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Jüdische Rundschau · 1914-04-24 · Heft 17 (24.4.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 17 (24.4.1914)
Date
1914-04-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 178 JUEDI SCHE RUNDSCHAU Rcligionsschulc /.11 ermöglichen, Hier soll durch die Einstellung von sogen. Wanderlehrern erreicht werden, dall möglichst kein zu unserer Gemeinde ge• höriges Kind ohne jüdischen Religionsunterricht bleibt. Solcher Unterricht ist bisher in Schlachtcuscc, T1«ptow, Tegel und Grollhecrcn eingerichtet worden. Lüne weitere Ausgestaltung der Institution steht bevor. Auch mit der Ersclzui״׳ nrivater Unter■ r i e h t s a 11 s t a 11 c 11 durch G e in e i n d e s c h 11 - I e 11 ist in der Hcrichtsneriode fortgefahren worden, indem die Schule des Vereins jüdischer Glaubons^e* nossen in Steglitz von Ostern d. J. von der Oenieinde übernommen und erweitert worden ist. Endlich hat sieh die Notwendigkeit ergeben, eine Neuverteilung unser c r w e s 11 i c 11 e n Schulen vor/uuchincn, da deren bisherige Gruppierung mit den gegenwärtigen lievölkcrungsverhaltnissen nicht mehr im Einklang stand. Auf der einen Seite ist die I reijuenz der Schulen infolge Wegzugs unserer Mitglieder in die Vororte stetig zurückgegangen, auf der anderen Seite fehlt cs in (legenden mit starker jüdischer Bevölkerung an ausreichender Gelegenheit für den Religionsunterricht. Mit Rücksietit hierauf ist eine Verlegung der 3, Rcligionsschule aus der Lützowstraitc, der 8. aus der Barbarossastrafie in Sehöneberg und der 0, aus der Joachimsthalcr Strafte ins Auge gefallt worden. Aber bisher konnte infolge cingctretcncr Schwierigkeiten nur die Verlegung der 8. Religionssehtile in die Gegend des Bayerischen Platzes (Berchtesgadener Straße) durchgeführt werden. Es ist jedoch zu hoffen, daß in absehbarer Zeit die geplante Vcrleginig der beiden anderen Schuten, insbesondere die der 0״ auf Wilmcrsdorfer Gebiet möglich sein wird. Zu den von unserer Gemeinde s u b v e 1111 o - nierten und regelmäßig inspizierten Rcligionsschulen ist in der Ikrichts/cit eine neue, und zwar die Schule des Religionsvereins Tcinpcllud'-Maricndorf, hinzugetreten. Da, wie bereits erwähnt, die Schule in Steglitz aus dem Kreise der subventionierten Anstallen ausgeschieden ist, betragt die Zahl der letzteren nach wie vor 10, Die Bemühungen, die Einrichtung iüdiselten Religionsunterrichts a n ö f l e 1! t - liehen und privaten Prof a n schule n zti erwirken, bzw. den Unterricht dort, wo er vorhanden, aber unzulänglich ist, weiter aus/ubauen, sind auch in der Berichtszeit fortgesetzt worden. Es ist gehingen, die Einrichtung jüdischen Religionsunterrichts an dem Königl. Prmz-I leinrich-Gymuasium, dem Kötiigl. Kaiserin-Aiigusta-Gyinnasimn und der Königl, Augusta-Schulc, ferner eine Ausgestaltung des Unterriclits an der Augusta-Viktoria-Schule zu Charlotten* bürg und der Cccilicn-Schult׳ in Wilmersdorf durch Hinzufügung einer Oberstufe hcrbci/ufiiiircn. Wegen der Ausgestaltung des Unterrichts an einer Reihe weitercr Anstalten schweben zurzeit noch Verhandlungen, Mit Befriedigoing kann festgestellt werden, daß in dieser Richtung sielt bewegende Maßnahmen sowohl bei den Schulleitungen wie bei den Behörden vcrstandnisvollcs Wohlwollen finden. Leider scheitern aber die Bemühungen jedoch nicht selten daran, daß die beteiligten Eltern ihre Mitwirkung versagen und ihre Kinder an dem Unterricht nicht teimehmen lassen. Zur Förderung des jüdischen Religionsimterriclits an den privaten h ö h c r e n L e h r a 11 s t a 11 e n wurde eine Reihe von solchen (7) auch!in der verflossenen Berichtsperiode Subventionen gewahrt unter der