicklung ahgesehiiittenen Parteigruppe ansieht, von der deutschen Oeffentliehkeit teils direkt abgelchnt, teils mit Nichtachtung bestraft, hat diese Erklärung wellig Spuren hinterlassen. Die großen Organisationen des deutschen Judentums, die sich vom Kampf gegen den Zionismus fcrnhaltcn, der .Verband der deutschen Juden, die Grolllogc des Ordens Bnei Uritli, ja sogar der Hilfsverein der deutschen Juden haben sie für sich ahgelehnt. Und die Unterzeichner der Erklärung sitzen weiter mit den angeblichen Feinden der Religion in allen möglichen Komitees zusammen. So unleugbar das Ansehen unserer Organisation während aller dieser Kämpfe in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen gestiegen ist, wie sieh eben alles Starke und Ganze in dieser Welt stets durchsetzt, so perhorrcszieren doch manche unter uns alle diese Kämpfe und wünschen für die Zukunft eine gemcinsame Arbeit mit niehtzionistischeii Elementen. Gewiß, auch wir sind keine Freunde ewigen Kampfes, ewiger Streitigkeiten. Auch wir würden uns freuen, in anderen Kreisen Hilfe und Beistand zu finden. Auch wir sind nicht engherzig genug, gute Arbeit ab/ulelinen, wenn sie nicht unter unserem Namen geleistet wird. Auel! wir werden nicht ahletiguen, daß auch auf unserer Seite unnötige Schroffheiten und persönliche Angriffe vorgekoinmen sind. Aber unser Schuldkonio in allen diesen IS Jahren seit der Gründung unserer Organisation ist ausgeglichen durch die wahrhaft unerhörten Angriffe, weiche die Broschüren des Antizionistischen Komitees auszeichnen. Und kein Assimilant kann sich mehr über mangelnde Einschätzung seiner jüdischen Arbeit durch uns beklagen, seitdem die religiös indifferentesten und mit der Verantwortung für allen Abfall in den von ihnen seit drei Generationen geleiteten Gemeinden beladenen Kreise die Zionisten zu Feinden der Religion zu stempeln suchten und damit den sonst von ihnen in ihrer Betätigung in der allgemeinen Politik so verhaßten Qerucli des Scheiterhaufens in die . jüdischen Kämpfe einiiihrten. Die Geschichte unserer Beziehungen zum Hilfsverein beweist auch, wie überaus unwahrscheinlich eine dauernde Zusammenarbeit zionistischer und nichtzionistischer Organisationen ist, solange. nicht auch der außerhalb unserer Organisation Stehende sich zum mindesten mit dem nationalen Charakter der neuen Siedlung in Palästina innerlich ausgesöhnt hat. Wer mit uns den Juden Palästinas zu einem von fremden Einflüsse» unabhängigen, auf dem Boden hebräischer Nationalkultur aufgebauten, eigenen Lehen verhelfen will, wer entschlossen ist, dem Judentum Palästinas dieselbe Freiheit der Entscheidung ztiztierkcnnen, die er ausnahmslos den Juden jedes anderen Landes einräumt, und wer sieh nicht fürchtet, daß der Geist dieser nationalempfindcndcn, hebräisch sprechenden und denkenden Judenhcit Palästinas wie in alter Zeit wieder das Judentum der Diaspora bcfruchten wird, wer sich nicht scheut vor dem Wiedererwachen des Landes, das alle, aber auch alle Großtaten unseres Stammes und unserer Religion gesehen hat — der sei uns willkommen! Wir werden ihn nach seiner sonstigen Stellungnahme nicht fragen. Wir werden ihm jede Möglichkeit geben, nach der er verlangt, um außerhalb unserer Organisation mit uns zu arbeiten. Und alle Zionisten werden ihm dieselbe tiefe Dankbarkeit und öffentliche Anerkennung zeigen, über die der Hilfsverein so viele Jahre quittieren konnte. Solange man aber versucht, neben die alte, auf wirtschaftlicher Hilfe aufgebaute Chaluka eine geistige Chaluka zu setzen, werden wir deren Schäden ebenso energisch bckämpfen, wie wir trotz allen Verständnisses für den ursprünglichen׳ Grund der alten Chaluka auch diese einer schonungslosen öffentlichen Kritik unterzogen haben, wie es unsere Pflicht erforderte. Der Kampf hat auch nicht uns selbst verdorben, wie wohl dieser oder jener fürchten mag. Denn wir haben uns nie auf den Kampf beschränkt. Die Resolution des Zentralvcreins beantworteten wit nicht nur mit einer Gegenresolution, sondern wii gründeten den Rcichsvercin der deutschen Juden und schufen uns