Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1914)
- Date
- 1914-05-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 222 Nr. 21 JUEDISCHE RUNDSCHAU Ein Organisationsplan für die zionistische Jugend Der /׳ionistisclic Jitq-fiulvori'in Berlin iinterbreiict hiermit folgenden Organisatinnxplnii: Mehr als je sind wir uns heute bewußt, wie notwendig es ist, emllieh eine geschlossene, eiiiheitliehe lind einmütige <)rganisation 11er gesamten /.in• iiistisclmi Jugend /n seltaffen. Fünfjährige Versuche habeii /ii einem Ergebnis nicht geführt ־ ־ inuner- ]1111 haben sie Material geliefert, das jet/t verwertet, haben Grundlagen nngcdeiitet, auf denen jet/t aufgebaut werden kann., Diese Grundlagen wollen wir formulieren. Es gibt drei Organisationen, in denen /ionistisehe Jugend sich zusamiiicngcschlosscn hat, Zwei von ihnen sind Studcntenverbiiudc: das /ionistisehe K, /. V'. und der auch Niclit/ionisten offeiisteheude B. J, <;. Die dritte, der I ler/l-Bund, 11 infaBf kleinere Kreise junger Kaufleute, die in einem stark freundschädlichen (״hundcshriulerlichen“) Verhältnis /neinanderstclien. Alle drei also sind ihrer Struktur nach gehalten, nur eine bestimmte, sei es Gesellschaftlieh, sei es hcruflic.lt bestimmte Art von Zionisten in sieh aiif/imehineu. Sie sind durchaus exklusiv. Die grolle Majorität jedoch, die in diesen Verbänden Aufnahme nicht sucht oder nicht findet, die l'reisliidentcn, die dem Her/l-CIuh gesellschaftlich fernstehenden I lattdltmgsgclulfcn und Gehilfinnen, die jungen Mädchen all diese Vielen sind noch tutorganisiert. Sie /usainiuen/.ttfassen ist unsere erste Aufgabe. Die Form hierfür ist bereits gefunden;, es ist die Form des Zionistischen Jugcmlvcrciiis. Schon jetzt gibt es eine An/alil solcher Vereine ■ wir werden sie /11 eineiii Vcibandc ztisamineiischlicIScii mul in jeder Stadt neue Vereine gründen müssen. Hei der organisatorischen Ausgestaltung werden Wir betonen, dal! dieser neue, vier vierte Verband im Prinzip nur für jene in Frage kommen soll, die eben von den anderen drei Verbänden nicht organisatorisch crfalSt werden können. Dies bedeutet eine Kompctcnz.abgreu7.ung und verhindert Eitersiiehtelei und Streit. ,)Iahen wir diesen Verband geschaffen, so h a b e 11 wir i n den vier V e r It i 11 d e 11 zus a in 111 e n d i e gesamte z i o u i s t i s e h e J u g e n d 0 r g n n i s i e r t. Dann tritt die zweite Aufgabe an uns heran; Diese vier Jiigendverbände müssen zusammenarbeiten. Dauernd und ständig. Dies wird dadurch ermöglicht, dal! die Verhandsleitungeii bzw. l’räsidien, die ja alle in Berlin sind, zu einem Arbeitsausschuli zusainuientreten, der sicli in Permanenz erklärt. Dieser Arbeitsausschuß vertritt alsdann die gesamte zionistische Jugend Deutschlands. . Die Erage des Vorsitzes in dem Ausschuli wird durch das Los geregelt. In diesen ungefähren Richtlinien denken wir uns den Organisationsplan für die zionistische Jugend. (klingt er, und er mul! gelingen, so haben wir die Stärke und Einmütigkeit, die jugendliche TatbereitsclKift und Stoßkraft wicdcrgcwouiirn, die uns durch die sinnlos-ermüdende Arbeit in und mit nichtzionistischen Organisationen zerstört wurden; haben vor allem aber auch eine organisatorische Waffe, mit der wir anderen Organisationen leicht die Stirn bieten können. Eine Klarstellung muß noch erfolgen hinsichtlich des Verhältnisses, welches zwischen dieser Jugend- Organisation