Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1914)
- Date
- 1914-03-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 10 Seite 103 JUEDISCHE RUNDSCHAU Die Herren Dr, Schmarja Levin und I)r. Ch. Weiz- ■lann erstatteten Referate über tlic bisherige Tätigkeit des Arbeitsausschusses. Es wurde unter anderem be• schlossen, schon in nächster Zeit mit den Arbeiten für die Gründung der U n i v c r s i t ä t s b i b I i o t h e k zu beginnen. Den Schluß der Tagung bildeten die Beratungen iber die Ausgestaltung des hebräischen Schulwerks. Zur Leitung und Verwaltung des hebräischen Schulwcrks in Palästina soll ein provisorisches Schulkomitee eingesetzt werden, dem zwei Vertreter des Zionistischen Actions-Comites, zwei Vertreter der Odcssaer Palästinagesellschaft und zwei Vertreter der palästinensischen Judenhcit angehören sollen. Der Etat der hebräischen Schulen soll vom Actions-Comite zu zwei Dritteln und dem Odcssaer Komitee zu einem Drittel gedeckt werden. Im Anschluß an die Sitzung des Actions-Comites tagte am Montag, dem 2. März, das Direktorium des Jüdischen Nationalfonds. Aus den Landesorganisationen: Ergebnisse der Aktion für das hebräische Schulwerk Das Große Actions-Gomitd hat das Verhalten des Engeren Actions-Comites in dem Kampf um die hebräische Sprache uneingeschränkt gebilligt. Es hat die nötigen Maßregeln ergriffen, um das neue hebräischc Schulwerk in Palästina zu konsolidieren. An der Zionistischen Organisation ist es, die Mittel für dies wichtigste Anliegen zu schaffen. Der Schulkampf M beendet — unsere Arbeit geht weiter! Orte, die mindestens 50 Mark abgcliefert haben (Ausweis Nr. 1—9): Aus Deutschland: Berlin ...... . . 17 669.30 Breslau. . . 3 528.65 Königsberg .... . . 2085.50 Elberfeld ..... . . 1 981.72 Hamburg .... . . 1923.75 Frankfurt a. M, , . . . 1833.- Beuthcn . . . 1 778.- Mannheim .... . . 1 736.- Leipzig. . . 1 362.25 Zwickau. . . 970.— Kattowitz .... . . 960.- München . . . ׳. . .. . 762.- Posen. . . 656.50 Danzig. . . 600.- Köln. . . 578.- Chemnitz .... . . 525.— Düsseldorf . . . . . . 505.- Halberstadt .... . . 463.- Straßburg .... . . 452.50 Hannover . , . . . '. 450.-' Essen. . . 420.- Nürnberg . . . . . . 405.- Ratibor ...... . . 400.- Eydtkuhncn . . . . . . 380.- Lüneburg . . . . . . 380.- Konstanz-Gailingen . . . 300- Zabrze. . . 239.- Gleiwitz. . . 216.- Dortmund . . . . . . 203.- Memel . . 200.- Dresden . . . . . . . IST- Karlsruhe . . . . . . 181.90 Gotha. . . 172.- Militsch. . . 150- Heidelberg . . . . . . 130— Eschwege . . . , . . 128— Kassel. , . . 125— Kiel . Bremen HO.- 103.- Ahrensburg. 100— Cottbus. 100— Dessau. 100— Floß i. B. 100.- Offenburg i. B.. 100.- Winzenheim. 100.- Gollub. 95— Bromberg. 90— Halle. 90— Fulda. 85— Eberswalde. 75— Koschmin ...... 70.75 Duisburg . .. 60.— Tarnowitz. 60— Wronke. 60.— Hameln .. 52— Metz. 50.40 50— Lübeck ....... 50.— Mühlhausen. 50.— Schlüchtern. 50.— Weinheim a. d. B. . . . 50.— Andere Orte. 2 543.41 Zusammen 49 428.63 Rußland . . I )cutscliland Wcstöstcrrcich Galizien . Amerika . England . Tü־kei Kanada . Rumänien Bulgarien Ungarn , Andere Länder 81021.75 49 428.63 17167.72 11 762.46 6651.55 6592.15 5115,92 3 357,60 2 544.10 1 120.07 1 097.37 4 313.24 Zusammen 193 475.56 Dazu Ausweis Nr. 10: 12016.81 Bisheriges Resultat: 205 192.37 Zur Beachtung! Es sind mehrere Schreiben von Ortsgruppen eingelaufen, die die Zahlen unserer Zentralfonds-Ausweise beanstanden. Diese Klagen sind berechtigt und unberechtigt. Die ״Welt“ summiert die Eingänge aus den einzelnen Orten nicht ständig; da wir dies nach den Ausweisen der ״Welt“ besorgen, so entgehen uns die ״Kleinen Spenden“, die dort ohne Ort angeführt werden. Sic finden sich in der letzten Ausweispost ״Andere Orte“, die eigentlich heißen