Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1914)
- Date
- 1914-05-29
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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.*■ Seit« fifi (di konnte den ücgrilf des Opportunismus mir in einigen I*linkten gegen den Kailikniiemus liiu abgrcnzeii und umschreiben, Sein iiilmlt i:.l nidit bestimmt, ist hundertfältig. Tausend Melodien klingen hier In wechselnden Intervallen auf, dodi es fehlt die Duminaiite, ein Immanentes Leitmotiv, die gerade in einer Richtung ununterbrochen vorwärtsstrebende Linie. Damit soll nicht geleugnet werden, daß auch den Opportunisteii bestimmte Ziele vorschweben können. Und es soll ferner gesagt werden, dal) sic es mit diesen Zielen ernst meinen können, da» sic nidit bloß ein Spiel damit treiben, ein selbsttrügcrischcs. Geleugnet wird hier nur die Verwurzelung, mit allen ihren nunmehr bekannten Konsequenzen. Aber das macht den ebenso klaren wie bedeutenden Unterschied zwischen ־ Radikalismus und Opportunismus, dali jener nur eines ist, ein eindeutiges, dieser ein vieldeutiges, vielgestaltiges mit unendlichen Schattierungen und Skalen, die manchmal knapp an die Grenze des Radikalismus lieraurcicheii, ohne sic doch je zu berühren. Der Radikalismus trägt sein Gesetz in sich beschlossen, der Opportunismus richtet sich nach den von der Peripherie, von außen her wirkenden Gesetzen oder Einflüssen. Haben wir den Radikalismus suggestiv genannt, so sehen wir den Opportunismus unter einer Suggestion stehen, die nicht vom Ziel-, vom Endpunkte ansgeht, sondern von den gegebenen Zuständen als Ausgangspunkt. Es ist auch kaum . anders denkbar. Die Opportunisten sind den Er* sch e i 11 u n gen in allzu große Nähe gerückt, sind zu sehr in das Gegebene selbst verflochten, als daß sie sich da v o 11 c in a 11 - z i ין i e r c n konnten. Eine weitere Konsequenz dieser Tatsache ist, daß der Ausdruck ihrer Willcnstemlcnz, ihre Arbeit, eine ruckweise ist, niebt eine öfter unterbrochene, sondern eine nur zeitweilig 11 e r v o r b r c c h c n d e. Das Ziel der Artreit kann nur auf kurze Strecken gesetzt werden. Es ist, ja nicht von inneren Gesetzen, sondern von einem äußeren Mechanismiis abhängig. Daun allerdings gibt die Nähe mul mit ihr die größere Aktualität und Anschaulichkeit des Zieles ihrer Arbeit scheinbar eine größere Intensität, sie erzeugt Eifer, Begeisterung, ja Hitze. Aber der Moment der Aufwallung geht mit den vorübergehenden Möglichkeiten vorüber und alles wird wieder still. Etwaige Erfolge können mangels immaiienter Gesetze und bestimmender Kräfte nicht zur Dauer gestaltet werden. Doch in all dem liegt auch das Positive beschlossen, das dem Opportunismus als Bedeutung zugesproehen werden muß. Der Opportunist versteht die Sprache vieler und er spricht sie auch. Dadurch wird es ihm möglich, wenn auch mittelbar, so doch rascher, wie man zu sagen pflegt ״Zugang zu gewinnen". Wo der Radikalismus durch die Aus- Strahlung seines eigensten Wesens allein wirksam wird, wo er bannt und bezwingt, wo er ganz einfach faßt oder beiseite läßt, da ״arbeitet" der Opportunismus neben ihm auf der ebenen Basis beiderseitigen Verständnisses, einer gegen• »eitigeit ״Verständigung“, Es wurde schon erwähnt, daß ihm das möglich ist, weil Nr. 2l/3*s es die nächsten oder momentan naheliegenden Zieh■ sind JE die er sich steckt, die er den anderen weist. I Er versteht die Sprache der vielen, er kennt ihre Neig״״.