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Jüdische Rundschau · 1914-04-03 · Heft 14 (3.4.1914) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 14 (3.4.1914)
Date
1914-04-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 145 ständigen Synagoge wieder aktuell geworden. Nach dem Plan, der der Generalversammlung vorgelc1׳t wurde, soll die zu erbauende Synagoge 1000 Plat/e für Miinncr, 300 für Frauen und außerdem Nebenraunte sowie Amtszimmer für den Rabbiner Vor- Steher und Synagogendiener, endlich ein Synagogenarchiv enthalten. ' " Moderne Seuchenbekämpfung ln Palästina Ucbcr dieses Thema sprach, wie die N I K“ berichtet, in der Sitzung der Berliner Mcdizini sehen Gesellschaft vom 25. Marz Ministcrialdircktor Dr. Kirchner, ln Gemeinschalt; mit Prof. Dr. N o c h t aus Hamburg hatte er voriges Jahr im Aufträge der D e u t s c 11 c n G c s c 11 s c h a f t zu r B c k ä nt p f 11 ng der Malaria in Palast in a das heilige Land bereist und gab nun eine interessante Schilderung der dortigen sanitären Verhältnissc, An der Hand eines Planes von Jerusalem beschrieb er die Wohnungsvcrhältnissc der heiligen Stadt, in deren Nähe eine Reihe blühender, zweckmallig angelegter jüdischer Kolonien liegen, zu deren Gründung die Juden nur zu beglückwünschen seien. Die zahlreichen jüdischen Schulen und die Techtusche Hochschule in Haifa sind von grober kulturdler Bedeutung. Ausführlich besprach Kirchner die Arbeit von Prof. Mühlen s, der in dem von der Deutschen Gesellschaft begründeten Laboratorium durch groliangelegte Blutuntersuchungen das überaus zahlreiche Vorkommen der tropischen Malaria feststellen konnte. Der Grund für die Ausbreitung der Malaria ist die schlechte Wass e rversurg 11 n g. Sic geschieht fast nur durch Zisternen, von denen etwa (>000 in Jerusalem vorhanden sind, die aber häufig sehr wenig einwandfrei angelegt sind. Zur Bekämpfung der Malaria hat man einerseits die Zisternen assaniert und Andererseits die Kranken prophylaktisch behandelt. Die Erfolge sind in der kurzen Frist schon sehr gute gewesen. Die Arbeiten geschehen jetzt durch das internationale G e - su 11 d 11 e i t s a m t in Jerusalem, zu dem sich die Deutsche Gesellschaft, der Verein jüdischer Aerz.te uml Naturforscher und die von dem amerikanischjüdischen Philanthropen Nathan Strauß errichtete Anstalt vereinigt haben. Neben dem Typhus sind es insbesondere das Rückfallfieber, das Maltaficber, die Orientbeuie, die Lepra, Ruhr, Tollwut und nainentlieh die ägyptische Augenkrankheit, deren Bekämpfung notwendig ist. Die Tätigkeit des Internationalen Gesundlicitamtes ist von hohem wissenschaftlichen und kulturellen Interesse. Daher ist es sehr erfreulich, daß sich jetzt überall in Deutschland Komitees gebildet haben, die der Deutschen Gesellschaft die notigen Mittel beschaffen wollen. * nisse war die Beobachtung einer Spicgclschwankung des Sees, dessen Oberfläche in (>!,;. ständigen Perioden eine Pendelbewegung ausführt. Der Fauna und Flora der angrenzenden Küste wurde besonders während der heftigen Seestürme, die eine Arbeit in den drei leichten Booten tiumöglidi machten, große Aufmerksamkeit gewidmet; l<>93 Tiere wurden in die Heimat mitgebracht. Widrige Verhältnisse voranhißten die Expedition z.ur Umkehr, Hat sie auch nicht die Erforschung des Toten Meeres zum Ah- Schluß gebracht, so hat sie doch manche alten wissenschaftlichcn Fragen gelöst und neue aufgeworfen, deren Beantwortung Aufgabe neuer systematischer Beobaehtungcii und Untersuchungen sein wird. Zur Lage der Juden In Rußland f >ie Ausweisung e n im russisch-polnischen Rayon haben in der letzten Zeit ganz ungeheuerliche Dimensionen angenommen. 