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Jüdische Rundschau · 1914-05-21 · Heft 21 (21.5.1914) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 21 (21.5.1914)
Date
1914-05-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 21 Seite 223 tiu» treiben wir nicht, Parteiprogramme gehören nicht auf ehe Wanderung. Denn uns genügt das eine: Wer unsere jüdischen Lieder singen und nachemptiiulen gelernt hat, der wird dem Judentum nie ver- Foren gehen. Lind nicht nur, was wir singen sollen, suudern and) wie und wann wir singen sollen, hat uns Glaser gezeigt. ״Singen soll, wen Lust und Stimmung dazu treibt; er wird fühlen, was für die Landstraße paßt, was am hellen Kochfeuer klingen mag, was sielt besser miuter Hast in stiller Dämmerung fügt.“ ״Hecht singen kamt nur, wer naeh/tieinpfimlen weilt, was in jedem Liede lebt, im Frühlingsjtihel des wandernden (n•eilen, wie in dem Trut/licd unseres hoffenden YoikcS.“ Wir Biau-WeiiWu werden uns (ilasers Worte zu eigen machen. Wir werden jetzt das Singen noch nte'ar pflegen als zuvor, werden an unseren Singaheaden Zupfgeige spielen und neue Lieder!erneu. Demi ilas Liederbuch ist nur ein Hilfsmittel in einer lic'H'rgangszcit, Sein Zweck wird dann erreicht sein, wenn wir wirklich singen gelernt haben und seiner nicht mehr bedürfen, I) r. Walter Fis c 11 e r. PALflESTINfl-RUNDSCHAU Botschafter Morgenthau über Palästina Mr. Henry Morgenthau, der Botschafter der Vereinigten Staaten in Konstantinopcl (der entgegen den Meldungen einiger New Yorker Zeitungen nicht 11.ich Amerika abberufen wird) ist von seiner Heise nach Palästina zurückgekehrt. Lr hat von seinem ilortigen Aufenthalt die besten Eindrücke mitgenommen. Die!■■ragen, die ihm von einem jüdischen Journalisten in Konstantinopel gestellt worden sind, beantwortet er folgendermaßen: ״Ich war sehr erfreut beim Anblick von Tel Awiw, Pethach Tikwah usw. Akut muß nach Palästina gehen, tun einen richtigen Eindruck von den Fähigkeiten des jüdischen Volkes zu bekommen. Man mul; das wundervoll kultivierte Land sehen, die prangenden Garteiiansiedhingen, die gut angelegten Weinberge, die schmucken Straßen und die sorgfältig erhaltenen Landstraßen. Ilimderlc von Juden arheiteil dari.11, das Land fruchtbar zu machen und haben die Befriedigung, zu sehen, daß ihre Arbeit von Erfolg gekrönt ist. Mau wird von Bewunderung erfüllt beim Anblick der in der Landwirtschaft tätigen jungen russisch-jüdischen Mädchen, die den Kopf hoch tragen und stolz auf ihre Freiheit sind. Diese Um- Wandlung verdanken sie allein den Einwirkungen der Freiheit und Selbstbestimmung, die dort herrscht. Die hebräische Sprache wird überall gesprochen, wie es ja auch der ruhmreichen Sprache unserer Vorjahren, die wir so lange vernachlässigt haben, zukommt. Und mit welcher /Anmut und Leichtigkeit wird sie gesprochen!“ Was die Frage der Eiinvanderum׳ betrifft, verstehe er nicht, warum die vielen jüdischen Familien, die Saloniki verlassen, sich nicht in Palästina ansicdeln sollten. Der türkische Postminister In Tel-Awiw Der türkische Wesir für Post- und Telegraphenwesen bereist gegenwärtig Syrien und Palästina, um den Stand der seiner Verwaltung unterstehenden Bebürden zu studieren und die etwa notwendigen Reformell in die Wege zu leiten. In Jaffa besuchte er das neue jüdische Stadtviertel Tel-Awiw und das Hebräische Gymnasium, wo ihm ein herzlicher Empfang bereitet wurde. Der /Minister sprach sich sehr anerkennend über die Leistungen dieser Schule aus. Neue Ausgrabungen In Palästina