Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1914)
- Date
- 1914-05-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 21/22 JUEDISCHE RUNDSCHAU 8dt« 65 »»•"«יין j jUiul | i fmk | (teil; |> ׳ein. |1 Onat || Wer- 11 ru׳n, || trzU■ 14 j für! 1 -וחס! Hern ‘ «Olli- : : Ai/t sind j sind | , 1. ' ,1 die larzt I aus g in i Padem ’res. . bedem feil- I es delt.?! ■ I ' I fein. Uns fahrfung n so; für und egen Silittaleit ngeii;rolle liegt nhaft oder gleit- ' verleint. Bellte :hält, :läßt, t ge- , die Odem; dem »ierzu I i .4 4 1׳ 1 ו¬ ו I 1 i נ 1 1 t auch die ganze Konzentration des Erklärenden notwendig, um der objektiven Erscheinung und Vereinheitlichung seiner Idee diese Gewalt zu verleihen (Radikalismus ist Verciuheitlichung, Einung). Was läßt uns radikal sein? Die Antwort auf diese Frage liegt eigentlich schon in der Definition des Begriffes als’ der Verwurzelung einer Idee, eines bestimmten Willens in einem Menschen. Eine Verwurzelung ist aber nur möglich durch Erlebnis. Die Idee muß zum Erlebnis werden, sie (iiuß von uns Besitz ergreifen, wir müssen in sie untertauchen zu jener inneren Verwandlung, die jede wahrhaft große und neue, d. h. neu in uns eingegangene Idee an uns vollzieht. Das ist das klarste und erhebendste Zeugnis, daß die Verwurzelung der Idee in uns sich vollzogen hat, wenn sie uns gewandelt hat, wenn wir als neue Menschen aus ihr auferstehen, wenn wir uns durch sie, in ihr wie neugeboren fühlen. Die Welt, die Menschen um uns erhalten ein anderes Gesicht, weil wir sic mit neuen Augen betrachten. In Worten, wie ״neue Welt-, neue Lcbcnsanscliauung“ sucht der Gewissenhafte dieses Uncnncßbarc, Neue zusainmcnzufasscii, zu rubrizieren. Es wird denen, die dieses Wort ״neue Weltanschauung“ als Ausdruck ihrer Neuwcrdung stammeln, vielleicht schwer werden, es vor philosophischen Pedanten logisch zu rechtfertigen, in jedem einzelnen Fall den Nachweis für die Richtigkeit des Ausdrucks zu erbringen; nichts destoweniger ist das, was dieses ״Schlagwort“ bezeichnet, so wahr und zu Recht bestehend wie nur etwas. Wer Augen hat zu sehen und Mensch ist, den Menschen zu erfühlen, der wird an der Festigkeit, an der Bestimmtheit, mit der der andere nun seinen Weg geht, in! Leben dasteht, an der intuitiven Art, mit der sich ihm das Wesen der Dinge und Probleme zu enthüllen scheint, an der Unerschütterlichkeit seines Weges die Wandlung erkennen, die sich in ihm vollzogen hat, Das ist etwas ganz anderes, als das Aufnehtncn der schlagwortartigen Ideen, die heute fast täglich und hundert- (ach wie Raketen losgelasscn werden, aber ebenso unproduktiv sind, ein bloßes vorüberhuschcndes Augeuspicl. Diese Eintagsfliegen von Ideen und ihre zeitweiligen Träger vermag man am Schillern, am Unbestand, an der Hast zu erkennen, mit der sie leben. Nicht die Verwurzelten, sondern die Entwurzelten sind ihre Träger, die von ihnen, mit ihnen Gctragenen. Denn da ist nichts Aktives, alles ist vielmehr ein bloßes Geschehen, ein Mitsichgeschehenlassen. Und da ist nichts, was dieses Fließende, Zerfließende Zusammenschlüßen möchte zu einem Strom von Tragkraft, von gesammelter Energie, was aus den einzelnen und vielen eine Ocineindc schüfe, weil jeder einzelne einem Schein, der vor ihm schimmert, nachjagt, niemand aber ihn in sich trägt. Diese Abschweifung vom Thema sollte von vornherein die nunmehrige Erklärung bekräitigen, daß Radikalismus im ' Sinne der Verwurzelung nicht jedermanns Sache ist. So mag auch derjenige den Zionismus erlebt und erkannt haben, der da einmal sagte; als Zionist müsse man geboren sein, d. h. in die Sprache der Psychologen übersetzt, es müßten im Menschen gewisse Vorbedingungen da sein, eine gewisse seelische Struktur, auf Grund deren allein er Zionist werden könnte. Oder anders ausgedrückt: cs gibt