Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seile 190 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 18 aufgVfalU hat (so wem:: nach allein, was mir ander• weit 1!es;»1׳t worden ist, ein Mißverständnis eigen!- lieh möglich war), schließlich an ilie Spitze seiner Ausführungen stellt, dali mir eine Irreführung der öffentlichen Meinung zur l ast falle, so hin ich milde """!זן, /II glauben, daß auch dies mir an mangelndein Verständnis liegt. Einem polilisehen Gegner unfaires Handeln zu unterstellen, entspricht der bei uns geübten Methode nicht. In vorzüglicher Hochachtung l)r, 11 o r w i t /.“ Diese Zuschrift hat in jedem vorurteilslosen I.eser - insbesondere auch in!,׳an/, objektiven christlichen Kreisen, auf deren Urteil ja unsere Gegner!׳atu besonderen Wert /n legen pflegen - großes Befremden hervorgenifeit. Diesem Fimlriick hat sich wohl auch die Redaktion der ״Allgemeinen Zeitung“ nicht verschließen können mul meiner folgenden A111wort Aufnahme gewährt: ,,In Nr, Sh der ,,Allgemeinen Zeitung“ hat Herr Dr. ״Ilorvit/, Berlin, auf meine sachliche Erörtoriiiig, ho Ir. das Verhältnis /.wischen Zionismus und Deutschtum, eine Entgegnung veröffentlicht. Ich nilege mich slets gern mit einem politischen Gegner atisi uiaiider/uset/eu, aller I o 11 und Art dei l.nt־ gcgmmg uni Herrn Dr. Ilorwitz verbieten jede 1.1• Währung von selbst,“ <; )11׳ m 11 i t /.. I ,r. S i c h e I. AUS ALLER WELT Eisenbahnen in Palästina Die Notwendigkeit des Baues von Eisenbahnen ir! Palästina hat sich in den let/teii Jahren infolge des stetig nnwachsenden Fremdenverkehrs als cm immer dringenderes Bedürfnis hcraiisgcstcllt, dein die Hedsdiashaluigesellseliaft durch Anlage einer Anzahl von neuen Bahnstrecken im Innern des Landes gerecht zu werden versucht. Es handelt sich dabei teils um die Verbindung großer Handels- und Ausfuhrpl.itzc und deren Anschluß an die I latiptlinien, teils um die Schaffung einer schnellen, I)c1|uemen Reiscmuglich• keit für Touristen. Zum Zwecke der Erschließung eines Teiles des Os t j « rd a n 1 an d e s hat die I ledsrliashahn eine Verbindung des am Jordan beginnenden, zum Teil mit mächtigen Eiehen bestandenen l iebirgsl,•indes Ad sch Inn mit dem östlich davon liegenden Hoch• und Stcppenlniul, dem llauran, geschaffen. Die betreffende Zweigstraße, die gegen Ende des vorigen Jahres dem Betrieb übergeben wurde, ist .35 km lang und verbindet die zwei wichtigsten Orte jener Gegern!, die an der Hauptlinie der Hedschasbnlm ge- Fcgcnc Stadt Deraa mit dem alten Bosra. Dcraa ist der Oabelpimkt der Linie Haifa Damaskus und Damaskus Medina, Das im Innern des llauran gclcgcnc liosra ist der Mittelpunkt des großen Getreideliamlels, der von dort zum Export nach der Küste des Mittelmeeres gelangt. Eine weitere Linie, die am 1. Januar dem Betrieb übergeben wurde, ist die 17,5 km lange Zweigstrecke Haifa Akko der llauptlinic Haifa—Da* maskus. Akko, dessen zerfallene Festungsmaueni heute noch Kunde gehen von einer ruhmreichen Zeit, ist Silz eines Müssetarifs, hat aber heute weder politisch noch wirtschaftlich große Bedeutung. Es wird von griillcrcn Dampfschiffen fast gar nicht mehr angelaufen und mir int Sommer von einer grollen Menge ägyptischer , Nilbarken besucht, welche die reiche Wasscrnicloncncrnto der Akkocbene zum Export verlailen. Die Stadt selbst zeichnet sieh gegenüber anderen