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Jüdische Rundschau · 1914-04-03 · Heft 14 (3.4.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 14 (3.4.1914)
Date
1914-04-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 144 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 14 muß sie der Verbreitung der hebriiisehen Sprache durch Einrichtung von .Sprachkursen beimessen. 9. Die Organisation muß bei Frauen und Mädeben sowie Kindern den Nationatfonds populär machen und ihn viel mehr wie bisher in den jüdisehen Häusern einfiihrcn (Spcndciibuch, Blumentag, großzügige Matcrialsammlungen). 10. Die Organisation muß Broschüren über zionistisehe Frauenarbeit und zionistische Jugenderziehung herausgeben, desgleichen sich bemühen, in den verschiedenen Ländern Jugendzeitungen cinzurichten. Ebenso die Herausgabe eines zionistischen Jugendbuches, wenigstens jedes Jahr eins, vielleicht in Form eines Kalenders. 11. Die Organisation soll Fühlung nehmen zu jüdischen Pcnsionatcn und jüdischen Schulen und versuchen, gut jüdische nationale Erziehung da cinzuführen. Vielleicht auch selbst zionistische Pensionatc ins Leben rufen. Ebenso Vorbereitung der Finrichtung von landwirtschaftlichen Schulen hier in Deutschland, damit Frauen und Mädchen, die nach Palästina herübergehen, schon mit Kenntnissen versehen sind. 12. Die Hauptaufgabe ist natürlich, für Vcrhcsserimg und Vergrößerung der Vereine zu sorgen, um durch anhaltende planmäßige Agitation die Schekelzahler zu vermehren. Dazu müssen ferner vor allen Dingen soviel, wie irgend möglich, neue Frauen- und Mädchenvercine geschaffen werden. Sie muß Füllhing nehmen zu den Vcrlrauensdaineu in den ein- /einen Städten, um dann durch Kellnerinnen Frauenvereine zu schaffen. B. O r g a n i s a t i o 11. 1. Die Angelegenheiten der Organisationen werden erledigt durch die Generalversammlung und den Vorstand. Der Vorstand führt die laufenden Oeschäfte und Korrcs|10nden/e11 mit den Verbandsvereinen und Vertrauensdamen, nimmt die Anregungen und Beanstandungen von den Vereinen und von dritter Seite entgegen. Er veröffentlicht mindestens alle Vierteljahre einen Tätigkeitsbericht, bei dem gleichzeitig über die Kasscnführmig Auskunft zu erteilen ist. Der Vorstand besteht aus sechs Personen, die ihre Entschlüsse durch Stimmenmehrheit der Alistimmenden fassen. Die Abstimmung kann schriftlieh oiler mündlich erfolgen. Für den Fall des Ausscheideiis eines Mitgliedes werden in Zukunft Ersatzmitglicdcr gewählt. 2. Die Ooiicrnlversammlung findet mindestens alle zwei Jahre anläßlich des Kongresses stalt. Zu dieser Versammlung soll jeder zionistische Frauen- und Mädchenverein nach folgenden Bestimmungen Delegierte entsenden,: Auf 13—50 Mitglieder entfällt je eine Delegierte, auf 100 Mitglieder zwei Delegierte, auf jedes weitere 100 eine weitere Delegierte. Außerdem sind nur die bestellten Vertrauensdamen in den Orten ohne Ortsgruppe zur Teilnahme au den Beratungen, aber nicht zur Abstimmung berechtigt. 3. Die Generalversammlung prüft die Tätigkeit des Vorstandes und der einzelnen Vereine und faßt Beschlüsse über die Tätigkeit der nächsten Arbeit*• periode. 4. Die Generalversammlung wählt den Vorstand und dessen Ersatzmitgliedcr mit Stimmenmehrheit. Programm für zionistische Frauenvcrcine. 1. Vierwöchentliche Zusammenkünfte, bei denen ein Pressereferat oder irgendein anderes einfaches Referat gehalten wird, durch welches die Mitglieder den Zionismus gründlich kennen lernen. Nach dem Referat Diskussion. Darauf Vorlcscn zionistischer Bücher oder Broschüren. Bei diesen Zusammenkünften dürfen auch Nichtzionisten teilnehmen, die sicli auch au der Diskussion beteiligen sollen, damit inan sie nach und nach gewinnt. Diese Nichtzionisten werden nach einem genauen Listensvstem ausgewählt. 