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Jüdische Rundschau · 1914-04-24 · Heft 17 (24.4.1914) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 17 (24.4.1914)
Date
1914-04-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seils 4'J Nr. 17 yy..'H-.'X'.llh KDUIüGCffAU Einrichtungen wie die Le״ e, d.1״ /.»:! ts;;vv., die «loch zweifellos, oh sie sich 41u!4;'.:![׳:׳.ii.h;511 den jinii• sehen (Hauben binnen, d. :.1; ■1 ־' Pcr׳;;jm;l;׳׳,mei11* schaff der Jude» j;e1׳rü;;,iJ i m! j;en'i1;׳::,;en mit wirklich religiösen Ve.e.'.d w;c*;.5;־ l;:״.cn. Was hier eben von ,.kr 14, io;:n;u•.iusrhaft gezeigt ist, von der Unvergbieh:'; rkeil ikr, religiösen Elementes im 15. und im 20. Jahrhundert, gilt in noch viel stärkere.;1 Malle von der Natiousgciijcir.nd'.aft. (u.ttinauu sicht den meUmdisclicn Wert seiner ,Arbeit gerade darin, den Begriff der Nation, den er ja untersuchen will, als solchen auszuicltaltcn und tinabhängig von ihm das Judentum ia seine Elemente zu zerlegen. Aber seine eigene Auffassung hi wohl infolge der seit Jahren fortgesetzten, vielfach imfruchtbaren Kontroverse: hie Reiigion, 11 ie Nation, eigentümlich!!dangen; denn ei׳ bleibt in dem inhaltlichen Gegensatz, von ״religiösen" und ,,außerreligiösen“ oder ״stammcsgeiiieinsehaillichcii“ Elementen stecken. Audi hier wird sein Urteil durch die rein zerlegende Art der Betrachtung, die die Bestandteile der Wirklichkeit unabhängig von ihrem eigentümlichen Erregungszustand sachlich auseinanderlegen möchte, gehemmt. Denn das Wesen der nationalen Bindüng beruht, auch für die theoretische Betrachtung ihres tatsächlichen Vorhandenseins, weder darauf, ein Ganzes zu sein, das, neben der Religion, einen Komplex von einzelnen Gcfühlen umfaßt, noch darauf, ein von Anfang an gleichmäßig vorhandenes Element des Gemeinschaftsgefühls zu sein, solldem es bedeutet gleichsam eine gewisse Gemeinschaftlichkciten belebende, ihr Gemeinschaftsgefühl erzeugende Spaninnig. Ich habe selbst einmal versucht — in einer Kontroverse gegen den Zentralverein —, das deutsche Nationalgcfühl in seine Komponenten zu zerlegen: Staatsbewußtsten, lleimatsgefüllt, Stamincsgcfühl, Gefühl der Kulturgcmciiiscliaft. Ich möchte diese Teilung durchaus aufrcchtcrhalien, glaube aber nicht, daß eine solche Zerlegung des Nationalgefühls, so nötig sie war und ist, dessen Bedeutung erschöpft. Es ist ja bekannt, daß der ganze Zustand nationaler Erregung in Europa jungen Datums ist. Das ist nicht so gemeint, als ob etwa ein von Anfang an den Völkern eigentümlicher Zustand nun erst in das Bewußtsein getreten sei, Nein, daß die personale Bindung bestimmter, etwa durch jene vier Gefühle zusammengehaltener Gruppen überhaupt von einem inneren zwangsmüßig wirkenden Trieb nationaler Tendenz getragen wird, ist eine Tatsache, ehe erst auf später Kulturstufe eines Volkes eintritt*). Zu anderen Zeiten mögen verwandte Stimmungen andere Erlebnisse begleiten, und vielleicht erlebte das deutsche Judentum zur Zeit Gabriel Rieders infolge der damaligen Bediiigtlieiten eine ähnliche Spannung in seinem Keclitsgclülil. Wie dem auch sei, von dieser Spannung muß im wesentlichen die Rede sein, wenn man an den Begriff der Nation herantritt: in Guttnumns Ausführungen ist eine mechanistische Additionspsychologic in der Betrachtung des Gcmcinschaftsd&aeins wieder aiifeistandcn, die in der Betrachtung der Einzelscele heute als glücklich überwunden gelten kann. Wo immer ein geistiger Faktor sich in Lebenswillen umsetzte, geschah das kraft dieser Spannung, die ihm inncwolintc, nicht kraft seiner inhaltlichen Bestimmtheiten. Mag man etwa aus den sittlichen Lehren der Propheten noch so saulrer und korrekt das Facit ziehen und sie an logischer Systematik weit übertreffen, nicht au ihre dem Denker, sich erschließenden Wahrheiten war ihre fortzeugende geschichtliche Wirksamkeit geknüpft, sondern an die Lebendigkeit ihres sittlichen Erlebens, Wir wissen nicht, nach welchen Gesetzen im Völkcrgcschehcn die Gewalt dieses Erlebens sich bald an diesem, bald an jenem Inhalt entzündet, Religiöse Dogmatik, ins Weite lockender Erobererdrang, tiefsinnige Mystik, Rittertum und Frauendicnst, *) Das Wertvollste, was ich über die komplizierte