Küstenstädten Palästinas durch größere Reinlichkeit aus, was sie einer wohlorganisierten Stadt- Verwaltung verdankt. Eine dritte, weitaus wichtigere Zweiglinie der Hedschasbahn ist die gegenwärtig noch im Bau bc- Endliche Strecke A p h u 1 e--N a b I u s — J e r u s a - lern. Während die Zwischenlinie Haifa—Akko fast gar keine technische Schwierigkeiten bot und ganz im Flachlande verläuft, ist diese Strecke eine Gcbirgsbahn, die mit großen Steigungen und sehr engen Kurven angelegt ist. Der Zweck der 78 km langen Linie Anhulc— Nablus, deren Absteckung im Oktober v, J. beendet wurde, ist die Verbindung von Jerusalem als Pilgerort auch der mohammedanischen Gläubigen mit der Linie Haifa--Damaskus- Medina und der Transport von Oel, Seife und Getreide dieser an Industrie reichsten Gegend Palästinas. Die Abzweigung dieser Linie nach Jerusalem erfolgt in der Gabelstation Aphulc, Die Baltn durch- 3uert die Jcsreel-Ebcnc, passiert die aus dem Buch er Richter bekannten historischen Stätten von Megiddo und Ta an ach und erreicht nach ca. 17 Kilometern die Stadt Dschenin, Bis dorthin wurde die fertige Bahnstrecke letzthin dem Verkehr freigegeben. ZIONISTISCHE BEWEGUNG XIV. Delegiertentag am 14. und 15, Juni in Leipzig, Kristall• palast,Wintergartenstraße. T agesordnung; Sonntag, den 14. Juni: Vormittagssitzung (<)1/8 Uhr präzise). 1. Bericht des Vorsitzenden Dr, Arthur Hantke. 2. Begrüßung durch das Engere Aetions-ComH6, 3. Begrüßungsansprachen, <1. Wahl des Präsidiums, 5. Allgemeine Dcbaite, N ״ e 11 nt i 11 a g s s i t z u n g (3 I ütr), Fortsetzung der allgemeinen Debatte. A b e 11 (I»i t z u 11 g (<) Uhr). Referat Leo Motzkin: ״Das neue Palästina." Montag, den, 17. Juni: Vo r m i 11 a g s s i t z. 11 n g (O'/a l Ihr präzise). 1, Referat Dr. Zlocisti: ״Eine deutsche Achusa.“ 2, Debatte über die beiden Palästina-Referate. ׳ 3, Initiativanträge der Delegierten. 1־. Wahl a) iles (iiseliiiftsiiilirendcii Ausschusses, b) des Zentralkomitees, e) der deutschen Mitglieder des Zentralkomitees der Gesamlorganisatioii, Mit dem heutigen Leitartikel eröffnen wir die Diskussion der Frageii, die den Dclcgierteutng am weseiitlii lisliu beschäftigen werden. Wir fordern unsere (iesinuuiigsgeuosseii auf, sieh aa der Debatte zu beteiligen. Diejenigen Orlsgrup|>e1t, die Anträge zu stellen haben, werden gebeten, dieselben baldigst dem Zentralkomitee zuziistclleii. der Jüdische Verlag die Gelegenheit benutzt, zum Jubiläum Nathan Birnbaums in der von Dr. Ahron Eliasberg heraiisgigebcnen Sammlung ״Die Jü- <hst 111• (1 c m e i n s c 11 a f t“ ein I left: ״N a t h a n Birnbaum. Sem Werk mul seine Wandlung. Von l.1׳u 11 e r r 11, a 1111“ erscheinen zu lassen. Der Verfasser gibt in fünf Aufsätzen eine geschlossene Dar- Stellung der Ansehauungen Birnbaums über das Judentum, die das Resultat rastloser dreißigjähriger Gedankenarbeit sind: in zwei Auf- Sätzen entwickelt er die inneren Gründe, die die grolle Wandlung Nathan Birnbaums verursachen, und versucht eine vergleichende Auseinandersetzung zwischen dem (iiil.iiikensystiin Nathan Birnbaums und dem Zionismus. Das neue Heit der ״Jüdischen Gcmcinschaft“ wird allen denen eine willkommene Gäbe sein, die sich über Nathan Birnbaums Gedankenkreis zu orientieren wünschen. Die Bedeutung des Mannes, der einer der erstell Zionisten war, rechtfertigt es, daß man sieh mit ihm