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Jüdische Rundschau · 1914-03-27 · Heft 13 (27.3.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 13 (27.3.1914)
Date
1914-03-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 134 IUED1SCH E RUNDSCHAU Nr. 13 Sammlungen lohnte reichster Beilall dem Redner, und überall konnte Herr Reich die bestehenden ürganisationen durch Gewinnung einer erheblichen Anzahl neuer Gesinnungsgenossen kräftigen und neue wert• volle Beziehungen anknüpfen. In Nördlingen wurde eine aussichtsreiche Ortsgruppe gegründet. So stellte sich die Vortragstournee des Herrn Reich als eine überaus wirksame Fortsetzung der früher begonnenen zionistischen Arbeit im nordbayerischen Gebiete dar. Her Gruppenverband kann der auf• opfernden und mühevollen Arbeit unseres verehrten Gesinnungsgenossen wärmsten Dank zollen. Mazah und Maror Diese beiden Bild• eben, die der schönen Hagadah von Mantua (gedruckt 1501) cutstam• men, bilden einen Teil der reichen Illustration des Buches ״C h a d Gadja, Das Pc- 11 a c h b u c h“, herausge• geben von Hugo Herrin a n n im Jüdischen Verlag zu Berlin. Das Buch enthält außer einem gro• (len Teil der Pellach-11,1• gadah in neuer Heben• setzung eine Anzahl von Novellen und Erzählun• gen deutscher, jiddischer, vor allem aber hebräischer Autoren und eine Reihe von Schilderungen der Peßachgebräuche bei den Juden der verschiedensten Zeiten und Länder, endlich eine' Darstellung der Bedeutung dieses Festes und der Entwick• lungsgeschiehte des Pc* llachbrauclies aus der Feder von Theodor Zlocisti. Wir weisen gern auf dieses Geschenkbuch für die jüdische Jugend hin, dessen Erscheinen von der jüdischen Öffentlichkeit mit großer Freude begrüßt wird. Bestcllungen sind an den Jiidiselten Verlag, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8, zu richten; Preis: steif kartoniert M. 3.—, Geschcnkausgabc, in elegantern Leinenband, M. 5.—. mm Der Palüctisia-Filsn in Pin Die Zionistische Vereinigung Köln veranstaltetc am Sonntag, dem 1. März, in dem zu diesem Zweck gemieteten Agrippina - Lichtspielhaus eine Matinee, bei der ttaclt einem einleitenden Vortrag des Vorsitzenden Herrn Karl Bacr der Film ,.Das jüdische Leben in Palästina" der Filmgc- Seilschaft Misrach“ in Odessa zur Aufführung gelangte. Die Veranstaltung war durch Einladungen, Plakate und Prcllnotizeu gut vorbereitet und infolgedessen stark besucht, so daß die Zionistische Vereiiiigung Köln mit einem erheblichen Reingewinn abschloß. Ueber die vorzüglich gelungene Veranstaltung geht uns der nachfolgende Bericht unseres Berichterstatters zu: Wer cs noch nicht wußte, der sah es mit eigenen Augen: Palästina ist wieder ein Land, wo M i Ich und Honig fließt. LJebcrzcugcndcr als 100 Protest Versammlungen und 1000 Broschüren ist die Sprache des Films, eines Films, der nicht von berufsmäßigen Akteuren in dumpfigen Stuben gestellt wird, nein, der das Leben in seiner vollen urwüchsigen Kraft zeigt, wie es Sekunde an Sekunde reiht, Tat an Tat, Geschichte bildend. Und Üeschichte ist es doch, unerhörte, kaum glaubliche Geschichte, was da in Erez Israel in den letzten drei Dezennien geworden ist. Der fleißige Sämann, der mit der unermüdlichen Energie des Pioniers aus dem Schutt der Jahrtausende neues ,Leben hervorzaubert, der Mann des Geistes, der in den Seelen taufrischer Kinder Brücken schlägt zwischen Vergangenheit und Zukunft, sie alle, brüderlieh verbunden