Professur Sellins Ausgrabung des alten Siche m in Palästina, die zur einen Hälfte durch Mittel der Kaiserlichen Akademie der Wissenschäften in Wien, zur anderen durch Unter- Stützung des Deutschen Kaisers fortgeführt wird, hat in diesem Frühjahre einen sehr erfreulieben Fortgang genommen. Vor allein ist nun das Stadttor herausgearbeitet, wie noch kein anderes antikes palästinensisches; es ist ein dreifaches Tor, von sechs auf gewaltigen Quadern ruhenden Türmen umgeben, mit zwei Torhöfen, Im Innern der Stadt fand man die berühmte kanaanitische Stadtburg stark 3)1,geplündert, aber doch in den Fundamenten tieftlieh erhalten. Reiche Ausbeute von Einzelfumlen haben ,die vielen israelitischen und samaritauisehen Privathäuser ergeben, die in verschiedenen Sumpfgraben aufgedeekt wurden. Die Ausgrabung, die schon jetzt eine schöne Bereicherung für die palästinensischc Archäologie bedeutet, muß demnächst wegen der Ernte abgebrochen werden, wird aber im August und September fortgeführt. Unterstützt wird Professor Sellin bei seiner Arbeit von den Herren Dr, Praschniker und 0 rohmann aus Wien. Von der Tachkemonlschule in Jaffa Durch die hochherzige Zuwendung eines russisehen Palästinafreundes, der der Jaffaer hebräischen Mittelschule Tachkemoni den Betrag von 55Q0Ü Frcs.. gespendet hat, ferner dank der Unterstützung des J üaischen Nati0na 1 fonds, der für die Anstalt Boden im Werte von 45 000 Frcs. erwirbt und ihn dem Tachkemoni-Komitee für 49 Jahre in Erbpacht gibt, ist es ermöglicht worden, schon in allernächster Zeit die Errichtung eines neuen Schulgebäudes in Angriff, zu nehmen. Mitte Juni findet in Hamburg JU EDI SC HE RUNDSCHAU eine Vollsitzung des Zentralkomitee•־, der zionistischen Idtler.itioii Misrachi statt, unter deren Verwaltung die Anstalt steht. 111 dieser Sitzung wird voraussichtlich die Umwandlung der Taelikemoni-Sdiule in ein Gymnasium beschlossen werden. Damit soll dem Wunsche zahlreicher religiöser Juden in Rußlami entsprochen werden, die ihren Kindern eine (iyuniasinlbildtmg in traditionellem Geiste zuteil werden lassen möchten. Es ist ferner geplant, für die Schüler, die sich dem kaufmännischen oder landwirtschaftlichen Beruf z.uwciiden wollen, Spezialkurse ein/urichteii. Die Bekämpfung der ägyptischen Augenkrankheit in Palästina Dieser I agc fand in Jerusalem eine von der jüdischen Aer/tegesellsehaft Palästinas einberufene Trachomkonferenz statt, die drei Tage dauerte. Die zahlreichen Vorträge im Verein mit praktischen Vor-!iilinnigcii mul den in der Konferenz, durchgeführten Operationen gaben den versammelten Aorzten Aureguiig und Belehrung in Fülle. Von den Beschlüssen seien folgende erwähnt: I. Die Trachom-Koitfereuzen sind jährlich abzuhalten; 2. cs sollen Kurse /.tun Studium der Trachom-Krankheit eingerichtet werden. Diese Kurse sollen etwa einen Monat dauern und den Aerzteu soll dabei Gelegenheit geboten werden, sich in der Technik der Operationen zu vervollkommnen Für die Dauer der Kurse sollen die teilm'hinemlcn Aer/le Tagcsgclder erhalten; 3. besondere 1 leilstatioiicn sollen für die Kinder der Armen, die am meisten der Gefahr der Trachom- Krankheit ausgesetzt sind, errichtet werden; 4. Schwestern sollen die Häuser der Armen besuchen und jeden Trachom-Fall zier Trachom-Kommission melden, die daun einen Arzt zur Heilung entsendet; 5. für Schwestern und Feldscher sind Trachom-Kurse einziirichtcii; (1. für tradiouikrauke Kinder sind bcsondere Kindergärten einzuridvteii. — Ferner sprach die Konferenz den Wunsch aus, daß jede Schule einen Schularzt anstelle, Die Konferenz arbeitete auch eine Verordnung aus über die Aufnahme der Schulkinder mul deren Behandlung in Fällen von Trachom. Nach dem Voranschlag sind für diese großzügige Aktion zirka 100 000 Frcs, notwendig. Die größere Hälfte dieses Betrages erscheint bereits gedeckt. Ausweis Schekel: Berlin 31,—, Bremen 21,—. Danzig 42,־ , Fulda 35 — Kosehmin 9.