und seinem Werk beschäftigt. Die neue Publikation kommt diesem Bedürfnis aufs glücklichste entgegen. (Bestellungen an den Jüdischcii Verlag, Berlin W. 13, Sächsische Straße 8, l'reis 70 Pf, ohne Porto,) TURNEN und SPORT Für die Delegierten und Gäste sind in folgenden Hotels in Leipzig Zimmer reserviert worden: Hotel Fürstcnliof (ohne Frühstück M. 5,—), I lotel Bayrischer Hof (mit Frühstück M. <!,—), Hotel Monopol und Parkhotcl (mit Frühstück M. 5,-), Hotel Terminus (mit Frühstück M. •1,50 bis M. 5, ). Alle Hotels befinden sich in der Nähe des Kristall* palastes. Die Preise sind mit Rücksicht auf die Buchge werbe* Ausstellung׳ erhöht. Bestellungen sind bis spätestens zum 20. Mai an I ierrn Rudolf Schick, Leipzig, Zentralstr. 7/0, zu richten. T r i h ii 11 e 11 k a r t e 11. Für Gäste werden mimerierte Trihiincnk,arten zum Preise von M. 0,50 ausgegeben. Dieselben berechtigen zur Teilnahme an allen Sitzungen, Bestellungen sind linier Einsendung von M. 0,00 (inkl. Porto) an die Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Straße 8, zu richten, Wir verweisen auf die folgenden Paragraphen unseres Statutes: § 8. Jedes Mitglied der Z. V. f. D. hat das aktive Wahlrecht zum Delcgicrtentagc; das passive Wahlrecht ist an die Vollendung des 24. Lebensjahres gcbunden. Jugcmlvercinc, die mit Genehmigung des Landes- Vorstandes als selbständige Gruppen der Z. V. f. D. angehören, können aus ihrer Mitte auch jüngere Delcgierte entsenden, die aber großjährig sein müssen. Die Zugehörigkeit zu einer Jugcndgnippe ist jedoch nur bis zu einer vom l.aiiilcsvorstand kstzuset/enden Altersgrenze möglich. S 9. jede Ortsgruppe wählt einen Delegierten, Ortsgruppen von mehr als 50 Mitgliedern wählen zwei Delegierte, Ortsgruppen von mehr als 100 Mitgliedern wählen für jedes angefaiigenc weitere Hundert einen weiteren Delegierten. Das große jüdische Turn- und Sportfest, das der Berliner Bar Kocliba zur Weihe seines neuen Spielplatzes in Kartshorst am Sonntag, dem 17. Mai, veranstaltet, verspricht einen überaus glänzenden Verlauf zu nehmen. Die Veranstalter haben den Ehrgeiz, ein Fest zustande zu bringen, das den Vergleich mit unserem Verbaiiilsscliaiiturnen vor dem Wiener Kongrell nicht zu scheuen hat. Der starke numerische Zuwachs, den der Bar Koehha gerade in den letzten beiden Jahren erfahren hat, wird es־ ermöglichen, mit einem Massenaufgebot an Turnern, Turnerinnen und Sportslcuten vor das Publikum zu treten, wie es bisher einein einzelnen jüdischen Turnverein noch nicht zur Verfügung stand, Zudem haben mehrere befreundete Organisationen ihre aktive Beteiligung bereits zugesagt. Berlin. I )er J ü d i s e I) e R u 11 e r c 1 u h ,,I vr i ,1“ begeht am Sonntag, dem 10. Mai, sein fünftes Stiftungsfest. Mit dieser Veranstaltung wendet sich der Club au die breitere Ocffcntlichkcit und erwartet die Beteiligung aller an der Jüdischen Sport- und Jugciulhcwcgung interessierten Kreise, Den Rahmen der Festlichkeit bildet ein I) a in p f e r a u s f I u g n a c 11 M ü g g e I h c i 11t, an der Großen Krampe, mit Rückfahrt bei Mondschein. Ferner stellen auf dem Programm: Spiele und Tanz im Freien, Tanz im Saale, humoristische Vorträge usw. Der Dampfer fahrt pünktlich um 10 Uhr vormittags von der Anlegestelle der ,,Sterir'-Gescllsehaft, Branden- Bürger Ufer, ab uml wird von den Cltibbootcn hegleitet. Die Rückfahrt