Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1914)
- Date
- 1914-06-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 252 achtet, die in Wien tmd in Inest seit einigen Jahren eingerichteten Inforiiiatioiisbmcaus in entsprechender Weise zu reorganisieren und in direkte Verbindung mit dem Zcutralbureau zu bringen. Sclbstverstäml* * licli ist es aber unsere Aufgabe, mit dieser grollen Strömung nach Palästina, du: ati und für sich unbedingt erfreulich ist, zu rccineii tmd die Möglichkeiten der Einwanderung 11 erweitern. Dies ist aber nur denkbar, wenn uns von anderer Seite entsprechende Kredite zur Verfügung gestellt würden. Einige Schritte sind in dieser Richtung unternommen worden. Sodann berichtete [>r. Tsehlenow über die Re- Organisation des ״Bczalel“ und über die p o 1 i t i - sehen Arbeiten. II. Kulturelle Tätigkeit. a) Das hebräische Schul werk. Das innere Leben unserer Schulen verläuft in normalen Bahnen. Es fehlen zwar noch einige Lehrer im Seminar und es fehlt auch ein passendes Gebäude für die Realschule in Haifa. Diese Mängel werden sich aber in naher Zukunft beseitigen lassen. Die Zahl der Schüler an unseren sämtlichen Lehranstalten hat sich erfreulicherweise stark vermehrt, was ausschließlich den inneren Beziehungen der Bevölkerung zu dem neuen Werke *umschreiben ist. Wir erhielten am 5. Mai eine Mitteilung von Herrn Yellin, nach welcher es gelungen ist, unsere Schulen als o 11 o in a n i s c h e 111 s t i 1111 i - onen zu legalisieren. Laut den letzten An- Ordnungen bedarf die Legalisierung nur der Uenehmigung der lokalen Behörden, die auch ohne weiteres erteilt wurde. b) Die finanzielle Lage. Wie Sie aus unseren Publikationen ersehen konnten, haben wir bis jetzt für das Schulwerk zirka 210 (HK) M. Das Reinergebnis bis zum Schluß unseres Finanzjahres (30. Juni) wird uns die Möglichkeit gehen, sämtliche Kosten der Einrichtung mul das Budget unserer Schulen für dieses Jahr sowie einen Teil der Ausgaben für das nächste Jahr zu decken. Wir werden in der nächsten Zeit dafür sorgen müssen, eine beständige und so zu sagen mechanisch wirkende finanzielle Sicherung des Schuletats zu schaffen. Wir denken in erster Linie dabei an beständige Jahres beiträge. Dali die Finanzfrage uns keine Schwierigkeiten machen wird, dürfen wir daraus schließen, daß z. B. der Bczalcl durchschnittlich •10 50 000 Eres, jährlich und in guten Jahren auch bis SO 0(10 Eres, aufbringt. Es dürfte unserer Organisation ein leichtes sein, jährlich das dreifache dieses Betrages zu heschaffen. Herr Dr. Tsehlenow berichtet über die Einzelheiten der Vorarbeiten für die Universität in Jerusalein, insbesondere über die Fortschritte der Kapitalwcrbung und über die Frage der Univcrsitäts* bibliothek. c) ״Kcdcm". Der ״Kcdcm“ hat sieh jetzt ein eigenes Bureau eingerichtet und ist an seine regelmäßige praktische Arbeit herangetrcleii. Er strebt jetzt vor allem danach, den so lebhaft emp* fundenen Mangel an Lehrbüchern für die hebräischen Schulen abzuhclfcn. Zu diesem Zwecke ist er mit dem Merkas Harmorim und den anderen in Betracht kommenden Körperschaften in Palästina in Verbindüng getreten, um mit ihnen gemeinsam über die erforderlichen Schritte zu beschließen. Gegenwärtig verhandelt der ״Kedcin“ wegen Herausgabe eines Schulatlas und geographischen Lehrbuches, die bereits im Manuskripte fertiggcstellt sind. Der ״Kcdem" entwickelt eine intensive organisatorische und propagandistische Tätigkeit, um die zur Verwirklichung seiner Bestrebungen erforderliehen Mittel zu erlangen. Seine Einnahmen bctrugen insgesamt