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Jüdische Rundschau · 1914-05-29 · Heft 22 (29.5.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 22 (29.5.1914)
Date
1914-05-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Das Wahlrecht der Duisburger Ausländer ln allen Kreiselt des deutschen Judentums hat der Versuch der Duisburger Liberalen, die ausliimiischeu Juden von dein Qemeindewahlrecht auszuschlichen, Entrüstung hervorgerufen. Nur um die jüdischnationalen und konservativen Elemente nicht in der Gemeinde die Oberhand gewinnen zu lassen, hatte man es nicht verschmäht, in Eingaben au die Behörden die Eabel von der ״ketzerischen Sekte im Judentum“ aul'/utisclicn, Die von den Duisburger Gemeindebehörden he• sehlossene Statutenänderung bedurfte aber noch der behördlichen Genehmigung. Zu unserer Freude sind wir in der Lage, unseren Lesern heute mit/utcilcii, dal! der Herr Minister des Innern durch Erlall vom 4. Mai d. J, an den Herrn Oherpriisidenten der Rheinproviu/ dahin entschieden hat, dal) nach dem preu- Bischen Gesetz von 1817 Ausländer in den preuliischen jüdischen Gemeinden das aktive und passive Wahl• r e c h t h a b e n. Der Wortlaut des Erlasses ist folgeuder; ״Der Herr Minister des Innern hat am 1. Mai füll, Ib 107 entschieden, (lall das Gesetz vom 23, Juli 1817 die Wahlberechtigung ausländischer Juden zur Repriisentantenversammlung, sofern die Betreffenden im übrigen die Anforderungen des § 41 des Gesetzes erfüllen, nicht ausschlielll. Da bereits bei Erlall des Gesetzes zahlreiche ausländische Juden in l’reulien wohnhaft waren und das Gesetz selbst in § 71, Abs. 2 die Liebernähme von Kultusämtern und anderen dauernden Beschäftigungen durch ausländische Juden ohne deren Naturalisation vorsieht, so mulSte der Ge• setzgeber mit der Zugehörigkeit ausländischer in PreulTen wohnhafter Juden zu Synagogengemeinden rechnen, und es hätte nahe gelegen, diese Zugehörigkeit und die daraus sich ergebenden Rechte solcher Ausländer auszüschiieficn, wenn der Gesetzgeber dies wollte. Wem! demgegenüber im § 37 des Gesetzes die Zugehörigkeit zur Synagogengemeindc für ,alle innerhalb ihres Bezirkes wohnenden Juden‘ schlechthin ausgesprochen und in § II daselbst die Wahl- Berechtigung zur Repriisentantcnvcrsainmluug sümtliehen männlichen, volljährigen Mitgliedern der Synagogengemeinde zugesprochen wird, welche sieh selbständig ernähren und mit Entrichtung der Synagugengemcinde-Abgabcn in den letzten drei Jahren nicht im Rückstand geblieben sind, so bietet das Gesetz keinen Anhalt dafür, dali cs in diesen Punkten zwischen einheimischen und ausländischen, nicht naturalisierten Juden einen Unterschied hat machen wollen. Im übrigen ist durch die Anforderung drei• jähriger Abgabencntriehtung. Vorsorge dafür getroffeil, dali lediglich fluktuierende Elemente keinen Einfluß auf die Zusammensetzung der Rcpräscntnntenversammhmg gewinnen, andererseits fehlt es an einem inneren Grunde, Personen, welche seit Jahren an die Synugogengemeiiule Abgaben zahlen, die Rechte aus der Mitgliedschaft bezüglich der Wahlen vorzucnthaltcn, sofern sie im übrigen den Erfordernissen der Wahlberechtigung genügen.