findet ca. 10 Uhr abends statt. Preis der Billetts 1111 Von erkauf 2 M., am Damptcr 2,70 M. Ratibor. Am 2(1. April fand liier ein Wettspiel des Jüilisclinatioiiali n Turnvereins M .i h r. - < י s t r a 11 gegen den Sportverein Preußen, Ratibor, statt, lins mit einem Siege des Ost rauer Vereins eililete (1: 3). AUS DEN GEMEINDEN 8 10. Die Mitglieder des Lanilcsvorstandcs haben auf dem Delcgicrtentag bis zum Schluß der Tagung Sitz und Stimme. S H. Jeder Delegierte verfügt auf dem Delegiertentag nur über eine Stimme. Die Dclcgierten-Mandatc sind nicht übertragbar. Die Ucbcrnahmc des Mandats durch einen־ Ersat/.delcgiertcn muß vor Beginn des Dclegiertcntages erfolgen. Die Delegierten sind an Aufträge und Instruktionen nicht gebunden. Zur Ucbcrnahmc von Mandaten haben sich bereit erklärt: Fräulein Rebekka Landsberger, Posen: Dr. Walter Fischer, Berlin: Walter Gotlheil, Weißcnfcls in Sachsen. Mitteilung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ln einer Stadt am Niederrhein besteht durch den plötzlichen Tod eines und den Fortzug eines anderen Arztes eine gute Nicdcrlassungsmöglichkeit. Nähere Auskunft erteilt die Zionistische Vcreinigung für Deutschland, Berlin W15, Sächsische Str, 8. •» IHM IMI ivi ״!ו» י-י k * *» s •i 1 י k i Jutihit/m»• 34' ״* i i ״.* , . Eine Publikation Uber Nathan Birnbaum Nathan Birnbaum wird am 6. Mai (10.Ijar) 50 Jahre alt. So groß seit jeher die Wirkung seiner Schriften gewesen ist, so selten hat man sich bisher eingehend und vorurteilsfrei mit seinen Anschauungen auseinandergesetzt. Deshalb hat Berlin. I!11s wird geschrieben: ״In der vorigen Nummer brachte die *Rundschau eine umfangreichere Notiz, über den Aushau, den die jüdische Gemeinde in Berlin •dem Religionsunterricht zuteil werden laßt. Kurze Zeit vorher war in der Rundschau eine Notiz zu lesen, in der anerkannt worden war, daß die Gemeinde durch die Eröffnung der Synagoge in der Levet/owstraße und durch die projektierten Bauten im Süden und Westen einigermaßen den Anforilerungen zu genügen versucht. Diese Zeilen sind nicht geschrieben, um die in der Rundschau geg׳cbene Tat- Sache zu bestreiten. Es ist wirklich richtig, daß seit verhältnismäßig nicht langer Zeit die Berliner jüdische Gemeinde in mancher Beziehung manches Wichtige und ־Wertvolle leistet. Jeder Kundige weiß, daß das nicht so ohne weiteres geschehen ist, sondern daß es der jahrelangen, unablässigen Bemühungen des Neuen Jüdischen Gcmeiiulcvcreiiis bedurfte, um die Gemeindeverwaltung zu aktiverem Vorgehen zu vernnlasscn. Trotzdem muß gesagt werden, daß zum Beispiel auf dem Gebiete des Unterrichts noch so gut wie alles zu geschehen hat. Es wachsen in der Berliner jüdischen Gemeinde weit über 10000 Kinder auf, die nie ein Wort Hebräisch lernen. Hier hätte die Gemeinde einzusetzen. Es müßte eine systematische Organisation geschaffen werden, die Eltern solcher Kinder müßten aufgesucht werden. Durch Rücksprache und Hinweis läßt sich viel, wenn nicht alles erreichen. Es ist eine ungeheure Ocfahr für den Fortbestand des Berliner Judentums, und damit des Judentums in Deutschland überhaupt, daß weit über 10000 Kinder in jedem Jahre dadurch, daß sie kein Hebräisch lernen, die Fühlung mit dem historischen Judentum verlieren. Die Stadt wäre in Bezirke zu zerlegen; genau so, wie eine Armenkommis8ion existiert, müßte eine Kommission gebildet