2. Alle 6 Wochen eine öffentliche Versammlung mit Vortrag und Diskussionen. Desgleichen 2 zionistisehe Feste mindestens in der Saison. 3. Planmäßige Nationalfonds-Propngumla. Spcndenhueh, Büchsen, Mnterialicnsammhing. I. Unterstützung des Kulturvereins. Jeder zionistisehe Fraueuvercin muß demselben korporativ angehören und darauf halten, daß alle seine licmitteltcu Mitglieder ihm angehören. 5. Verbreitung der hebräischen Sprache durch Kurse und Privatstunden und hebräische Kindergärten. 0. Zionistische Kindererzichting: Jede Frauengruppe muß, wie es gerade an dem betreffenden Orte möglich ist, etwas (iründliehes für diese Aufgabe tun. Entweder Kindernachmittage, Kindergärten, Ecricnkolonicn, öfters Kinderfeste, Wandervogel. 7. Fühlungnahme zu jungen Mädchen, Gründung von Mädehenklubs und Unterstützung von Turnabtcihingen. Besonders Anknüpfen von Beziehungen zu angcstellteii Mädchen. Freitagabende für sie veranstalten, ebenso Scderabcndc. 8. Verbreitung von jüdischer Kunst und Wissensehaft, Einrichtung von Bibliotheken. 9. Gründung von Hczirksgruppen in Großstädten, von Zweiggruppen in kleineren Orten. 10. Ausbildung von Rcdncrinnen, durch Diskuticrabcndc. 11. Unterstützung der Ortsgruppe durch Vorbereitung der Veranstaltungen, Büchsenpropaganda nach euiem Listensystem, Schckelpropagamla usiw. , .־,׳• Versendung von vierteljährlichen Tätigkeit*• berichten an die Zentrale der Frauenorganisation. Wir veröffentlichen obenstchend das Programm der vom X. Kongreß /.!!gebilligten zionistischen Frauenweltorganisation. Wir haben das Programm so gefaßt, daß alle schon bestehenden Frauen- und Mädchenvereine der Organisation beitreten können und müssen. Wir bitten die Vereine, sofort Vorstandsitzungen einzuberufen, um über unser Arbcits- Programm zu diskutieren und den Beschluß des Bei* tritts herbeizuftihren. Wir erkennen dankend die Arbeit an, die bis jetzt in zionistischen Frauen- und Mädcltenvcreincn geleistet wird, halten sie aber für viel zu gering, dem gegenüber, was die organisierten Vereine leisten könnten. Jeder Verein wird durch den Beitritt zur Organisation Vorteile für seine Vergrö- Herling und die Propaganda finden. Vor allen Dingen aber können wir nur neue Vereine ins Leben rufen, wenn die alten durch die Organisation miteinander Fühlung genommen haben, unii wenn einheitlich gearbeitet wird. Heber die Notwendigkeit des letzten Punktes brauelit wohl nichts mehr gesagt werden, alle Zionistimien, die es wirklich ernst mit der z.lonistiselisen Frauenarbeit meinen, sind sielt wohl darüber einig, wie überaus gering die Zahl der Frauenvcrcine ist. Wir machen darauf aufmerksam, daß natürlich nicht jeder Vereine alle Punkte des Programms erfüllen kann, es genügt, wenn jeder Verein immer den Teil des Programms durchführt, der gerade für seine Stadt angebracht Ist. Wir erwarten so schnell wie möglich die Bei• trittserkläruugcn aller Vereine, desgleichen selten wir sehr gern Zuschriften von Frauen und Mädchen entgegen, die für die Organisation und Gründung von Vereinen Interesse haben, deren Durchführung wir daun gern übernehmen. Anregungen für unser Programm und zionistische Frauenarbeit nehmen wir jederzeit gern entgegen. Beitrittserklärungen und alle Zuschriften sind zu richten an Frau Edith E a c it m a n n, für das vorbereitende Komitee, Königshütte (O.