■: gen, ihre LcbcnsgcwoIinlicitcH; indem er sie darin unberührtJ, ungestört laßt, gibt er ihnen eine neue Deutung, will ז(’|■ ihnen einen neuen Sinn erschließen. Schrittweise weiter! v«,n|| Sülle zu Stufe weiterI So schiebt er, wenn er Erfolg hat,II die vielen vorwärts. Ruckweise. Und es ist ohne weiter״ klar’■' daß sein Weg ein ungeheuer langer und weiter ist, weil dkl’ einzelnen Stationen so nah aneinander gerückt sind. Pur sich! allein könnte er überhaupt nie zu jenem Ziel gelang« ti, das |i der Radikalismus weist, weil in der Langsamkeit des Tempos, I in der Ermangelung des inneren Pathos sich keine Euere 1c an• I sammelt, die zum Ziel treibt. 1 Er vermag es darum auch nicht, eine, homogent, von I der Bewegung erfaßte Masse, durch die Bewegung c! faßte I Einheit der Vielen zu schaffen. Er vermag ja nie Bcmgung I zu sein. Das ist wieder einzig dein Radikalismus vorb« 11 iltcn. I Bewegung! Es wurde das Wort geprägt: die Bewegung I ist alles, das Ziel nichts. So aber will ich meine Au.iülmm- I gen nicht anfgefaßt wissen, daß die Bewegung unbedingt I ein Zweck an sich wäre. Das aber haben wir ciiahrea, I daß der Radikalismus eine Bewegung ist, die als Erscheinung I für sich den Stempel des Großen, Großartigen trägt, dali I diese Bewegung selbst zu einem Organismus zusammengeschlossen ist, der als Zweck für sich gelten könnte, weil er ein Vollkommenes ist, weil er den Zielpunkt bereits in sich I als Zentrum, als Wurzel trägt, weil Radikalismus bereit-, ein Ziel: die Verwurzelung bedeutet. Wo es sich nicht um dieses innere Sein handelt, wo es gilt, ein Ziel zu verwirklichen, das gewissermaßen nach Objektivierung verlangt, sahen wir diese Verwirklichung letzten Endes dem Radikalismus über• antwortet. ich habe in diesen Betrachtungen wenig das Wort 2ioiiismus und Juden gebraucht, nicht jeweilig Nutzanwendungen der vorgebrachten Theorien und Probleme auf unsere heißeste, dringendste Frage unternommen. Unbeeinflußt durch Tages- und Einzelerscheinungen sollte sich die Beantwortung der gestellten Fragen ergeben. Nichtsdestoweniger glaube ich, wenn man auf den Kern der IHngc, auf die Grundfragen hinsieht, keine lebensfremden üespüinste gewoben zu haben. Da ist ein Volk ohne Heimat, ohne Wurzel, ein Volk, dessen Leben von den Gesetzen anderer gelenkt und bcherrscht wird, ein Volk ohne Zentrum, ohne inneren Schwerpui.kt, in sich zerrissen, planlos irrend von Tag zu Tag, von Station zu Station: Ahasver. Und hier ist etwas, eine Bewegung, deren Wesen der Antipode zu dem jetzigen Sein dieses Volkes ist, eine Beweguiig, m deren Begriff ״Verwurzelung“ der Angelpunkt des Ganzen ist, Die Entwurzelten, die Exzentrischen, die Irrenden brauchen und suchen aus all ihrer tiefsten Not einen Weg. Wie schon manchesmal im Laufe der Jahrtausende stehen sie da am Scheideweg zwischen Untergang und Leben, neuem Leben. Wer auf «len Grund der fFinge blickt, weiß, daß c» immer nur einen Weg des Lebens gegeben hot und gibt, nur einen: den der Verwurzelung, und wie sonderbar das Wort daneben klingen mag: der Revolution, JUEDISCHE RUNDSCHAU V •r»nlw״ul. llgiluk 11 Hugo H«mn«mn.־Wil»t-r»1S1)ri. V»r)«g1 Jfi<)l»rl1» JtumUfUtu Um.bjl , liurlin W. H. 1)1 trk 1 ttl'gfrl«d gebot» tn, UtrHn4'*beB«bMf. I ז I e t i i