bis zum 1. Juni 47331 M. III. Organisation und Propaganda. a) Die Reisen der Mitglieder und Sekretäre des E. A. C. wurden in den letzten HerzI vor Kaiser Wilhelm Von Adolf F r i e d e m a 11 n*) Mit dem Vertrauensvotum des zweiten Kongresses in der Tasche, als fast unbeschränkter Führer der außerordentlich angcwachscncn Bewegung, beginnt Herzl das große Unternehmen der Gewinnung des Deutschen Kaisers. Im Oktober 1898 tritt Wilhelm II. seine Palästinafahrt an, gelegentlich deren er zunächst den Sultan Abdul Hamid in Koiistnntinopel besucht. In diesem Besuche eines der mächtigsten Fürsten des Christliehen Europas bei dem Beherrscher der Gläubigen lag selbstverständlich eine außerordentliche Stützung der türkischen Herrschaft, ein Freundschaftsbeweis für die mohammedanische Welt, wie er seit Jahrhunderten nicht mehr gegeben worden war. Und aus dieser neu gegründeten Freundschaft zwischen Deutschtum und Osiimnen mußte sich ein starker Einfluß des Kaisers auf den Sultan ergeben. Herzl war cs schon früher gelungen, den crstcrcn für seine Plane zu interessieren. Er wünschte aber auch eine öffentliche Betätigung dieses Interesses zu erlangen, indem ihn der Deutsche Kaiser auf dein Boden des alten Judenlandes empfing und seine Bitte um Hilfe entgegennahm. 1-׳—- . .dcn> eben erscheinenden Buch« Üben Theodor Herzls״. (Berlin, Jüdischer \ drei Monaten energisch fortgesetzt, ׳?an/ hat sich .111 ihnen Dr. Lev 111 betet י?י bJ״d1te reich, 1 loilaml, Belgien, Paris und Eng•!, thc 1l£ Einzelne Reisen!״״eilten auch du I ־י״ ר «“״■י■ k' . no w, fl antk c und Jacobsoll 11. 1 ״ ». low beteiligt sieh au den Arbcteii d r /wak revision. Von den Sekretären haben "1 die Herren Berger, B c r 11 s t e 111 u ulI ״ e r r 111 a 1111 einige Reisen besonders zu organisatorischen Zwecken unternommen. .. b) Revue und Broschüren. Ein weiteres Bedürfnis der Propaganda scheint uns eine moiiatliehe Revue zu sein, in der Fragen der z10mst1sdK.il Theorie und Praxis ausführlich und ernst diskutiert werden, sowie die periodische Herausgabe von Broschüre» und Üinxdhcftcn, die die schwebende» Zeit- und Streitfragen zu beleuchten hatten. , c) Landest ngu 11 gen. In diesem und jm nächsten Monat sieht eine Reihe von wichtigen 1 agütigen bevor, so in Deutschland, der Schweiz, Nord- Amerika und Südafrika, die uns gewiß cm Bild der Arhuit ו;ittfli'rn!roh(1!! WüttlcH. IV. Zweckrevision. Zum Schluß noch einige Worte über die Zweckrevision. Eit! wesentlicher Teil, die Revision in Paliistiua, ist bereits zu Ende geführt worden. Die Teilnehmer werden die Ergebnisse der Revision zunächst bearbeiten, um sic uns dann zur Verfügung zu stellen. In der nächsten Zeit stehen die Revision 111 Köln und Konstaiitinopcl, sowie eine ergänzende Revision in London bevor. Die Teilnehmer der Palästina-Kommission werden uns schon jetzt bei Beratung verschiedener Fragen mit ihren Erfahrungen dienen können. Wir möchten hier noch konstatieren, daß die hier anwesenden, sowie die abwesenden Teilnehmer der Kommission .sämtlich in Palästina noch mehr zur Ueherzcugtuig von der Notwendigkeit einer solchen Revision gelangt sind, und die Anschauung des Urhebers dieser Einrichtung vollkommen teilen, daß nämlich eine solche Zwcckrevesion als beständig׳e Institution eingefiihrt werden muß, die in lutervallcn von 2—3 Jahren ihre Tätigkeit ausübt. Sodann erstattet Herr Dr. V. J a cob so 1111 einen ausführlichen Bericht über die politischen Arbeiten der zionistischen Organisation. In der (1 e 11 e r a I d c h n 11 e sprachen die Herren: Podlisehcwsky, Reich, Kaplansky, Ooldberg, Heymann, Mot/kin. Bodcnlieimcr, Idelsohn, Fischer, Weizmann, Simon, Klee. In der Debatte wurde vor allem die Paliistinapolitik des E. A. C. besprochen. Nachmittags fand die Sitzung tles Vorbcrcit c n d c ח Komitees der hebräischen Universitiit statt. Die Herren Prof. Wcizmann und Jabotinsky erstatteten eingehenden Bericht über die Tätigkeit in den letzten Wochen. Nach einer eingehenden Debatte wurde folgender Beschluß einstimmig angenommen: .,Das Vorbereitende Komitee zur Gründung einer hebräischen U 11 i v c rs i t ä t i n Jerusalem dankt dem A r b c i t sa u s s c h u ß f ü r d i e geleisteten Arbeiten und billigt die von ihm geplanten weiteren Schritte. Das Vorbcrcite 11 de Ko m iteefordertden Arbeitsausschuß auf, die Arbeiten zur H erste!- lung der Pläne für eine medizinische und andere in Betracht kommende Fakultäten fortzusetzen und auf Grund der gesammelten Materialien ihm ein Referat darüber zu unterbreiten. In der Abendsitzung berichtete Herr Dr. Tsehlenow über die Lage der Palestine Land Development Company und legte die Gründe dar, aus denen eine allgemeine Kanitahverbung für die Palestine Land Development Company in den nächsten Monaten beginnen müsse. In der Debatte wurde insbesondere über die Bodenpolitik des J. N. F. Nachdem die nötigen einleitenden Schritte erledigt waren, begab sich Herzl, begleitet von Schnirer, Wolffsolin, Bodcnlieimcr und dem Ingenieur Seidener, nach Konstantinopel. Dort wurde Herzl am 18. Oktober zunächst vom Kaiser in Yildiz Kiosk in Gegenwart Bülow's empfangen und in ein ausführliches Gespräch gezogen. Sodann reiste die Abordnung am 19. Oktober über Aegypten nach Palästina und erwartete in Mikweli Israel den nach Jerusalem wallfahrenden Zug. Als der Kaiser den das Spalier um Haupteslänge überragenden Führer der Zionisten erblickte, ließ er halten, ritt an Herzl heran, reichte ihm die Hand und begrüßte ihn laut mit freundlichen Worten. Dann unterhielt er sich mehrere Minuten mit ihm über seine Eindrücke vom Lande und verabschiedctc sich sehr freundlich. Die Deputation folgte nach Jerusalem und ward dort am 2. November in feierlicher Audienz empfangen. Der Minister von Bülow war anwesend. Von Böswilligen ist später oft genug gcspöttclt worden, die Audienz habe einen Mißerfolg bedeutet, denn praktische Folgen sind nicht ersichtlich gcwesen. Wenn einmal der Zeitpunkt für eine rückhaltlose Klarlegung der Tatsachen gekommen sein wird, die heute unmöglich erscheint, wird man den Irrtum einsehen. Lag schon in der bloßen Tatsache des offiziellen Empfanges gerade an dieser Stelle und unter diesen Verhältnissen eine bedeutungsvolle Erklärung, so mußte jeder Zweifel schwinden, wenn man Herzl gestattete, in seiner Ansprache geradezu gesprochen, lieber die Palestine Land Üevc. Ion ment Company wurde folgender Beschluß gelallt: Das Große Actio 11 s-ComiU bcauftragt das Engere A c t i o 11 s - C o in i t e j n G e 111 ii ß h c i t des in seiner I e t z t vn Sit* zung gefaßten Beschlusses, gemein, sam mit dem Direktorium der P. L. I).c, an die Arbeit zur Ergänzung der Mittel der P. L. D. C. heranzutreten. Da* Actions-Comite macht die Organi- 8 a t i 0 n auf die außerordentliche Wichtigkeit dieser Aktion auf merk- Sam und fordert sie auf, sie mit allen Kräften d u r c 11 z u s c t z c n. Schluß der Sitzung 122,י Uhr. Das landwirtschaftliche Erziehungsprobhn Von Dr. Curt Nawratzki, Berlin So vielseitig das jüdische Kolonisationsprob'.cm gestaltet ist, so muß man bei längerer Beschattiguiig immer wieder die Erfahrung machen, daß es sich doch im Grunde