1111 Zusammenhang mit dem Boykott, der seit dem vorigen Jahre seitens der polnischen Bevölkerung gegen die Juden wütet und bereits unzähliges wirtschaftliches Unheil äugestiftet hat, macht sich in der letzten Zeit das gcfährlichc Bestreben der polnischen Agitation breit, die Juden aus den Dörfern durch Admiriistrationsmalhiahmen zu verdrängen. Erst vor kurzem hat die Gemeinde D111 g o s j a d I o (Gouvernement Lomscha) den Beschluß gefaßt, daß die auf ihrem Gebiet vvolmhaften 11 u n d e r 111 n d f ii n f z i g jüdischen Familien samt und sonders auszuweisen seien, und dieser Beschluß war bereits der Ausführung nahe, als das Ministerium des Innern die Einstellung der Aus- Weisung anordnete. Nun beschloß das Gemeindegcricht von StrjemeXan (Gouvernement Petrikz.vce) die Vertreibung von z w e i h u n d e r t jüdisehen Familien aus diesem Orte. Da dazu die den betroffenen Juden gewährte Frist zur Liquidierung ihrer Geschähe sehr kurz, ist, so droht ihnen völliger wirtschaftlicher Ruin. In ihrer Not haben sieh diese zweihundert Familien an den Gouverneur von Petrikau mit einem Gesuch um wenigstens zeitweiligen Aufschuh des unheilvollen Aktes gewandt. Wegen bloßer Zugehörigkeit zum Zentralkomitee der russischen Z i o 11 i s t c 11 wurden sechs Personen in Wilna vors Gericht gezogen und mit Gefängnis bestraft. So erhielten B, Goldberg drei Monate, J. Goldberg zwei Monate Drujanow und Grünbatim je vierzig Tage, Wolowclski einen Monat Gefängnis. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Das^bisherige Ergebnis der Schulwerksaktion Dienstag, den 31. März d. J., begann in Jcrusaleni die von Herrn Dr. Elias Auerbach (Haifa) vorgi'schlagene und von der J a f f a e r J ü d i s c h e n A e r z t e g e s e 11 s e 11 a f t inaugurierte erste T r a - cli 0 in k o 11 f c r e n z. der Acrzte Palästinas, Zweck derselben ist Gewinnung der Aerztcschaft für den Kampf gegen das endemische Trachom, Zusammenfassung und Sichtung des vorhandenen statistischen Materials, Einigung über eine Reihe von Fragen, betreffend einheitliche Statistik, Diagnose und therapcutiscltcs ‘Vorgehen, Aufklärung der Bevölkerung und so weiter. Die Konferenz dauert drei Tage und findet im Anschluß an das Jcwish Health Bureau in dessen Räumen statt. Die klinischen Demonstrationen und OjH־ratione11 werden in der Augenklinik ״Leniaau Zion“ abgehalten werden. Eine Reihe wichtiger Referate und Demonstrationen sind angekündigt und bereits zu einem Programme geordnet. Vom Toten Meer ln der Gesellschaft für Palästinaf o r s c 11 u n g hielt am 3. März Dr. Ludwig Brühl, Kustos am Museum für Meereskunde, einen fesselnden Vortrag über eine von ihm geleitete Wissenschaftliehe Reise zur Erforschung des I o t e 11 Meeres, die im Auftrag der genannte״ Gesellschaft unternommen wurde. Die Aufgabe der Expedition war zunächst die hydrographische, chemische und biologische Untersuchung dieses Sees, danach uas Anlegen naturwissenschaftlicher Sammlungen aus der Uferlai.dschaft. Unter den mannigfachsten äußeren Schwierigkeiten und unter häufig ungünstige» Witterungsverhältiiissen wurde die an Abenteuern wie an Arbeit reiche Erforschung des Toten Meeres im Dezeinbcr 1dl 1 und Januar 1912 durchgeführt. Zum ersten Male wurden die hydrographischen Verhältnisse des Meeres selbst, sein Wasser, seine Bewegung usf. mit modernen Forschmigsmethoden untersucht. Die chemische •Zusammensetzung des Wassers ist äußerst verwickelt. Es enthält im ganzen 21 v. H. vcrschiedcue Salze, darunter jedoch nur 7'/s v. Fl. Kochsalz. Die Salze nehmen nach der Tiefe zu. Der Jordan führt täglich dem Meere 6 Millionen 3 0. Wasser und 3000 To. Kochsalz zu. Zahlreiche Schwefelquellen sorgen für die Zufuhr anderer Stoffe. Der Gehalt an Brom wird unter Umständen noch eine wirtschaftliche Rolle spielen. In alter und neuer