Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1914)
- Date
- 1914-03-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 1a JUEDlSCHE RUNDSCHAU Sfilt« 81! fe Bciii MICH riift) Inen h’rtj wo Ir tf c n Igtn!Haft fcfci f c 11 zer-;incr Ittel,;ben •t i- :hen mng Co 11gen. Jdig Utlrken und rtinlger erii i Bge- 1 anüber :ken!gen land; die *labtend. Saufigen amit ausr die Itric ,913, 111111, icir: ■ ׳. mit nbeein ücktba« Icrr- ו¬!׳ 1!־-} II :4 }) cm ein ben, : zur sie und schiar- Ihr in- {en das }rief t l i i Vieh muß sich sein Futter selbst suchen, und nur im Winter erhält es etwas Heu, damit es nicht verhungert." Wir wollen vor allem, dal) rationelle Landwirtschaft getrieben wird, und daß der jüdische Bauer sich nicht den türkischen zum Vorbild nimmt; dann wird seine Oetrdde* ernte, sein rationell gefüttertes Vieh den Einheimischen zur Nacheiferung anspornen. Wieviel ist zu tun, um die Viehziicht in die Höhe zu bringen, wie leicht wäre es auf dem Knlkgcstcin Palästinas die kalkliebcndcn Futterpflanzen Luzerne, Rotklee usw. zu üppigem Wachstum zu bringen! Es ist interessant, die landwirtschaftlich-palästinensischen Kolonisationsbcwegungen im Vergleich zu setzen zur ctiropäisehen. Welche Mittel europäische Regierungen für die Kultivierung gänzlich vernachlässigter, aber erst urbar zu machender Gebiete anwenden, geht 1. B. aus der Zahl der landwirtschädlichen Versuchsstationen hervor, die binnen kurzem von Deutschland unter den schweren und gefährlichen tropischen Verhältnissen neu als erste Kolonisationsschritte errichtet wurden. Es besteht eine (kleine) Versuchsstation in Palästina, dagegen ist vorhanden*): *) Siehe: Der Tropenpflanzer 1913, p. 369, Der landwirtschädliche Dienst und das landwirtschaftliche Versuchswesen in den deutschen Schutzgebieten, Kolonie Deutsch-Ostafrika Kamerun Deutsch-Südwestafrika Togo Deutsch-Neuguinea Samoa Zahl der Versuchsstationen 6 (2) *) 10 (4) 5 4 1 in Vorbereitung Summe 26 (32) ln Deutschland sind vorhanden ca, 70 staatliche landwirtschädliche Untersuchungsstationen. In Oesterreich sind vorhanden 18. Noch ein Beispiel sei angeführt, daß Möglichkeiten und Ansätze für einen intensiveren Landwirtschaftsbetrieb, den wir erstreben, in Palästina zu erkennen sind und auch Mittel in Erkennung der Notwendigkeit flüssig gemacht werden. Wie vor kurzem in einer Nummer der ״Welt" zu lesen war, hat ein Herr B. K. 30 000 Frcs. zur Organisation einer rationellcn Milchwirtschaft (vcrgl. Leitsätze § 8) und einer mustergültigen Geflügelzucht in Palästina gestiftet. Anfänge einer rationellen Landwirtschaft sind da; also an die Arbeit und der Erfolg*wird nicht au•- bleiben. *) Bedeutet in Begründung. n Das Ergebnis des Jüdischen Nationalfonds im Jahre 1913*) f 11. Sammelmlttel und Sammelzwecke des Jüdischen Nationalfonds Nach Sammelzwecken gruppiert, ergibt der Eingang für den Nationalfonds im Jahre 1913 für Landerwerb 482 000 Mark, für Arbeiterheimstätten 234 000 M. und für die Baumspende 93000 M. Sammelmittel Gesamtertrag 1913 M Gesamtertrag 1912 M Oesamtertrag -1911 M Allgemeine Spenden. 160 810 102 0(10 105 042 Selbstbesteuerung. 79<׳ 10 10 447 0 820 Sammelbogen. 0 «77 13 273 13 051 Sammelbüchsen ...... 133 418 104 645 87 415 Goldenes Buch. 100 018 83 700 84 570 N.-F-Marken.. 35029 30 954 28 105 Telegrammformulare ..... 6180 5 876 6377 Batimspende. 96 131 03 1HÖ 80 919 Landspenden . 27 67 t 38 805 20 650 Arbederhemistätten . . 226 210 36 471 David u. Fanny Wolffsohn-Stiftg. 