-S.), Kattowitzcr Straße 17. Freiburger Brief (Von unserem Berichterstatter.) Die jüdische Gemeinde in Freiburg i, B. ist sehr jung, der Hauptsache nach in den letzten 3—1 Jahr• zehnten durch Zuzug aus den Landgemeinden entstanden. Darum hat sie noch kein eigenes Gepräge, keine Traditionen und keinen inneren Zusammenhang. Eine führende Oberschicht von alten, gcbildeten Familien fehlt darum auch fast völlig. So sind für ein positives jüdisches Leben keine Voraus- Setzungen vorhanden. Die Bewegung, die vor einigen Jahren anläßlich der Gebelbuchfragc so höbe Weilen warf, war bei aller äußeren Heftigkeit docli nicht tiefer gegangen, und hatte keine inneren, geistigen Weiterentwicklungen zur Folge. Nur die Partcigcgensätze wurden verschärft und sehr unerfreuliche ge• meimlepolitische Zustände haben sielt hcrausgcbildct, zum großen Teil durch die Intrnnsigcnz liberaler Gemeiudepolitiker veranlaßt. Der Zionismus hatte in den verstorbenen Dr. Kaufmann und Moritz. Weil feste und starke Vertreter gefunden, aber keinen größeren Anhang gewannen. Den I lauptantcil am Leben der Ortsgruppe hatten die Studenten, die ihr aber naturgemäß keine Festigkeit und Stetigkeit geben konnten. Mit dem Tod jener zwei Männer mußte daher mit einer gewissen Notwendigkeit ein Rückgang eintreten. Acußcre und persönliche Umstände veranlaßten schließlich eine bei• Italic völlige Desorganisation und stellten uns in gewissem Sinne vor die Existenzfrage der Ortsgruppe. Wir haben heute diesen toten Punkt überwunden und haben bereits die ersten erfolgreichen Anfäitjre für eine kräftige Ncubelebung der Ortsgruppe hinter uns. Mit dem Beginn dieses Wintersemesters veranstalteten wir regelmäßige interne Zusammenkünfte, in denen geschichtliche und literarische Heferate gehalten wurden. Diese Zusammenkünfte waren durch die beiden Verbindungen V. J. St. und Ivria (K. Z. V.) ermöglich» worden; Freiburger Publikum erschien zunächst kaum, nur einige russische Studeuten, mit denen es zu anregenden Diskussionen kam. Immerhin aber war, wenn auch in kleinstem Maßstab, die Ortsgruppe wieder zu einem regclmäßigen Leben gekommen und führte kein Schattendasein mehr. Als wir dann durch die nntizionlstischc Er- . kliiriing (die vier Freiburger Unterschriften trug) in dieser ruhigen Arbeit auf eilte bisher noch nie gc!• übte Weise gestört wurden, waren wir bereits kräftig genug, um darauf in energischer und eindrucksvoller Weise zu demonstrieren. In einer wohlgeltmgenen Versammlung sprach Herr Ingenieur Goldmann scharf und sachlich; wir glauben an einen nachhaltigen Eindruck seines Referats. In einem anschließenden l.ichthildcrvortrag referierte Herr Bär über dieWander• fahrt nach Palästina voller Schwung und Begeiste• rung. Der Abend war eine Demonstration des ziouistischen Gedankens im allerbesten Sinn, der unsere Arbeit an der Ncubelebung der Ortsgruppe ein Stück vorwärts gebracht hat. - Nicht viel mehr als eine Woche später veranstalteten wir einen Jargonliederabend, zu dem wir auch ein Mitglied de» hiesigen Theaters gewonnen hatten. Trotz, der sehr ungütv stigen Zeit (kurz nach dem Karneval) war er sehr gut besucht und verlief ganz ausgezeichnet. Eina Anzahl neuer Mitglieder wurde gewonnen und maneher in tinscrn Interessenkreis gezogen. Wir hoffen, daß uns das Sommerhalbjahr wiederunr ein Stück weiterbringt. Den beiden Studenten- Verbindungen, Ivria und V. J. St., die uns die ersten Anfänge ermöglichten, sei an dieser Stelle herzlicher Dank gesagt. Anzeigen als Anzeichen Aus der ״Frankfurter Zeitung“ vom 15. Februar 1914; loh imolic cur Moip&t *in י»י*תוון Manchen, keine Salomlamo, ״der «ogen. Hohtinheit, nbor i,v1D|»ftthi*e!1« Anmut tinerhiMlirh. Holbntändlff* Per»onliehktftit im Denken n. Hanrioln, großzügig, mit OeÜlbl für da« Hohbno (Einfache). <K«und, raaniorlirh und «oign»־e; einfach ehrlich u. kamcrftd«ch־«ftlich Schlank, adrett, mit froittn Schritt. Mohr heiter •18 ern^t, mehr herb al« welch. Unternehmend, fruiheitliehend. Nicht phantasielos ti. ni־׳ht fihantnetinch. Bunt zu Sport, KnMwandorangcn, Rehen. Smnati«rl1 mehr nördlicher ule südlicher. kein morgen« IMml. Typ na. Grosseres Vermögen erwünscht, aber nicht entuniicidond. Seihet : BO J, Mitiolflgur, kräftig, gesund. «■über, angn* nehme« Aeueenro, Jude au• angesehener, «eit violort Gene« retionon in SUddeutechlend ansässiger Familie. Körper!