Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1914)
- Date
- 1914-03-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite!24 J U E Dl SC 11 E RUNDSCHAU Nr. 12 t mag auf dem Wege zur Nation sein; ein Volk ist sie nicht. Die deutsche Nation ist auf dem Wfgc zu einem Volke usf.“ Amu, 2. ״Der Kosuiopolitismus ist schon in seinem neueren Ursprung nicht direkter Gegensatz zum Nationalismus; in Deutschland geht er diesem vorauf (!?)" ״Der Kosuiopolitismus ist die Horizont- Erweiterung der Historie zur Universalgeschichte. Pur den Nationalismus schwärmte man damals (im 18. Jahrhundert) noch nicht." ״Dem Prinzip des Christentums widerspricht der Rasscnhcgrift des Staatstunis." Aum. 3. ״Dieses weltbürgerliche Gemüt des Nationai-Oeistes, das dem deutschen Genius ein• geboren, diesen letzten Zeitläuften aber wie abbanden gekommen schien, cs muH wieder erweckt werden." Cohen nennt wiederholt Deutschland das Vaterland des Weltbürgertums und wünscht, daß das echte, weltgeschichtliche Niveau wiedergewonnen würde. Vergleiche Hermann Cohen, Ethik des reinen Willens, 11. Auflage, Seite 495 und folgende: ״Darauf beruht der Fortbestand des Judentums, daß es den Staatenbund der Menschheit vorbereitet in der mcssianischen Idee der vereinigten Menschheit." ״Es ist nicht die Anhänglichkeit an einen Stamm . . . welche das geschichtliche Rätsel von dem Fortbestände des Judentums zu erklären vermöchte usf." Amn. 4, Vergleiche Hermann Cohen, Ethik des reinen Willens. Vorrede zur II. Auflage. ״Man hat in Deutschland nicht immer das als deutsche Art gedacht und zu entfalten gestrebt, was jetzt, auch nn Gehalt einseitig und eng, dafür nusgegeben wird. Die junge Welt und das Ausland sollen aber nicht denken, daß der heutige Ton der echte deutsche Grimdton , wäre. Indem ich ((]oben) zu dieser modernen Art des Deutschtums in prinzipiellen Gegensatz mich stellen muß, werde ich von dem Bewußtsein getragen, daß ich, einer vorübcrrauschenden Abart entgegen, auf die ursprüngliche Kraft deutschen üeisteswesens zurücklenke; auf das klassische Zeitalter deutscher Humanität in Philosopliie und Kunst und nicht minder im Staatsleben." ״So möge dieses Buch denn (Cohens Ethik) von neuem getrost in die Welt gehen; und auch im Auslande von deutschem Geiste Zeugnis ablegen." Eine Berichtigung Wir erhalten folgendes Schreiben; Duisburg, den 4. März l<)l4. An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau", Berlin W. 15, Auf Grund des Prellgesetz.es bitten wir um Aufnähme folgender Berichtigung. In Nr. (> Ihrer Zeitung befindet sich in dem uns jetzt erst bekannt gewordenen Artikel ״Liberale Selbst- Verteidigung“ unter anderen unzutreffenden Dar- Stellungen folgender Passus: ״Zur Zeit der Wahl machte ein Vorstandsmitglied ganz, offiziell unter Bezugnahme auf Besprechungen mit dem Führer der Liberalen dem Führer der Aus- Finder fast täglich das Angebot und bearbeitete denselben mit Macht dahin, die Ausländer sollten für die Liberalen stimmen. Unter dieser Bedingung würde den Ausländern ein beträchtlicher Geldz.uschnß für ihr Betluknl bewilligt werden." Wir erklären hiermit, daß diese Behauptung vollständig unwahr ist. Die beiden Unterzeichneten, damals schon amtierenden Vorstandsmitglieder haben eine solche Aeullerung niemals getan und sie kann schon darum nicht die offizielle Meinung des Vorstandes gewesen sein. Wir müssen aber auch ganz, entschiede» in Abrede stellen, daß eines der beiden inzwischen verstorbenen Vorstandsmitglieder auch nur privatim eine solche Aeullerung getan haben soll, da sie nicht nur mit ihrer sonst geäußerten Meinung, sondern auch mit den Tatsachen durchaus im Widerspruch wäre. Hochachtungsvoll S. Epstein. J. Kaufmann. Wir geben der ״Berichtigung“ Raum, obwohl das Prcßgcsctz, auf das sich die Herren berufen, ihnen kein Recht gibt, die Aufnahme zu verlangen. 