—> Lübeck 49,— Mergentheim •1, , Mühlhausen i. TI1, 5,—, Nordhausen I,—, Solingen i, ■ M. Landesorganisatiimsheitrlige für 1913: Dessau 37,—, Kattowitz 12,50 Leipzig 171,— M. Landesheitriige für 1914: Berlin 11,—, Zion, Jtigendvereiu Berlin 2,—, Bremen 40,—, Dresden 25,—, banzig ü(),- ■, Fulda 102, I lalbcrstadt 35,—, Krotoschiu II,—, Mergentheim 4,— Nordhausen 12.— Zabrze 38,—, llerzl-Club I u. II Berlin 153,— M. Propagandafonds 1914: L. Davidson, München, 20,- M. Eingang vom 14. bi» 19. Mai: Schekel: 201,— Mark; Landcsorgaiiisationsbciträgc für 1913: 220,50 M.; La n d es b e i t rä g c 1914 : 529,— Mark; P r op n g a nda fo n d s 1914: 20,— M. Gcsamtcingang: Schekel: 1510,— M,; Laudesorganisationsbeiträge 1913: 19 588,77 Mark; L a n d e s b c i t r ä ge 1914: 2077,50 M.; Prop a g a ״ d a f o ״ d s 191 1; 5010,00 M. ZIONISTISCHE BEWEGUNG XIV. Delegiertentag am 14. und 15. Juni in Leipzig, Kristallpalast,Wintergarten Straße. י T a ge sor d nun g: Sonntag, den 14. Juni: Vo r m i 11 a g s s i t z u n g (9*4 Uhr präzise). 1. Bericht des Vorsitzenden Dr. Arthur Flantke. 2. Begrüßung durch das Engere Actions-Comitö, 3. Begrüßungsansprachen. 4. Wahl des Präsidiums. 5. Allgemeine Debatte. Nachmittagssitzuug (3 Uhr). Fortsetzung der allgemeinen Debatte. A b e n d s i t z u n g (9 Uhr). Referat Leo Motzkin: ״Das neue Palästina." Montag, den 15. Juni: Vo r m i 11 a g s s i t z u n g (9y* Uhr präzise). 1. Referat Dr. Zlocisti: ״Eine deutsche Achusa." 2. Debatte über die beiden Palästina׳-Rcferate. 3. Initiativanträge der Delegierten. 4. Wahl a) des Geschäftsführenden Ausschusses, b) des Zentralkomitees, c) der deutschen Mitglieder des Zentralkomitees der Gesamtorganisation. Diejenigen Ortsgruppen, die Anträge zu stellen haben, werden gebeten, dieselben baldigst dem Zentralkomitee zuzustclien. Für die Delegierten und Gäste sind in folgenden Hotels in Leipzig /.immer reserviert worden: Hotel Fürstenhof (ohne Frühstück M. 5,—), Hotel Bayrischer 1101 (mit Frühstück M. 0,—), 1 lotel Monom)! und Parkhotel (mit Frühstück M. 5,—), Hotel Terminus (mit Frühstück M. 4,50 bis M. 5,—), Hotel Fröltlicit (20 Betten, M. 3,— mit Frühstück). Alle Hotels befinden sich in der Nähe des Kristailpalastes. Die Preise sind mit Rücksicht auf die Buchgewerbe-Ausstellung bedeutend erhöht und cs ist daher dringend notwendig, rechtzeitig Quartier zu belegen. Bestellungen sind bis spätestens zu in 28. Mai an Herrn Rudolf Schick, Leipzig, Zentralstr. 7 9, zu r chten T r i bii n en k a rt e n. Für Gäste werden Tribünenkarten zum Preise von M. 0,50 ausgegeben. Dieselben berechtigen zur Teilnahme an allen Sitzungen. Bestellungen sind unter Einsendung von M. 0,4>0 (inkl. Porto) an die Zionistische Vereiiiigung für Deutschland, Berlin W, 15, Sächsische Straße 8, zu richten. Wir verweisen auf die folgenden. Paragraphen unseres Statutes: § 8. |eüt 5 Mitp.l cd der Z. V f. D hat d.1n aktive Wahlrecht zum Delegiertcmaye; tJ:11 pimive Wah.ieclit' ist an die Vollendung de* 144. LcbCt18j;1lHCs ►׳*.!müden |1!u:1T1dve!tf1ne, die mit Öcnehmigtmg dc4 LundcsvortUndtt als selbsuiniige Ü'upixn der Z. V f. I). angeboren, können aus ihrer Mitte »uch Jitngere Dciegierie fnhendt n, die aber groltjährig sein müssen. Die /uj׳-. Iiöngkeit?11 einet jitgeudcnippe ist xdoch nur bis zu einer vom Landesvorstand festztiscuenden Alimgreifte möglich. § y. . . ____ — ~ Jede Orh^rtiope waliU einen Delegierten. Ortsgruppen von mehr ah ÖO Mitgliedern vtaiihn zwei Dcirgicne. Ortsgruppen mit mehr ah 100 Mitglinlem wühlen für jedes angefztigme weitere Hundert einen weiteren Delegierten, ״ j, § 10. Die Mitglieder des!