Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1914)
- Date
- 1914-04-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Seile 159 vor vier Tagen wurde er von dein ״Jüdischen Asyl“,! in dem er einige Male übernachtet hatte,,nach Kuli- I larnl zurücktransportiert. Paris .... B e n S e c w. Der Ruderklub ״Ivria“ Am 10. Mai feiert die ״I v r i a“ Geburtstag. AB sie vor fünf Jahren gegrumtet wurde, wcissagU-.i ״Kenner“ ein schnelles, rühmloses finde. Sie haben 1':11 echt behalten. In zäher Arbeit ist die Basis für eine gesunde Lntvvickluug geschaffen worden. Ult• seic I hüte besteht aus sieben llcioten ■■■ 'darunter einem Achter und einem Rennvierer —, die Zahl dir Aktiven ist 32, der Inaktiven 20. Wertvoller aber als die Zahlen sind die straffe /tu 11t und der kameradschaftliche Geist, die im Klub burschen. Unsere Erfolge danken wir zwei Grundsat/cu, die sich nach langen Kämpfen durchgesetzt haben. Wir haben erkannt, daß die Ruderei, wenn'man sic sportlich betreiben will, ein hohes Mali geistiger und körperlicher L'lusti/itüt erfordert. Es gilt daher, eine strenge, durch keinerlei Rücksicht hecintlullte A u s I e s e zu treffen. Wer aber durch die enge Pforte schlüpft und Kuderknecht wird, der soll bilden, daß er nur Glied einer Gemeinschaft ist, dal׳ nur die Idee, nicht die Person, unersetzlich ist. Gerade der Mannschaftssport, bei dem nur das gemeinsame Wollen und Können vieler zum Siege fuhrt, erzieht schnell zu freudigem Gehorsam. Und wenn die Lagerfahrten und das »agclangc Zusammenleben im I reien den Junior an die frische Luft gewohnt haben, wenn die Erinnerung an den fetten Somitagsbraten und das Cafe des Westens ihn gleich j einem wüsten Traum erschreckt, dann ist er erst ein echter und rechter Ivriamann geworden. In den Feierstunden aber lehren die Senioren die jünger die hundert Regeln von Sitte und Art, den Ruder- Katechismus. Diese Erziehung hat eine Einheitlichkeit und Harmonie geschaffen, wie sie selbst in jüdischen Korporationen selten sind. Trotzdem finden Unsere Bestrebungen geringe Förderung. Nicht umsonst heißen wir das Volk des Buches. Nur zögernd kommt die Erkenntnis, daß ein starkes, körperlich und geistig diszipliniertes Geschlecht im Kampf um unser Volkstum nottut, daß Ideen allein einen Ghetto- Sklaven nicht zum freien Mann machen. Wir aber wollen frolt über das Erreichte mit kräftigem Rudcrschlag der Zukunft entgegeufahren. Fritz. Sch w a b e. AUS ALLER WELT Palästinareise des amerikanischen Botschafters in Konstantinopel Der amerikanische Botschafter in Konstantinopel, Mr. Henry Morgen thau, ist zu mehrwöchigem Aufenthalt nach Palästina gereist. Mr. Morgenthau, der bekanntlich Jude ist, besuchte vorige Woche in Begleitung des Herrn Dr, Arthur Ruppin, Leiters des zionistischen Palästina-Amtes in Jaffa, das dortige jüdische Stadtviertel Tel-Awiw sowie die jüdische Ackcrbaukolonic Pethach-Tikwah. Er äußerte sich ungemein befriedigt über das jüdische Kolonisationswerk in Palästina, dessen eifrige Fördemng er versprach. * Aus Jerusalem wird der ״N. J. K.