“ Dieses hochcrfrculiehe Ergebnis danken wir der unausgesetzten Aufklärungsarbeit der Leiter des ,,Reichsvereins der Deutschen Juden“ und der tatkräftigen Unterstützung ihrer Aktion durch die deutsche Orthodoxie, insbesondere durch die ״Freie Vereinigung“. Ihren Bemühungen um die Aufklärung der Ocffcntlichkcit über das Unjüdische und das Un• gesetzliche jenes Beschlusses ist cs zuzuschreiben, dali der Anschlag auf die religiöse Einheit des Judentums zurückgewiesen worden ist. Ausweis Schekel: Berlin 10,—, Beuthen 60, , Bischweiler 10,—, Bremen 2,--, Breslau 100,—, Göthen 8,—, Hannover 50,—, Heilbronn 1,—, Karlsruhe 62,—. Liegnitz 4,—, Lübeck 22,—, Merzhausen 5,—, Ottenbach 15,—, Schönscc 1,— M. Landesbeiträge: Beuthen 150,—, Bischweiler 5,—, Bremen 3,—, Breslau 150,—, Cöthen 2-1, , Gncscn 25,—, Hannover 50,—, Karlsruhe 168,—, Köln 100 — Liegnitz 4,—, Merzhausen 3,—, München 240,—, Offcnbach 25,—, Posen (Jugendgruppe) 30,— M, Propagandafonds: Berlin: Dr. A. Friedemann 40,—, Hermann Erleschik 5,—, J. L. Goitcin Frank• furt a. M. 5,—, Seimar Bütow, Gera-Reuli 5,—, W. Landsberger, Heilbronn. 5.—, Dr. Prager, Kassel 10,—, M. L. Sainlnirsky, Königsberg 5,- , Zahnarzt Kramer, Liegnitz 5,—. Reinhold Warbnrg, Nordhausen 5,~, Stettin: Dr. Baer 5,-, H. Jacob 5, Dr. Zade 10,—, Hamburg (geleg. Spende) 14,— M. Eingang vom 20. bis 27. Mal 1914: Schekel: 350,— M.; Landesbeiträge: 977 M.; Propagandafonds: 119 M. Gesamteingang! Schekel: 1896 M.; Lan- 3054>W M.j Propagandafonds: 129,00 כ M, Der Zloiiisii'üs im Reichstag ln der Rciclistagssitz.ung vom 14. Mai sagte Abgeordneter Mumm (Antisemit): ״ . . Oder icli denke an einen amtlich veröffcntlichtcn Handelsbericht des Kaiserlichen Vizekonsuls in Jaffa für das Jahr 1912. Es ist doch etwas bedenklich für mein Empfinden, darin von ״politischer Verfolgung in Rußland“ zu lesen. (Seltr richtig! bei der Wirtschaftlichen Vereinigung.) Ich glaube, daß solche hochpolitischen Heinerklingen besser den berufenen Leitern der Politik Vorbehalten bleiben. Und ich hatte auch ein Bedenken, wenn in diesem Bericht als Annoncenorgan eindringlich die in Berlin erscheinende ״Welt“, das zionistische Zentralorgan, empfohlen wird. Es wird gesagt, daß man damit der jüdischen Nationaleitelkeit schmeichle, wenn man dort annonciere. (Zuruf von den Nationalliberaleii: Von wem?) Der Name iles Konsuls tut gar nichts zur SacheI (Zuruf: Aber der Grt!) Jaffa, Also ich meine, wir würden doch auf gefährliche Abwege komme״ — der Konsul nennt übrigens nicht nur das eine Blatt, sondern auch noch ein anderes —, wenn, wie es in diesem Spezialfalle geschehen ist, das betreffende Organ in der Lage ist, Reklame damit zu machen, daß cs amtlich empfohlen sei. Das ist nicht der Wille des betreffenden Konsuls, aber es ist die Wirkung, wie wir in diesem Falle sehen. Wie stark aber auch das Interesse an den wirtschädlichen Dingen unserer Gegenwart sein mag, so stehen darüber doch stets die kulturellen Interessen, und es war sicherlich ungewollt, aber es war mir doch charakteristisch, daß in dem Schlußsatze seiner heutigen Rede der Herr Staatssekretär an erster Stelle die wirtschaftlichen und an zweiter Stelle die kulturellen Interessen nannte. Hierauf erwiderte Dr. Johannes, Wirklicher Geh. Legationsrat, Direktor im Auswärtigen Amt: ״Meine Herren icli möchte mir erlauben, nur auf einen Punkt der Rede des Herrn Abgeordneten Mumm einzugehen. Der Herr Abgeordnete Mumm hat bemängelt, daß in einem Bericht eines Vizekonsuls in Jaffa, der in dem ,,Deutschen Handelsarchiv“ veröffentlicht worden ist, in nicht zu rechtfertigender Weise Propaganda und Reklame für die zionistische Bewegung gemacht worden sei. Es wird da an erster Stelle bemängelt, daß der Konsul den Ursprung der zionistischen Bewegung auf politische Verfolgungen der Juden in Rußland zurückführt. (Sehr richtig! bei der Fortschrittlichen Volkspartei.) Es ist zuzugeben, daß der Vizekonsul diese Bemerkung besser unterlassen hätte. Aber es ist auf der anderen Seite zu berücksichtigen, daß er in diesem Zusammenhänge historische Ausführungen über die Entwicklung und den Ursprung des Zionisums machen will. Deshalb entbehrt seine Bemerkung