Naturen, denen der Zionismus unzugänglich ist; es gibt eine seelische Atmosphäre, die für eine Idee und Bewegung, wie es der Zionismus in seiner Totalität ist, undurchdringlich ist. Solche Naturen müßten erst revolutioniert werden, damit sie die Revolution, die der Zionismus bedeutet, erleben könnten. Diese Feststellung halte ich für äußerst wichtig, insbesondere auch auf dem Gebiet der Propaganda und Taktik. Das ist so zu verstellen; Gerade diesen von mir als ״unzugänglich“ bczcichnctcn Juden gegenüber halt man in der Propaganda allgemein die Taktik des Opportunismus für angebracht, derart, daß man dem Zionismus ihnen gegenüber sein Besonderes, sein Wesentlichstes, das Revolutionäre in ihm nehmen will, daß man ihn so abstumpfen und eben machen zu müssen glaubt, damit er sich nur möglichst hemniungslos im anderen Gefüge einreihen oder, liceat verbum, unterbringen lasse. Ich aber frage: Was gebt ihr jenen, wenn ihr ihnen einen solchen Zionismus gebet? Habt ihr sie um irgend etwas bereichert, habt ihr auch nur ein Fünkchen damit in ihre Seele fallen lassen, das irgendeinen Winkel darin zu erhellen, zu erwärmen vermöchte? Ist ihnen der Zionismus nicht vielmehr zu einem glatt behauenen Pflasterstein auf ihrem Weg gemacht worden, auf dem und über den sie hinvvcgschrciten, achtungslos, chrfurchtslos und durch nichts an ein Besonderes, Weihevolles, Großes gemahnt? Packt euch nicht ein Entsetzen vor der ausdruckslosen Fratze, in der euch diese Idee von jenen her entgegengrinst? Dünkt cs euch nicht Schändung, ja Mord an der Idee, der ihr alle Muskel lalungelegt, alles Blut genommen habt? Ihr fürchtet jene ״Unzugänglichen“ ganz abzustoßcirj die Kluft zwischen uns und ihnen zu vergrößern, wenn ihr ihnen die volle Wahrheit sagt, die volle Wahrheit zeig(, wenn ihr aus eurem Reden, doch insbesondere aus eurem Tun sie fühlen lasset, was Zionismus ist und was sie sind 1 Ihr glaubt sie allmählich und unmerklich herüberführen zu können auf unseren Weg. Doch kein Irrtum ist größer als dieser. Gerade diese Kluft wird sein oder wird nicht sein. Hier gibt cs keine Verschiebungen und Balancierkünste. Nur ein Entweder — Oder! Wir treffen sie ins Herz, wir packen sie dort, - wo sie unser bewußt werden, wir heben sic aus den Angeln ihres jetzigen Seins, wir rücken ihnen die ganze Dichte unserer Atmosphäre an ihre Atmosphäre heran, unausweichlich, wir werden groß, stolz, glaubensstark und unverrückbar vor ihnen stehen und sie werden so unser — oder nie. Wenn irgendwo, so versagt hier Opportunismus ganz und gar. Was ist und was bedeutet nun das Wort Opportunismus in unserer Betrachtung? Offen gestanden sei, daß die Aufgabe, einen cinheitliehen Begriff von Opportunismus zu geben, in dem alles weiterhin davon zu sagende bereits wie im Keim inbegriffen ist, bei weitem schwerer ist, als dies beim Radikalismus der Fall war. Es gilt von den Begriffen dasselbe, was von den Trägern ihres Inhalts zu sagen ist, Hier ein bestimmtes, einheitliches Ganze, dort ein Hundertfaltiges und wie Zufälliges, ohne dauernde wesenhafte Form. Hier der Schwerpunkt mitten im Zentrum, dort außerhalb des Zentral-, des Zielpunktes, irgendwo, irgendeinmal. Hier ein unbeirrbares auf einem bestimmten Weg auf ein bestimmtes Ziel losstcucrn, dort die fast paradoxe Erscheinung der Unterwerfung in die Abhängigkeit von äußeren Verhältnissen mit dem Willen und der Ueberzcugung, sic zu heherrschen. Aus den gegebenen Zuständen heraus, die allein def* Angelpunkt alles Tuns sind, will man umschaffen, in der Richtung, in dem Tempo, das von anderen gewissermaßen diktiert und eingeschlagen wird. Hierbei gilt es nur, immer auf seinen Vorteil zu achten, genau alle Veränderungen, die außen vor sich gehen, im Auge zu behalten, weil in ihnen ja die Möglichkeiten wie die Gefahren liegen.