Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1914)
- Date
- 1914-03-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seit« 2rt JÜED1SCHE RUNDSCHAU Nr. Ü <% sein und wenn wir von ihm eine Arbeit über- 11 e 11 in c n, müssen wir a » c 11 alles daran setzen, u in sie gut n ti s z u f ü!1 r e n. {feil halle diese Aeullcrung für symptomatisch. Sie jat eine Konsequenz der W i t k i n sehen Auffassung des Nationalfonds, wie sie seinerzeit in der ״Welt" mitgeteilt wurde. J. F.) Wir haben uns deshalb bemüht, im Oan-Sehmuel, der Besitz des Nationalfonds ist, eine geeignete Gruppe zusanimcnzustcllcn und hoffen auf , Erfolg. Was Daganja für die Ausbildung der jüdischen Arbeiter im Getreidebau in 0 a 1 i 1 ä a bedeutet, das wird wahrsehendich der üan-Sclimuel für den Pflanzungsban in S a m a r i a werden." Der Bericht erwähnt ferner die neuen Siedlungen Ain-Chai bei Pctliach-Tikwah, Ruchamah bei Gaza, K i r j a t - M 0 s c h c bei Sijcd und K c r k ur bei Chederah. Der Referent konstatiert, daß man an diesen Orten jüdische Arheiter beschäftigt, daß inan aber keine Gewähr habe, ob dies auch auf die Dauer der Fall sein wird. Ein zweistündiges Referat hielt Agronom J. Wilkansk i. Als Grundlage seines Referates diente ihm das Buch ״Die A r b c i t s - u n d P a c 111 g e n o s a c n 8 c 11 a f t c n 11 a 1 i e n s“ ' von W. D. P r c y e r, das im vorigen Jahre erschienen ist, Auf die Bedeutung dieser italienischen Genossenschaften für die Oppcnhcimersche Lehre von der ״Siedhnigsgeiiossenschaft" hat Herr Dr. Lothar Meyer, Redakteur des Landlexikons, noch vor vier Jahren den Schreiber dieser Zeilen aufmerksam gcmacht. Den Ausführungen Wilkanskls kam es besonders zustatten, daß er kürzlich Gelegenheit hatte, diese Genossenschäften an Grt und Stelle keimen zu lernen. Seine Dar- Stellung hatte daher den Reiz des Unmittelbaren. Daß auch Wilkanski seine ganze Hoffnung bezüglich der Kolonisation Palästinas auf den Jüdischen Nationalfonds und nicht auf die Privatinitiative setzt, wird den Kenner seiner Aufsätze nicht weiter wuiidernehmen. Seine Schlußworte verdienen hier erwähnt zu werden. ״Denken Sie also an den Nationalfonds und suchen Sie den Schlüssel ziun Herzen der Nation, auf daß sic verstellen lernt, was aus diesem Fonds für sie werden kann. Die Besten und Edelsten untcruns müssen sich klein dünken in Anbetracht der Größe des Gedankens, der dem Nationalfonds zugründe liegt, und sollten daher die Arbeit für den Nation alfouds zu ihrem Leben sin 11 alt machen: von der Realisierung dieses Gcdankens liängt unsere Erlösung ab.“ O quac mutatio rcrum! Als ich vor Jahren als Erster im ״Hapocl Hazair" diese Gedanken auseinandersetzte, wurde ich ausgclacht. . , , Freilich ist auch jetzt noch viel ehrliche Arbeit zu leisten, um diese Erkenntnis in lebendige Tat umzusetzen. Immerhin ist dadurch eine Wcgwcisung für die nächsten Jahre gewonnen. Viel Zeit nahm die Frage in Anspruch, ob die jüdischen Arbeiter ihre Bemühungen um die Einbürgerung der jüdischen Arbeit in den bestehenden Kolonien fortsetzen oder, angcsichts der geringen bisherigen Erfolge, diese Bemühungen mitgeben und sich ausschließlich den neuen Siedlungen zuwenden sollten. Ein längeres Referat von Katzenclsohn bel1a;ndelte die Frage von weiteren Gesichtspunkten. Die Konferenz pflichtete seinen Ausführungen bei und nahm folgende Resolution an: ״Gleichzeitig mit der Arbeit für die Schaffung eines arbeitenden J i s c h u b, der sich selbst und dem Volke verantwortlich fühlt, setzen wir auch unausgesetzt die Bemühungen in den alten Kolonien fort und suchen den Umkreis der jüdischen Arbeit zu erweitern. Die Konferenz ver-' pflichtet daher die Komitees und die bereits heimischen Arbeiter in den Kolonien, für die neuen Arbeiter Arbeilsgelcgcnheit zu verschaffen, ihnen auch materielle Hilfe zu leisten, eine Arbcitcrküchc oder wenigstens einen Arbeiterklub, wo das öffentliche und'kulturcllc Leben der Arbeiter sieh konzentrieren soll, zu schaffen. Die übrigen neun Resolutionen seien hier noch kurz skizziert. Die vierte Konferenz betonte nochmals die große Bedeutung der Arbeitersiedlungen, namentlich in der Nähe der erst im Entstehen