Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Amt Uhlsnd 845, 846, 868. 1 Postschscfckonto» Berlin Nr. 17392. Ü v. Berlin, den 19. XIX. Jahrgang. ZionUmu■ erstrebt für da» jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina.“ Baseler Programm Der XIV. Der XIV. Delegiertcntag unserer Lnndesorganisation war eine machtvolle Kundgebung des zionistischen Gedankens in Deutschland. Schon die ziffernmäßige Beteiligung beweist das: trotz dem Inkiafttreteii des neuen Statuts mit seiner Erschwerting der Bedingungen für die Delegiertenwähl waren' 125, also noch mehr Delegierten als zu unserer Poscner Tagung erschienen. Gleichzeitig mit dem Delegiertcntag veranstaltete der Be/alel eine Ausstellung seiner Erzeugnisse, die jetzt widerspruchslos als hohe Leistungen auf dem Gebiete der kunstgewerblichen Technik anerkannt werden müssen, der Kultur-Verband jiidischcr Frauen zeigte seine palästinensischen Spitzen, der jüdische Verlag gab ein Bild seiner immer fruchtbarer und wirkungsreicher werdenden Arbeiten von den ersten Anfängen bis zu dem schönen Herzlbuch, dessen erste Exemplare zum Delegiertentagc erschienen. Die Ortsgruppe Leipzig hatte es verstanden, dem Delegiertentagc einen imposanten Rahmen zu geben: der Saal war reich mit nationalen Emblemen und mit orientalischen Teppichen geschmückt, der Ordnungsdienst funktionierte mit tadelloser Präzision. Die Delegierten insbesondere sind der Oitsgruppe für reiche Gaben dankbar: ein geschmachvolles Abzeichen, eine schöne Mappe und vor allem das Festgeschemk der Ortsgruppe, die •in reinstem Geschmack ausgestattete Ausgabe der Kongreßreden Theodor Herzls. Die Ergebnisse der Beratungen selbst bedeuten ein unentwegtes Fortschreiten auf der vom deutschen Zionismus eingeschlagcnen Bahn. Die Eiorterung ,über den Hauptpunkt der allgemeinen Debatte, das Verhalten gegenüber der. nichtzionistischen, jüdischen Organ i s a t i o n c n, brachte der Leitung die wider- Spruchs lose Billigung des Delegiertentnges, obwohl über jeden Punkt gesondert abgestimmt wurde. Bloß beim Punkte ״Zentralverein“ enthielten sicli drei, beim Punkte ״Sprachenkampf“ e i n Delegierter der Ab- Stimmung. Auch die Frage der Palästina-Arbeit gab zu nennenswerten Differenzen keinen Anlaß. Die Gesamtorganisation hat ein zielbewußtes Palästinaprogramm; Diskussionen gibt es, wie auf dein Kongresse, nur über die Zweckmäßigkeit einzelner positiver Maßnahmen. Auf dem Delegiertentage, wo es sich nur um Ausführungs- Vorschläge auf Grund der allgemein anerkannten Grundsätze handelt, ist für Debatten eigentlich kein Raum mehr. Die Achusah wird allge- »nein als eine Pflicht der deutschen Zionisten angesehen, nicht als ein Thema, über das man streiten kann. Diese einmütig bekundete Auffassung war der Ausdruck des in unserer Organisation lebenden ernsten Willens zu intensivster Palästinaarbeit. Die am Sonntag geführte Debatte über den Begriff des Nationalismus gab, da sie rein theoretischer Natur ist, naturgemäß mehr Anlaß am 14. und 15. Juni 1014 zu Differenzen. Immerhin war festzustellen — obwohl durch einen taktischen Mißgriff der Majorität das Stimmenverhältnis nicht offiziell registriert wurde ~, daß für den gegen die bisher herrschende Auffassung gerichteten Antrag insgesamt etwa zehn, also noch nicht ein Zehntel aller Delegierten, eintratcn. Die Haltung wällrend der Debatte ließ das einwandfrei erkennen, In der Frage der Jugendarbeit ist die Ansicht in allen Schichten!der!Organisation: durchgedrungen, daß wir eine intensive Arbeit in rein nationalen Jugendorganisationen zu führen haben. 111 der Frage der Mitarbeit in den ״neutraleiF‘ Vereinen, die so zu einer Frage zweiten Ranges herabsinkt, war der Delegiertcntag der Meinung, eine extreme Stellungnahme nach der einen oder der anderen Seite sei unnötig und zu vermeiden, was siel) darin aussprath, daß der radikale Kattowitzcr Antrag unter dem Eindruck dieser Stimmung zurückgezogen wurde. Die übrig bleibenden Anträge, um die die Debatte ging, bedeuten keine entgegengesetzten Prinzipien, sondern nur Nuancen. Und mit dem angenommenen Anträge Goslar werden sich auch seine Gegner ruhig abfinden, da er die Pflicht, in unseren Jugendorganisationen zu arbeiten, vor allem statuiert, die darüber hinausgehende Mitarbeit an anderen Vercinigungen nur daneben gelten läßt, und die Entscheidüng in Streitfällen der Leitung überträgt. Der XIV. Delegiertentag hat uns eine in allem wesentlichen innerlich und äußerlich geschiossene deutsche zionistische Organisation gezeigt, die in wachsender Kraft ihr Werk vollbringt. Der XIV. Delegiertcntag der deutschen