genommen im wesentlichen immer wieder um dieselben wirtschaftlichen und sozialen Probleme handelt, wie wir sie auch bei anderen kolonisierenden Völkern beobachten können. Nur zwei Punkte scheinen die Besonderheit der jüdischen Kolonisation in Palästina zu charaktcrUieiui und diese bedürfen daher auch einer speziellen, den eigenartigen Verhältnissen angepaßten Lösung. Es ist einmal der Umstand, daß wir zwar in einem Staatswesen kolonisieren, das Abgaben in sehr hoher Form für sich beansprucht, dafür aber nicht die entsprechenden Gegenleistungen gewährt, so daß fas» alle Lcistungen zur Förderung des wirtschaftlichen und geistigen Lebens von uns übernommen werden müssen, was aber eine erhebliche Mehrbelastung der einzelnen Kolonisten oder kolonisierenden Gesellschaften bedeutet. Zum andern müssen wir uns immer wieder vcigegenwärtigen, daß die eigenartige Berufsgliederung der Juden sie für eine Kolonisation auf agrarischer Unterlage in der Mehrzahl ungeeignet macht, und daher das Wichtigste für eine zicibcwußtc Kolonisationspolitik immer der Punkt bleiben muß: auf welche Weise können wir eine schnelle, billige und umfassende Umschichtung der Berufe mit besonderer Berücksichtigung der Landwirtschaft bei den Juden herbeiführen. Es sollen hier alle Methoden außer Acht gelassen werden, die eine Ueberführung der Juden zur Land- Wirtschaft in anderen Ländern bezwecken; trotzdem diese Versuche bei geschickter Ausnutzung indirekt ein sehr wesentlicher Faktor zur Förderung der palästinensischen Kolonisation sein können, da cs keinem Zweifel unterliegt, daß landwirtschaftlich vorgebildete Leute auch in Palästina trotz der etwas anders gearteten Verhältnisse bedeutend bessere Wirtschaftsrcsultatc aufzuweisen haben. Was uns aber noch vor allem fehlt, ist eine Systematisierung der fachlichen Ausbildung und Erziehung der schon in Palastina ansässigen Bevölkerung, besonders aber der Jugend. Es fehlte zwar bisher nicht an Versuchen, durch Gründung von landwirtschaftlichen Schulen oder durch sogenannte Lehrfarmen in dieser Beziehung Besserung zu schaffen, doch dürfen wir uns nicht verhehlen, daß von einer wirklich großzügigen umfassenden Organisierung um die Vermittlung des Kaisers zu bitten. ״Für so gut halten wir diese Sache, für so wert der Teilnähme der Großmütigsten, daß wir Ew. Kaiserliche Majestät um Ihre hohe Flilfe zu dem Werke bitten." So spricht man zu den Großen dieser Erde nur dann, wenn mail vorher weiß, daß man es darf, und daß sie helfen wollen, wenn sie selbst es vermögen. Der Kaiser hat eingehend und in freundlichster Weise erwidert. Sogleich nadi dem Empfang reiste die Deputation ab. In einem Artikel der ״Welt‘‘*) sagt Herzl in Erwiderung der oben erwähnten törichten Spötteleien: ״Es ist uns gelungen, das Interesse zweier Herrscher für unsere gerechte Sache zu erwecken. Und sage oder glaube niemand, daß diese Großen dabei etwas Unfreundliches 1m Sinne führen. Die öde Selbstbcspöltclung mancher Juden, durch die wir alle in Verruf kommen, kann ja auch für eine solche Teilnahme die hämische Erklärung finden: Sie wollen uns los haben! Aber in Wirklichkeit liegt die großmütigste Absicht vor, Kultur zu ver* breiten, unglücklichen, herumirrenden Menschen- «nassen eine Heimstätte zu verschaffen, Wohlfahrt in eine verwahrloste Gegend zu bringen, und durch all dies den Besitzstand der Menschheit an Qlück und Gesittung ein ,wenig zu vermehren. So ist die Teilnähme gemeint und 80 haben wir sie dankbarst verstanden.“ Die nächste Nummer der ״Welt“ enthielt noch I *) Nr. 46 vom 18. November 1898.