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Jüdische Rundschau · 1914-03-06 · Heft 10 (6.3.1914) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 10 (6.3.1914)
Date
1914-03-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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6. März 1014 ף»ן r> :O 4M' '־, a □ □ □ □ □ cPa □ 0 INHALT jüODBODDDDa) Unsere Stellung zum jiddische 11, Von l)r. Hugo Bergmann, Prag. — Jüdischer Nationnlfonds. Das Ergebnis des Jahres )913. BEIBLATT Nr. 9/10 ח ח 2 Unsere Stellung zum Ji^lzclica Von Dr. Hugo Bergmann, Prag In den letzten Tagen sind in zwei bedeutsamen Versammlungen der östlichen Juden Beschlüsse gefallt worden, die gewichtig genug sind, um die Judcnhcit der ganzen Welt nnzugehvn. — Die Landeskonferenz der Zionisten (latizieus hat heschlossen, hebräisch-polnische Kindergärten in ganz Qalizien zu gründen־, welche die Grundlage für hebräischpolnische Volksschulen abgeben sollen. Und ungefähr gleichzeitig hat der grolle, nun ein halbes Jahrhundert bestehende Saiulvercin der russischen Juden, die ״Clicwrath mefize haskalah“ eine Resolution angenommen, in welcher namens der russischen Juden von der Regierung die Errichtung von Schulen verlangt wird, deren Unterrichtsspraciic das Jiddische sein soll. Diese beiden Be- Schlüsse sind symptomatisch dafür, daß zur selben Zeit, wo unsere Palästinenser für ihre Schulen mit der ganzen Aufopferung cintretcn, mit der man für ein nationales Heiligtum streitet, auch die nationalen Juden des Galuth einzusehen beginnen, daß der Weg zu einem nationalen Leben nur durch die eigene Schule geht. Zugleich aber zeigen jene beiden Beschlüsse einen prinzipiellen Gegensatz, der uns einen Blick tun läßt in die ganze Koniplikation der Schulfrage im Galuth. Während die galizischen Zionisten hebräisch-polnische Schulen errichten wollen, verlangt der russisch-jüdische Schulvcrcin die jiddische Unterrichtssprache. Während die ersten, wenn ich ihre Beschlüsse recht deute, daß Jiddische aus der Schule völlig ausschlicßcn möchten, stellt cs letzterer an‘die Spitze seiner Forderungen. —- Es gibt unter uns Zionisten viele, welche die Einführung der jiddischen Unterrichtssprache als ein Unglück und als eine* Niederlage des zionistisch verstandenen nationalen Gedankens betrachten. Die Kombination hcbräisch-polniscb der galizischcu Zionisten klingt nur allzu deutlich an das gegen das Jiddische gerichtete ungliickselige Schlagwort an, das eine Zeitlang die russischen Zionisten beherrscht hat: Entweder hebräisch oder russisch! Diese Abneigung gegen das Jiddische ist nicht ganz unverständlich. Vielen mag es als der typische Repräsentant des Galuth erscheinen und sic bekämpfen Letzteres im Erstcren; vielfach aber ist der Anti-Jiddischismus eine Reaktion auf die ׳maßlosen Uebcrtreibungcn der Jiddischisten, die das jiddische Judentum mit dem Judentum schlechthin identifizieren, die unsere Vergan- ' genheit negieren und, als wären wir das jüngste Volk der Weltgeschichte, uns mit unserer Kulturarbeit von vorn beginnen lassen möchten.״) Auch daran können wir nicht vo!•übergehen, daß die Argumente der antihebräischen Jiddischisten geradezu die der Assimilauten sind. 1Wenn gesagt wird, wir könnten unsere Mutterspräche nicht gegen die fremde hebräische vertauschen, der Zionismus vergesse, daß unser Heute eine Konsequenz unseres Gestern und nicht einer längst verschölle neu Vergangenheit ist, er unterschätze die Geologie unseres Geistes, indem er das Galuth überspringen wolle (Schipper in der Jubilämnsnummer des ״Jiid. Arb.“) — so sind das fast dieselben Argumente, die wir aus dem Munde der Assimilauten zu hören gewohnt sind und ihre Logik führt für alle nicht jiddisch Sprechenden zur Assimilation. Aber wenn wir auch die Stellungnahme vieler Ziönisten in dieser Frage zum Teil begreifen mögen, so ist die Bedeutung des Jiddischen für den Zionisnt us eine viel zu große, als daß wir hier nach Sympathien und Antipathien entscheiden oder uns gar durch Uebcrtreibungcn der Gegner zu einer falschen Steilungnähme drängen lassen dürften. — Diese Bedeutung des Jiddischen würde' unseren östliehen Genossen eher zum Bewußtsein kommen, wenn sie einmal die unsäglich mühevolle und wenig dankbare Judaisicrungsarhcit der westlichen Zionisten aus der Nähe betrachten könnten. Diese ist im *wesentlichen eine Arbeit der Infiltration. Wir bemühen uns — so gut und so schlecht es geht — in das Lehen der Juden jüdische *) Charakteristisch in dieser Beziehung ist die in der jüngsten Konferenz der russisch-jüdischen Bildungsgcscll- * Schaft vorgenommene Abstimmung über die Frage, ob in den von der Bilduugsgescllschaft zu errichtenden jiddischen Volksschulen die Bibel überhaupt gelehrt werden soll! Von den zwanzig jiddischistischen Mitgliedern stimmten acht für die Aufnahme der Bibel in den Lehrplan, unter der Voraus- Setzung, daß die Bibel nicht hn ״Urtext“, sondern in einer jiddischen Nachdichtung vorgetragen wird; andere acht Jiddischisten wollten nicht einmal von einem jiddischen Bibelunterricht etwas wissen und die restlichen vier Jiddischisten enthielten sich der Abstimmung!1 Im übrigen beschloß die Konferenz mit 20 gegen 19 Stimmen, da» das Jiddische auch in den für die kaukasischen Juden (deren Umgangssprache ein tatnrischjüdischer Dialekt ist) bestimmten Schulen als au«• schlic»liehe Unterrichtssprache eingeführt werden soll. DieRedaktion.

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