“ ferner telegraphisch berichtet: Botschafter Morgenthau, der im Aufträge seiner Regierung eine Studienfahrt durch Palästina und Syrien unternimmt, traf am 3. April mit seiner Frau und Tochter in Jerusalem ein. Die Behörden bereiteten ihm einen festlichen Empfang. Mr. Morgeniltau empfing zahlreiche Abordnungen der jüdischen Gemeinden und Wohlfahrtsanstaltcn. Von liier wird der amerikanische Botschafter nach Hebron reisen, Haifaer Chronik Die hiesige hebräische Mittelschule ist seit dem Eintreffen des neuen Direktors, Herrn Dr. Biram aus Berlin, in frischer Entwicklung hegriffen. Trotz der großen äußeren Schwierigkeiten ist der Unterricht bereits vorzüglich organisiert, und die Disziplin der Schüler wie die Arheitsfrcudigkeit der Lehrer machen den denkbar besten Eindruck. Die Anstalt ist die erste Schule von konseipieibeni Real-Typus: Die technischen Fertigkeiten und die Naturwissenschaften bestimmen ihren Charakter, Die Schule muß und wird für das jüdische Haifa dieselbe Bedeutung gewännen, wie das hebräische Gymnasium in Jatfa. Sic soll ein Anziehungspunkt vor allem für jüdische Schüler aus Europa werden, ob sie nun das hier im Entstehen begriffene jüdische Technikum zu besuchen gedenken oder nicht. Im Laufe dieses Jahres werden zwei neue Klassen, die sechste und siebente, eröffnet, so daß schon m ,_I U E D ISCHE RUNDSCHAU_ etwa zwei Jahren die Schule völlig ansgehaiit sein kann, Der Besuch des Büro ns E 11 m ti 1111 Rothschild aus Paris wird in Haifa!)leihende Zeichen hiiiterlasscn. Der Baron hat der jüdischen Gemeinde den Ban einer Synagoge zngesagt, die ein neues /entrinn für die bisher zerstreute jüdische Siedlung werden kann, Von noch weittragenderer Bedeutung ist es, daß Frau Baronin Rothschild I errain und Baukosten für ein jüdisches Krankc ח haus in II a j f a ,׳■•espemiet hat. Es ist bereits ein Platz, unweit des Technikums in Aussicht geiiommen, und sobald die Sicherung des Budge’ts, um die ׳sich Dr. Auerbach zurzeit bemüht, ’ gehingen ist, soll mit dem Bau begonnen werden, Baronin Rothschild hat selbst (1000 Francs als jährliehe Subvention bewilligt. Am 20, Marz trafen hier die Teilnehmer der zweiten Wanderfahrt jüdischer Turner und Studenten aus Deutschland, 31 an der Zahl, ein, Ihr Einzug in straffer Disziplin erregte große Begeisterung, Sie hielten sieh hier zwei Tage aut und zogen dann nach Galiläa weiter. Der Wali von Beirut, der sich auf einer Inspcktionsrcise befindet, besuchte kürzlich Haifa und von hier aus auch die landwirtschaftliche Versuchsstation in A 11 i t. Aus allen Gesprächen, die er bei diesen Gelegenheiten führte, ging sein lebhaftes Interesse und siiiiie besondere Sympathie für die j ii d i s c h e l< o 1 o ti i s a t i 0 n hervor, der er jede mögliche Förderung /!!sagte. Bau eines neuen Zollamtes in Jaffa Anfang März d. J. weilte der Oberzolklircktor von Beirut in Jaffa, um die Zustände am hiesigen Zollamt, die schon lange als reformbedürftig gelten, durch den Augenschein keimen zu lernen, Er will mm, nachdem er sieh von der Unhaltbnrkeit der jetzigen Verhältnisse überzeugt hat, energisch dafür cintrctcn, daß schon in den nächsten Monaten der Bau eines neuen Zollamtes in Angriff genommen wird. Zu diesem Zwecke schlägt er die Auffüllung des sogenannten Bootshafens vor, um auf diese Weise große Terrains iur die neuen Gebäude zu gewinnen. Der Jerusalemer Gouverneur über die jüdische Kolonisation in Palästina Die arabische Zeitung ״U-lkdam“ in Kairo nimmt in letzter Zeit, im Gegensatz zu den führeiuletf arabischen Zeitungen Aegyptens, eine feindselige Llaltung gegen die Juden ein. In letzter Zeit bereiste der Direktor dieser Zeitung Palästina und hatte Unter- Teilungen mit einigen Beamten, denen er in langen Tiradcn die Gefährlichkeit des Z i 0 n i s m u s und die Notwendigkeit von Ausnahmsgesetzen gegen