Zionisten fand am M. und 15. Juni im Krystallpalast zu Leipzig statt. An der Tagung nahmen 125 Delegierte und Mitglieder des Zentralkomitees der Z. V, f. I). teil. Das Engere Actions-Connte war durch seinen Präsidenten, Herrn l)r. E. W. Tsclilcnow, vertreten. In Anwesenheit einer zahlreichen Zuhörerschaft aus Leipzig, aber auch aus vielen anderen Gegenden Deutschlands, eröffnet der Vorsitzende der Z. V, f. D., Herr Dr. Artur Hantke, am Sonntag, dem 14. Juni, 10 Uhr vormittags, die Verhandlungen, indem er den Bericht an den Delegiertcntag erstattet. Geehrter Delegiertentag! Die äußere Geschichte des deutschen Zionismus seit dem 13. Delegiertcntag in Posen zeigt uns mehr denn je eine Zeit des Kampfes, der Abwehr, aber auch des Erfolges. 1111 Anschluß an die Diskussionen im ״Kunstwart“, an die Vorträge Professor Sombarts und seine Schrift: Die Zukunft der Juden — Momente, die die, steigende Beschäftigung der öffentliehen Meinung mit dem Problem des Zionismus zeigten — nahm der Ccntralverein deutscher Staatsbiirgcr jüdischen Glaubens eine Revision seiner Stellung zum Zionismus vor. Sein Organ ״lin Deutschen Reich“ wandte sich mit Schärfe gegen den jüdischen Natianalycdanken. Es folglen Zusammenstöllc in Obcrschlcsicn, dem Wcttcrwinkcl des jüdischpolitischen Lebens in Deutschland, in der Rheinprovinz und anderswo. Und die Gcneralversammiung des Zentralvereins am 31. März 1013 faßte jene bekannte Resolution, die im Gegensatz, zur früheren Praxis den Ccntralverein gegen den jiidisehen Nationalismus festlegte. Es war nur die selbstverständliche Antwort, wenn daraufhin am 1. Mai 1013 unser Zentralkomitee unter Beteiligung von Vertretern aller Ortsgruppen fast einstimmig eine weitere Mitarbeit Von Zionisten im Ccntralverein für uninöglieh erklärte. Dasselbe Jahr brachte uns eine Fortsetzung der Kämpfe im Dcutsch-lsraclitischcn Gcineiiulebiiud, aber auch deren vorläufigen Abschluß. Denn allem Anschein nach gedenkt der Cicmcindebund das Gebiet jüdischer Politik, auf das er sich zu seinem Schaden begehen, wieder zu verlassen und sich auf sein ur* sprihiglicli rein humanitäres und daher dem Kampf der Parteien entzogenes Arbeitsfeld zu beschränken. In gleicher Weise hat sich die deutsche Kontorcnzgcmcinschaft der Alliance Israclitc Universelle aus der jüdischen Politik ausgcsehaltct und ist wieder der Vcrwaltungskörpcr der Alliance für Deutschland geworden wie in früheren Jahren. Trotzdem müssen beide Kämpfe an dieser Stelle erwähnt werden, denn sic zeigten, daß in jeder jüdischpolitischen Aktion mit der Meinung der Zionisten gerechnet werden muß und daß die Zeiten vorüber sind, in denen einige kleine assimilatorische Kreise in Beratungen, die jedweder Öffentlichkeit sorgsam entzogen waren, widerspruchslos regieren konnten. Andererseits haben alle diese Kämpfe, ebenso die Wahlkämpfe in einer Reihe der größeren Gemeinden, zur Festigung des Anti/ionistischcn Komitees beigetragen. Stellte doch die Gründung dieses Komitees im Jahre löll den Bruch mit der 14 jährigen Totschweigetaktik der Assimilation dar. Es muß daher -׳alle diejenigen an sich ziehen, die nun einmal im Zionismus eine Gefahr sehen und versuchen wollen, seinen steigenden Einfluß durch eine Gegenaktion wieder zu verringern. Die bisherigen Erfolge des Komitees scheinen uns allerdings die großen Anstrengungen nicht ganz zu rechtfertigen. Das beweist wohl am besten der Verlauf des größten Kampfes, den unsere Organisation bisher überhaupt geführt hat, des Kampfes uin die hebrüischc Unterrichtssprache in Palästina, liier war uns ein Kampfobjekt gegeben, würdig der Größe unserer Organisation und der Kraft unserer Idee und damit geeignet, höchste Anstrengungen zu heischen. Eine der größten jüdischen Organisationen, gleichzeitig eine der populärsten und Jahre hindurch von unserer ן Presse verwöhnt und gelobt, stand uns gegenüber. Sic fand bei allen Assimilanten Deutschlands weitestgehende Unterstützung. Auch heimliche Gegner unserer Arbeit schlossen sich an. Die stärkste Waffe im Judentum wurde gegen uns geschleudert: Radikale Assimilanten erklärten die jüdische Religion in Gefahr. Die Autorität der Regierung wurde ins Feld geführt und das Schreckgespenst behördlichen Eingreifens gegen antipatriotischc Betätigung an die Wand gemalt. Adressen aus Palästina sollten die Gegnerschaft der eingeborenen arabischen Bevölkerung, ja sogar der einheimischen Juden beweisen. Wir haben diesem konzentrierten Angriff widerstanden, ihn siegreich zurückgcschlageu und wertvolle Konzessionen errungen. Es gelang uns, die .deutsche Öffentlichkeit und die füll-