durch gemeinsame Art und gemeinsames Wollen, schaffen ein Werk, wie es in der Geschichte der Kulturvölker seinesgleichen sucht. Die Realisation von Utopien hätte unser Film heißen sollen, denn er gibt uns die Ucbcrzeugütig, daß Erez Israel heute bereits ״ist“, daß kühnste Träume angefangen haben, Realitäten zu werden. Stätten der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft führt er in raschem Wechsel an unserem Auge vorbei. Wen eben noch die Schauer der Klageinaner umwehten und wem noch die Trompeten des zerstörten Jericho im Ohr erklingen, der sieht schon die blühenden Gefilde Pethach-Thikwah’s und hört die jubelnden Lieder glückseliger Schulkinder auf ihren frohen Festen. 111 bunter Folge: die Grabstätten alter Weisen, des Maimonidcs, des Rabbi Mcir-baal-hanes, die sagenumwobenen Höhlen der Vorzeit — und der ragende Prachtbau des Jaffacr hebräischen Oymnasiums, das seiner Vollendung nahe jüdische Technikum in Haifa. Welcher Kontrast zwischen den finsteren Gassen der Altstadt Jerusalems und den modernen kanalisierten Boulevards von Tel-Avviw! Auf den Ruinen der Vergangenheit allüberall blühendes Leben, Bauern bei der Ernte auf wogenden Getreidefeldern, deren Aehrcnmeugc von sinnreichen Maschinen in rasender Geschwindigkeit geschnitten und gebunden wird. Fröhliche Knaben und Mädchen bei der Weinlese, gleich darauf die imposanten Wcinkellercin Riselion le Zions, Geflügelfarmen, Bicncnzüchtercieii, Orangenbäume mit Früchten von einer hier nie gescheuen Größe, bei deren Anblick man es verstellt, daß der Jahrescxnort Jaffas allein an Apfelsinen heute schon sieben Millionen Francs übersteigt. Was aber neben all dem das Herz am meisten erfreut, das sind die strahlenden Gesichter der Tausende von Schulklndcrn innerhalb und außerhalb der mannigfachen Kindergärten und Schulanstalten, das sind auch die ernsten Gesichter der Jaffacr Abiturienten und die kraftstrotzenden Figuren der Makkabi-Turner, aut deren Musterriegen das wackere Geschlecht der Schomriin emporwächst, der Hüter des Landes. Allzuschnell waren die kurzen Stunden verflossen, aber als sic mit heißer Stirn und glühenden Augen ln das Gcwogc des Alltags hinaustraten, da wußten 600 Menschen, daß sic um ein Erlebnis bereichert waren, wie es selbst bei uns schncllcbigen Modernen unatu» löschbare Eindrücke zu hinterlassen vermag. Rafael ben Mcnachem. ״Chewra, Germania und dergl,“ Die ״Saazer Zeitung" vom 14. März 1914 brachte folgende Notiz: ״Der neugegründete Zionistische Volksverein hielt in der ״Deutschen Turnhalle" seine konstituierende Vollversammlung ab. Die Uebcrlassung des großen Saales hatte nicht die Zustimmung aller Vorstandsmitglieder, und, wie wir hören, macht sich auch sonst aus Turnerkreisen, wie aus den Kreisen vorherrschend jüdischer Korporationen (C h e v r a, Qermania und dergl.) eine lebhafte Oegenagltation bemerkbar , . .״ Austritte aus dem Judentum in den Monaten Dezember 1913, Januar, Februar 1914. Dezember. 27. Frau Jettei Kehdenburg, geb. Besen, Brunnen- Straße 29. Januar. 2. Dentist Harry Zlotnicki, Alexanderstr. 36a, zugleich für seine minderjährigen Kinder Margot und Gertrud Zlotnicki. 7. Fräulein Trude Hirsch, Grunewald, Warmbrunner Straße 4. 12. Handlungsgehilfe Hans Mcmclsdorff, Neukölln, Harzer Str. 118. 13. Kaufmann Kurt Lewy, Großbcerenstr. 71. 28. Fräulein Rosa Schur, Charlottcnburg, Wielandstr3ße 36. 