0 010 10 040 2 090 Von einer Besprechung der einzelnen Sanimelmittel wollen wir diesmal absenen, da wir es in diesem Augenblick für wichtiger halten, die Spenden z w e c k e des Nationalfonds einmal ausführlich in den Vordergrund unserer Befrachtungen zu rücken, ln der Kundgebung oes rtauntbureaus an die Vertrauensmänner und Freunde des Nationalfonds in Nr. 7 der ״Welt" haben wir •darauf hingewiesen, daß die Arbeit des Nationalfonds in Palästina wer Gebiete umfaßt: 1. Erwerb von Grund und Boden, 2. Be- Pflanzung der Nationalfondsländereien aus den Mitteln der öaumspende, 3. Schaffung von Arbeiterheimstätten und 4. genossenfehaff ^״rc*erun£ von Siedlung»■ und Okkupationsl i ersc^C|nl es uns von besonderer Aktualität, das Sn״rWa kte Pcbict einer eingehenderen Besprechung zu unter- 1?,oh >. oder richtiger, weil dieser Spendenzweig ’ ,1 le,tzte« Jahren in unseren Rubriken nicht mehr figuriert nar. ts ist dies: ל Siehe Rundschau Nr. 10 und 11. Der Oenossenschaftsfonds. Im Jahrbuch der deutschen Bodenreform berichtet Adolf Damaschke, daß die deutsche Ansiccllungs-Komtnission es so weit gebracht hat, daß ungefähr in jeder Woche ein neues deutsches Dorf in den Ostinarkcn entsteht. Dieses Resultat konnte die deutsche Ansictllungs-Kommission erreichen, weil sie über Hunderte von Millionen verfügt, die der Staat vom reichen deutschen Volke im Wege der Zwangssteuer erhebt, und weil sie überdies über ein Kolonisationsinatcrial verfügt, das sich aus Landarbeitern und Bauern znsainmensetzt, uic durch Generationen in der Landwirtschaft tätig sind. Wenn wir mit Hilfe des jüdischen Volksschatzes es gleichfalls dahin bringen, daß im Laufe eines Jahres in Palästina 30 neue Dörfer ins Leben gerufen werden, dann würden wir kaum die landwirtschaftliche Grundlage für den Bevölkerungs- Zuwachs der osteuropäischen Judcnheit geschaffen haben, Vcrgegenwärtigt man sich diese Tatsache, daun begreift man, vor welche gewaltige Aufgabe der jüdische Nationalfonds gestellt ist, und daß er dieser Aufgabe nur dann gewachsen sein wird, wenn die bisherigen ״Spenden" für den Jüdischen Nationalfonds den Charakter einer freiwilligen, aber umfassenden Volksbcstcuerung in weitestem Sinne dieses Wortes erhalten werden. Man könnte einwenden, daß Land-Erwerbung und -Besicdelung ja nicht allein Aufgabe des Nationalfonds seien, daß vielmehr der nrivatwirtschaftlichen Initiative der weiteste Spielraum bleibt. Man hört sogar mitunter die Meinung, daß der Privatinitiative die Hauptrolle auf dem Gebiete des Bodenkaufes zufalle. Wir verkennen nicht die Bedeutung des privatwirtschaftlichen Erwerbsdranges, der große Kapitalien in kurzer Zeit ins Land bringen kann. Der Nationalfonds hat selbst viel dazu beigetragen, die Privatinitiative in Stadt und Land zu wecken und zu fördern: Häuser-Baukredite für Tcl-Awiw usw., langfristige Darlehen an die Palestine Land Development Company und an private Pflanzer in den Kolonien ergeben die stattliche Summe von nahezu einer Million Francs, also etwa ein Viertel seiner im Lande!investierten Mittel. Was aber bei Beurteilung der Privatinitiative «vielfach übersehen wird, ist die Tatsache, daß das Privatinteresse nicht immer mit dem volkswirtschaftlichen und nationalen Interessen identisch ist. Die Privatinitiative und die Philanthropie haben wohl den jüdischen Besitz in Palästina vermehrt, bisher es aber nicht vermocht, eine Basis für Heranbildung und Heranziehung der besitzlosen Juden zu schaffen, die ln erster Linie für eine Masscnsiedlung in Betracht kommen.