-»»ndesvorsl.imie« haben auf dem Delegiertenlag bis zum Sehlud der Tagung Sitz und Stimme, § II. Jeder Delegierte verfügt auf dem Deltgicrtentaff nur über eine Stimme. D!e Delegierten- Mandate sind nicht übertragbar. Die Uebeinähme des M-mdats durch einen lirs.itzdclcgiertcu n.uB vor Beginn de* Delegierten׳,iges erfolgen Die Delegierten sind an Aufträge und Instruktionen ntcht gebunden. Zur Uebernahmc von Mandaten haben sich bereit erklärt: Dr. Walter Fischer, Berlin; Walter Gottheil, Wcißcnfcls in Sachsen; Haus Goslar, Berlin; Fräufein Martha Bukofzcr, Königsberg; Dr. Raphael Straus, München; Nathan Jacobi, Halle a. S.; Leopold Jacoby, Chemnitz; Dr. Wöllstein, Berlin; Ehepaar . Boschwitz, Berlin; Fräulein Victoria Strauß, Marurg; Ludwig Schwarz, Chemnitz; Heinrich Marguiies, Berlin, Mitteilungen der Zionistischen < . Vereinigung für Deutschland In einer größeren Stadt Obcrschlesiens wird die Niederlassung eines jüdischen Tierarztes gewünscht, Dortsclbst bietet sich auch einem jüdischen Optiker eine gute Gelegenheit zur Etablierung. Ein Zahnarzt in der Mark sucht vom 9. JuU ab für 4'/2 Wochen einen Vertreter. In zwei Städten in der Mark bieten sich für einen Zahnarzt günstige Niedcrlassungsmöglichkeiten, Ein praktischer Arzt an einem Platze in Westpreußen wünscht für seine gute Praxis per sofort einen Nachfolger unter günstigen Bedingungen. Falls etwas chirurgische Vorbildung vorhanden, Einkommen von 12—15 000 Mark. Auskunft erteilt die Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8. Vom Jüdischen Nationalfonds Mitteilungen der Zentrale für Deutschland Das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds hat angeregt, daß wir in Zukunft unter der Rubrik ״Baumspeiulc“ J a h r z c i t - S p enden unserer Freunde gesondert ausvveisen. Dieser Gedanke wird hoffentlich ungeteilten Beifall finden, bedeutet doch jede solche Spende ein schönes Symbol pietätvollen Schaffens, eine sinnige Vereinigung jüdischen Famiiicngcfühls mit den höchsten Zielen jüdischen Volkstums. Die Gaben, die wir bei solchem Anlaß unseren Zwecken zukommen lassen, zeigen, daß auch liebevolle Erinnerung an Tote den Sinn stärken kann für die Pflichten gegen die Lebenden, gegen das jüdische Volk, das um sein Leben kämpft. Dritte Konferenz der zionistischen ן ן - Studentenorganisation ״Hechawer*4 Am 1. Juni abends beginnt in Heidelberg die Tagung der dritten Konferenz, der zionistischen Studentenorgauisation ״H ccliawc r“. ln zionistischen Studentenkreisen wird dieser Konferenz besondere Bedeutung beigemessen. Es sollen dort mehrere akadcniisch-zionistische Fragen ausführlich behandelt werden. Das Zentralkomitee der Organisation veröffentlicht folgende Tagesordnung; I. Tag: Abendsitzung (8—11 Uhr): 1. Eröffnung der Konferenz; 2. Begrüßung; 3. Bericht des Zentralkomitees; 4. Wähl des Präsidiums, der Kommissionen, der Revisoren usw. II. Tag: Vor- und Nachmittagssitzungcti: 1. Kassabericht; 2. allgemeine Diskussion über die Berichte.

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