einerseits, der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und der Jüdischen Turnerschaft andererseits herrschen soll. Das Verhältnis zur Z. V. f. D. ist leicht geregelt;, 111 dem gemeinsamen Arbeitsausschuß der vier Jugendorganisationen wird dem ge sc hä ft sführenden Ausschuß der Z. V. f. D. e i 11 starker Einfluß in irgendeiner Form gcwäh rl eistet. Die vier Verbände werden gemeinschaftlich versuchen, eine organisatorische Form dafür zu finden, daß ihre Mitglieder spätestens mit vollendetem 30, Lebensjahr automatisch in die am Ort befindliehe Zionistische Ortsgruppe übergeführt werden. Andererseits werden die vier Verbände bei der Z. V. f, D. dahin wirken, daß diese folgendes bcschließt; In Städten, wo zionistische Jugendvcrcine bestehen, werden Zionisten unter sagen wir 25 Jahren etwa nur in diesen, nicht in der Ortsgruppe auf• genommen. Diese ungefähren, natürlich stark ausbaubedürftigen Richtlinien garantieren der Z. V. f. D. binnen kurzer Zeit einen jährlichen Nachwuchs von einigen Hundert vorgeschulten Zionisten. Nicht ganz so einfach, aber ebenfalls noch recht einleuchtend, regelt sich das Verhältnis der zionistisehen Jugend zur Turnerschaft, Man hatte geglaubt, diese zur alleinigen, allumfassenden Jugendorganisation machen zu können. Dem lag ein organisatorischer Irrtum zugrunde. Will man Massen organisieren, so kann man es mir nach beruflichen, gesellschaftlichen oder Ktnsscngcsichtspunkten. Eine Masse, die, wie die zionistische Jugend, bereits in solche gesellschaftlich oder beruflich deterinitiierte (Sliedernng zu fallen beginnt, in einer Fachgruppe /nsanimeii/nsehiieilen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Die drei bisherigen, durch den zu gründende״ Verband der Jngendvereine auf vier vermehrten Jugendorganisationen sind insofern koordiniert, als (im grollen ganzen) Mitglieder der einen Organisation nicht sieli gleichzeitig in einer der anderen Organisationen betätigen können. (Bei den Jugcmlvcreinen ist cs heute noch nicht ganz, übermorgen alter sicher durchführbar.) Jedes Mitglied aber kamt, unbeschadet seiner Zugehörigkeit zu einer dieser vier Gruppen, gleichzeitig in der Tiirncrscluift Mitglied sein denn diese ist eltru eine Tätigkeit*-, eine Fach• gruppe. Die Turnei schall ist also keine jenen vier koordiliierte, sondern eine von ihnen unabhängige Organisatioii. Darum beschließen die vier Verbände: Bei ihren Mitgliedern wird das Turnen offiziell gemacht mit der Maßgabe, daß nur im Rahmen der Jüdischen Turnerscliaft geturnt werden darf. Hiermit dürfte diese Frage ebenfalls zur allseitigen Zufriedenheit gelöst sein. Und das Ergebnis des ganzen Blaues finden wir in diesen drei Sätzen: I. Wir haben eine starke Jugendorganisation, . 2, Die Z, V. f. I). bekommt einen ständigen, geschulten Nachwuchs. 3. Die Tiirnerschaft gewinnt an Mitgliedern und an Bedeutung. Daß an den Vorschlägen vieles lückenhaft ist, wird nicht bestritten, Aber sie sollen ja vorläufig nichts als die Perspektive zeigen. Der Weg, den wir weisen, mag noch schlecht gepflastert sein, aber es ist der rechte. Und im friedliehen Meinungsaustausch, im gleichstrcbctuleu Zusammenarbeiten wird es sieli leicht ergehen, daß alle Lücken gefüllt werden. Dieser Vorschlag, den wir unterbreiten, soll als ein Aufruf zu all jenen dringen, die gleich uns sieh bewußt sind, was die Stunde erfordert: ein siegreiches, eiimtiiliges Uehcrbriickcii kleinlicher Hemmungen, hurcmik 1 atischcr