111 der Sache selbst halten wir unsere Angaben vollkommen aufrecht. Wir haben nicht behauptet, daß das fragliehe Vorstandsmitglied im Namen des Gem e i 11 d e vo r s t a n de s gehandelt habe. Das inzwischen verstorbene Mitglied des Vorstands, der Arzt Herr 1). Wolff, handelte vielmehr als Wortführcr der Liberalen, Das ergibt auch der Zusammenhang der betreffenden Stelle unseres Artikels. Die Unterzeichner der Berichtigung haben sich auch hier wieder geirrt, indem sie den Gemcindevorstand mit der liberalen Partei verwechseln, wie cs dem Vorstand auch bei Einberufung der liberalen Versammlung passiert ist. Sederschfisseln aus Batik-Metall mit und ohne Silbcrcinlagen empfiehlt der Bczalcl den verehrten Gesinnungsgenossen zum bevorstehenden Pmachfest. Adresse für lkstellungen und Geldsendungen: Verein Bezalel E. V., Bcrhn W. 15, Bleibtrcustr. 34/35, TUr״;£!; Uf!D SPORT Berlin. ״Wer einen Sportplatz baut, spurt drei Krankenhäuser." Die Berechtigung dieses Satzes findet heule bereits allgemeine Anerkennung und überall ist mau bestrebt, Mittel hereit/itstellc», um der sportfreudigeii Jugend durch Beschaffung von Tr.'tiniiiginögliclikcitcii beiziispringcn. Denn man weiß sehr wohl, daß die Ersparnis an Summen, die sonst den Kranken und Siechen zugute kommen, diese Aufwendungen mehr als wettniachcn werden. Die jüdische Ocffcntlichkcit Berlins, die cs im allgemeinen an Verständnis für die sozialen Fordenutgeii der Zeit nicht hat fehlen lassen, sollte auch in diesem Punkte nicht zurückstehcn, wenn es gilt, der Jugend einen Platz zu schaffen, au( dem sie in heiterem Turuspici und frohem Wettkampf Kräftigung und Erholung finden kann. Der Jüdische Turnverein ״Bar Kochba" hat die Initiative ergriffen, um endlich im Weichbilde Groß-Berlins, in Lichtenberg-Friedrichsfelde, den Platz zu schaffen, der der jüdischen Jugend der Hauptstadt so lange gefehlt hat. Während die Pacht und die laufenden (Interhaltungskosten aus den ständigen Einnahmen des Vereins gedeckt werden können, sollen die Kosten der ersten Einrichtung, für die mindestens 6000 M. nötig sind, durch einen Sportplatzfonds aufgebracht werden, zu dem bereits namhafte Spenden aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung Berlins eingegangen sind. Um die Absicht des Bar Kocliba, den Platz schon im Frühjahr in sportgerechter Verfassimg zu eröffnen, zu verwirklichen, muß noch mit dem Eingang recht erheblicher Betrüge gerechnet werden. Spenden wolle mail an die Adresse von Herrn Carl Sobersky, Berlin SW. 68, Hollniaitnstr, 18, Postscheckkonto Berlin 18 282 richten. Hamburg. Letzten Sonntag fand das diesjährige A n r 11 d e r 11 der Ruderabtcilu!1 g d e s j. T. V. Bar Kochba statt. Die Abteilung ist durch den Umstand, daß gerade die tüchtigsten Ruderer jetzt beim Militär sind, stark geschwächt. Das hindert uns jedoch 'nicht, die Sominerarbeit mit allem Eifer aiifzimehmen. Bei günstiger Witterung sollen schon in allernächster Zeit größere Fahrten unternommen werden. Das erste Training der neu cintretenden Mitglieder findet Sonntagmorgcn im Bootshause am Stormsweg statt. Wir legen vor allem Werl darauf, die Einrichtung des Bootshauses auszugestalten, um den Aufenthalt in <icmsell>e11 recht angenehm zu machen. Aus diesem Grunde sehen wir es auch sehr gerne, daß unsere niehtnktiven Mitglieder, die Besitzer von Privatbooten sind, dieselben bei uns einstellen. Alle Zuschriften und Anfragen sind an die Adresse des Herrn Hugo Gold sch m id t, I Iniisastraße 43, zu richten. Hannover. Die Vereinigten