30. Kaufmann Otto Meyer, Wilmersdorf, Babelsberger Straße 18, zugleich für seine minderjährigen Kinder Kätc und Hans Meyer. 30. Frau Friederike Meyer, geb. Munter, ebenda. 31. Kaufmann Julius Dambitsch, Charlottenburg, Kaiser-Fricdrich-Str. 5, Februar. 3. Fräulein Käte Cohn, Neue Winterfeldtstr. 18. 6. Fräulein Lucie Rabe, Schöneberg, Barbarossa- Straße 36. 10. Juwelier Eugen Posner, Charlottcnburg, Kleist* Straße 37. Aufbau der Palästiiiaansiedluiig besitzt. Aber uiivcrstandlichcrwcisc weicht er auch hier der Notwendigkeit aus, den politischen Zionismus zu erwähnen, trotzdem er im ersten Teil dessen wirtschädliches Programm entwickelt hatte und im letzten seine Postulatc, wie das der nationalen Autonomie, erörtert. Nawratzki, der doch sonst alle verfügbaren Daten und alles wissenswerte Material vor uns ausbreitet, der fortwährend von der Arbeit der Zionisten spricht und den Kulturzionismus erwähnt, der Daten über zionistische Institutionen liefert, hält cs für unnötig, den politischen Zionismus in seinem Grund- Charakter, Programm usw. darzustcllcn. Diese ZuruckhalUmg geht zu weit, weil der Stoff, den er behandelt, gebieterisch verlangt, daß die Bewegung we eher die jüdische Kolonisation Palästinas ihr Ent stellen, ihre Bedeutung, ihr stetes Wachsen verdankt eine gebührende Behandlung erfahre. Die knappen zwei Seiten, die Nawratzki der zionistischen Organi sation 1111 dritten Teil seines Buches widmet, sind nacl Inlialt lind Umfang ungenügend. Schließlich ist die zionistische Organisation noch etwas anderes als eine boße Kolonisierurigsgesellschaft. An zahlreichen Stellen werden die Vorschläge und Meinungen Dr. Ruppms erwähnt, nie erfährt der Leser aber, daß dieser Mann das Exekutivorgan der zionistischen Orgamsation ist u. a. m. Der Teil, der über die kulturellen Zustände refcriert, enthält alle nötigen Daten über das Schulwesen. Eine Darstellung und Erörterung der nadagogischen und m bezug auf den Unterricht in den sogenannten jüdischen Fachern vorliegenden ״״irVdi ״לי"! ka1,i\ ma״ ״atürlicl1 von einer Volkswirtschaftlichen Untersuchung nicht verlangen. Der 8""ע‘"“ war bei Abschluß des Buches ״och ״1‘״ i״‘״'S<?C!r<lda'״’ ,f!'״ld als0 d״ril> k״i״en Wider- Zeitü״■״>״?' CI"L‘I״ Ucberblick über die Bibliotheken, ״m|U ״.S|V' lmd d,c hygienischen Bestrebungen tiiVcnr!hB141■* 1׳» eul,u Schlußbetrachtung. Er sagt in rrli ß,‘״,.,A1)־^traC,’> allcr Umstände in Palästina AuLXol 3 M ,Word,c1.1 w• Er zählt kurz die Aufgaben auf, von deren Lösung eine gesunde Weiter- P;|t|^lH״-,Un£״?t> 'al'/’r$nUnd "61י"‘ schließlich, daß in Dpmtw*!lC.^C!4L1Un? [ür Araber und luden sei, Dem Werke sind zahlreiche Tabellen und Berichte augcschlosscn, ferner eine Karte mft den jüdischen Kolonien. Das Buch Nawratzkis darf nicht danach gewertet werden, was es nicht ist und nicht sein kann. Viele Zionisten äußern sich nämlich, daß es ihnen eigentlich nichts gebe, daß cs zu kühl-objektiv und nicht plastisch genug geschrieben sei, daher im großen ganzen kein richtiges Bild des jüdischen Palästina gebe, wie der Zionist es sich gerne vorstellt. Dem Ist zum Beispiel der jüdische Wächter und sein heroisches Lehen ans 1 lerz gewachsen — und in dem ganzen Buch findet sich keine Stelle, wo von den Blutopfern dieser Tapferen geschrieben wird, u. dgl. Gewiß, auch ich selbst hätte auszusetzcii, daß die Dynamik fehlt und Nawratzki nur Statik gibt. Das Ancinandcrrcihcn der ״Organisationen, die in Palästina arbeiten" un< ihrer Budgets gibt kein Bild