und unseren nkhtzionistischen Freunden so ein Instrument, um unseren Kampf gegen jüdisehen und niclujiidischen Antisemitismus zu führen. Ihm verdankt das deutsche Judentum den einzigen mannhaften Protest gegen den Beilis-Prozeß und die Abwehr der Angriffe der Liberalen gegen das Wahlrecht der ausländischen Juden in Preußen, wobei sich der Reichsverein der tatkräftigen Unterstützung der Orthodoxie zu erfreuen hatte. Den Kampf um das Technikum beantwortete die zionistische Organisation mit der Schaffung eines autonomen hebräischeu Schulsystems in Palästina. Den antizionistischcn Annoncen folgte eine Versammlungsaktion, bei der in wenigen Tagen in 87 Städten Deutschlands in größter Oeffcntliclikeit die zionistische Idee dargelegt und tausenden deutscher Juden nähergebracht wurde. So führten wir unseren Kampf stets mit positiver Arbeit, so wurde jede Abwehr die Quelle neuen und fruchtbaren zionistischen Tuns. Dieser ständige Fortschritt unserer Idee läßt sieh auch rein zahlenmäßig beweisen. Die Zahl der organisierten Zionisten stieg in Deutschland in der letzten Kongreßperiode von 7830 auf 9867. Unser Zcntralbureau sieht nunmehr auf eine Ge׳ schichte von 10 Jahren zurück. Aus kleinen Anfangen entstanden, ist es zu einem in sich abgc׳ schlosscncn organischen Körper unserer Bewegung geworden. Auf modernen Prinzipien aufgebaut, hat es anderen Einrichtungen zum Muster gedient und sich eine über die Grenzen unseres Landesverbandes liinaiisgehende Popularität geschaffen. Unser Organ ״Die Jüdische Rundschau“ dringt in alle Kreise unserer Organisation. Auch die ״Welt“ hat ihren Wirkungskreis in Deutschland vergrößert Neue und willkommene Bundesgenossen haben wir in zwei neuen zionistischen Wochenschriften, den ״Hamburger Jüdischen Nachrichten“ und dem ״Jüdi sehen Echo“ gefunden, während das ״Frankfurter Israelitische Faniilienblatt“ in altem Eifer unserer Sache dient. So verfügt die zionistische Presse unseres Landesverbandes bereits über fünf Organe. Allgemeine Anerkennung in der Presse hat das von uns im vergangenen Jahre hcrausgegcbcnc Jiidischc Gemeindejahrbuch gefunden. Unsere Sammlungen für den jüdischen Nationa fomls überschritten im Jahre 1913 zum ersten Male die Summe von 100 000 M. Daneben gaben wir dem Zionistischen Aetions-Comitö außer dem Schekel im Jahre 1012/13 12000 M., im Jahre 1913/14 60000 M. Rechnen wir hierzu unsere Ausgaben für unsere Laiulcszentrale. für unsere Presse, für unsere Jugendorganisationen, für unsere Institutionen in Palästina, so können wir konstatieren, daß wir zurzeit jährlich etwa 240 000 M. für zionistische Zwecke nufbringen, abgesehen natürlich von den Kosten der lokalen Vereine. Unsere Organisation ist denn jetzt mich in 450 Orten Deutschlands vertreten. Nicht ganz im Einklang mit diesen Zahlen stehen die Kapitalanlagen deutscher Zionisten in Palästina. Hier sehen wir noch die Folgen der früheren Jahre, in denen der persönliche Zusammenhang der deutschen Zionisten mit Palästina ein geringer war. Doch beginnt sich auch hier ein Umschwung bemerkbar zu machen. Wenig zufriedenstellend sind auch die Finanz«* unseres Landesverbandes. Zum erstenmal, seitdem wir vor vier Jahren unser Bureau erweitert und das Parteisekretariat geschaffen haben, ist cs nicht gelungen, unsere Ausgaben voll zu decken. Unsere laufenden Ausgaben haben im Jahre 1913 etwa 25000 Mark betragen. Sie werden im Jahre 1914 und auch in den folgenden Jahren nicht geringer werden, wenn anders Sie wünschen, daß wir unsere Arbeit im alten Rahmen fortsetzen. Im Gegenteil wird die unbedingt erforderliche Verstärkung unserer Propaganda und unserer Erziehungsarbeit an der heranwachsenden Jugend die Aufbringung neuer Mittel erforderlich machen. Es muß daher unter allen Umständen von sämtlichen Ortsgruppen die Abführung des Landesbeitrages für alle Mitglieder ausnahmslos gefordert werden, wenn dies auch eine Erhöhung der lokalen Abgaben zur Folge haben muß. Ich spreche auch die Bitte aus, uns mehr als bisher in der Sammlung von Beiträgen für unsere Propaganda zu unterstützen. Deutschland