Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1914)
- Date
- 1914-02-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 0 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 9b AUS DEN GEMEINDEN Berlin. In der Bezirksgruppc Rosenthalcr Vorstadt-Ocsundbrunncn des ״N cucn Jüdischen Gemeindevereins fand am 16. Februar die Generalversammlung statt in der Herr 1 leinrieh Margulies ein Rcterat über ״Gegenwartsfragen des Judentums'‘ hielt. Berlin. Der ,Neue Jüdische Gemeindeverein“ beklagt den Tod seines langjährigen Vorstandsinitgliedcs, des Herrn Louis Alexander. Der Verklärte war beinahe seit Beginn des Vereines Mitglied der Leitung und hat mit der ihm eigenen Pflichttreue die Bestrebungen des Vereins aufs wirksamste gefördert. Der Vorstand hat ״dem lieben Menschen und treuen Freunde“ in den Tageszcitungen einen herzlichen Nachruf gewidmet. Bei der Bestattung, die am Sonntag unter nullcrordcntlich imposanter Beteiligung stattfand, sprach im Namen des Neuen Jüdischen Gemcindevereins Herr Rechtsanwalt Dr. Klee. Wie wir hören, beabsichtigt der Neue Jüdische Gemeindeverein in pietätvoller Erinnerung an den Verblichenen seinen ältesten Schwicgersohn in die Vercinsleitung zu kooptieren. Samtcr. Am Sonntag, dem 15. März d. J., feiert die hiesige Gemeinde das 25 jährige Aintsjubiläum ihres verehrten und weit über die Grenzen der Provinz bekannten Rabb. Dr. Wreschner. Es ist geplant, am Nachmittag 31/2 Uhr, in der Synagoge einen Festgottesdienst abzuhallen woran sich abends 8 Uhr ein Souper im Hotel ue Gielda auschlielleu soll. VEREINS-RUNDSCHAU Berlin. Der ״Verein jüdischer Studierender aus Rußland“ veranstaltet am M011tag, dem 2. März, um 82/י Uhr abends, im Atlas-Hotel (Friedrichstr.' 105) einen literarischen Abend, an dem der bekannte jüdische Dichter I lerr S. Sehne u r aus eigenen Werken (Prosa und Dichtung) vortragen wird. Berlin. Am Dienstag, dem 3. Mürz, um 8',4 Uhr, wird Herr Dr. Brühl, Kustos des Museums für Meereskunde, über die Forschungsreise zu m Toten Meere, die er im Auftrag der Gesell- Schaft für P a 1 ii s t i 11 a - F o r s c h u 11 g (Vorsitzender Prof. Warburg) gemacht hat, einen Vortrag mit Lichtbildern im Logenhause (Klciststr. 10) halten, Gäste willkommen. Berlin. In Berlin hat sich vor kurzem ein Zionisti scher jugendverein gegründet, der junge Kaufleute, Akademiker und junge Mädchen zu gemeinsamer Arbeit vereinen soll. Der Verein soll sowohl der Propaganda des zionistischen Gedankens nach außen unter der Jugend dienen, als auch seine Mitglieder durch Veranstaltung von regelmäßigen und systematisch ausgcbautcu Kursen in die Gedankenwelt des Zionismus einführen und sie in der Apologetik und in der Geschichte unserer Bewegung schulen, kurzum sic in jeder Hinsicht zionistisch durchbildcn. Außerdem soll durch verständnisvolles Eingehen auf die verschiedenen privaten Interessen der Mitglieder ein Zusammenschluß auf geselliger Grundlage erreicht und durch Schaffung von Untergruppen den geistigen und sportlichen Bedürfnissen aller Mitglieder nach Möglichkeit Rechnung getragen werden. Alle jungen Zionisten werden gebeten, zu der konstituierenden Versammlung am 4. März im kleinen Saal der Spichcrnsälc um >/29 Uhr zu erscheinen. Berlin. Am 5. März veranstaltet die FrauenvereinigungderBcrlinerZionistischen Vereinigung eine Versammlung in dem kleinen Saal 'der Spichcrnsälc, Spichernstr. 3. Beginn der Versammlung V Uhr. Es soll eine Aussprache über die Mittel und Wege zu einer vermehrten Propaganda unter Frauen und über die Arbeitsgebiete und Möglichkeitcn für Zionistinnen stattfinden. Gleichzeitig sollen die Fragen erörtert werden, die sich durch die korporative Aufnahme der Jüdischnationalcn Frauenvereinigung in die B. Z. V. ergeben haben. Referenten sind: Dr. Schwarz, Frau Wagner-Tauber, Frl. Bertha Hcnschcl, Alle Zionistinnen werden dringend um ihr Erscheinen gebeten; alle Mitglieder der B. Z. V. sind als Gäste willkommen. Berlin. Die Zionirtisch-Akademischc Verbindung ״Herzliah“ veranstaltet am Donnerstag, dein 5. März, ein Kostümfest ״Puriin in Palästina“ in den Gesamträumen des Logenhauscs, Klciststr. 