die Julien auscinaiulersct/.tc. Er fand aber in ilcn maßgebenden Kreisen des Landes durchaus kein Verstäiuhüs für seine edlen Bemühungen. So antwortete ihm der Gouverneur von Jerusalem, Magid Bey, folgendermaßen: ״Sie wissen wohl, daß die Augen der Juden aller Länder auf Palästina gerichtet sind, wo im Altertum ihre Vorfahren lebten. Es gibt jetzt zwei Strömungen innerhalb der Judenlieit: Die eine will, daß die verfolgten indischen Massen nach Amerika auswandern, die andere will die Juden in Palästina kolonisieren, um diesen Volksstamm und unser Land zu neuem Lehen zu erwecken. Darin liegt nichts Schädliches. Wüßten die Einheimischen von diesem Volke zu lernen, so müßten sie sich Tel-Awiw und die anderen jüdischen Kolonien zum Muster nehmen. Das Gesetz verbietet keineswegs die Niederlassung fremder Untertanen in irgend einem ottomanisclien Gebiete. Die Konstaiitinopeler Zentralregiernng ist bestrebt, die Eintracht zwischen den verschiedenen! Volksstämmen und Rassen zu fördern und ihnen keine Hindernisse in den Weg zu legen. Ich meinerseits gehe mir alle mögliche Mühe, die Völker dieses Landes einander näher zu bringen und sie auf dem Boden des ottomanisclien Rcidisgedaiikens zu vereinigen. Ich habe zu diesem Zwecke auch Tel-Awiw und andere jüdische Niederlassungen besucht. Ich hoffe zuversichtlich, mit Gottes Hilfe dieses Ziel zum Segen des Vaterlandes erreichen zu können.“ Eine Palästina-Landkaufsgesellschaft In England Der Order o f A n c i c n t M a c c a b e a 11 s, ein der zionistischen Organisation .™geschlossener Verband, hat eine Bodenerwerhsgesellscliaft für Paiästiua mit einem Kapital von C 52 000 und C 10 000 Hypotheken ins Leben gerufen. Die Gesellschaft will durch Ansammlung kleiner Teilzahlungen die Mittel zum Kauf ländlicher Grundstücke in Palästina aufhriii'w״, die entweder von den Aktienbesitzern selbst oder’ von da/.u angcslcHten Personen bewirtschaftet werden sollen Man hofft, daß das Aktienkapital (.C 52 000) der Gesellschaft genügen wird, um ein größeres Landgebict im Distrikt Mod in, der Heimat der Makkabäer, aii/nkaufen und es zu Ansiedlungszwecken bearbeiten zu lassen. Die Obligationen (C 10 000) sollen Freunden der Gesellschaft, die nicht ■selbst Land erwerben wollen, die Möglichkeit gehen, sich an dem Unternehmen zu beteiligen, und diese Obligationen samt dem entsprechenden Zinsbetrag sollen am Ende des vereinbarten Termins zurßckge* zahlt werden. Das zu erwerbende Land soll in Parzellen von je zwei Acre eingeteilt und diese an die Aktionäre vergeht״ werden. Der Aktienbctrag (C 50) schließt die Kosten für die Bearbeitung und Be- Pflanzung der einzelnen Parzellen ein, und im übrigen sorgt die Gesellschaft für die Verwaltung derjenigen Terrains, dem! Besitzer sie nicht selbst zu ver* walten beabsichtigen, Man hofft, daß eine große Anzahl von Pal.istiiiafreiiiuieii Zionisten und Nichtz.ioiiisteu ־ sieh für das Unternehmen werktätig interessieren wird. Das Direktorium hat sein, Bureau in London, 22(1-2 tl, (iresham llouse, OKI Broad Street, wo auch nähere Auskünfte erteilt werden. Jüdische Massenauswanderung aus Rumänien Die Enttäuschung und Erbitterung der jüdischen Bevölkerung, der die Regierung trotz wiederholter Versprechungen die Möglichkeit zur Erlangung der Bürgerrechte vorculhält, wächst immer mehr an. Namentlich diejenigen jungen Leute, die au dem letzten Feldzug gegen Bulgarien teilgenommen haben, und denen die Naturalisation