Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1914)
- Date
- 1914-03-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 105 von diesem als Nationaltugendcn in Anspruch genommen werden. Hübsch erwiderte auf diesen mehr zum Mitleid als zur Entrüstung einladenden Irrsinn der Schriftsteller Lopez Harbadillo im ״liimarcial“, indem er den Spaniolen zurief: ״Macht euch nichts daraus! Das ist gar nichts. Höchstens, als oh euer Full auf der freien und breiten Strafte, die Spanien euch auftun will, von ungefähr auf ein rostiges Stück von einem Martercisen der Inquisition Stollen würde.״ Auf den gleichen ürundton waren die Artikel anderer, dem hauptsächlich als Fundgrube unfreiwilligen Humors beliebten Karlistenblättchcu an Leserzahl und Einfluß um ein Vielfaches überlegener Zeitungen abgestimmt, so des ״Liberal״ ,״Diario Universal“ (Organ des Grafen Ronianoncs), der ״Correspondencia de Espana" usw. In Wirklichkeit steht den Spaniolen die alte, der schlimmsten Spuren der Vergangenheit wohl endgültig ledige Heimat bereits oflen. Nur daß ein Massenzulauf weder empfehleuswert wäre noch übrigens im Bereich der Wahrschcinlichkeit liegt. die moderne jüdische Entwicklung und gilt als sympathischer Charakter, der sicherlich die jüdischen '.t'teressen in seinem neuen ehrenvollen Amt nicht rnaehlässigen wird. Die Natlonalvcrs ifiintlunß der türkli Neuwahlen in Rumänien Eine namhafte Rolle in dem rumänischen Waldkämpfe spielt die Judenfrage. Der gegenwärtige Finanzminister Costinescu hat, wie erinnerlich, im August vorigen Jahres die Gewährung der Bürgerrechte an die'mobilisiert gewesenen luden, etwa 15 (KM) an der Zahl, befürwortet. Die konservativen ״beschuldigen“ infolgedessen die Liberalen, sie wollten bei der Revision der Verfassung im Herbst auch den Artikel 7 der Verfassung, der die Juden vom Genüsse der Bürgerrechte ausschließt, abändern. Die Regierung säumte nicht, gegen diese Verdächtigung“ energisch Stellung zu nehmen, und einer der liberalen Führer, ein tJnivcrs tätsprofessor, erklärte, man müßte, bevor man den Artikel 7 autastet, erst mit Kanonen den Widerstand des Landes bezwingen. Gleichzeitig drehten die Liberalen den Spieß um und verwiesen auf eine im Juni vorigen Jahres im Senat gehaltene Rede des konservativen Senatspräsidenten Lahovary, der sich damals für die Erteilung der Bürgerrechte an die Juden erklärte. Natürlich beeilen sich jetzt auch die Konservativen, dagegen zu protestieren, daß man solche Aeiißerimgen ernst nimmt. Sie haben Grund dazu, denn ein Kandidat, der geneigt wäre, den Juden die ihnen schon vor 35 Jahren versprochenen Rechte zuzugestehen, würde bei dem jetzt mit verstärkter Kraft blasenden antisemitischen Winde sicher nicht in die Kammer gelangen. Neuere Meldungen an die N. J. K. geben folgenden des Auftaktes würdigen Abschluß der rumänischen Kampagne: Die Parlamentswahlen sind zu Ende und die Läge ist geklärt: die Regierung wird ihre wiederholten Zusagen, wenigstens den Juden, die an dem letzten Feldzug teilgenommen haben, die Gleichberechtigung zu gewähren, nichtcrfüUcn. Während des Wahlkampfes erklärten die Führer sämtlicher Parteien, daß sic gar nicht daran denken, den famosen § 7 der Verfassung zugunsten der Juden zu ändern, wie jede Partei wechselseitig von der Gegenseite ״beschuldigt“ worden war. Herr C. Stere, Führer der Nationallibcralen, sagte in einer Wählcrversaiumlung in Jassy: ״Vor allem .müßte, damit es überhaupt zu dieser Acndcrung kommen kann, über die Leiche des rumänischen Volkes geschritten werden; unser Volk will jetzt von gleichen Rechten für die jüdischen Fremdlinge nichts wissen und würde sich wie e i n Mann dagegen atiflehiien.