begriffenen Kolonien. Diese Ar• beitcrsiedlungen dürfen kein allzu kleines Areal haben. Int Gegenteil: es müsse von vornherein genügend Boden für eine spätere Ausdehnung der Arbeitersiedlung reserviert werden. Die Schaffung eines arbeitenden Jischubs sei die Hauptaufgabe des Nationalfonds, und zwar müßte er den Siedlern den Boden in Erbpacht übergeben, während der nötige Agrarkredit für die Installation durch die anderen Kolonisation*- gcscllschaftcn geschaffen werden soll. Die Besitznahme eines neuen Bodens durch jüdische Arbeiter, bei dem mau nicht sicher ist, daß die Arbeit dauernd von Juden verrichtet werden wird, sei bedeutungslos. Die Konferenz erkennt die große Bedeutung der nationalen Farmen an und ermächtigt den Vorstand, mit der Verwaltung über die notwendigen Reformen zu verhandeln. Afbeitcrhäuscr sollen von nun an nicht vom Nationalfonds, dessen Mittel nur für Oeulath Haarcz verwendet werden sollen, sondern von anderen Koloiiisationsgcscllscliaftcii erbaut werden. Die Jemeniten sind bezüglicii des Arbeitslohnes den asclik e n a 8 i s c h c n Arbeitern gleich zustcllen. Der Ar• bcitsnachweis sei weiter auszugestalten. Eine genaue Arbeiter• Statistik sei im Laufe des nächsten Jahres gleichzeitig in Judäa und Galiläa durclmiführen. Für die Aufnahme in die Arbeiterorganisation sei es erforderlich, daß man zumindest drei Monate In Palästina gearbeitet hat. Jedes Mitglied ist verpflichtet, der Krankenkasse beizutreten. Es wird ein all• gemeiner Arbcitcrvorstand gewühlt, dcT sich aus Mitgliedern der jtidäiseiien mul der galilüisehcn Organisationen sowie das ״I Insehonicr" zusanniiensetzt. Vom Wesen der Nation J e 11 i n c k, Allgemeine Staatslehre, S. 110 ff. (G c k ü r z t.) Das Wesen einer Nation festzustcllen, gehört, wie alles Fixieren von Erscheinungen, die in den ununterbrochenen Fluß des geschichtlichen Geschehens gestellt sind, zu den schwicrigsten wissenschaftlichen Aufgaben. Es läßt sich nämlich kein feststehendes, für alle Nationen passendes Merkmal angeben. Nicht die natürliche Stammesgemeinschaft, da alle modernen Nationen aus verschiedenen Stammen zusammen• gesetzt sind. Auch die Sprache bietet kein sicheres Unterscheidungstnerkmal der Nationen. Die Religion ist heute nicht mehr Nationalrcligion. Der Staat ist ebenfalls kein notwendiges Element der Nation. Ist cs demnach unmöglich, ein einziges sicheres, objektives Kriterium der Nation anzugeben, so kann ein solches auch nicht durch eine feststehende Kombination mehrerer Elemente gefunden werden. Daraus ergibt sich, daß die Nation nichts Objektives im Sinne des äußerlich Existierenden ist. Nation ist vielmehr etwas wesentlich Subjektives, d. h■ das Merkmal eines bestimmten Bewußtseinsinhalts. Eine Vielheit von Menschen, die durch eine Vielheit gemeinsamer, eigentümlieber Kulturelementc und eine gemeinsame geschichtliche Vcrgangenheit sich geeinigt und dadurch von anderen unterschieden weiß, bildet eine Nation. Die objektive, durch gemeinsame Abstammung begründete Gemeinsamkeit einer Vielheit, die Rassen- oder Stainmescinhcit ist so alt, wie die historische Erinnerung zurückreieht, und weit darüber hinaus. Die subjektive Einheit der Nation hingegen ist ihrer N! im־ nach ein Produkt höherer Kultur und tritt daher, obwohl schon längst im Keime vorhanden, in voller Stärke erst in neuester Zeit auf. Das Wesen der Nation ist dynamischer Natur. Ein Volk kann in größerem oder geringerem Grade Nation sein, d. h je geringer das Gefühl der kulturellen Zusammengehörigkeit ist, desto weniger ist die Nation ausgeprägt; je größer die Zahl und je bedeutungsvoller die Art der einigenden Kulturclcmcntc, desto stärker und inniger wird das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit in einer nationalen Gruppe. Daher kann auch der einzelne in höherem oder minderem Grade sich als Glied einer Nation betrachten gemäß dem Umfang und der Intensität der nationalen Kulturelcmente, die auf ihn cingewirkt haben. Je höher die eigenartige Kultur eines Volkes steigt, je reicher die seine Glieder verbindenden geschichtlichen Vorgänge sind, desto entwickelter auch die Nation, die deshalb auf niederer Kulturstufe keinen Platz findet.