Turnerschäften (Jiid. Turnersehaft und Turnvereinigung von 1904) feierten am 8. März, ihr zehnjähriges Stiltungsfest. Der Verein, welchem in den ersten acht Jahren seines Bestehens von gewissen ״jüdischen" Kreisen die größten SeliwierigKciten in den Weg gelegt wurden, hat es verstanden, sieh in den letzten :ihren gut zu entwickeln, so daß er jetzt einen iestand von ea. 70 Mitgliedern autweisen kann. So zeigte denn auch das am Nachmittag stattgefundene Schauturnen den zahlreichen Zuschauern, eiaß der Verein in seinen Leistungen mit seiner Entwicklung gleichen Schritt gehalten hat, Am Abend versammelten sieh die Teilnehmer in den Sälen des Hansahauses, wo die Vertreter ,zahlreicher hiesiger und auswärtiger K01|)0rati0nen und Vereine ihre Glückwünsche tlarbrachten und ein von den Damen des Vereins gestiftete» Banner überreicht wurde. Ein Festball, Welcher sieh bis in die frühen Morgenstunden ausdehnte, beschloß den gut verlaufenen Tilg. AUS DEN GEMEINDEN Berlin. Sehr häufig kommt es vor, daß Eltern, die ihre Kinder aus irgendeinem Grunde nicht bei sich im Hause erziehen Eönnen, nach geeigneten Unterkunftsstätten für dieselben suchen müssen. Da ist es bisher stets schmerzlich vermißt worden, daß kein Erziehungsinstitut vorhanden war, in dem der jüdische Gedanke betont wurde, kein in jüdischem Sinne geleitetes Unternehmen den Kindern unserer Gesinnungsgenossen seine Hilfe anbot. Wie oft mag da das im Eitcrnhausc in die Kinder gelegte Samenkörn vertrocknet sein, wieviele Eltern mögen es vorgezogen haben, ihre Kinder nicht die notwendige Er- Ziehung angedeihen zu lassen, che sie sic Leuten' anvertrauten, die vielleicht gleichgültig, vielleicht gar Feinde des jüdischen Gedankens waren. Doch auch das soll jetzt — wie schon so vieles — anders werden. Herr Direktor Rosenbaum, ein bekannter und erfahrener Pädagoge, der sich schon jahrelang mit ״individueller Erziehung und Unterricht" befaßt, hat in Berlin-Pankow ein Erziehungsheim zunächst für zehn Kinder errichtet, in dem die jüdische Idee eine Heimstätte gefunden hat. Die Kinder werden als Juden erzogen und für sämtliche Klassen der höheren Schulen vorbereitet. Das Schulzimmer — geschmückt mit dem Bilde unseres unvergeßlichen Hcrzl — dient dem Unterricht im Hause. Geeignete Lehrkräftc, sowie die Oattin des Herrn Rosenbaum, helfen ihm bei seinem Erzichungswcrkc. Herr Rosenbaum beabsichtigt, sein Unternehmen bei genügender Frequenz zu einem jüdischen Pädagogium auszubauen. Wir wünschen dem Werke gutes Gedeihen. Ree» (Nledcrrlicin), 1 >ic hiesige C h e w r a K a - di sehn feierte am 1. März ihr lOOjährlgcs Besteh« 11. Nach einer würdevollen Feier in der vollbesetzten Synagoge fand de» Nachmittags und Abend» eine-Feier für die Kinder und Ball statt. VEREINS-RUNDSCHAU Berlin. Am Sonnabend, dem 21. März, voranstattet der Jüdische Jugend verein C h a r - 10 t teil bürg sein diesjähriges ■ Purimfcst in Form eines Kostümballes. Aus dem Programm sei erwähnt, daß für die Kaffeetafel Herr Josef Plaut vom Deutschen Opernhaus gewonnen worden ist. Fcr- 11er gelangt eine aktuelle Purimposse mit Gesang und Tanz in einem Akt zur Aufführung. Billetts sind noch an der Abendkasse zu haben. Berlin. Am Sonntag, dem 22. März, nachmittags 4 Uhr, veranstaltet der Jüdische Frauenbund fürT urnen undSport einen Kinder -Purim- Maskenball rr.it Schokolade und Kuchen, Aulführung, Tanz und Verlosung, im Apothekerhaus, N.W., Levctzowstr. 