gilt überall als die hohe Schule des Organisationswesens, und so sollten auch wir deutschen Zionisten den anderen Landesverbänden in der Wertschätzung der organisatorischen und propagandistisclien Aufgaben mit gutem Beispiel vorangehen. Lassen Sie Ihre Zentrale nicht schlaff werden und ermüden in der Sorge um die täglichen Ausgaben! Eine Gemeinschaft, die jährlich 240 000 M. aufbringt, kann auch die 5000 M. aufbringen, die wir äußerstenfalls noch benötigen. Geehrter Delegiertcntag! Unsere zionistische Organisation hat sich eine ganze Reihe einzelner Arbeitsgebiete geschaffen. Sind auch manche von ihnen bedeutungsvoller, manche weniger ausschlaggebend, so entsteht doch nur dann der Eindruck einer harmonischen, in sich abgerundeten und systematischcn Arbeit, wenn alle diese verschiedenen Tätigkeitsfelder mit gleicher Liebe gepflegt werden. Dies gilt auch für den engeren Rahmen des Landesverbandes. Und doch ist cs nicht zu vermeiden, daß im wechselnden Lauf der Jahre bald diese, bald jene Seite unserer Tätigkeit in den Vordergrund tritt und von selbst die Diskussionen unserer Tagungen beherrscht. Und so scheint mir die Forderung des Tages für diesen unseren II. Delegiertcntag die Frage der Erziehung und Ausbildung der nächsten zionistischen Generation zu sein. In den ersten Jahren war uns dieses Problem fremd. Wir selbst waren ja die neue Generation, die auf das Kampffcld des jüdisch-politischen Lebens drängte. Aber wir sind älter geworden und so müssen wir uns fragen: Sollen wir wieder bei jeder neuen Generation ausschließlich auf die Propaganda angewiesen sein oder gibt cs ein System jüdischer Erziehung, das den nach uns Kommenden den Weg erleichtert? Die Frage ist bitter ernst. Niemand kennt so gut als wir seihst die Schwierigkeit, die Jugend trotz der überwältigenden Einflüsse der uns umgebenden und uns erfüllenden Kulturen zu stolzen und zukuiiftsfreudigcn Juden zu erziehen. Niemand vermag so wie wir zu beurteilen, welchen Schicksalen, ja sogar welchen Zufälligkeiten es clcr größte Teil der Zionisten verdankt, daß er sich einmal '■0n den Fesseln der Assimilation befreien konnte. Und niemand sieht so deutlich die Schranken, die selbst der intensivsten Ideenpropaganda gesetzt sind. Auf der anderen Seite stellt gerade die Vcrgrößerung unserer Organisation neue Ansprüche an uns. In einer steigenden Anzahl von Gemeinden entwickelt sich zu unserer Freude ein zionistisches Leben. Zionistische Kreise schließen sich zu engeren Lebensgcmeinschaftcn zusammen, prüfen die Probleme unserer Nationalidee und suchen ihr Lehen mit nationalem Geiste zu erfüllen. Gerade der Kampf um die hebräische׳ Schule in Palästina hat vielen die Augen geöffnet für die hohe Bedeutung, die das Erzicliuugsproblem und die Durchdringung des Volkes mit nationalem Wissen für unsere Idee hat. So bedeutungsvoll diese Tendenzen für die Zukunft sind, so nehmen sie doch zeitweise manche Kraft in Anspruch, die sieh früher der täglichen Propaganda gewidmet hat. Und wer von uns wünschte nicht, seine Kräfte für diese Aufgaben freizubekommen und sic nicht ausschließlich der politischen Organisation widmen zu müssen, so sehr wir alle ancrkennen, daß nur in ihrem Rahmen die Möglichkeiten eines jüdischnationalen Lebens gegeben sind und daß ihre dauernde Stärkung die unurngängliehe Vorbedingung für alle Zukunftsentwicklung ist. Und diejenigen von uns, die an der Lösung des Erzicltungsproblems nicht mir als Propagandisten, sondern als zionistische Väter oder Mütter beteiligt sind, sind sich wohl bewußt, welche hohe Vcrantwortung der Organisation und unserer Idee gegenüber sic in der Erziehung der eigenen Kinder zu tragen haben. Denn letzten Endes wird der Sieg des Zionisnius davon abhäuge», ob es uns mehr als anderen jüdischen Strömungen gelingt, unsere Kinder an der Fahne des Judentums festzuliaiten, ob wir fähig sind, die starke Begeisterung für unser Volk und seine Zukunft einer kommenden Generation zu übermitteln. Alle diese Momente zwingen uns, dem Erziehungs-

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