müßte ״Andere Orte und Kleine Spenden“. Wir sind aber gern bereit, Korrekturen vorzunehmen, wenn sie uns von der Ortsgruppenleitung offiziell bekanntgegeben werden, Die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau". ״Vernünftige Forderungen“ Herr Direktor E. Lichten stein stellt uns totgenden Offenen Brief an die Redaktion des ״Israelitischen Wochenblattes“, Berlin, zur Vcrfügung: Sehr geehrter Herr Schach I In der Nr. 9 Ihres geschätzten Blattes veröffentliehen Sie die Beschlüsse, welche am Sonntag, dem 22. pass., in der entscheidenden Kuratoriums-Sitzung über den Sprachenstreit und damit über das künftige Schicksal des jüdischen Instituts für technische Er• zielumg in Haifa gefaßt wurden. Sie veröffentlichen aber nicht nur diese Be Schlüsse, sondern schließen in Parenthese einige Bemerkungen an, die nach meinem Dafürhalten nicht unwidersprochen bleiben dürfen. Sie schreiben nämlich wörtlich: ״Dieser Beschluß wird allen vernünftigen Forderungen gerecht und zeigt, daß der Hiifsvercin den Frieden will. Diese Konzessionen hätte man auch ohne Kampf erreichen können, und es ist an den Zionisten, zu zeigen, daß ihnen der Kampf nicht Selbstzweck ist. cs ist töricht und frevelhaft, jetzt noch den Kampf weiterzuführen.“ Ich bin kein Zionist, aber gerade deshalb bemühe ich mich mit erhöhtem Eifer, den Zionisten gegen über gerecht zu sein. Sic sagen, die Beschlüsse des Kuratoriums werden allen vernünftigen Forderungen gerecht. Da diese Beschlüsse zwei wissenschaftliche Fächer am Technikum in Haifa in hebräischer Sprache lehren lassen, ist Ihnen das also die Verwirklichung ״vernünftiger Forderungen“. Es steht nun aber unbestreitbar fest, daß die Zionisten den Sprachenstreit nur aufgenommen haben weil Herr Dr. Nathan und seine Anhänger am Technikum in Haifa auch nicht für c i n wissenschaftliches Fach von Anbeginn an die hebräische Sprache als Unterrichtssprache unverrückbar fcstlcgcn lassen wollten. Mit dieser Tatsache vermag ich Ihre Bemerkung nicht in Einklang zu bringen, daß man die erlangten Konzessionen (ein Wort, das ich in diesem Zusammenhange übrigens nicht verstehe 1) auch ohne Kampf hätte erreichen können. Vor dem Kampf: hebräisch nicht für ein wissenschaftlichcs Fach. — Nach dem Kampf: hebräisch für zwei wissenschaftliche Fächer! Spricht das nicht Bände?1 Aber nicht genug damit, Sie sagen auch, der Hilfsverein zeige mit dem Beschluß vom 22. pass., daß er den Frieden will. Gewiß, das zeigt dieser Beschluß, aber ich meine, diese Bedingungen hätte ״man“, um mit ihren Worten zu sprechen, auch ohne Kampf haben können! Kurz und klar gesagt, der Beschluß vom 22. pass, zeigt, daß der Hiifsvercin jetzt, d. h. nach dem Kampf, Frieden haben will, und zwar einen Frieden, der vom Standpunkt des Hilfsvercins aus ein schlecbterer ist, als er für ihn ohne Kampf zu erreichen war. Die Zionisten!laben nachweisbar ursprünglich weniger gefordert, als jetzt von ihnen erreicht ist, denn das Doppelte von dem wurde ihnen zugobilligt, was sie als Mindestforderung bezeichnet hatten. Hei dieser Sachlage finde ich mich in Ihren Go dankengängen nicht zurecht, denn Sie schreiben, es sei jetzt «an den Zionisten, zu zeigen, daß ihnen der Kampf nicht Selbstzweck ist. Sie sprechen dabei von dein Kampf um d i e Forderungen, welche auch Ihre Lesart als vernünftig bezeichnet! Aber wenn dein so ist, wer verdient dann die Mahnung, zu zeigen, daß der Kampf nicht Selbstzweck ist: die Zionisten oder der Hilfsverein? Angesichts des ״Einigungsprogrammes“, wenn ich cs so nennen darf, angesichts dieses ״allen vernünftigen Forderungen gerecht werdenden“ Programnu׳s muß für jeden Unbefangenen als aller streitenden Erwägungen logischer Schluß der Go danke sich durchsetzen, daß durchaus bescheiden und