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Jüdische Rundschau · 1914-03-06 · Heft 10 (6.3.1914) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 10 (6.3.1914)
Date
1914-03-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Nr. 9/JO Holl 3 * ׳( ( J ’ ' U ' ' '! I V,!’. Werte eiiirtifül»׳.;:.?. Vir י י׳ wem v:v:zu Jugend zu 1<'.Ö Ed.׳;; 1.::' ' . , . :׳ .׳ . ■י . in die Hand L.!, 1...׳• I ־.::,er liehe!! dem iLuiv.v,.•;' :•; ־. dd d der Woche ein jlkiiulis... o. ׳״;.״.י' ״e.,i;f -A.Lii Umä.iig verirrt; und wo«! von;!1<:;ik*n /»»;!;:,ier» ti.'ic!׳ hebräisch erlernt, müssen wir ׳,׳;iehlicii sei.!, von NichlziomMen gar nicht zu sprechen, t > :.;üii Uiiacr ,,;:;dionaics Leben" aus. . Wir visseil, d: o rJi das-, was wir tun, Stückwerk von Stückwerk ist, dal י das Leben überall gegen uns ist, mul was wir ihm entgegensetze;!, einem Nichts gleich zu achten ist, aber wir müssen doch all dieses tun. ״Einer Stunde Lehen ist auch ein Leben“ sagt das Sprichwort und wenn es uns gelingt, die Existenz des Volkssplittcrs, dem wir;־.»gehören, noch einige Generationell lang zu fristen, damit er helfen könne, an unserem Palästinawerke• zu bauen und vielleicht eben hierdurch sich so lange zu halten, bis Palästina stark genug sein wird, auch ihm ein neues, ganzes Leben einznflöikn, so haben wir genug getan. Wie anders, wie fröhlicher und zukunftssicherer ist die Arbeit unserer östlichen Genossen. Sie haben ein jüdisches Volk vor sich, das sie nicht erst jüdisch zu machen brauche״. Sie haben es nicht notwendig, ihr Judentum zu unterstreichen, damit es sich nur aus den übrigen Lebensztisammeiiiiiingen heraushebe; sic braueben nicht erst künstlich zwischen dem Judentum und dem Leben Zusammenhänge herzusteilen. Der Ostjude braucht nur zu leben und er lebt jüdisch. Diese Selbst- Verständlichkeit des Jüdischseins verdankt er vor allem der jiddischen Sprache. In den letzten fünfzig Jahren haben sich im Leben der östlichen Juden ungeheure Umwälzungen vollzogen;*) die alten Bande sind gesprengt, eine völlige soziale Umschichtung hat sich vollzogen, der Batlon, der Luftmensch schwindet mehr und mehr aus dem Ansiedlungsrayon und macht dem Arbeiter Platz, große Massen haben die alte Heimat verlassen und haben eine neue aufgcsucht, die religiösen Bindungen sind stark gelockert, neue politische und so• ziale Ideale haben die Massen ergriffen, und doch ist das judescin dieser Masse so selbstverständlich und so wahr wie früher. Wem dankt sie es in erster Reihe? Ihrer jiddischen Sprache! Ihr danken wir es, daß wir mit dieser Masse für unser Zukunftswerk rechnen können. So lange unsere Massen jiddisch sprechen, braucht uns vor allen diesen Umwälzungen nicht zu bangen; wir können vertrauen, daß der Genius unseres Volkes es von seinem historischen Wege nicht auf die Dauer abirren lassen wird. Nun ist freilich die Zukunft des Jiddischen leider lange nicht so gesichert, wie man uns glauben machen will. Wer z. B, Galizien in den letzten Jahren einigemal bereist hat, wird sich überzeugt haben, wie der Poloni- :iierungsprozeß fortschreitet. Dr. Zipper berichtet: ״In dem Mittelstand (!) wird noch ein bischen jüdisch gesprochen, aber kaum kommt man auf die Gasse, spricht inan deutsch oder polnisch. Noch ärger ist es unter der Intelligenz; von Kindheit an lernt man in der fremden Schule polnisch, man gewöhnt sich daran, polnisch zu *) Ich benutze die Gelegenheit, um auf J. Leszczynskys bedeutsame Artikelfolge ״Fragen des jüdischen ökonomischen Lebens“ in der ״Jüdischen Welt“ (2, Halbband 