Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1914)
- Date
- 1914-03-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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jß*■' I I I I Abonnements’ •uf die wöchentlich •m FreiU? er• | scheinende ״JßdUcKe RuncUchftuV | kosten bei der Expedition und bei | •Uen Postämtern vierteljährlich 1,50 M., ■ sußerhslb Deutschlands und Oester• * reich*Ur»2*m• 2,— M.; für Mitglieder jüdischer Vereine im Semmelbezu; I durch den Verein 1,— M, | JUdisch• Rundschau, G. m. b. H, J BERLIN W. 15* SllduUdie Straße 8. J Telephon! Amt Uhland 845, 816, 868. I Postscheckkonto! Berlin Nr. 17392. ■ rvq /"נך U\J ח ף־ j il; ך־׳/ ץ*־“"'/ P״/ P-H יד־ Z Zf" |! ץי׳י-^, ■Z lJ > ף f־~) p p_ ״.״z lü k. cj כ־"/ ר׳ ü Anzeigen'ü ׳•:׳-י kosten für die «cchsg-enpaltene Petit• *eile oder «Irren Raum 40 Pf.; Stellen- An^׳eb<ite fc»m| *Clesuf he sowie Verein#־ .MtUeiUmftn und ,Kleine Anreifen“ O O O 0 nur 30 Pfennig O O O O Manuskript ewrr«!(־nf w׳*nn!,orto beiliegt, stets 1'MrCrilc$j[»׳*isn1it. RedoktionsachluB! ■ Mittwoch vormittags« Rodal(tl«kn jUdtecb• Buailidiaa BERLIN W. 15, Sächsische Straße 8. Telephon; Ami Uhiand 815, 816, 868, Poitsclierkkontoj Berlin Nr. 17392. uii'H:!!*׳־ KKOrjiO; öCri Z-J *Jß Nummer 12 Berlin, den 20. März 22. Ädar 5674 XIX.Jahrgang. Ausweis . Schekel: Berlin 2,—, Insterburg 9,—, Halberstadt 5,—, Plauen (ז,—, Zionist. Jugcndgnippc Posen 25,— M. Landesorßanisationsbcitrüge für 1913: Einzelpersonen: Dr. Hcimciulingcr, Straßbürg i Eis., 10,—, R.-A. Dr. Badrinn, Berlin, 10, •, Saiomon Hofinann, Köln, 5,—, Aron I lofniann, Köln, 10,—, R.-A. Dr. Salli Hirsch, Berlin, 5,., Dr, Koschland, München, 5,—, Leopold 1 iaimann, Köln, 5,- M. Landcsbeitriigc für 1914: Erfurt 18,50, Halberstadt 20,— M. Propagandafonds für 1914: S. Schocken jr., Zwickau, 100,—, aus Insterburg: Justizrat Jacobsolui, E. Eellmnnn, (ich. Justizrat Hlmnciifeld, Julius Sommerfeld, U. Mendelsohn, David Simon, S. Anusdorf, j. Kiimowski, A. Rosenkranz je 5,—; Straßbürg i. Eis.: Dr. Heimcmlingcr 10,—; Hameln: Erau H. Eriedheiin 5,—; Eilehne: Alfred Salinger 5,-; Dtsch.-Evlau: gel. Spende 10,—; Rafibor: Walter Zernik 10,—; Berlin: Justizrat Schachtel 50,60, Dr, Erich Rosenkranz 5,—, R.-A. Dr. Salli Hirsch 5,—; Hamburg: Leopold Landau 10,— AL Eingang vom 12. bis 18. Mürz. 1914: Sehek e 1: 47,— M.; L a n d e s o r g a 11 i s a t i o 11 s b e i - trüge für 1913: 50,— M.; L a!1 d c s 1) e i 11־ ä g e 1911: 38,50 M.; P rop a g a 11 da f o n d s für 1911: 261,00 M. Gesamteingang: Schekel: 790,-- M.; Laud e s o r g a n i s n 1 i o n s b e i t r ii g e f. 1013: 18 828,27 Mark; L a 11 d e s b e i t r ii ge 1011: 1105,50 M.; Propagandafonds 10H: 3883,60 M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin W56, Hinter der Katholischen Kirche 1. Makkabäerfest Ein Beitrag zu dem Thema: Zionistu u s und Religio 11. Im Dezember veröffentlichte Rabbiner Dr. Ziegler in der ״Allgemeinen Zeitung“ den Artikel ״C h a 11 u k a 11 oder Weihnacht“, der in diesen Blättern besprochen und scharf abgelehnt worden ist. Auf eine ausführliche Antwort Zieglers, ebenfalls in der ״Allgemeinen“, wurde damals nicht cingcgangen, weil für eine ausführliche Darlegung damals kein Raum war. Nun erschien in der von Rabbiner Dr. Seligmann geleiteten Zeitschrift ״Liberales Judentum“ ein Aufsatz ״M a k k a bä e r f est“ von Felix Mako wer, der mich veranlaßt, auf die im An- Schluß an Zieglers Ausführungen angedeuteten Gedankengänge zurückzukonimcn. Man