Widernisse, unjiklischer Gegensätzlichkeit ein starker und freier Zusammenschluli der ganzen, (reu zu ihren historischen Aufgaben haltenden jüdischen Jugend. Und weil wir vertrauensvoll von unserer Jugend die Fälligkeit hierzu erwarten, zweifeln wir nicht, dal! unser Vorhaben nur Freunde finden kann! M e i 11 r i c 11 M a r g u I i e s. wunderlich: ״Daß nun diese (die Juden der deutsehen Mittelschicht) kulturell höher stehen, als die P oalei-Zion ans dem Osten, wird auch Zlocisti nicht behaupte״ .wolle»״ also ausgerechnet die Poalei-Zion sind die kulturell höchst stehenden im Osten? Oiler nur die von diesen nach Palästina Ausgewanderten? Wollte ich so generalisieren wie Herr Samlnirsky, so müßte ich, der ich hier und in Palästina mit den Anhängern dieser Partei in direkte Berührung gekommen hin, ungerecht stark lächeln. Ich möchte gerade uns (Ktjtiden gewissermaßen programmatisch die Worte Dr. Ztoeislis immer wiederholen: ״Deutschland ist groß und stark geworden durch seine Ordnung, durch Pünktlichkeit und Gewisseuhaftigkeit, durch die Exaktheit . . , Gewiß, wir sind weniger ideenreich, trockener, Schwungloser, aber planmäßig, hartnäckig . . .“ Daß in Deutschland seihst gewisse Kreise, z. B, tler des ״Simpli/issimu*“, mit dieser Exaktheit und Schwung• losigkeit tm/iifricilcii sind und nach etwas frauzösiselicr Leichtigkeit sieli sehnen, ist bekannt. Ich aber, der Stock-Ostjude, flehe: Lieber Himmel, laß jetzt in unserer Eriieuerungszeit dein liebes Volk Israel ״Deutsche“ sein! Zloc/ow, Galizien. A h r a h a m S c It w a dro», Zum Vorschläge Dr. Zlocistis und zu den Bemerkungen von Herrn Sambursky Unter mehreren Zuschriften, die sieh gegen den Schlußpassiis der Bemerkung Herrn Samburskys in unserer letzten Nummer wenden, erhalten wir auch die folgende mehr prinzipielle, der wir um so lieber Raum gewähren, als wir uns mit dem betreffenden Passus der Bemerkung Samburskys in keiner Weise identifizieren möchten, obgleich wir glaubten, sie innerhalb der freien Diskussion nbdriieken zu sollen, Die Redaktion. Vcrehrlielie Redaktion! Oestatten Sie einem Ostjiiden, auf die Zuschrift des 1 lerrn Sambursky, den Vorschlag Dr. Zlocistis betreffend, einige Worte zu antworten — natürlich nur mit Bezug auf den zweiten Teil seiner Ausfülmingen, auf die ״Kultur-Qualifikutionsfragc“; sonst geht ja die Sache nur die deutschen Zionisten an. Vor allem mm ist im Aufsatz Dr. Zlocistis eins gar nicht enthalten, dem Herr Sainbursky entgegentreten zu müssen glaubt: Zlocisti sagt weder direkt noch indirekt, dal! ״die deutschen Juden, welche zur Kolonisation geeignet sind, kulturell so viel höher stehen als die östlichen“. Daß aber auch ״jene Kreise des deutschen Judentums, die materiell und sozial in zweiter Reihe stehen", in bezug auf Zivilis a t i o n (nicht Kultur) höher erzogen werden als die entsprechende Schicht des Ostjudentums — ich weiß nicht, wie man das leugnen kann. Und dies war wohl auch die Ansicht derjenigen ״ernsten Kolonisten“ Palästinas (also auch Ostjuden), die nach Zlocisti ״immer eindringlicher anahnen, daß deutsche Juden beginnen müssen, sich durch eigene Arbeit praktisch an der Kolonisation Palästinas zu beteiligen“. Der Aufsatz Zlocistis enthält übrigens so viel Anerkennendes für die Art und den Idealismus der osteuropäischen Juden, und Zlocisti ist uns auch sonst doch so bewährt, daß Ich Herrn Samburskys Vergleich mit der Duisburger Auffassung als — gelinde gesagt — eine