“ Die Regierung selbst hat für ihre ״redliche“ Gesinnung in bezug auf die Judenfrage einen tatsächlichen Beweis geliefert, der alle Beteuern!!- gen überflüssig macht. Die beiden Führer der nationalistisch-antisemitischcn Partei, die Professoren Jorga und Cu za, wurden mit ihrer Hilfe gewählt, jorga hat wenigstens als Schriftsteller und Geschichtsforscher einige Bedeutung und war bereits in der letzten Session Mitglied des Parlaments. Hingegen zählt Ctiza als Gelehrter überhaupt nicht ,und ist als Mensch und Politiker selbst itn Kreise seiner judcnfeindlichen Gesinnungsgenossen verrufen. Er hetzt das Volk in blutrünstiger Weise zu Pogromen ״nach russischem Muster“ auf. Und dieser Hooligan wurde wider alles Erwarten, ja vielleicht zu seiner eigenen Ueberraschung mit Hilfe der ,,liberalen“ Regierung ins Parlament gewählt! Das Komitee der ״Vereinigung der eingeborenen Juden“ setzt unter solchen Auspizien den völlig aussichtslosen Kampf um die Gleichberechtigung fort. Kürzlich überreichte es dem Ministerpräsidenten, J. J, Bratianu, eine Denkschrift, die sich auf die vom Minister des Acußern V. Bocrescu im Jahre 1870 in einer Note an die Mächte gegebene Vcrsic rtmg beruft, wonach die im Lande geborenen Ju ’;n nicht als Fremde, sondern als rumänische StaVs» angchörigc behandelt werden sollen. Entgegen den von ausländischen Zeitungen '(׳- breiteten Nachrichten hat dem Komitee weder er Ministerpräsident noch König Carol irgend«י־י\ '־׳ Zusicherung zugunsten der Juden gegeben. Ein Jude Im türkischen Stäatsrat Bisher gehörte dem türkischen Staatsrat, der höchsten Verwaltungsbehörde des osmamschen Rrfchcs. kein Jude an. Nunmehr stellt die Ernennung ־׳!res jüdischen Richters, Zeki bey Albala, zum Mitglied des Staatsrats bevor. Er gehört auch dem neu gewählten Mcdschliss dschismani an. Seme Haitung in innerjüdischen Angelegenheiten kann als neu- ״vl bezeichnet werden, doch steht er dem National- Judentum freundlich gegenüber, hat Verständnis für chcn Juden Am Sonntag, den 22. Februar, fand in Konstanlinopel eine Sitzung des Mcdschliss u m u m :, der Nationalversammlung des türkischen Judentums, statt. Vom Mcdschliss tnnuini wird der ■Mcdschliss dschismani gewählt, eine Körperschaft von neun Personen, welche gemeinsam mit dem Oroßrabbiner die Verwaltung der Konstautinoneler jüdischen Gomeiiidc und die Vertretung der Interessen des türktsehen Judentums besorgt. Der Einfluß des nationaljüdischen Elements ist in diesen Körperschalten von Jahr zu Jahr gewachsen. Auch die am 22. Februar ahgchaltene, sehr stark beschickte Tagung des Mcdschliss umunii bewies, daß die Bedeutung des nationaluklischcn Elemcv■1•■! hier weit größer ist, als in irgendeiner ande י י _ 1en Gemeinde der Welt. Insbesondere zeigte sich dies hei den Wahlen, welche infolge des Rücktritts des Mcdschliss dschismani vorgeuontmen wurden. Es wurden folgende Herren gewählt: Ment ec h Pa- 0 c h a G a 1 i m i d i, Zeki bey Albala, M. Abra-;no witsch, Aron Barzilai, Maim Asseo, S. Afouctc, Vitali Cocnca, H. Rcisner, Mcir 1'.Ge 11 ca.' Die beiden erstgenannten Herren sind neu- .