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Jüdische Rundschau · 1914-03-20 · Heft 12 (20.3.1914) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 12 (20.3.1914)
Date
1914-03-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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4 1 I ißnit Jhi Hnito. ß‘2 JUEDISCHE RUNDSCHAU Kr. 12 Dieser Begleiterscheinung des Besitzes ist nicht durch Appelle;111 die ethischen und nationalen Pflichten der Privat• Unternehmer abzuhdteu, sondern durch positives Eingreifen eines Kolonisationsfaktors, der von wirtschaftlichen und na• tionalen Gesichtspunkten geleitet ist. Bei Völkern, die in normalen Verhältnissen leben, obliegt diese Aufgabe dem Staate; heim jüdischen Volke kann sie m'f von dem National• fouds und dm ihm ungegliederten Ponds erfüllt werden. Von dieser Erkenntnis geleitet, hat die höchste zionistische Körper• schaft, der Kongreß, in Hamburg besdilpsseii, die genossen• schaftliehe Kolonisation in seinen TiittD^C'itshercictt mifzu• nehmen, um hierdurch eine Lösung des schwierigsten Problems׳ an/uhahneii. Es würde z.tt weit führen, hier alle Grtiudc aufzu• zählen, die die genossenschaftliche Kolonisationsmctliode allen anderen Versuchen, Besitzlose anzusiedlen, überlegen ersclici• neu liillt. Die Genossenschaft erzieht den städtischen jü* dischen Arbeiter zur Landwirtschaft und, indem sie den ganzen Betrieb auf der Eigenarbeit der Genossen aufhaut, schafft sie den Gegensatz, zwischen jüdischem ■Besitz und nicht jüdischer Arbeit aus der Welt. Die Genossenschaft vereinigt die t e c 11 niseh en Vorteile des Großbetriebes mit der Intens i t ä t der kleinbäuerlichen Bewirtschaftung und des Eigeniuteresscs. Die Genossenschaft, auf der Grundlage der Erbpacht beruhend, sichert dem Arbeiter den vollen Fruchtgenuß seiner Arbeit, ohne Hin, wie die philanthropische Methode, durch den Besitz zum Nutzuielkr fremder Arbeit werden nt lassen. Schließlich wird durch den genossenschaftlichen Zu• sammensrhlult und die durch alle erwähnten Fnktoren he• wirkte höhere E r t r a g s f ii 11 i g k eit der Wirtschaften die Rentabilität der palästinensischen 1 a 11 d w׳ i r t s dt a f 11 i c 11 e 11 Betriebe mit jüdischer Arbeit dargetan, und somit eine Kreditbasis für die M a s s e n s i e d I u 11 g g e Diesen Zielen streben die nach den Vorschlägen des Vorkiimpfers der genossenschaftlichen Siedlungen, Dr. Franz Oppenheimer, begründete genossenschaftliche Kolonie in M erch awj ab, sowie die auf anderem Wege entstandene Genossenschaft D a g a n i a zu. Wie rasch sie sich diesen Zielen nähern werden, hängt von Faktoren ab, die der palästiiiensiscbcii Landwirtschaft, sowie der Betriebsart der Genosscnsrhaftcii eigentümlich sind, Es ׳Wird vielfach überselten, daß nicht nur unser Meuseheiimälerial einer mehrjährigen Vorbereitung und Ausbildung bedarf, ehe aus Städtern erfahrene Bauern werden können, sondern daß auch der paliistincnsischv Boden eine mehrjährige Vorbereitungsperiode unbedingt niitig hat, um für europäische ,Siedler hewirtschaf•!uiigs- und ertragsfähig zu werden. Eine Erde, die (durch Jahrtausende nach jirimitiver arabischer Art gepflügt wurde' mul jeder Düngung und Kraftz.ufuhr ermangelte. Kann Arbeiter mit europäischen Bedürfnissen erst dann ernähren und eiiro- |»ähebe Lrtnige liefern, nachdem diese Erde durch längere Zeit eine europäische Pflege erfahren hat, Auch unsere Genossenschäften müssen durch dieses Okkupatioiisstadium hindurch gellen, das Investitionen erfordert, deren Rentabilität erst nach Jahren in die Erscheinung treten kamt. Dazu kommt, daß die Genossenschaften in den ersten Jahren auf reinem Ackerbau basieren und zu intensiveren Anbau- und Pflanztuigsarten mir allmählich übergehen können, Während sonst bei derartigen Untcriiehiuungeit der Boden in einem ,,bevvirtschaftungsfähigen Zustande“, zur Verfügung gestellt wird, war die Genossenschaft genötigt, einen noch nicht okkupierten und vorbereiteten Boden in dem freilich fruchtbaren Eniek Isrcel zu übernehmen urtd auf eigene Gcfahr und Kosten in anbaufähigen Zustand zu bringen. Dies erklärt zur Genüge, daß die Genossenschaft größere Kapitalien erfordert, als ursprünglich angenommen worden war — eine Erscheinung, die überall in Palästina zu bemerken ist,' wo Neuland, sei cs durch private Gesellschaften, sei es (durch nationale Institutionen in Besitz, genommen wird. Bekanntlich hat die erste ־ Ägitationskampagnc für den Genosseiischaitsionds die Summe von nahezu 150 000 Francs ergeben, Die bisherigen Erfahrungen haben jedoch gezeigt, daß dieser Betrag infolge der unvorhergesehenen Okkupation^• kosten nicht ausrciclit, um eine Wirtschaft von dem Umfange und der modernen Betricbsanlagc wie Mcrchawjah bis zur Frtragsfähigkeit aunzugestalten. Der Nalii nalfoniis war ferner genötigt, die ursprünglich von der Paleslme Land Development Company auf Dagania gegründete Genossenschaft provisorisch zu übernehmen, um sie der Sicdlimgsgcscllschaft, sobald diese über die nötigen Mittel verfügt, zu übergehen. Aus diesen Gründen haben die Nationalfoiidsvcrwultuiig und die Siedlungsgesellsehaft Ercz-lsrael beschlossen, die Propagnnda für die Vermehrung des Ocnosscnschaftskajiitals wie• der utifzunehmen. Zu diesem Zwecke wird eine Werbeaktion zunächst in den Ländern ciiigclcitct, die von der scinerzcitigcn Agitation fast unberührt blieben. Es sind dies gerade Zentren, wo zwei Drittel unseres Volkes siedeln: Amerika und Ruß• land, und wo wir volles Verständnis für die Tragweite des Ociiosseiischaftsgedankens zu finden hoffen. Für die Aktion in Amerika hat sich in entgegenkommender Weise der Initiator der genossenschaftlichen Kolonisation, Herr Dr. Franz 0 ppen* h e i 111 c r zur Verfügung gestellt, der am 26. Februar die Reise nach New York aiigetreten hat. Dr. Oppenheimer wird in den Vereinigten Staaten und wahrscheinlich auch in Canada bis Ende April bleiben. Die Kunde von der Hinkunft Oppenheimers hat bereits namhafte Fakultäten und wissenschaftliche Körper• schalten veranlaßt, den bekannten Gelehrten aufzufordern, an diesen Instituten Vorträge über seine national-ökonomische״ und soziologischen Anschauungen zu halten. Die amerikanische Presse hat auch schon dem berühmten Gast Hegrüßiingsartikel gewidmet, die einen herzlichen limjrfang erwarten lassen. Es ist dies natürlich in einem Laude, wo ein Henry George gewirkt, und wo trotz unerhörter Reichtümer die Bodensperre alle verderblichen Auswüchse des Monopols gezeitigt hat. Wir selbst fühlen uns Herrn l)r. Oppenheimer zu ganz besonderem Danke dafür verpflichtet, daß er seine karg beutessene Zeit der Aktion für de» Genossenschaftsfonds widmet, seinen wissenschaftlichen Ruf und seine glänzende Dialektik in den Dienst unserer Sache stellt. Es sei an dieser Stelle hervorgehoben, daß Herr Dr. Oppenheimer seinen bevorsti Ihuden 5(1. Geburtstag fern van seinen Nächsten in Amerika feiern wird. Wir beglückwünschen ihn schon jetzt zu diesem Tage, der für alle Verehrer seiner Persönlichkeit einen freu• digen Gedenktag bilden wird, und hoffen, daß es ihm vergönnt sein wird, die Früchte seiner mühevollen Lebensarbeit in Erez.-lsrael geerntet zu sehen. Soeben ist seine ausgezeichnete Schrift ״Mcrbaviah“ in englischer und jiddischer Sprache in New York erschienen. Diese Schrift vereinigt die klare Darstellung der Wissenschaft• liehen Voraussetzungen der* genossenschaftlichen Siedlungs• methode mit einer hinreißenden Schilderung der Natur und des neuen Lebens in Palästina. Während die englische Ausgäbe die Erneuerung der Propaganda in den Ländern englischer Zunge einleiten soll, *st die jiddische Ausgabe auch für Rußlaiul bestimmt, wo die nötigen organisatorischen Maßnahmen für die Genosseiiscliaftspropagaiida in Vorbereitung siiu^ Wir hoffen zuversichtlich, daß in RuBlaiid und Amerika, den Haupt• iiiiidcrn der jüdischen Massensiedlung, die Erfolge der Agitation für den Ocnosscnschaftsfmuls cs uns ermöglichen werden, die beiden auf verschiedener Basis aufgebauten, jedoch dem gleichen Ziele zustrebenden Genossenschaften in Merchawja und Dagania auszugcstalten und zu sichern. Doch handelt es sich bei der Wiederaufnahme der Projra• ganda für den Genossenschaftsfonds nicht mehr um eine ein• malige Aktion, sondern um eine dauernde Werbetätigkeit für einen der wichtigsten Zweige des Nationalfonds in allcii Ländem. Dazu verpflichtet uns der Beschluß der Palästina-Komntission des letzten Kongresses in Wien. Nach diesem Be• Schluß soll der Genossenschaftsfonds nunmehr seine Tätigkeit auf die Förderung von Arbeitsgenossenschaften anderer Art, insbesondere der Okkupationsgenossenschaften ausdehnen. (Fortsetzung folgt.) VornntworU. Ho<Ukt-: Bngo Banuw, WUm®r»dorf< ▼•*!»«• JttdtMh»Ru»d*«bMO.».b.H..B*rJI*W.I«k Druck! 8i«c<ri*d ScidUm, BMUa-8«MatbM«

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