Frage der Nationalität bisher gelesen habe, findet sich bei Eduard M e y e r, Geschichte des Altertums I., VJ, S. 76 ff., und Jellinek Allgemeine Staatslehre י, S. 116 ff,, wenn ich mich beiden auch nicht in allen Einzelheiten anschhcBen kann. staatlicher Erhaltungstrieb, geschichtliche Vertiefung, philosoplti:;dies Denken, wirtschaftlicher Zusammenhang, starke Persöiilkhkeitcn, — das alles hat in der Geschichte des Abendlande:; Mittelpunkt für das Sinnen und I landein ganzer Generalioncn werden können. In der Gegenwart scheint das stärkste üemeiiischaiterkbeii an wirtschaftliche und nationale (iesdilossenlieiten gebunden. Wenn wir von Nalioiialjudeutuni reden, so meinen \vü auch damit nicht eine natürliche Tatsache der Bluts- oder Oe '..*Verwandtschaft an sich, sondern eben ihr üctragcnsciii von einer zentralen Erregung. Sie schließt sieh weder an einen religiösen Inhalt, noch an ein Wirtschaftliebes Klassenbcwiißtscin an. Wie weit wir berechtigt sind, sie national zu nennen, wird noch zu prüfen sein: eine erste Voraussetzung dafür ist jener Spamiimgszustand. Diese Erregung ist durchaus der religiösen Erregung verwandt, ja, da die intensivsten seelischen Spannungen, die wir kennen, das religiöse Erichen tragen, pflegt man die Erregung seihst wohl eine religiöse zu nennen, selbst 11a, wo von einem religiösen Inhalt selbst keine Rede ist. Die aus Dissonanzen heraus gesteigerte Leidenschaft, die das Sein eines Mensche״ zu umfassen, zu deuten, zu regieren strebt, immer wieder seinen Sinn auf das eine, als zentral empfundene Problem lenkt, eine Leidenschaft, wie sic einst die religiösen Massen ergriffe״ bat, taucht in dein Innenleben des heutigen Nationaljuden wieder auf. ü. Wenn ein solcher Spannungszustand in dem Zusammengeliörigkcitsbcwußtseiu derjenigen Juden möglich ist, die du Religion feriisteheu, muß doch wohl noch ein innerer Zusammenhang der Juden existieren, auch außerhalb der Religion. Hier begeht Guttmann in dem Bestreben, den bisherigen Streit um die Nationalität des Judentums als einen bloßen Wortstmi zu erweisen, einen verhängnisvollen Irrtum. Beide Pa!- teien, meint er, seien sachlich einig, daß die Juden durch gemeinsame Abstammung, durch Geschichte und Religion v« rbmuleii, politisch aber und kulturell mit ihrer Umgebung v״- eint seien. Diese Uebereinstinunun;׳ ist durchaus nicht vorhandeii. Die nationaljüdisehe Theorie anerkennt einen heule bereits bestellenden kulturellen Zusammenhang der Jude! untereinander. An diesem Punkte entsteht gerade de! Gegensatz, Guümauiis Auffassung hängt mit seinem Begriff von!011• tur zusammen, der ganz äußerlich von dem Kulturiuhalt ,1»'- geht. Gemeinsame Kultur sei eine Gemeinschaft sachlicher Inhalte, Line Viertelwahrheit. Wenn wir von europäischer Kul tur reden, denken wir gewiß zunächst au bestimmte Inhalte: Beethoven, Renaissance, Naturwissenschaft, Philologie und so fort. Aber es ist schon nicht mehr ganz dasselbe, wenn wu deutsche und französische Kultur einander gcgenüberstelUn Der Inhalt kann hier durchaus gemeinsam sein. Man lese ciw.1 eine französische Einleitung zur Ausgabe irgendeines antiken Schriftstellers. Es sind, um die von Guttmann verwandten Kriterien eines Kulturinhalts zu verwenden, dieselben Probleim, dieselben geistigen Voraussetzungen, dieselben Ziele, wie in der deutschen Philologie. (Der Kreis, an den der Schritt steiler sich wendet, ist freilich ein anderer.) Und doch, wer könnte zweifeln, daß die Färbung der Gedanken, die artistische Stimmung, die tänzerische Heiterkeit sofort den Franzosen verraten, alles Dinge, die mit dem sachlichen Inhalt der Forschung gar nichts zu tun haben! Ich möchte auch hier nicht in einen Wortstreit geraten, und überlasse jedem, dieses Tempo, diese Spielart des Lcbensgcfiihls als Eigenart der Kultur zu bezeichnen oder nicht, — daß aber ein solcher Unterschied die seelische Qualität des Deutschen und Franzosen stärker scheidet als ein Unterschied der sachlichen Inhalte, dürfte nicht zweifelhaft sein. Und die Frage ist nur, ob ein solcher Unterschied der seelischen Grundstimmung zwischen dem deutschen Juden und seiner Umwelt vorhanden ist. (SchluB folgt.)

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