־:Je Persönlichkeiten, die übrigen sieben ausgerprochene Nationaljuden, zum Teil Zionisten. Für die bulgarischen Kriegswaisen Wir werden um den Abdruck folgenden A u f r u f s an die jüdische O e f f e n 11 i c h k c i t er• sucht: Die /uden, welche in den Lagern aller kriegführenden Staaten mitgekiimpft haben, haben unter den Folgen der Balkaukriege gegenwärtig schwer zu leiden. Im kleinen Bulgarien, dessen jüdische Einwohnerschaft ungefähr 40000 Seelen beträgt, z ä 111 c 11 die i m Kriege ge f a Denen j ü d isehen Sol d a t e 11 nach viel c n H u 11 d c r t e 11. Mehr als 250 hilflose Waisenkinder, Knaben mul Mädchen, bilden die traurige Hinterlassenschaft der jüdischen Blutzeugen auf bulgarischer Seite. Für diese den ärmsten Standen angcliörenden jüdischen Kriegswaisen soll mm gesorgt werden. Unter dem Vorsitz des Großrabbiners I >r. Ehrenpreis wurde in Sofia ein Komitee für Waisenfürsorge gebildet, welches in der Hauptstadt des Landes ein jüdisches Waisenheim errichten will. Eine entsprechende Anzahl von Kindern soll außerdem nach Tunlichkeit in •jüdischen Waisenhäusern und Asylen des Auslamlcs, hauptsächlich in Palästina, untergebracht wer• den. Einen Anfang hat man damit in London bereits gemacht: die Portugiesisch-Spanische Gemeinde dieser Stadt hat zwei jüdische Waisenknaben aus Bulgarien in ihrem Waisenasyl untergebracht und die Aufnahme von weiteren zwei in Aussicht gestellt. Zur Ehre der bulgarischen Judenschaft muß gesagt werden, daß sie sich einmütig bereit findet, für das Hilfswerk zugunsten ihrer Kriegswaisen außer• ordentlich große Opfer auf sich zu nehmen. Aber die Aufgabe ist zu groß, sie steht in keinem Vcr- Itällnis zu den vorhandenen Mitteln. Ohne werktätige Unterstützung seitens der Glaubensgenossen im Aus■ laude wird das Hilfswerk kaum erfolgreich durchzu■ führen sein. Das gefertigte Komitee richtet an die jüdischen Gemeinden und Korporationen, sowie an die gesamte jüdische Ocffentlichkeit die ergebene Bitte, dieser armen Kriegswaisen, deren Väter als Blutzeugen für jüdische Ehre und Pflichttreue auf den Kriegsschau■ plät/cn in Thrazien und Mazedonien gefallen sind, zu gedenken und durch gütige Unterstützung■ des Hilfswerks die Fürsorge für diese bedauernswerten Kinder und ihre Erziehung möglich zu machen. Gefl. Zuweisungen wolle man wie folgt adressiereu: Maison de Banque Juda B. Israel (V Co. (Campte Orphcliuat), Sofia. Für schriftliche Mitteilungen aller Art wende mau sich an das Sccretariat General des Oeuvres juives de •Charite 48, Bd. Doudoukoff, Sofia. Bekanntmachung. Die diesjährige Verlosung der Reiseprämie n der P a I ä s t i n a R c i s e ־ G e s c 11 * scliaft c, V. in Hamburg lindet am Sonntag, dem 19. April a. c. statt. Voraussichtlich werden diesmal zwei Reiscprämicn zu je 500 M. zur Verlosung (dangen. Die Mitglieder werden höfl. gebeten, um Unkosten und Arbeit zu ersparen, die Beiträge mögliehst umgehend an Herrn Rechtsanwalt Dr. Bruno Tannenwald, Hamburg, Kaiser-Wilhclmstr. 110, einzusenden. Beiträge, welche bis 15. Februar noch nicht eingegangen sein werden, werden unter Anrechnung der Kosten per Postnachnahme eingezogen. Anmeldungen zu der nächsten Gesellschaftsreise nach Palästina, an welcher unser vorjähriger Preisträger, Herr R.-A. Meyer-Bonn, teilnimmt, nimmt die unterzeichnete Stelle gern entgegen. Neu hinzutretende Mitglieder nehmen an der diesjährigen Verlosung teil. Palästina-Rcisc- Gesellschaft e. V. in 1! a m b u rg. Der geschäftsführende Ausschuß i. A.: Dr. A. Ch wo lies, Bahrcnfcld, Mozartstr. 34. Die Palästina-Fahrt Im Frühjahr Für die am 2. April stattfimlendc Palästina-Ocseilschaftsfahrt hat sich bereits eine große Zahl von Teilnehmern aus allen Ländern gemeldet. Diese Reise ist eine allgemein jüdische und nicht auf Teilnehmer eines Landes beschränkt. Die Fahrpreise sind besonders ermäßigt (40״/®), und zwar: Schnelldampfer Triest—Palästina und retour I. Kl. Kr. 551,62; II. Kl. Kr. 387,26; III. Kl. (ab Alexandrien II. Kl.) Kr. 217,16. Bei der Rückfahrt wird ein dreitägiger Ausflug nach Aegypten arrangiert. Kosten des!