für den Hiifsvercin durchaus annehmbar gewesen ist, was vor dem Kampf von den Zionisten für das Technikum in Haifa gefordert worden ist. Das muß letzten Endes auch Ihre Meinung sein, sehr geehrter Herr Schach, denn Sie rühmen der jetzigen Punktation des Kuratoriums ja selbst nach, sic werde allen vernünftigen Forderungen gerecht. Ich folge sonach nur Ihnen, wenn ich aus Ihrer eigenen Darstellung folgere, der Hilfsverein wollte die hebräischc Sprache nicht für zwei Fächer festgelegt wissen, wurde also vernünftigen Forderungen nicht gerecht 1 Dieser wichtigen Erkenntnis gibt Ihre Bemerkung in Nr. 9 Ihres geschätzten Blattes, meines Erachtens, nicht ganz adäquaten Ausdruck, und deshalb bitte ich Sic, meiner Zuschrift um der Gerechtigkeit und der Deutlichkeit willen Aufnahme zu gewähren. Ich danke Ihnen im voraus für die Erfüllung dieser Bitte und schließe meinen ״Offenen Brief“ mit den b'ci anderer Gelegenheit kürzlich gesprochenen Worten des Herrn Geheimrat Hermann Cohen, daß ich die vorliegenden Zeilen nicht geschrieben haben würde, wenn ich nicht die Pflicht in mir gefühlt hätte, ״mich in Reih und Glied zu stellen mit den Männern, welche mit treuer Hingebung arbeiten und dafür Tag um Tag angegriffen, verdächtigt und beschimpft werden“. Mit vorzüglicher Hochachtung E. Lichtenstein. Nachwirkungen der ״Erklärung“ Der ״Jewish Chronicle“ schreibt: Die ״Erklärung“ der 300 jüdischen Notabcln hat aut die Nichtzionisten einen so schlechten Eindruck gemacht, daß hervorragende Persönlichkeiten, wie Oberrabbiner Dr. Kroncr, Stuttgart, und die Vertrete!• der Bnc Brith - Logen, es für nötig erachtet haben, emen Protest gegen die Waffen zu erheben, welche das antizionistische Komitee in seinem Feldzug gegen die Zionisten gebraucht. Was den deutscheu Zionismus selbst anlangt, so hat ihm die ״Erklärung“ mehr Nutzen als Schaden gebracht. Tatsachlich haben die deutschen Zionisten noch niemals eine so gute Gelegenheit gehabt, ihre Ideen zu propagieren, und sie machen von dieser Gelegenheit de!» ausgiebigsten Gebrauch. Nach der Haltung, welche das deutsche Judentum augenblicklich einnimmt, kann kein Zweifel sein, daß die deutschen Zionisten den Kampfplatz geistig und materiell gestärkt verlassen werden. Dies ist einer der Gründe, warum weitsichtige deutsche Assimilanten nicht mit der neuen Taktik des antizionistischen Komitees übereinstimmen. Die ״Erklärung“ hat ferner gute Wirkungen gehabt, da sie auch das Interesse der indifferenten Juden erregt und sie veranlaßt hat, sich in dem Streit auf die eine oder andere Seite zu stellen. Die allgemeine deutsche Presse hat sich bisher in ihrem Urteil über die ״Erklärung“ zurückgehalten, in dem Gefühl, daß es nicht Aufgabe von Nichtjuden ist, sich in eine vollkommen jüdische Angelegcnheit zu mischen. Nur ein paar ausgesprochen antisemitische Blätter haben Artikel über die ״Erklärung“ gebracht. Sic sagen, daß selbst Tausende solcher Versicherungen von seiten der deutschen Juden, wie sie in der ״Erklärung“ enthalten sind, wirkliche Deutsche niemals dazu bringen könnten, zu glauben, daß jene Juden wahre Deutsche sind, Herr Dr. Bernhard Kahn, Sekretär des H i 1 f s* Vereins der deutschen Juden, hat an den Herausgeber des ״Jcwish Chronicle“ folgende Ber i c h t i g u n g gesandt: ״Ihre Ausgabe vom 20. Februar enthält auf Seite 10 einen Bericht, nach welchem die deutsche ״Erklärung“ eine Wirkung des Streites um die hebräische Spräche in Palästina ist, und auf Seite 13 die weitere Behauptung, daß ״die Angabe, Dr. Nathan ׳,arbeite hinter den Kulissen, keine leere Hypothese, sondern eine feststehende Tatsache“ ist. Im Gegensatz zu diesen Behauptungen erklären wir ausdrücklieh, daß die fragliche ״Erklärung“ in keinerlei Zusammenhang mit dem Hilfsverein