von der wahren Kräfteverteilung, Die zionistische Bewegung mul was sie für die ״Jüdische Kolonisation Palästiiias" bedeutet, kommt ־zu kurz. Aber Nawratzki wollte das vielleicht. Er wollte eine nüchtern objektive Beschreibung geben, wie einer, der von außen an die Dinge herantritt und mit ihnen nicht innerlich verbunden ist. Aber gerade weil er cs doch ist, ist seine Objektivität eine gesuchte und zu weit gehende. Ein wohlwollender arischer Professor (man denke an Auhagen) hätte viel wärmer geschrieben Doch davon abgesehen, muß inan das Buch da׳ nach beurteilen, was es uns an Wertvollem gibt Und das ist so viel, daß Nawratzkis Werk eine ungemein willkommene Bereicherung bedeutet. Namentlich der ausführliche und griiiiuliehe Teil über die landwirtschaftliche Kolonisation ist eine erstmalige Zusuiiiineulragitng und Durch arheitung des Materials, so daß sich jedermann an Hand dieses Teils ein genaueres Bild über den Stand der Kolonisation, die angcstcUtcn Versuche und die vorliegenden Probleme machen kann. Die Urteile des Autors sind alle wohl begründet und zeugen nicht nur von großem Wissen, sondern auch von einer nicht gewöhnlichen Ruhe und Reife des Geistes. Dieses Buch muß zu einem Lehrbuch für jeden Zionisten werden, ich möchte seine Kenntnis wenigstens bei den Studenten nicht vermissen, für deren Seminare es das langentbehrte Kompendium der Palästinakolonisation bedeuten wird. In der breiteren zionistischen Ocffentlichkeit wird cs dazu beitragen, an Stelle der so häufigen Oberflächlichkeit eine Kenntnis der schwierigen Fragen, die der Zionismus zu lösen hat, zu setzen, was um so wichtiger ist, als doch letzten Endes die zionistischen Vertrauensmänner, Kongrcßdelegicrteil usw., welche oft Palästina nicht aus eigener Anschauung kennen, für wichtige Maßnahmen die entscheidende Stimme haben. Als Vorbereitung zu einer Palästinarcisc und als Begleiter auf einer solchen ist es für den, der sich ein eigenes Urteil über Stand, Entwicklungsmöglichkcitcn usw. der Kolonisation bilden will, viel wichtiger als ein Handbuch. Aber auch denen, die über eine eingehende Kenntnis und eigene Praxis der Kolonisation verfügen, hat cs manches zu sagen. Nach außen wird das Buch dem Ansehen des Zionismus nicht wenig nützen. Sehr viele Wissenscliaftcr, Politiker usw. werden mit Erstaunen gewahr werden, daß auf einem Gebiete, das heute allgemein als ein sehr schwieriges gilt, auf dem der Kolonisation, die Juden in jahrzehntelanger Arbeit, über die fast nichts nach außen drang, ganz Gewaltiges geleistet haben, ohne Staatsorganisation, ohne Heer, Flotte und sonstige Machtmittel, über die andere Nationen verfügen. Die zionistische Organisation sollte aber von nun an lahresberichte über die palästinensische Ent- Wicklung mit den nötigen Ziffern und Daten, anschließend an das Buch Nawratzkis geben, um die Ocffentlichkeit auf dem Laufenden zu halten. Es ist ein dringendes Bedürfnis für jeden Zionisten, einen solchen fortlaufenden Ucberblick zu erhalten. Wie nützlich ferner eine Palästinazeitschrift für die Information ist, zeigt die Tatsache, daß jene, die bis Ende 1912 bestanden hatte, eine Hauptquelle für das Nawratzkischc Buch geworden ist, onne die das Werk manche Lücken hätte aufweisen müssen. Eine Fülle von Belehrung und Anregung geht von dem Werke Nawratzkis aus; es ist ihm eine recht große Verbreitung zu wünschen.! ii

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