erinnert sich, daß Ziegler dem allgemein werdenden Brauche, auch in jüdischen Häusern den Weihnachtsbaum anzuzüuden, entgegenkommen wollte. Er wies auf die Lehre der einen Schule hin, die am ersten Chanukahabend gleich alle acht Lichter anzunden ließ, und erklärte, noch einen Schritt weiter gehen zu wollen: nach ihm sollte dieser erste Abend gcnügen. Man sollte auch an Stelle einer Menorah ein Tannenbäumchen nehmen und statt acht auch achzig Lichter anzünden dürfen. Ziegler begründete das mit dem lakonischen Argumente: ״Warum nicht?“ Mako wer knüpft an Ziegler an. Ergeht noch einen Schritt weiter; hat Ziegler den Vorabend des ersten Chanukahtages als den Weihnachtsabend festhalten wollen, so findet das ״Der Zionismus ersfrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlieh-rechtlich gesicherten HeimstÜtic In Palästina." Baseler Programm. Makowcr unsinnig; heule gelte nicht der Mond-, sondern der Soimcnkalender, und: ״vervollkommnete wissenschaftliche Methoden sind stärker;11s Religionen und Völker." So kommt er zu dem Schlüsse: ״Man feiere den Makkabäersieg, verteile Geschenke, zünde Lichter an und dichte hierauf bezügliche schöne alte Verse zu alten jüdischen Gesängen und zu christlichen Weihnachtsmelodien! Aber man gehe noch einen Schritt weiter und feiere das Makkabäerfest nicht am 21. Kislevv, sondern am 21. Dezember!“ Der Aufsatz enthält viele Stellen von erstaunlieher Fremdheit gegenüber dem primitivsten jüdiseheu Empfinden und fordert zu schärfstem Widerspruch heraus. Wir wollen auf diese Argumentation, die nicht schwierig wäre, verzichten und versuchen,*der Sache auf den Grund zu gehen. Hat ja die Redaktion des ״Liberalen Judentum“ seihst in einem Nachwort die Auf- Stellungen Makowers widerlegt lind ihre priuzipiell abweichende Ansicht ״mit starkem Nachdruck“ hervorgelioheii. Denn ihrer Meinung nach muß sich das liberale Judentum, je weniger cs von nationaler, kultureller, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Absonderung wissen will, um so mehr gegen jede religiöse Assimilation mit der leidenschaftlichen Kraft des Selbsterhaltungstriebes wehren. Die Vorstellung aber, daß man die Assimilation auf allen Gebieten des Lebens zum Programm erheben, auf einem bestimmten Gebiete aber, dem religiösen, vermeiden könne, ist eine Utopie im schlimmen Sinne des Wortes, ein Irrtum. Alle Acußerimgeii des Lebens innerhalb einer bestimmten Gruppe von Individuen hängen aufs engste miteinander zusammen. Es wäre ganz verkehrt zu glauben, daß hier reinliche Scheidung möglich wäre. Wer im bürgerlichen Leben ehrlich ist, ist es auch im religiösen; wer politisch heuchelt, heuchelt auch in gesellscliaftliehen Dingen. Religion vollends ist die Blüte der persönlichen Kultur, das höchste Produkt der in einem Menschen vorhandenen nationalen, kulturcllen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Dispositionen; jeder Kulturkrcis hat seine eigene Religion (wobei der Name gleichgültig ist). Die jüdische Religion ist im jüdischen Volke und aus dessen eigenstem Leben erwachsen, sie hat auf das Leben des jüdischen Volkes wieder stark cingewirkt und kann nur in und mit dem jüdischen Volke leben. Die jüdische Religion ist ja etwas ganz anderes als was sich die Gründer der ״Reform“ vorstcllten, die ganz tief in den Gedankengängen der ״Aufklärung“ und ihres leiblichen Sohnes, des ״Liberalismus“, befangen waren. Sic dachten an eine überkonfessionelle Religiosität, die sich von einer rationalistischen Metaphysik