16 b. Kleine Gäste sind herzlich willkommen. Karten inkl. Bewirtung für Kinder 0,60 M., Erwachsene 1,— M. sind nur an der Kasse ■zu haben. Berlin. Der neugegründete Zionistische J 11 g e n d v c r e i n Berlin veranstaltet am Montag, dem 23. März, im großen Saale des Ticrgartcnliofs, abends < /) Uhr, eine P r o p a g a 11 d a - V e r s a m m - lung mit dem Thema: ״Der Zionismus und die jüdisclic Jugend." Redner: die Herren l)r, Klee, Redakteur Hans Goslar und Heinrich M a r g u 1 i c 8. Berlin. Der Neue Jüdische Gemeinde- Verein veranstaltet am Donnerstag, dem 26. März 1914, im großen Saale des Lehrer-Vereinshauses, Alexanderstr. 41, einen Purimball mit reichhaltigem Programm. Billetts bei den Vorstandsmitgliedern und an der Kasse. « Breslau. Atn Sonntag, dem 29. März, veranstaltet der H e r z I - CI u b Breslau einen Ausflug mit Spiel und Tanz nach Sibyllenort, dessen Reinertrag für das Hebräische Schul werk in Palast i na verwendet werden wird. Auf den Namen lautende Karten bei J. Hainauer, Sclnveidiiit/er Straße sowie bei allen Mitgliedern des Hcrzl-Clubs. Berlin. Der Zionistische Verein West- Berlin wird nach längerer Pause seine Tätigkeit wieder aiifnchmcn und mit intensiver Arbeit seinen Tendenzen nachstrebc». Der Vorstand hofft, daß die Mitglieder wieder die unbedingt nötige Fühlung miteinander nehmen mul ihrerseits die Leistungen des Vereins aufs kräftigste fördern werden. — Der Vorstand setzt sich jetzt folgendermaßen zusammen: Dr. Leo Münz, 1. Vorsitzender; Dr. Julius Becker, 2. Vorsitzender; Max Jacobsolm, Schatzmeister; Theodor Lew und Frl. I laase, I. und 2. Schriftführer; Davis Trietsch und Julius Berger, Beisitzer. — Am 10. März, sprach an Stelle des plötzlich verhinderten Herrn Pcvsner Herr T riet sch über 10״ Jahre Entwickltiug in Palästina". Obwohl Herr Trietsch in liebenswürdigster Weise noch im letzten Augenblick das Referat übernahm, gab er, dank seiner atisgezeichneten Sachkenntnis, einen umfassenden und großzügigen Uchcrhlick, so daß, als er am Sehhill mit ׳warmen Worten seinen Glauben nn die Zukunft Palästinas ausspraeh, ihm alle seine Zuhörer aus vollem Herzen zustinimten. Eine An/alil von Anfragen aus der Versammlung beantwortete Herr Trictsen in erschöpfender Weise. Als nächste Veranstaltung de» Vereins lassen wir Ende März (näheres wird noch bekannt gegeben) einen Vortragsabend über die ״A c h u s a" - B e weg u 11 g folgen. Die in dem System der ״Acliusn" den Freunden des jüdischen ÄnsiedUttigswerkes in Palästina gebotene Möglichkeit einer persönlichen Beteiligung hat in Nordamerika zur Bildung zahlreicher Gruppen geführt, die zum Teil bereits Ländereien erworben und nach den besten amerikanischen K o I o n i s a t i on s 111 c 111 o d e n in Betrieb genonimen haben. Diese Bewegung hat neuerdings auch auf andere Länder übergegriffen, und wir haben uns davon überzeugen können, daß auch in Deutschland ein lebhaftes Interesse für die Sache vorhanden ist. Wir glauben daher, des Beifalls zahlreicher Freunde der Palästina-Arbeit sicher zu sein, wenn wir im Rahmen unseres Vereins die Diskussion über diese wichtige Angelegenheit eröffnen. Wir haben außerdem informatives Material über die Acliusa-ßc weg u n g zusa m mcngcstcllt, das wir allen Interessenten — auch außerhalb unsercs Vereins und außerhalb Berlins und Deutschlands — gern zur Verfügung stellen. Eine deutsche ״Achusa" ist in Vorbereitung und kann bei entsprechendem Fortgang sehr bald verwirklicht werden. ־— Zuschriften und Anfragen (sowohl in Angelcgcnheiten des Vereins wie «er ״Achusa") sind zu richten an: Zionistischer Verein West-Berlin, Bcrlin W 15, Sächsische Straße 8. Berlin. Die jüdischnatlonalc Vereinigung ״H a - tikwah“ hielt am1 16. März ihre erste General- Versammlung ab. Die von dem provisorischen Komitee ausgearbeiteten Statuten wurden genehmigt. Der Vorstand besteht aus neun Mitgliedern, den Vor- »itz hat Herr O re bl er übernommen. Hoffentlich