()tägigen Aufenthaltes in Palästina: Kr. 400,—, in Aegypten: Kr. 65, . Da die Zeit sehr vorgerückt ist, ist es erforderlich, daß diejenigen, die noch teilnehmen wollen, sich ehestens anmclden. Die Anmeldung zur Fahrt erfolgt durch die Ueberweisung der Hälfte des Schifffahrtspreises an den ״Jüdischen Nationalfonds, Konto Palästina-Informationsluireau, Wien II, Karmeliterplatz 1“, und die Anmeldung zum Programm des Aufenthaltes in Palästina unil Acgyntcn durch die Anzahlung von Kr. UM),— als Angabe bei der ״Unionbank“, Wien, Konto Angio Palcstine Co., Jaffa, für Sachs. Die restlichen Beträge müssen bis spätestens 10. März 1014 Ungezählt werden. Auskünfte und ausführliche Prospekte beim Palästiiia-lnformationsbiireau des Zionistischen Actions• Comitds, Wien 11, Karmclitcrplatz 1. Vom Bezalet Der Verein Bczalcl in Berlin hat an die Zionistisehen Vereine und Vertrauensmänner ein Rundschreiben gerichtet, worin er sie ersucht, mit den anläßlich des Purimfestes stattfindenden Veranstaltungen eine Bczalcl-Tombola zu verbinden. Ferner gibt er die Anregung, einen evtl, zu erzielenden Ucberschuß aus der Tombola-Veranstaltung zur Hälfte für das hebräische Schulwerk und zur Hälfte für den Verein Bczalel zu verwenden. ZlOi Mitteilungen Zionistischen Vereinigung für Deutschland In einer Großstadt findet ein chirurgisch und gynäkologisch ausgcbildcter Arzt, der imstande ist, sich eine kleine Klinik einzurichtcn, eine günstige Nicdcrlassungsmöglichkcit. Es besteht auch die Aussicht auf spätere Ucbcrnahmc einer umfangreichen Praxis. * ln einer Stadt in der Mark finden ein praktit i s c 11 e r Arzt und ein Tierarzt gute Niederlassungsmöglichkeitcn. Auskunft erteilt die Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Sir. 8. Megilloth aus getriebenem Silber und Silberfiligran in verschiedcncr Ausführung empfiehlt der ״Be za lei“ seinen Freunden zum bevorstehenden Purimfest. Adresse für Bestellungen: Verein ״Bczalel“, Berlin W. 15, Bleibtreustr, 34/35. Vom Jüdischen Verlag Im Anschluß an unsere Notiz in der letzten ׳Nummer unseres Blattes teilt uns der Jüdische Verlag mit, daß cs im letzten Augenblick gelungen ist, noch zwei wertvolle Beiträge für das Buch ״Cliad G a d j a“ zu bekommen. In einer schönen Abhandlung stellt Theodor L l o c i s 11 das historische und künstlerische Werden der Pcßach-I lagadali dar. Julius Heilbrunn schildert die ״Chagigah“, die olympisehen Spiele der Palästinenser, die jedes Jahr wällrend des Peßaclifcstcs in der ,Kolonie Rcchoboth statt finden und die der Verfasser als Teilnehmer der vorjährigen Palästinafahrt mitgemacht hat. Das Peßachbuch erscheint noch vor Ihiriin. Ungefähr gleichzeitig mit dem Cliad Gadja wer*- den auch die schon lange erwarteten ״K1 e i n e n G e - schichten aus der Bibel“ von Schalom Asch heraiiskommen. Das Buch wird sehr vornehm aus/• gestattet sein und ist als der Typus eines neuen Buches in der jüdischen Literatur zu begrüßen. Anfang April wird der Jüdische Verlag auch den II. Band von Ach ad Ha am, ״Am Scheidewege“, herausbringen. Während der I. Band der Theorie des Nationalismus und des Zionismus gewidmet war, enthält der neue Band vorwiegend Aufsätzc zur zionistischen Praxis. Ausstattung und Preis entsprechen denen des I. Bandes. — Im Auftrag des Jüdischen Wanderbundes ״Blau- Weiß“ hat der Jüdische Verlag ein neues Liederbuch herausgegeben. Diese Sammlung steht im Zeichen des Wandersportes, der unter der jüdischen Jugend Deutschlands und Ocsterreiciis so eifrige Pflege findet. — Der Jüdische Verlag hat soeben seinen ersten Antiquaritätskatalog herausgegeben. Er umr