verzweifelt wenig unterschied. Diese zur Menschheitsreligion zu machen, sei die Mission des Judentums. Heute sind wir über den unfruchtbaren Rationalismus der Aufklärung glücklicherweise ebenso weit hinaus wie über seine blutleere, kümmerliche und unerfreuliche Auffassung der jüdischen Religion. Gewiß leben in unserer Lehre die tiefsten Weisheiten der Menschheit, vor allem das Sittengesetz des Altruismus, genau so wie in jeder der grollen und echten Menschhcitsreligioncn, Aber sie allein erschöpfen nicht das Wesen des Judentums, das ein Lebendiges, ein Farbiges, ein Blutvollcs ist. Es ist ein Vorsuch, der zu kläglichem Scheitern verurteilt ist, unser ganzes Lehen nach einer fremden Form umzuwandcln und nur die ״Religion“ zu bewahren. Die Gründer der ״Reform“ hatten ein gcwisscs Gefühl hierfür. . Sic empfanden die jüdisehe Religion sehr stark und wollten sie nur den Juden leichter zugänglich machen, damit diese, mehr vertraut mit ihrer Lehre — die in ihrer ursprünglichen Form ihnen bereits fremd zu werden begann —, ihre ״Sendung“ besser erfüllen könnteil. Die heutigen Reformer denken nur mehr sehr wenig au diese Mission. Sie ist ihnen zum Schlagwort und Vorwand geworden. Ls kommt ihnen weniger darauf an, die Lehre zu v e r b r c i ־ ten, als sie zu erhalten. Dieses Streben nach ״Erhaltung“ ist der letzte Rest jüdischen Gefühles. Aber, das ist wohl eine aus der Weltgeschichte mit Sicherheit abzuleitende Lehre, eine Religion kann man nicht retten, indem man sic erhält. Denn das hieße: sie dem Lehen anpassen. Das Um ja auch die Reformer, tun es in immer weiterem Maße, und die Ideen Makowers sind, wenn auch Caesar Seligmann ihnen noch widerspricht, die Ideen der Reform von morgen. Geht einer ״einen Schritt weiter," so geht der nächste noch einen Schritt weiter. Das ist klar. Und wie könnte es anders sein bei Leuten, die verkünden, daß wissenschaftliche Methoden stärk c r s e i e n als Religionen und Völker? Wer vom wahren Wesen des Volkes und vom wahren Wesen der Religion eine Ahnung hat, der weiß: Religionen mul Völker sind stärker als irgend etwas auf ilor Welt. Dies verkennen heißt, auf Volk und Religion verzichten. Ziegler glaubte darauf hinweisen zu dürfen, daß alle Religionen fremde Elemente aufnahmen. Das ist wahr, aber wahr ist auch noch eins: daß sie diese Elemente im Kampf, wider ihren Willen aufnaluucn. Wenn wir die Formen jüdischer Religion reinhalten wollen, aber ohne daß wir es wissen, gegen unsere Absicht, gewisse Gewohnlichen unseres unter ganz veränderten Bedingungen sich abspiclenden Lebens cinwirkcn lassen, so ist das eine solche Umbildung. Aber den fremden Formen die Tür weit zu'öffnen und statt des ״Sch'foch“ zu sagen: ״Nur hereinspaziert, ihr Völker“ — das ist keine Weiterbildung der jüdischen Religion. Zu diesen Gedankengängen aber wird uns Zionisten die Kompetenz abgesprochen, weil wir ״die Religion als Privatsache erklären.“ Abgesprachen von Liberalen wie von Orthodoxen. Wir halten uns trotzdem für kompetent. Wie ich sagte, ist die Religion von den andern Gebieten des Lebens unmöglich zu sondern. Und da wir für das jüdische Leben nach einer neuen Form suchen, müssen wir uns auch mit der Religion auseinan^ersetzen. Und wir tun es ja auch. Obzwar die zionistische Partei natürlich religiös keine Entscheidung trifft und obzwar bekanntlich die meisten Zionisten im Westen religiös nicht streng sind, ergibt es sich immer wieder, daß wir in verschiedenen Angelegenheiten mit den Orthodoxen Zusammengehen und