Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1914-03-20 · Heft 12 (20.3.1914) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 12 (20.3.1914)
Date
1914-03-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2651869-2651882--09524-2666857
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

fl mit ehiih- BEIBLATT Nr. 12 20. März 1914 fl H /״™l r> רן n r\ h r-x /ך ־;! \f.z3 | Vא I! M■. •! :.1 A\ i j \ L-» m\ \ |;U j: j : ' ־־׳׳ ׳ ׳ ׳•■ Lj LI Lj Lj lj v r) r* ••)ן t_, V V., AH י .. . 1 Li o ם ם c ם ם □ ם ם ם INHALT □ □QDDaaDQO Förderung der Landwirtschaft in Palästina. Von Dr. Menko Plaut, — tionalfonds im Jahre 1913. II. Das Ergebnis des Jüdischen Na- U*g Förderung der Landwirtschaft in Palästina Nachwort zu meinen 12 Leitsätzen Von Dr. Menko Plaut (Abteilungsvorsteher a. d. Kgl. landw. Versuchsstation) Ich habe in meinen 12 Leitsätzen (s. ״Welt" 1913, Nr. 26) die Ziele gekennzeichnet, die eine umfassende landwirtschaftliehe Kolonisation im Auge haben muß, wenn in möglichst kurzer Zeit durch Hebung des Bodenwertes und der Größe des Ertrages pro Flächeneinheit das Land sich Kapital und die Notwendigkeit einer Industrie schaffen soll. Die Förderu 11 g der Landwirtschaft ist die erste Aufgäbe einer grundlegenden Kolonisation. Die Einführung einer intensiveren Bewirtschaftung ist die Vorbedingung für ihr Wurzelschlagen. Sagt doch schon Friedrich der Große in einem am 5. Dezember 1775 an Voltaire gerichteten Brief. ״Indes ist die Landwirtschaft die erste Kunst von allen, und ohne sie gäbe es keine Kaufleute, keine Höflinge, keine Könige, Dichter und Philosophen. Wer seine Ländereien verbessert, der macht Eroberungen von der Barbarei.“ Daß die in der Arbeit geforderten Maßnahmen nicht über Nacht kommen würden, daß sie Jahre oder Jahrzehnte zur Verwirklichung brauchen, ist klar. Die vielen Zuschriften, die ich zu den Vorschlägen erhalten habe, erkennen die Notwendigkeit derselben an, doch klingt üi verschiedenen derselben der Zweifel an der Möglichkeit der Durchführung, Eine derselben lautet: ״Es ist über allen Zweifel erhaben, daß die Organisator!• sehen Maßnahmen, die Sic Vorschlägen, eine conditio sine qua 11011 für eine Bewirtschaftung Palästinas sein müssen, wenn sie in der internationalen Weltwirtschaft und auch im Lande selbst zu etwas kommen will. Aber ich meine, heute fehlt für eine solche Organisation poch das Objekt. Es mögen noch so schöne Ansätze in dem alten Lande vorhanden sein, zu einer solchen großzügigen und weitschauenden Konsolidicrung gehört doch quantitativ eine ganz andere Materie, wie sie jetzt vorhanden ist. Es steckt in Ihren Leitsätzen zu viel Zukunft.“ Da meine Vorschläge nach genauen und der landwirtschaftlichen Praxis entnommenen Erwägungen entstanden sind und alles andere als Zukunftsmusik bedeuten sollen, so möchte ich doch im folgenden die Möglichkeit der Durchführung noch etwas beleuchten. Dem deutschen Juden sind die Grundzüge landwirtschaftlicher Organisation trotz vielfachem Handel mit landwirtschaftlichen Produkten fremd. Gehören doch die Führer und geistigen Leiter von Landwirtschaftskammern, Genossenschäften und landwirtschaftlichen Vereinen, sowohl politisch wie gesellschaftlich, zu Kreisen, die ihm im allgemeinen ver- II schlossen bleiben. Dank der Tatkraft eines Max Eith, des Begründers der deutschen Landwirtsclmftsgcscllscliaft, ist der Gedanke der Notwendigkeit landwirtschaftlicher Organisation dem kleinsten Bauer, als Mitglied seines landwirtschaftlichen Vereins, in Fleisch und Blut übergegangen. Die Macht und der Segen der landwirtschaftlichen Vereine, der Landwirtschaftskainmcru und der Versuchsstationen haben in den letzten 30—40 Jahren eine Erhöhung der Ernteerträge um das Vielfache herbeigeführt. Wie stark die Zunahme der Ernteerträge durch Düngung und Züchtung in Deutschland ist, geht aus einer Zusammenstellung hervor, die ich einem Vortrag des Vorsitzenden der Gesellschaft zur Förderung deutscher Pflanzenzucht des Herrn Kühle, Gunslcben, entnehme•): Es wurden in Deutschland geerntet im Durchschnitt der Jahre: Weizen pro Hektar 1885-1890 .... 15,1 dz ״ 20 .... 1905-1910 Es betrug die M c h r c r 111 e in dieser Zeit pro Hektar in Doppelzentnern für: Weizen . , . . 4,9 dz Roggen . . ״ 4,9 . . Gerste . , ״ 4,5 . . Hafer. . , 1 5 <« * 1 י Kartoffeln ״ 37,2 ■ Es ist das ein alljährlicher Zuwachs am deutschen Nationalvermögen von ca. 1450 Millionen Mark‘*). So hat intensiver Landwirtschaftsbetrieb gewirkt. Wann werden die Länder des Orient so erschlossen sein? Mau sicht wohl im 'Laienpublikum den’*VrfT>ig*"des Bauern, weiß aber nicht, daß vielleicht kein Stand so mit der Wissenschaft zusammenarbeitet, wie der viel angefeindete Bauernstand. Seine' sämtlichen •Produkte (Dünger, Saatgut usw.) unterliegen im Kauf und Verkauf dem Urteil des Sachverständigen der Versuchsstationen, und erst nach dem begutachtenden Urteil werden die Preise der Ware festgesetzt. Heinrich Loewe sagt in seinem Aufsatz ״Hochschulsorgen“: ״Ist doch jedes großzügige Werk bis zu seiner Vollendung ein Stück Utopie,“ Daß die Forderungen der Leitsätze keine Utopie sind, soll an einigen Beispielen gezeigt werden. *) S. Bericht über die 28. Wandcrversanrmlung der deutsehen Landwirtschaftsgescllschaft. Jahrbuch der deutschen Landwirtschaftsgescllschaft. Bd. 28, p. 488. ••) Abzuziehen wären ev, die Düngungskosten, doch waren die Düngerstätten (Kalilager usw.) früher unbenutzt, also wertlos. » ■ , t

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.