ungeachtet der feierlichen Zusagen der Regierung verweigert wird, befinden sich in verzweifelter Stimmung, Infolge* dessen hat eine neue Aus w ,1׳ rt d e r u n g s b e w egung unter den Juden, ähnlich der vom Jahre 1900, eingesetzt. Tausende von jüdischen Reservisten haben sieh zu militärisch organisierten Trupps vereinigt, die das Land zu Fuß verlassen, urn nach Amerika auszuwandern. Die erste Auswaiiilcrcrgruppe ist am 1. April von Jassy aus aufgebrochen. Die Bewegung nimmt von Tag zu Tag einen größeren Umfang an. ZIONISTISCHE BEWEGUNG An alle Gruppen Wir bitten die zionistischen Gruppen und Vertraiiensmänner noch einmal, die Zw ischenfeiertage des Peßachfestcs zu einer intensiven Schekclsammlung auszunutzen. Das A c t i o n s - C o m i t e. Mitteilung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Wir bitten Gesinnungsgenossen, die in den nächsten Wochen nach Wiesbaden reisen, uns hiervon zu verständigen. * Protokoll des ersten Kongresses Als das Protokoll des I. Zionistenkongresses vom Jahre 18)7 vollständig vergriffen war, hat die jüdisch-nationale akademisch-technische Verbindung B a* rissia in Prag eine Neuauflage veranstaltet, von dem Bewußtsein ausgehend, daß die Kenntnis jener grundlegenden Referate für jeden Zionisten uncrläßlich ist. Nun gehen auch die Exemplare dieser Neuauflage zur Neige. Für diejenigen also, die sich in den Besitz des schön ausgestatteten Buches setzen wollen, erscheint es ratsam, die Bestellung recht* zeitig an die Adresse: M. U. C. Franz Ekstein, Prag V, Ufergassc 4 IV, zu richten. Der Preis eines Exemplars beträgt 1,50 Kr. außer Versandporto. Vereinen und Vertrauensmännern wird bei Abnahme einer entsprechenden Anzahl von Exernplnren weitgehende Ermäßigung gewährt. Bekanntmachung. Die Generalversammlung der Palästina- Reise -Gesellschaft e. V. in Hamburg wird am Sonntag, dem 19. April 1914, vormittags II Uhr, inr Bureau des Kgl. Notars Dr. Victor, Wandsbek, Lübecker Str. 26, stattfinden. Tagesordnung: 1. Bericht; 2. Waiden; 3. Verlosung; 4. Diverses. Sämtliche Mitglieder werden hierdurch eingcladcn. Der Vorstand Rechtsanwalt Dr. T a n 11 e 1»w a I d - Hamburg. Bezalel-Tepplche (Ein fachmännisches Urteil.) Das Berliner Bureau dis Vereins Bc/alel hat den technischen Teppichfabrikilirektor Herrn Hugo Eisen stadt ersucht, über die in den Werkstätten Bezalel neu hergestellten Teppiche ein kritisches Gutachten abzugeben. Herr Eisenstadt äußerte sich nun über die neuen Bczalel-Teppiche 11. a. folgenden maßen: Wenn wir bedenken, daß die Knüpfer und Knüpferinnen in Jerusalem weder hinsichtlich der Technik noch hinsichtlich der Fnrbcnstcllung die geringste Vorbildung hatten, so ist es doppelt aimicrkcnucn, wie sich diese jüdischen Arbeiter und Arbeiterinnen mit augenscheinlich leichter Auffassung der Teppichknüpferei zugewandt haben und erfolgreich tätig sind. Während in den anderen Provinzen des Orients seit ahrluiuderten in den Familien die Kunst der Teppichmipferci gepflegt wird, mußte dieser Vorsprung in Jerusalem in verhältnismäßig kurzer Zeit eingeholt iverdyn, und ich muß betonen, daß jetzt nach Verlauf von sieben Jahren eine Anzahl Teppiche entstanden sind, die den erstklassigen orienta tischen Fabrikaten ebenbürtig sind, ich will hier nicht untersuchen, woran es gelegen hat, daß die ersten ßczatcl-Teppiche zum Teil durch ein wenig schmeichelhaftes Aussehen den Besiehtiger in eine traurige Stimmung versetzen mußten.