Zeit galt das Wasser als heilkräftig. Die Radioaktivität einiger Quellen wurde nachgewiesen, so daß m uer Zukunft vielleicht ein Heilbad airr Ufer des To c Meeres erstehen wird; Voraussetzung dafür wart um. Bahn Bethlehein-Engcdi. Die größte Tiefe, die man fand, war 300 m. Ob eine frühere Messung von 399 nr Tiefe zuverlässig ist, durfte zwcfc haf s iiL Auch Bodenproben vom Grund des Meeres wurden entnommen. Eines der bemerkenswertesten Lrgeb- Wir haben einen Gcsaintausweis der bisherigen Eingänge für Zentralfonds und Sclmlwcrk vorbereitet, der jeden Ort und jede Gruppe mit dem gesamten bisher geleisteten Betrage ausweist. Auf Wunsch vieler Gruppen schieben wir die Veröffentlichung dieses Ausweises, der ein genaues Bild über den Anteil jeder Ortsgruppe und jedes Vereins au unserer Aktion bietet, um einige Wochen auf, damit alle Ortsgruppen und Vereine die Möglichkeit haben, die noch ausstehenden Beiträge einzuziehen und uns zur Verwertung in diesem Oesamt• ausweis zu übermitteln. Wir ersuchen daher dringend, die Sammlungen nun- ,»ehr so zu beschleunigen, daß alle Eingänge bis zum 15. April in unserem Besitze sind. Später eingehende Summen können für diesen Gesamtausweis nicht mehr berücksichtigt werden. Zionistisches Zentralburcau. Vom Jüdischen Verlag Im Inseratenteil dieser! Nummer bringt vier Jüdische Verlag ein interessantes Urteil über seine beiden Neuerscheinungen, ״()lind G a 11 j a, das Pe Hach buch“ und Asch, ״Kleine Ges c h i e h t e 11 a 1t s der B i b e 1“, zum Abdruck. Es ist bemerkenswert, daß diese Urteile einem orthodoxeit Organ entstammen, ein Beweis, daß die beiden Bücher in jüdisch-traditionellen Kreisen gut atifgoiiommeu werden. Die Broschüre von Dr. Arthur Ru pp in ״Zionistische K o 1 011 i s a t io n s p o 1 i t i k“, deren Drucklegung sich durch den Setzerstreik verzögert hat, ist min erschienen. Sie enthält das Referat Dr. Ruppins auf dem Wiener Kongreß, das, wie erinnerlich, großes Aufsehen erregt hat. An der hebräischen Wandkarte von Palästina hat der Jüdische Verlag eine interessante Neuerung getroffen. Er hat eine Ausgabe davon hersteilen lassen, die in farbigem Aufdruck den jüdischen Landbesitz in ganz Palästina im richtigen Maßstahe darstellt. Dadurch gewinnt die Karte für die Kreise unserer Gesinnungsgenossen erneut an Wert, ohne daß der Preis sich ändert. Mitteilung des Hauptbureaus des J. N. F. Wir möchten hierdurch unsere Freunde auf eine besonders günstige Gelegenheit aufmerksam machen, echte Kunstwerke, Skulpturen in Marmor, Bronze und Terrakotta, des vor einiger Zeit verstorbeiien Bildhauers, Professor Frdderic Beer in Florenz zu einem billigen Preise zu erwerben. Beer, der in den Reihen unserer Gesinnungsgenossen als Mitkämpfer für unsere nationale Sache unvergessen ist, darf zu den großen Künstlern gerechnet werden, deren Werke den Namen ihres Schöpfers unvergänglieh machen. Wiederholt wurden von Autoritäten außerordentlich günstige Urteile über seine Arbeiten geäußert. Neben dem rein künstlerischen Interesse wird gewiß auch der berechtigte Wunsch, die klassischen Schöpfungen eines Mannes zu besitzen, der zu der ersten Gefolgschaft 3‘heodor Hcrzls gehörte, manchen Kunstliebhaber zum Erwerb eines der Bccrschcn Kunstwerke veranlassen. Man kann aber auch ohne Uebertreibung behaupten, daß ihr Ankauf eine vorzügliche Kapitalanlage darstellt; denn es werden voraussichtlich nur wenige Jahre vergehen, so werden die Arbeiten von der Hand Bcers sehr gesucht und hoch bezahlt sein. Es kommt noch hinzu, daß der Nachlaßvcrwaltcr, unser geschätzter üesimiungsgenösse Herr Tobias Markus in Florenz, die Hälfte des Erlöses der Kunstgegenstände für den Jüdisehen N a t i o n a I f o n d s bestimmt hat. Interessenten wollen sich direkt mit Herrn Tobias Markus (Adresse; Florenz, 3 Piazza Indcpcndenza) in Verbindung Setzen. Sederschüsseln aus Batik-Metall mit und ohne Silbercinlagen empfiehlt der Bezalel den verehrten Gesinnungsgenossen zum bevorstehenden Peßachfest. Adresse für Be- Stellungen und Geldsendungen: Verein Bezalel E. V., Berlin W. 15, Blcibtreustr. 