• gnux« gelatlg weitgehend germanlaeh. ln bester geaollsehaftl. u bürgorl. Stollang Anständig. ehrlich, nicht oberflächlich oder konventionell. Muaikliehend, Tierfreund. Jurist in guten Verhältnissen. DbirnkterifUecIi geschriftbono Briefe, auch anonyme, erbitten; Bild erwünscht. Wirt! zurück gegeben: Briofo vor* nichtet Bnbed. Verschwiegenheit zugemchort u. verlangt -־־ Ich wAiilo diesen Wog. weil ich glaube, deaa irgendwo die lebt, die ich suche — Zuschriften unter *> 97««• an die Expedition der Frankfurter Zeitung AUS ALLER WELT Die Or&ngenerntc in Palästina Der Ornngciibau hat in diesem Jahre ein recht günstiges Ergebnis zu verzeichnen, im Gegensatz zu dem feuchten europäischen Winter herrschte in Palästina trockene, milde Witterung und das Ausbleiben heftiger Stürme war für den Orangenbau vorteilhaft. Auch die Preise auf dem Weltmarkt sind besser als in den letzten Jahren, so daß bei gutgepflegten Anlagen ein schöner Gewinn sich erzielen läßt. Es hat auch die Ausfuhr der Jaffa-Orangen allmählich einen bedeutenderen Umfang angenommen, indem jährlich über zwei Millionen Kisten mit je 120—150 Stück ausgeführt werden, in erster Linie naclt Liverpool, aber mich nach Aegypten, Konstantinopel, Australien und neuerdings alten nach Deutschland. Um nicht mehr wie früher für den Verkauf der Orangen von der Willkür einheimischer Händler abhängig zu sein, haben sielt zwei jüdische und eine deutsche Gruppe von Pflanzern zu einer Oraiigcn-Exportgcsellscliait /usnmmengetan und ihre Tätigkeit hat sich bewährt. Die deutsche Gesellschuft will in erster Linie den deutschen Markt ge- Winnen und cs ist nicht zu bezweifeln, daß ihr dies auch gelingen wird, da die Jaffaer Orange nicht mir wohlschmeckender, sondern auch haltbarer ist, als die italienische und spanische. Junge Orangenbäume erzeugen außerordentlich große und saftige Orangen; von diesen gehen im Januar viele Kisten an den kaiserlichen Hof von Berlin ab. Generalversammlung von Tel-Awlw Die Bewohner des jüdischen Stadtviertels Tel- A w i w bei Jaffa hielten vor kurzem ihre fünfte Oencralversammiung ab. Die rasche Entwicklung dieser prächtigen städtischen Siedelung kam in dem Etat Zinn Ausdruck, den der Vorstand der Gcncralversammhing vorlegtc. Das Budget von Tel-Awiw betrug: im Jahre 1911 0 000 Eres. ״ 180 12 1912 ״ ״ 1913 ״ ״ IS 000 ״ Voranschlag f ii r d a s Jahr 1 914 30 500 ״ Im ganzen wurde das Areal von Tel-Awiw im nhgclaufcncn Jahre durch die Eingemeindung von Chewrah Cliadaschah (״Neue Gesellschaft“), sowie durch nette Tcrrainerw crmingcn um 380 000 Pik (Ellen) Bauland erweitert, litt letzten Jahre sind 20 neue l läuscr, darunter acht mit einem Obergeschoß, erballt worden. Außerdem wurde über dem Erdgescltoß von vier früheren Häusern ein Oberstock auf* geführt. Trotzdem besteht in Tel-Awiw ein großer wohntmgsmangcl, was zu hohen Mietpreisen führt. Darüber wurde in der letzten Generalversammlung wieder lebhaft geklagt. Die Forderung der Mieter, daß der Umzugstermin auf den Sommer verlegt werde, wurde einer Kommission überw iesen, die demnächst darüber beschließen soll. Sehr eingehend wurde die Frage der Erbauung einer Synagoge besprochen. Bis jetzt vorsamnieltcn sich die Beter in Tel-Awiw in gemieteten Räumen sowie in einem provisorischen Holzbau. An den hohen Feiertagen wurde auch die Aula des Hebräischen öymnasiums als Synagoge eingerichtet. Nach den neuen Erwerbungen von Baulahd, da man die Lage des ..größeren Tel- Awiw“ schon übersehen kann, ist tue Frage einer

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