jeder aktuellen Bedeutung und hat jedenfalls keine Spitze gegen Rußland, Ferner wird bemängelt, daß der Vizckotisul in seinem Bericht darauf hinweist, daß es für die Exporteure doch von Wert wäre, auf die Zionisten in dem Konsuiatshezirk Rücksicht zu nehmen, deren Nationalgefühl Rechnung zu tragen und — wie er allerdings nicht ganz passend sagt - deren Gefühle zu umschmeicheln. In diesem Zusammenhänge empfiehlt er, daß die deutschen Exporteure in hebräischcn Lettern ilire Annoncen erlassen sollten, und auf der anderen Seite macht er darauf aufmerksam, daß das Organ der zionistischen Vereinigung, die Zeitschrift ״Die Welt" in Berlin, für die Aufnahme von Inseraten geeignet sei. Es ist der feststehende Grundsatz und die hestimmte Weisung für die Konsuln, in keiner Weise für Zeitschriften und Zeitungen irgendwie Reklame zu machen lind für deren' Verbreitung cinzutrctcn. Es ist aber nicht aiizunehmen, daß der Konsul in dieser Hinsicht gegen die bestellende Vorschrift hat verstoßen wollen. Denn auf der anderen Seite ist es seine Aufgabe, die deutschen Exporteure auf die geeigneten Wege hiuzuweisen, wie sie an ihre Abnelimer Iteraiikommcn körnten. Lediglich in diesem Sinne hat er die zionistische Zeitschrift genannt. Dies ist um so klarer und zweifelloser, als er in umnittclharem Zusammenhänge eine andere Zeitschrift ebenso empfiehlt, die zweifellos nicht zionistisch ist, nämlich die ״Levante-Zeitung“, die von der Deutschen Levantelinie herausgegeben wird. Eines ist aber sicher und gewiß, nämlich, daß die Konsuln ihre Tätigkeit weder in antisemitischem, noch in prosemitischcm Sinne auszuüben haben, sondern lediglich im Sinne einer unparteiischen Förderung des gesamten deutschen Handels.“ In der Sitzung des Reichstages vom 15, Mai sagte Freiherr von Richthofen (nationalliberal) mit Bezug auf die Bemerkung des Abgeordneten Mumm: ״Was die Ausbildung zum diplomatischen Dienst angelit, so war es mir wirklich neu, daß Herr Mumm auch hier über die Bevorzugung des jüdischcn Elementes in der auswärtigen Politik klagen mußte. (Heiterkeit.) Er hat aber nicht recht gehabt. Seitens des Auswärtigen Amtes kann für die Unterstützung des Kaufmanns gar nicht genug geschelten, ganz egal um welche Konfession es sich hier handelt. Wir wollen Waren absetzen, und zwar deutsche Waren. Hierzu־ ist jede Unterstützung nötig,“ (Beifall.) Es ist schon vorgekomme.n, daß Antisemiten dem Zionismus ihre Heuchlerische Sympathie bezeugt haben, was manche unserer jüdischen Gegner wieder dazu benutzten, um uns mit dem Antisemit»• mus zusammenzubringen. Auf solche Dinge geht ja wohl die neulich hier verzeichnete Aeulkrung des Abg. Müller-Meiningen zurück. Wir freuen uns, heute eine Aeullcrung des Antisemiten M u m m nach dein stenographischen Protokoll wiedergeben zu können, die einwandfrei beweist, drill die Antisemiten uns mit dem gleichen Haß beehren wie alle andern Juden. Wir möchten es auch nicht anders haben. Die Einweihung des Bar Kochba-Sportplatzes lieber dem weiten Gelände in Karlshorst-Friedrichsfcldc wehen blau-weiße Fahnen und Wimpel. Tausende von Menschen drängen sich um das langgestreckte Oval des neuen Sportplatzes, Vertreter d,׳s E. A. G., der jüdischen (icmciiidc, staatlicher und kennmunalcr Behörden, markante Persönlidikeifeii des judischcn Lehens sind gekommen, der jüdischen Jugend an ihrem Festtag Gruß und Glückwunsch zu entbieten. Plötzlich setzt rauschende Musik ein. Von den Tribünen schallen Hcdadrtifc. lieber die schwarze Aschenbahn, auI der sich später die sportlichen Wettkämpfe ahspielen salleit, ziehen sie in die Schranke 1. alle die Turner und Studenten, die Fechter und Ruderer, die Wanderer und Sportsleute - diese ganze stolze, ihres Judentums bewußte Jugend, die mitarbeiten will an der Schaffung eines an Leih mul Seele gesunden jüdischen Geschlechtes. Die Musik setzt aus, lieber den Platz schallt lautes Kommando, Unbeweglich, das Gesicht der Rednertribüne zugewandt, stehen die Hunderte von Teilnehmern. R.