10. Der Gesamtreinertrag ist für das hebräische Schulwerk in Palästina bestimmt. Die Karten sind nur durch stud. ing. Hermann Ille, Wiclandstr. 18, erhältlich. Berlin. Der Jüdische Turnverein Bar K o c h b a veranstaltet seinen P u r i m b a 11 am 7. März, in den Räumen der ״Ressource zur Unterhaltung", Oranienburger Straße 18. Der Reinertrag des Festes fließt dem Fonds unseres Sportplatzes zu. Berlin. Die beiden Berliner Herzl-Klubs veranstalten zum Besten des hebräischen Schul- Werks am Sonntag, dem 8. März, in den Gesamtfest- Sälen des Logenhauses, Kleiststr. 12, einen Fünfuhr-Tee mit Vorträgen und Tanz. Alles Nähere im Inserat. Berlin. Der Kind er-Purim ball der J üdischnationalen Frauenvereinigung findet am Sonntag, dein 8. März, im großen Saal des Tiergartenhofes statt. Beginn ya4 Uhr. Berlin. Am 9. März veranstaltet das Komitee zur Errichtung von Volks- und Wirtschaftsschulen in Palästina eine Nachtvorstellung im Deutsehen Theater. Mitwirkeude: die Damen Mariarme Alf ermann und Erna Denera, Kgl. Sängerinnen, Amanda Li nein er, Ehrenmitglied des Kgl. Schauspielhauses, Konzertsüngcrin, Elisabeth O h 1־ hoff, Hedwig Reicher, Johanna Terwin; die Herren Kammersänger Werner Alberti, Viktor Arnold, Otto Bake, Wilhelm Diegelmann, Kammersänger Julius Li c bau, Prof. Mayer- M a 11 r, Alexander M o i s s i, Rudolf Schildkraut 11. a. Der Reinertrag wird zum Besten der Volks- und Wirtschaftsschulen für Mädchen in Palästina verwendet. Eintrittskarten (ab Dienstag) 15, 12, 10, 8, 5, 3, 2,50, 1,50 M. bei Bote & Ikick, A. Wertheim und im Deutsche!: Theater. Berlin. Am 15. Marz, nachmittags 4 Uhr, findet im großen Saale des ״I lackcschcn Hof“ das Stiftungsfest der 1. Frauenahtcilung des Jüdischen Turnvereins ״Bar Kochba“ in Form eines Kinderhalles statt. Wir bitten schon jetzt, über diesen Tag nicht anderweitig zu disponieren. Berlin. Der Charlottenburger hebräisehe Club veranstaltet am Donnerstag, dem 19. März, 9 Uhr abends, in den Johann-Gcorg-Sälcn eine hebräische P u r i m f e i c r. Für liumoristischc Vorträge, Unterhaltung und Musik wird reichlieh gesorgt. Karten ä I M. und 50 Pf. sind zu bekommen in der jüdischen Lesehalle und in der Buchhandlung von Oonczcr. ¥ Straßburg i. Eis. Die Zionistische Ortsgruppe veranstaltet am Dienstag, dem 3. März, eine öffeiit־- liehe Versammlung, in der die Herren Myrtill Bloch- Straßburg und Dr. E1 i a 8 - Mülhausen sprechen werden. Hannover. Die Vereinigten Turnerschäften (Jüdische Turncrscliaft Hannover und Turnvcreiniguiig von 1014) veranstalten am Sonntag, dem 8. März, anläßlich ihres 10 jährigen Stiftungsfestes ein Schauturnen, das in der Turnhalle der Obcrrealschule am Clever Tor, nachmittags 4</־ Uhr, stattfindet. Abends 8 Uhr wird in sinntliehen Festräumen des 1 laiisahauses ein Ball abgehalten. 1 ■ i * Berlin. Der Ifftiis-Maskcnball findet am Sonnabend, dem 28. Februar, in den Gesamt-Festräumen des Brüdervereins statt. Karten ä 4 M. (am letzten Tage 5 M.) bei stud. nrcli. Lotte Cohn, Kurfürsienstr, 118. Herren im Frack lösen ein Masken- Zeichen. Der Ueberscluiß ist für die Palästina- Wandcrkasse des Bundes bestimmt. Berlin. Am Montag, dem 23. Februar, fanden in Berlin zwei große Versammlungen als Antwort auf die aiitizionistischcn Angriffe statt. Die Vcrsammhingen, die von der Berliner Zionistischen Vercinigung und vom Zionistischen Verein West-Berlin veranstaltet