Bedingung, daß die Gemeinde das Recht erhält, den Unterricht zu inspizieren und die l ehrkraft für denselben zu präsentieren. Wie in früheren Jahren wurden auch in ,׳der Bcrichts/eit auf Veranlassung der Schulaufsichtsbehörde diejenigen im schulpflichtigen Alter stehenden jüdisehen Kinder nachgewiesen, welche kein e n R c - I i g i o n s u n t er ri c h t erhalten. In allen ('allen setzte sich die betreffende Schulverwaltung mit den beteiligten Eltern entweder schriftlich oder durch Vermittelung der Gemeinderabbiner in Verbindung, um eine Zuführung der Kinder zum Religionsunterricht zu erwirken. Es kann auch diesmal mit Befriedigung festgesttllt werden, daß die Bemühungen im allgcmeinen erfolgreich gewesen sind. Dabei ist zu bemerken, daß diejenigen Kinder, welche am christlichen R c I i g i o n s u n t c r rieht teilnehmen, seitens der Schulaufsichtsbehörde nicht gemeldet werden. Dieser Fall ist namentlich bei Kindern in den ersten Schuljahren Verhältnismäßig häufig. Es erklärt sich dies daraus, daß viele Eltern der Ansicht sind, der Unterricht in den unteren Klassen erstrecke sich lediglich auf das alte Testament, die Teilnahme an diesem Unterricht sei daher für jüdische Kinder unbedenklich. Es ist demgegenüber darauf hinzuweisen, daß diese Annahme irrig ist. Auch auf der untersten Stufe trägt der Religionsunterricht nach den Vorschriften des Lehrplans und nach dem Ziele des Unterrichts durchaus christliches Gepräge, Die Teilnahme an dem Unterricht ist deshalb geeignet, gerade in den jugendliehen, allen Eindrücken leicht zugänglichen Kinder- Seelen einen Zwiespalt zu wecken, der als unbedenklieh nicht angesehen werden kann. Zur Berichtigung! Ich lege Wert auf die Feststellung, daß der im ״Zeitgeist“ vom 13, April veröffentlichte Artikel über ״Jüdische Mystik“ nicht von mir geschrieben ist. Dr. Gustav Krojankcr (Hasmonaeae). Ausweis LnndcsorganlsatlonsbcltrSgc für 19131 Mainz 25, — M, Schekel! Britssow 2, , Dt.-Eylau '2, , Gey bei Düren 2, , Frankfurt a, O, 5,--, Plauen 1,—, Wetzlar 7,-, Zwickau Ti, - M. Lundcsbcitriigc 1914! Dresden 25,-, Frankfurt a. (). 7,- , Zabrze 19,-, Dt.-Eylau 6,-~, Plauen 2, M. Propagandafonds 1914! Ernst Rothschild, Aachen 5,- , Berlin: Leopold Appel b,--, Referendar Kurt Goldschmidt 5, , Rechtsanwalt Dr. Jalowicz 5, , P. Hauser 5, , l)r. Klee (I. Ratei 10,—, Anna Levy 3,- , l)r. Max Meyer 10, , rrau A, Rosenthal 5,—, Dr. Tugcndreich 15, , Joseph Bernlieimcr, Gailingca 10, , Hamburg: Dr. A. Chwolles, B.ihrcnfeld 5, , Dr, Halpcrn, Lemberg 10,-; Hildesheim •I,—, Königsberg i. Pr.: M. Albain 5, -, San.-Rat Dr. Hoppe b, ~, M. Hurwitz 10,--, J. S. 5, -; Apotheker Kassel, Patzig, Jau.-März 15,-•, B. Spira, Pforzheim 0,Leo Roscnblatt, Regensburg 10, , Rahb, Dr, Joseph, Stolp 10, , Bert hold Fciwcl, Straßburg i. E. 10, , J. Schwcbcl, Zwickau 10, , S. Preezeß, Leipzig 5,— M. Eingang vom 17. bis 22. April 1914! Laud e s o r g a 11 i s a t i o 11 s b e i t r ä g e für BM3: '25,־ Mark; Schekel: (1‘2, M.; L a 11 d e s b e i t ä g c für BMI: 50, M.; P ro p a g a 1! d a f o 11 d s!014: 102,- M. Gesamteingang: Landesorganisati'-nsbei träge für BM3: 18063,27 M., Schekel: 032, M.; La 11 d c sbc i t rü g c: 1203,50 M.; Prop a g a n d n f.o 1! d s: 4725.60 M. Adresse für Geldsendungen! Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W15, sächsische Straße ä. Postscheckkonto! Berlin 8091, Bankkonto! K. H. Heymann & Co., Berlin W56, Hinter da Natholischen Kirche 1. Jüdischer Landesgemeinderat für das Großherzoctum Oldenburg Unter dem Vorsitze des Großherzogi. E a n d r u b h i n c r s I) r. M a n n h c I m c r fand am Sonntag, dein 10. April, die diesjährige Sitzung des Jüdischen Laiulesgemeiiidcratcs zu Oldenburg statt, bei welcher einige gesetzliche Beschlüsse gefaßt wurden. Der Lamlcsgcmcindcrat, die offizielle staatliche Vertretung der oldeiiburgisehen Synagogengemeinden, faßte unter anderem einstimmig folgende Resolution: ״Der Jüdische Landesgemeinderat für das Großherzogtum Oldenburg spricht sein tiefstes Bed a u c r 11 und seine Mißbilligung aus über die vor kurzem in den nichtjüdigchen Tageszeitungen veröffentlichte .״Erk lü rung“ einer Anzahl Juden, welche geeignet war, das Ansehen der deutschen Juden in den Augen Andersgläubiger herabznsctzen und den Zwiespalt innerhalb der Judcnhcit zu erweitern und zu verschärfen,“ Die Verteilung des Staatszusehusses für die ein- /einen Synagogciigcineiiidon des Oroßher/ogtums wurde in der vom Vorsitzenden beantragten Weise vorgenommen. Durch diesen Staatszuschuß werden zwölf Religionssclmlai erhalten, es werden Lehrer seihst in die entlegensten Dörfer zum Religionsuntcrrichte gesandt. Außerdem wurden wieder zwei Waisenkinder vom Waisenverein untergebracht. Es wurde lohend betont, daß unsere religiösen und Gemeindeverhältnissc sehr gut geordnet seien, daß durch die Opferwilligkeit der Gemeinden die kleinen Gemeinden auf Kosten der großen erhalten werden, und daß die religiösen Verhältnisse besonders in der Hauptgemcindc Oldenburg sich in hervorragender Weise entwickelt haben. Anläßlich der Sitzung des Landesgemeinderats fand am selben Nachmittag ein ״Judentag“ statt, welcher von Damen mul Herren aus allen Gemeinden des Großhcrzogtiims sehr zahlreich besucht war. Auf ein Huldigungstelegramm, welches die Versammlung an den in Bad Kissingen zur Kur weilenden Groß- ]!erzog nhzuseiidcn beschloß, traf abends folgende Antwort des Großherzogs ein: ״Für den mir namens der jüdischen Gemeinden des Großherzogtums dargebrachten Huldigungsgruß und die guten Wünsche für meine Gesundheit spreche ich meinen herzlichsten Dank aus. Friedrich August.“ Der Vorsitzende, Herr Landrabbiner Dr. Mannh e i m e r, erteilte dem Redner, Herrn Rechtsanwalt Dr. Klee aus Berlin, zu seinem Vortrage über das Thema ״Z e i t f r a g c n innerhalb der Judenheit“ das Wort. Der Redner, welcher in D/astündigem Vorträge die Versammelten zu einer unbeschreiblichen Begeisterung hinriß, sprach vom wahren und falschen Judcntmne, von der oft verkehrten Auffassung des Wertes ״Pietät“, warnte im Anschluß an die Duisburger Affäre vor Animosität gegen die Ausländer, die ja so zahlreich im Lande Oldenburg angcsicdclt seien und zur Wiederbelebung des Juden¬ 17 tums viel beitrügen, er malmte die Jude״ zur (:harakterfestigkeit gegen Abtrünnige und gegen Misch• dien, und /um /usaiuntciischluß gegen solche, welche als Juden das Ansehen des Judentums in den Augen Andersgläubiger herabsetzen. Die Tagung beschloß, mit Rücksicht auf die bekannte Resolution des ״Wandervogels“, jüdische ״Wandervogel-Vereine“ zu gründen, da cs cltaraktcrlos sei, nach dieser Resolution weiter dem ״Wandervogel“ anzugehören. Die Versammlung verlief harmonisch und ohne jede Störung. BUS ALLER WELT Die jüdische Einwanderung nach den Vereinigten Staaten im Jahre 1912/13 Soeben ist der neue Jahresbericht des Generalkommissars für Einwandcruiigswesen erschienen. Der Bericht umfaßt den Zeitraum vom I. Juli 1012 In-־ 1. Juli BMJ. Die allgemeine Einwanderung nach den Vereinigten Staaten betrug in dem Berichtsjahre 1 108 000 Personen, d. h. um etwa JIOOUO Personen mehr als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre Unter den AuswaiiUerungsl,indem nimmt Rußland mit 291 000 Emigranten wieder den ersten Platz ein. Unter diesen 201 (HH> befanden sieh 74 00t) Juden ׳leich 25,4 «,0. Die Gesamtzahl der jüdischen