-A. Greifenhagen, der erste Vorsitzende des Jüdischen Turnvereins Bar Kocltba, eröffnet die Feier, begrüßt die erschienenen Gaste. Mit freudigem Stolze weist er darauf hin, daß diesen Platz die Jugend vornehmlich eigener Kraft verdanke, eigener Arbeit und eigener Aufopferung. Kurz geht er auf die Tagcsgcschichtc ein, die bekannte ״WandervogeF'-Resolution, das schmachvolle Verhalten derer, die in Organisationen bleiben, in denen man sic nicht wünscht. Der Bar Kochba ist kein Salon der Zurückgewieseuen. Seine Gründung geschalt unabhängig von antisemitischen Angriffen, unbeirrt arbeitet er an der Ertüchtigung der jüdischen Jugend. Herr Privatdozent Dr. Franz Oppenheimer halt die Festrede. Mancher hätte ein etwas schärferes Betonen des jüdisch-nationalen Charakters der Feier gewünscht. Aber jeder stimmte zu, als der Redner betonte, daß, weiin's not tut, die Bar Kochbaner nicht die letzten sein würden, die bereit wären, ihr Leben für Kaiser und Reich cin/usct/cu. Und ebenso freudiger Beifall lohnte dem Redner, als er meinte, wir deutschen Juden hätten Ivsl.er stets den Nachdruck vielleicht zu sehr auf das ״deutsch“ gelegt, jetzt wäre es an der Zeit, das ״jüdisch“ besonders zu betonen. Dann begannen die sportlichen und turnerischen Vorführungen. Die Freiübungen hätten sicherlich sorgfältiger vorbereitet werden können; desto besser waren die Leistungen am Reck, der Stabhochsprung, die Stafetten, Das Fußball-Wettspiel zwischen Bar Kocltba- Berlin und Bar Kochba-Hantburg, der Schluß und die Krönung des Festes, endete mit einer unerw.irteten Niederlage der Herliner, die freilich infolge der Beteiligung an den anderen sportlichen Kämpfen ,des Tages der frischen Hamburger Mannschaft gegenüber von vornherein benachteiligt waren. Der Verlauf des Festes und die teilweise reeiit hochwertigen Leistungen der Turner und Leichtatlileten, haben bewiesen, daß wir uns noch manches vom Bar Kochba versprechen dürfen. Der neue, acht Morgen große und mit allen Errungenschaften moder- 11er Sporttechnik ausgestattete Platz wird sicherlich mit dazu beitragen, uns Juden den ehrenvollen Wettbewerb mit den anderen sporttreibenden Nationen zu ermöglichen. Karl Glaser. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Kon gre ß- Protokoll Das stenographische Protokoll des XI. Zionistenkongresses ist soeben erschienen. Das Protokoll wird auch diesmal wieder in zwei Ausgaben herausgebracht, einer gewöhnliehen, die broschiert 1,50 M. kostet, und einer besseren, auf gutem, holzfreien Papier, die nur in Leinwand gebunden, zum Preise von 3 M. abgegeben wird. Llazti kommt in beiden Fällen das Porto, das für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 20 Pf., für alle übrigen Ländern 50 Pf, pro Exemplar beträgt. Wir ersuchen die Vereine und Organisationen dringend, für eine möglichst weite Verbreitung des Kongrcßprotokoils Sorge zu tragen. Die propagandistischc Wirkung des Kongreilprotokolls wird noch vielfach unterschätzt, und es wird noch lange nicht genug Wert darauf gelegt, einen möglichst weiten Kreis durch das Studium dieses Protokolls zu einer intensiven Beschäftigung mit den Fragen der zionistischen Bewegung zu veranlassen. Bestellungen sind unverzüglich an den Jüdischen Verlag, G. m. b. H., Berlin W 15, Sächsische Str. 8, zu richten,

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