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Jüdische Rundschau · 1914-03-20 · Heft 12 (20.3.1914) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 12 (20.3.1914)
Date
1914-03-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Saite 80 JUEDISCHE RUNDSCHAU Im § 2 wurde die Errichtung einer landwirtschaftlichen Kulturabtcilung durch den Nationalfoiuls gefordert. Ich selbst hielt ursprünglich die Organisation für die Aufgabe der Faliistina Land Development Company, doch teilte ich auf Ver• anlassung der Redaktion dem Nationalfonds, die diesen als Instanz für geeigneter hielt, zu. Diese meine Ansicht deckt sich mit der von Dr. Nawratzki, der in seinem grundlegenden Buch. ״Die jüdische Kolonisation in Palästina“, München, 1913, p. 323 ff., die Leitsätze ganz zum Abdruck bringt. Der Kulturabteilung war als Aufgabe 5 zugewiesen die Anstellung von Düngungsversuchen: a) mit Stickstoffdünger; b) mit Kalisalzen; c) mit Phosphorsäure; d) mit physikalisch-chemisch wirkenden Düngern. Wie sehr der Boden Palästinas der Düngung bedarf, geht aus Mitteilungen hervor, die vor kurzem Keller von der Ackerbatischule Wilhclrna bei Jaffa in dem angesehenen Fachblatt ״Mitteilungen der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft“ Stück 27, 5. Juli 1913 mitteilt. Keller machte Düngungsversuche mit Gerste und fand, daQ die Rentabilität durch Düngung bedeutend erhöht wurde. Rentabilität mit Dünger gaben nach Keller ißnit Ih- Nr. 12 zu Ende durchdachten Erfinderidee, die an dem kleinen! ״Haken" in der Ausführung versagt." Ich hatte auch die Errichtung einer agrikulturchemischen Kontrollstation (die die Handclsproduktc auf Gehalt prüft) vorgcsclilagen, Ihre Notwendigkeit wird beleuchtet durch einen sehr lesenswerten Artikel in der deutschen landwirtschädlichen Presse, ״Landwirtschaftliches aus Klcinasien״,•) wo es heißt: ״Endlich trägt die Verfälschung landwirtschaftlichcr Chemikalien zu den Mißerfolgen der türkischen Landwirtschaft bei. Von einigen Weltmarken abgesehen, werden alle in der Landwirtschaft verwandten Chemikalien, Pottasche, Kupfervitriol, Schwefel usvv. seit Jahren verfälscht auf den hiesigen Markt gebracht, und der unglückliche Weinbauer /erbricht sich verzweifelt den Kopf über das Verkommen seiner Weinstöcke, trotz Anwendung der gegebenen chemischen Mittel, wie Kupfervitriol. Was er als solches gekauft hat, war ebtii ein ganz anderes wirkungsloses, minderwerti• ges Zei׳;. Nicht anders wird es mit dem chemischen Dünger gehen, wenn dieser erst allgemeinere Verbreitung findet. Gegen diesen Betrug ist eine strenge amtliche Kontrolle aller landwirtschaftlichen Chemikalien vorzuschlagen. Was in Europa in dieser Hinsicht für notwendig erachtet wird, ist für die Türkei einfach unerläßlich." Düngungsversuche in Palästina, ausgeführt an der Ackerbauschule Willtelma bei Jaffa. Düngung pro ha Ertrag pro ha Gegen un• No. Frucht hg Suprt; d r. gedüngt mehr ni/tk 1 1 pliOft• phat Knll Körtior Stroh Francsproha 1 Gerste 80 i 80 80 8,5 12,5 34,10 2 »1 1(10 80 80 10,- 23,5 145,20!1 וי 240! 80 80 17,- 25,5 101,- 4 יי 80 100 80 14,- 1«,- 110,70 6 ן* 80 , 10־2 80 14,5 17,- 114,80 (i " HO 80 100 11t,- 10,5 101,90 7 זו 80 80 240 13,— 15,5 91,70 8 וי 80 80 320 H,~ 15,- 04,- 9 וו 80 80 100 14,5 10,5 105,— 10 100 80 100 1(1,6 22,5 152,- 11 100 10(1 80 22,5 28,5 263,- 12 וו ungeddngt 4 6 — Diingung«vcrmcltc unter Weglassung tintl NlhrtloUn, 13 וי —• 100 100 0,5 8,- 1 3,00 14 זי 100 — 100 10,- 21.