Einwanderer aus allen Ländern betrug im Berichtsjahrc 101 300 Personen; der Anteil der russischen Juden an der allgemeinen jüdischen Emigration belief sich also auf mehr als 73 ״;«. Von den jüdischen Ein- Wanderern haben etwa 50 000 Personen, also fast 60׳ die Stadt und den Staat New York als Endziel ihrer Reise angegeben. Unter den jüdischen Einwanderem, die das 14. Lebensjahr überschritten hatten, befanden sich 16 000 A n a I p 11 a beten. Schon daraus kann man ersehen, wie groß die Zahl der nicht z u g e I a s s e n e n jüdischen Emigranten wäre, falls die B i I d u ng s prob c, die in dein neuen Einwanderungsgesct/cntwurf sorgesehen ist, Gesetzeskraft erlangt. Die Lage der rumänischen Juden Die Lage der Juden in Rumänien ist und bleibt verzweifelt. Die seit Jahr und Tag von jüdischen und nichtjüdisehen Persönlichkeiten des Auslandes auf parlamentarischem wie auf publizistischem Wege unternommenen Schritte haben ebensowenig wie alle Anstrengungen im In lande irgendwelche Wendung zum Besseren herbeigeführt. Als voriges Jahr während des bulgarischen Feldzuges und unmittelbar danach die judenfragc an der Tagcsordnung war, da erklärte der Minister Take Joncscu gelegentlich eines Interviews, die Judenfragc sei in der Tat für die Lösung n-if und dürfe niclit länger in der Schwebe bleiben, die Lösung könne aber nur unter Ucbcrcinstiminung aller politischen Parteien zu- Staude kommen. Diese Ucbcreinstimnumg ist nun Tatsache geworden: alle politischen Parteien sind einverstanden — die Judcnirnge tot/uschwcigen. Die Debatten im Parlament über die Verfassungsparagrapltcn, die von der nächsten einzuhcrufcnden Konsiituante geändert werden sollen, sind bald zu Ende, viele Redner aus den verschiedensten Parteien haben sich daran beteiligt, aber den § 7. der die eiligehoreueii und seit Generationen im Lande ansässigen Juden zu ״Fremden“ macht, hat, mit Ausnahme eines einzigen Deputierten, keiner auch nur mit einem Sterbenswörtchen erwähnt. Dieser einzige der udenfresser Professor N. Jorga gab seiner k'friedigting darüber Ausdruck, daß in bezug auf die U 11 a b a n d c r I i c 11 k e i t dieses Paragraphen im Parlamente vollständige Einmütigkeit herrsche und daß somit die drohende Judengefahr abgewendet sei. Inzwischen erklärt das Komitee des ״Verbandes der eingeborenen Juden“ in seinem Organ ״Inlratirca“, es werde trotz § 7 den Kampf ״unverdrossen" fortsetzen. Man weiß wirklich nicht, was die Herren in diesem so ungleichen ״Kampfe“ zu erreichen hoffen. Ihre Zeitungsartikel und literarisehen Polemiken gegen die offiziellen und nichtoffiziellen Antisemiten bleiben unbeachtet; die Denk- Schriften, die das Komitee jahrein jahraus der Regiertmg und dem Parlamente präsentiert, werden ad acta gelegt und nicht einmal einer abschlägigen Antwort gewürdigt. Demgegenüber verdient der Umstand erwähnt zu werden, daß die türkische Bevölkerung der Dobrudscha —- die sämtliche Bürgerrechte genießt — dem Parlamente kürzlich eine Denkschrift' unterbreitete, worin sie ihre Forderungen zur Wahrung ihrer nationalen Sonilcrintcrcsscn formulierte. Die Denkschrift wurde von einem nmiänischctt Dcputierten befördert und befürwortet, vom Parlamente wohlwollend entgcgengcnoininen und wird gewiß auch nach Wunsch erledigt werden. Eine Spende für die Tachkemonischule in Jaffa Die von der zionistischen Föderation ״M i s - rachi“ begründete und verwaltete hebräische Mittelschule 1 achkemoni in Jaffa hat vor kurzem eine ansehnliche Zuwendung erhalten. Ein in Rußfand lebender Anhänger des ״Misrachi“ hat der Anstalt zur Errichtung eines neuen Gebäudes den Betrag von 55 000 Frcs. gespendet.

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