waren, waren sehr stark besucht und nahmen einen glänzenden Verlauf. Besonders bcmerkenswert :war, daß viele Nichtzionisten und auch Antizionisten diesmal erschienen waren, und daß die zionistischen Reden sichtlich mich bei Fernstehenden ihren Eindruck nicht verfehlten. Die von der Berliner Zionistischen Vereinigung im Lehrervereinshaus veranstaltete Versammlung wurde durch den Vorsitzenden Herrn Dr. Rosenberg mit einer kurzen Ansprache eröffnet. Nachdem der erste Redner, Herr Blumcnfeld, über den Verlauf der letzten Kuratoriumssitzung ׳berichtet hatte, die die vollkommene Anerkennung der zionistischen Forderungen gebracht hat, wiesen alle drei Redner, die Herren li 1 u m e 11 f c 1 d , Dr. Zwirn und Dr. Klee, in scharfer und überzeugender Weise die antizionistisciien Angriffe zurück und zeigten die ganze innere Inkonse1|11enz und Haltlosigkeit des Antizionismus, der überhaupt keine positiven Ideale habe. Die Reden wurden mit großem Beifall aufgenommen. Sodann entwickelte sich eine lebhafte! Diskussion, in der eine ganze Reihe von Gegnern zu Worte kam. Interessant waren die Ausführungen des Herrn Direktor Lichtcnstcin; dieser berichtete unter Betonung seines gegnerischen Standpunktes, daß er nach der Lektüre der Nathanschcn Broschüre zuerst gedacht habe, dem Zionismus jegliche Unterstützung entziehen zu müssen, die zionistische Gegenbroschüre jedoch hätte ihn durch ihre ruhige und vornehme Sachlichkeit vom Gegenteil überzeugt. Den gegtierischen Rednern antworteten Herr Blumcnfeld und Herr Dr. Klee und widerlegten in geistvoller Weise alle Einwürfe. Die von Herrn Dr. Becker geleitete Versammlung des Zionistischen Vereins Berlin-West, in der die Herren Dr. Hantkc, Dr. Levln und Dr. Witkovvsky sprachen, nahm einen ähnlichen, ebenso befriedigenden Verlauf. Berlin. Die Berliner Misrachi-Gruppe veranstaltete am vergangenen Sonnabend einen Diskussionsabend über das Thema ״Unsere Stellung zum Sprache 11 streit und zum neuen hebräischen Sch ul werk.“ Herr Referendar Barth ging in seinem Referat über die Sprachenfrage selbst kurz hinweg, da die Stellung des Misrachl hierzu nicht zweifelhaft sein könne*. Im weiteren skizzierte er die sich aus der Entwicklung des Misrachi ergebende Stellung zum Schulwerk und präzisiertc die Forderungen, "die für den Misrachl hieraus folgen. Während der sich hieran anschließenden Debatte erschien der zurzeit hier anwesende Herr David Yellin aus Jerusalem. Mit großer Freude ergriff die Versammlung die Gelegenheit, sich von diesem besten Kenner der Verhältnisse Bericht erstatten zu lassen. Die im klassischen Hebräisch gegebenen Darlegungen erweckten das größte Interesse der Versammlung! und beeinflußten die Debatte außerordentlich. Es wurde schließlich eine de״ Leitsätzen des Referenten entsprechende Resolution angenommen. Posen. Vor kurzem hielt in einer Versammlung der zionistischen Ortsgruppe Herr Parteisekretär Rosen ha um, einen Vortrag über den Sprachenstreit. Die zahlreichen Anwesenden folgten mit großer Spannung den ausführlichen Darlegungen des Referenten. Hamburg-Altona. Am 10. Februar fand in Altona, am 22. in Hamburg eine Protestvcrsammhing gegen die antizionistischen Verdächtigungen statt, ln der ersten Versammlung sprach Herr R.-A. Dr. Jacob Möller, Altona, in der zweiten Herr Dr. med. Gerson Blöde, Hamburg. Beide Vcrsammjungen hatten einen würdigen und erfolgreichen Verlauf. München. Als ich am 17. Februar den Mathildensaat betrat, um der Verhandlung der Zionistischen Ortsgruppe mizuwolincn, da sprach mich ein Mitglied der orthodoxen Weltvcreinigung ״Aguüas - Jisrocl“ mit der Bemerkung an: ״Ihr Zionisten habt wirklieh Glück; das autizionistisehe Komitee mit seiner famosen Erklärung ist euer bester Agitator.