- 15 וי 100 100 — -ל 12,- 14,20 Also betrug die RcntabiiHätsstcigerung im Höchstfall Frcs. 263,— Wurde nur mit Phosphorsäure und Kali, nicht mit Stickstoff gedüngt, nur 3,60 ״ Wurde nur mit Stickstoff und Kali, nicht mit Phosphorsäure gedüngt, nur.. 21,— Wurde nur mit Stickstoff und Phosphorsäure, nicht mit Kali gedüngt, nur.. 14,20 Man sicht daraus mit überraschender Deutlichkeit, wie außerordentlich fördernd die Düngung gewirkt hat, und wie notwendig die Anstellung von ansgedehnten praktischen Versuchen über Rentabilität und Wirksamkeit von künstlichem Dünger im Orientboden ist. Allerdings muß von vornherein bemerkt werden, daß wir nur ein Jahr durchgeführte Düngungsversuche als wertlos betrachten, und daß erst derselbe Versuch mehrere Jahre in gleicher Weise ausgeführt werden muß, um einwandfreie Resultate zu erreichen. Die Anstellung eines exakten und einwandfreien Düngungsversuchs setzt große Umsicht und scharfe Beobachtungsgabe voraus, sonst werden Scheinresultatc erreicht, die nur unnützes Geld kosten. Es ist dann mit den Resultaten, wie mit der Verwertung einer nicht bis Daß eine Düngung außerordentlich segensreich wirken kann, zeigen die oben erwähnten Versuche von Keller und auch die auf Veranlassung von Auhagen angestellten Gründungsversuche. Aber eine Anwendung von künstlichem Dünger ohne Kontrolle der Materialien ist sinnlos. Denn dann er• halten die Abnehmer an Stelle von hochprozentigen Düngesalzen wertloses Zeug, dem niemand ohne Untersuchung ansehen kann, ob cs gefälscht ist oder nicht. Der Bricfschrciber aus Smyrna klagt dann weiter über die Insektenplage. ״Seit 20 Jahren verwüsten Heuschrecke״ unsere Wilajcts, ohne daß wirksame Maßregeln gegen sie ergriffen wären." Auch bei uns in Deutschland ist der Schutz gegen die Inscktcnwclt (man denke an die gewaltigen Schäden in der Landwirtschaft durch die Blattlause in dem Trockcnjahr 1911) noch völlig ungenügend. Professor Escherich in Tharandt hat vor kurzem daraufhin auf einer Studienreise die amerikanischen Einrichtungen untersucht; dort ist eine große Zahl Stantsentomologcn damit beschäftigt, Mittel gegen die Schäden der Inscktcnwclt ausfindig zu machen. Also auch auf diesem Gebiet wartet die Arbeit. In einem Artikel ״Ist die Schaffung einer Zuckerindustrie in der Türkei möglich?" (Deutsche Zuckerindustrie 191J, Nr. 31) kommt Gustav Herlt, Konstantinopel, zum Schluß, daß ein Zuckerrübenbau in Palästina vorläufig nicht lebensfähig sei, obwohl die Türkei ein reiner Ackerbaustaat sei mit fruchtbarem Boden, günstigem Klima und noch viel unbebautcin Land. Warum? Man höre die Gründe, die ein mit den türkischen Verhältnissen Vertrauter anführt. ״Die Rückständigkeit der Landbevölkerung macht den Zuckerrübenbau unmöglich. Die türkischen Bauern sind sehr bequeme Herrschäften und überlassen die meiste Arbeit in ihrem Betriebe dem lieben Gott. Wenn sie den Acker ein bißchen ausgekratzt und den Samen hincingestreut haben, kümmern sie sich weiter nicht mehr darum, bis es Zeit zur Ernte wird. Da sie sich nicht gern bücken, schneiden sie von den Halmen eigentlich nur die Aehren ab und lassen das Stroh stehen. Gedroschen wird mit dem Drcschschlitten, worauf der Büffelreiter sitzt. Obwohl die Kartoffeln in Klcinasien gut gedeihen, macht ihr Anbau doch keine Fortschritte, wahrscheinlieh ist den Bauern das Stecken und Hacken zu umständlich. Futterrüben sind ganz unbekannt, das •) Deutsche landwirtschaftliche Presse 40, p. 726, Brief aus Smyrns. '?! *

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