Ungeheuerlichkeit empfinde. Auch ist die Wendung bei Herrn Sambursky Nochmals Müller-Meiningen Wir sprachen in der letzten Nummer ausführlich über die Aeußeruiigen des Abgeordneten Müller- Meiningen im Reichstage. Naeli dem stenographischen Protokolle sagte er: ״I )er Z i o 11 i s in 11 s und der A 111 i s e in i t i s 11111 s s i 1111 F r ii c h t e v o 11 d e in s c 11> c n B o d e n. (Lebhafte Zustimmung links, Hört! hört! rechts.) Der Zionismus, eine im übrigen so unbedeutende Bewegung, ist wie der Antisemitismus gewachsen auf dem Boden der konfessionellen T r e 11 n 1111 g und Z e r s p I i 11 c r u 11 g, auf d c m Boden des re I ig i ö sen Fanatismus. Wer will, daß derartige Torheiten des Zionismus, die wir ebenso verurteilen, wie Sie, unterbleiheil, der möge sieh vor allem auch gegen die a 111 i s c nt i t iselten E x/esse wenden.“ (Sehr richtig! links.) Wir haben /n unserer Würdigung dieser Ausspriiehe nichts hiii/ii/iifiigen. Aller wir dürfen wohl die Hoffnung liegen, dal! Herr Müller-Meiningen und jeder andere Abgeordnete, der die Absicht hat, vor einem Volke über eine Bewegung zu sprechen, sich zuvor über deren Wesen wenigstens notdürftig ortentiert. Wenn I lerrn Müller-Meiningen der Zionismus als eine unbedeutende Bewegung erscheint, so mag das hingehen; dal! diese Bewegung aber nicht auf dem Boden des religiösen F a 11 a t i s m 11 s erwachsen ist, hätten ihm seine Parteifreunde, Herr Dr. Paul Nathan und die Herren vorn Antizionistischon Komitee, sagen können, die ja die Religion vor der Zerstörung durch den Zionismus retten wollen. Blau-Weiß-Liederbuch Fferausgegcbeii von der Führerschaft des Jüdischen Wanderbundes Blau-Weiß, Berlin Jüdischer Verlag, Berlin IQ1L Wer je nach Wandervogelart gewandert ist, wird wissen, was das Singen für den Wunderer bedeutet. Denn er wird wissen, daß eine nationale Wandcrbewegung, deren tiefstes Wesen nur durch persönliebes Mitwandern und Miterleben gefühlsmäßig erfaßt werden kann, eines gefühlsmäßigen Ausdrucksmittels bedarf. Und dieses Ausdrucksmittel sind uns unsere Lieder. Deshalb brauchten wir ein Liederbuch, welches alle die Lieder enthält, in denen die Gefühlswelt des jüdischen Wanderers zum Ausdruck gelangt. Diesen Zweck aber vermochte das Wandcrvogel-Liederhuch lind der Zupfgeigenhansl, denen wir zwar vieles verdanken, nicht zu crtüllen; ebensowenig konnte das von der ״Jüdischen Turnerschaft“ herausgegebene Liederbuch uns in wandermäßiger Hinsicht genügen. Nunmehr haben wir, dank der mühevollen Arbeit Karl Glasers, unser Blau-Weili-Liedcrbuch. Erst seit wenigen Wochen zählt es zu unserer Wandcrausrüstuug, und schon ist es uns unentbehrlich geworden. Auch vermögen wir bereits, an der Hand der bisherigen praktischen Erfahrungen uns ein Urteil zu bilden, ob dieser erste Versuch schon endgültig das richtige Auswahlprinzip getroffen hat, oder ob es noch bei der nächsten Auflage zu ändern gibt. Hier sind freilich die Ansichten geteilt. Vielleicht sind der deutschen Volkslieder zu wenige, vielleicht steht das jüdische Volkslied zu sehr im Vordergrund. Ver- , und wert. Aber ihre Kultur ist nicht unsere Kultur und ihre Sprache ist nicht unsere Sprache und wird auch nicht die Sprache unserer Zukunft sein. •Unserer Empfindungswclt entsprechen mehr die jüdischen Frciheitslicder in deutscher Sprache. Unsere tiefste und heißeste Liebe gehört den hebräischen Liedern unseres neu erwachenden Volkes. Zionistische Agita-