1913) hinzu• weisen. Ein deutscher Auszug erscheint in der Prager ״Selbst• wehr“.;CH AU lu.iken und zu sprechen, es wächst ein Geschlecht heran, 1* 10 mit dem Volke und der Jüdischkeit kaum noch’ Ik. i:J1r1!:1;;spu11!ite hat. A u c h d i e zionistische ln• t e i 1 i ׳׳• e ui ist nicht frei von diesen Fehlern. Aal' unseren Partcisif/ungcn referiert und diskutiert man über jüdische Angelegenheiten polnisch oder deutsch, und spricht einer jüdisch oder hebräisch, so betrachtet man dies als notwendiges Uebel,“ Freilich — nicht alle Zionisten konstatieren die Gefährdung des Jiddischen durch die großen Kultursprachcn mit jenem Bedauern, wie Dr. Zipper. Viel zu viele von uns sind geneigt, solche Tatsachen mit einem zufriedenen Lächeln darüber aufzunehmen, daß wir mit unserer Oaiuththeorie Recht behalten haben. Aber daß sich nur unsere Prognose nicht auch für uns zu schnell erfülle! Daß nicht das ganze jüdische Volk mit dem Jiddischen zugleich in den Abgrund gezogen werde, ehe unsere Kräfte stark genug sind, cs cmporzuzichen. Manche von uns sagen freilich, der Weg zuin Zi<>- nismus führe nur über die Assimilation und fürchten darum die Verdrängung unserer Volkssprache nicht. Allein von all den Viertelwahrheiten, von denen unser öffentliehe» Leben erfüllt ist, ist diese eine der gefährlichsten. Was ist wahres daran, daß tler Weg zum Zionismus über die Assimilation führt? Dali unser moderner Nationaleimis ein Produkt des 19. Jahrhunderts ist, und daß wir — wenigstens viele von uns ohne den Weg über Kant, Fichte, Ibsen, Nietzsche auch die Forderungen nicht verstanden hätten, die den Sinn des Judentums und daher letztlich den Sinn aller jüdischen Bewegung ausmachen. Kurz, ohne den Weg durch die europäische Kultur hätten wir die Synthese zwischen Judentum und Men seht um nicht vollziehen können, die uns der Zi׳>- nismus bedeutet. Aber wird man zu dieser Synthese immer nur durch die Assimilation kommen? Weil auf dem Wege zwischen Ghettojudentum und Zionismus die moderne Kultur liegt, deren Aneignung für viele (nicht für alle) eine zeitweise Assimilation bedingte, führt deswegen der Weg zum Zionismus nur durch die Assimilation? Man macht sich das Ungeheuerliche solcher An• schauungen nicht genug klar. Denn sie würden bedeuten, daß wir aus uns heraus niemals — wenigstens meint man außerhalb Palästinas niemals — imstande sein werden, eine Synthese von Judentum und Mensehtum zu erreichen. Tatsächlich ist die hebräisch-jiddische Kultur heute schon auf dem besten Wege zu einer solchen Synthese. Das Gefährliche solcher Anschauungen bcsteht in der Uebertragung eines Schemas, das für Ein• zclne gelten mag, auf ein Volk. Der einzelne mag sich eine Zeitlang der Assimilation hingegeben haben und zurückkehren, ein Volk, das einmal sich oder auch nur ein so wesentliches Stück seiner selbst wie die Sprache aufgegeben hat, kann sich nicht mehr wiederfinden. Denn nur weil das Volk da war, fand sich der einzelne zu ihm zurück. 1J Unser Volk ist da, weil es seine Volkssprache, die jiddische, hat. Es wäre töricht, hier Palästina und fj Hebräisch gegen Galuth und Jiddisch auszuspielen. Paliistina kann noch für lange ohne das Galuth eben so wenig sein, als das Galuth auf die Dauer ohne Palästina. Darüber kann doch unter uns heute kein Zweifel sein, daß das Werk lies Zionismus ein Werk von Generationen ist. (Man lese Ruppins noch immer aktueilen Artikel über Gegenwartsarbeit in dem Sammei! buch ״Stimme der Wahrheit“, der auch sonst für unsere י 4 I ׳1 I j

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