“ Und der Mann hatte recht; schon lange war eine Ver- Sammlung, bei der ein einheimischer Redner das Referat hatte, nicht so gut besucht svie diese Protest- Versammlung. Es mochten an 600 Personen anwesend gewesen sein, als der zweite Vorsitzende, Herr Jakob Fränkei, Herrn l)r. Elias Straus, das Wort erteilte. 111 cinstümligcr. öfter vom Beifall unterbrochenen Rede gar» er eine treffliehe Erwiderung auf die Erklärung unserer Gegner, wobei er noch ganz besonders eine eingehende Dar- Stellung des Sprachenstreites gab. 111 der sich anschließenden Diskussion stellte auch ein nicht/ionistisciier Redner mit kräftigen Worten die Kainpiesweisc der Unterzeichner der autizioiiistisehcu Erklärung ins gebührende Licht. Ein weiterer niclitzionistisclicr Diskussionsredner suchte, allerdings vergeblich, die famose Erklärung etwas zu entschuldigen. Von zionistischer Seite griff neben Herrn Reich noch ganz besonders Herr Dr. Ludwig W a s s e r m a n n in die Debatte ein; er fand scharfe und treffende Worte zur Kennzeichnung unserer Gegner. Nachdem noch ein junger Herr seinen freiheitlich jüdisch-deutschen Standpunkt dargelegt hatte, kam vier Referent in einem längeren Schlußwort nochmals auf die einzelneii Aeußeruiigen der Diskussionsredner zu sprechen. Kurz vor Mitternacht nahm die würdig verlaufene Versammlung folgende Resolution an: ״Die von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland in München einberufene öffentliche Versammlung vom 17. Februar 1914, welche von mehr als (100 Personen besucht war, weist die jüngst im Inseratenteil politischcr Tageszeitungen veröffentlichte Erklärung des antizionistischen Komitees als in der Form unwürdig, dem Inhalt nach unberechtigt aufs entschiedenste zurück,“ Mit einem Appell zur Beitragslcistung für das hebräische Schulwcrk schloß der Vorsitzende die Versammlung. Magdeburg. Am Dienstag, dem 17. Februar, hielt im Saale der Freundschaft Herr Parteisekretär Kurt Rosenbaum einen Vortrag über den Zio- 11 i s m u s und seine Gegner, \v׳orin er vor allem die unjüdische Kamnfesart der Antizionisten geißelte. In der anschließenden Diskussion hatte der Redner Gelegenheit, verschiedene Anfragen aus der Mitte des äußerst zahlreich erschienenen Publikums zu beant- Worten. Einige Herren meldeten sich als Mitglieder unserer Ortsgruppe. Wir hoffen, daß der Redner zum Zwecke eines informatorischen Vortrages bald wieder hierher kommt. Dortmund. Am 18. Februar veranstaltete die Zionistische Vereinigung, Dortmund, eine Vcrsammlung, deren Verlauf alle Erwartungen übertraf. Es waren über 200 Personen anwesend, darunter einige bekannte Gegner des Zionismus, die aber den Ausführungen der Referenten mit, Aufmerksamkeit folgten. Herr S. Eichengrün cröffncte die Ver- Sammlung im Namen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, indem er das zionistische Prograinm kurz erläuterte. Hierauf sprach Herr Dr. Göttlich über die Grundlagen des Zionismus. Vor der Diskussion entfernte sich der einzige anwesende Dortmunder Unterzeichner des antizionistischen Protestes. In der Debatte sprachen Herr Stadtverordneter Heinemann und Herr Ettinghausen egen den Zionismus. Ihre Einwände wurden von cm Referenten widerlegt. Die Versammlung war ein starker, moralischer Erfolg. Auch von den Gegnern hat niemand die Veröffentlichungen des antizionistisehen Komitees und die des Hilfsvereins gutgeheißen oder verteidigt. Zwickau. Am Donnerstag, dem 19. Februar, fand hier die Protestvcrsammlung gegen die antizionistische Erklärung statt, in der Herr Schocken jr. das Referat hielt. Neben vcrschiedenen auswärtigen Gästen war fast die ganze jüdische Gemeinde vertreten. In einem eineinnalbstündigen Vortrage sprach Herr Schocken programmatisch über den Zionismus und erörterte im zweiten Teil die