34/35. TURNEN und SPORT Posen. Der Jüdische Turnverein veranstaltete am 21. März sein XI. Stiftungsfest in Form eines ״Frühlingsfestes in Pethach Thikwah.“ — Am Sonntag, dem 5. April 1911, findet ein öffentliches Schauturnen sämtlicher Riegen um *sS Uhr abends in der Turnhalle, Grüner Platz, statt. AUS DEN GEMEINDEN Berlin. Am 1. April feierte die ßuclulruckcrci Siegfried S c 11 o I e m in Berlin-Schöneberg, von der die ״Jüdische Rundschau“ und die ״Welt“ gedruckt werden, das Jubiläum ihres fünfzigjährigen Bestehens, Wir gratulieren auch an dieser Stelle herzlichst. Bunz.lau. Der Verband der Tierscluitzvcrcme des ganzen Deutschen Reiches hat an den Oberpräsideuten zu Breslau eine Eingabe gerichtet und gebeten, darauf hinwirken zu wollen, daß eine vorhörige Betäubung auch bei den Tieren, die dem Schächten unterworfen sind, staftfindet. Der Ober- Präsident hat dann Bericht von den Rcgierungspräsideuten gefordert. Ein allgemeines Schächtverbot sei nicht erreichbar, so wurde in diesen Antworten ausgeführt; durch Einwirkung auf die Schlachthofverwaltuiigcn sollte jetloch auf eine E i n s c h r ä n k u n g des S e h ä t: h t e n s hingewirkt werden. Unter dem. 9. Februar d. Js. ist nun eine Verfügung ergangen, in der zum Ausdruck gelangt, daß das Schächten ein überaus rohes Verfahren darstelle, das nach den Urteilen tierärztlicher Sachverständiger verrohend gerade auf die Anschauungen der jugendlichen Persollen einwirke, die dein Schächten anwolmeii. Die erste Stadt 111111, die dieser Verfügung nachzukommen strebte, war Bunz.lau. In der Stadtverordnctciisitzmig vom 24. März, wurde ein Magistratsantrag ciiigebracht: 1. die Gebühren für das Schächten von Schlachtvieh um das Dreifache zu erliölien; 2. für das Schächten mir den Donnerstag vormittag freizugehen; i. die Zahl der zu schachtenden Tiere in der Weise fcstzusetzen, daß mir gesellächtet werden dürfen: ein Kalb und ein I laminel alle acht Tage, ein Rind alle vierzehn Tage. Gegen diese Vorlage sprach unser Gesinnungsgenosse, R.-A. Dr. Ff ü I s e, der eben in dieser Sitzung als ncugewähltcr Stadtverordneter eingeführt worden war, ferner die Herren Dr. Locwe, Sclicv und Dr. Neisser. Der׳ Erfolg war, daß der Antrag des Magistrates, der einem Schächtverbot gleiehkam, mit 15 ge ,am 12 Stimmen a b g e 1 e h 111 wurde. Burgkundstadt. Am 27. März starb, allgemein betrauert, Herr Distriktsrabbiner Dr. E. Goitein. Als Sohn eines ungarischen Rabbiners, der noch auf seinem Totenbette das innigste Interesse am Gelingen aller zionistischen Angelegenheiten bezeugte, als Bruder eines leider nur allzu früh verstorbenen Rabbiners, der noch vor dein ersten Kongreß in flammenden Worten innerhalb und außerhalb seiner Gemeinde die Fierzen zum Zionismus führte, als Bruder endlich des Führers der zionistischen Bewegung in Frankfurt a. M. seit beinahe zwei Jahrzehnten, hat auch der Verblichene immer und immer seine heiße Liebe zum Zionismus bekundet. Er zeigte an allen patriotischen Festen, wie es sich wohl vercinbaren lasse, vaterländische und nationaljüdische Gefühle und Ideen zugleich zu hegen, und noch mehr betonte er bei jeder Gelegenheit, daß es vor allem Pflicht der Orthodoxie sei, als die ersten in den zionistischen Reihen zu kämpfen. Und so erzog er auch seine Kinder. Noch zwei Stunden vor *einem Tode schrieb er an seinen ältesten Sohn:

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