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Jüdische Rundschau · 1914-02-27 · Heft 9 (27.2.1914) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 9 (27.2.1914)
Date
1914-02-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seile 94 Nr. 9 J U E PI SC HE RUNDSCHAU "f 1 ' '1 ־ “־ ־״ ' "r Im ״Verein für Völkerkunde“ sprach Herr l>r. Brühl-Berlin über Palästina. Er erzählte anschaulich von Land und Leuten, auf jüdische In• tcresseu ging er wenig ein; er betonte aber, wenn auch das l-and den Europäer enttäusche, weil es noch so der Kultur ermangele, cs sei doch ein ״gesegnetes Land.׳' Dralb. Am 18. Februar veranstaltete die Stettiner Zionistisclie Vereinigung eine öffentliche Versammlung mit der Tagesordnung ״D i c Wahrheit über den Sprachcnkatnpf in Palästina und die Angriffe des anti/ionistisclicn Komitees׳'. IlieiVu waren die Stettiner Unterzeichner der antizionistischcu ״Erklärung׳‘ brieflich Ungeladen, diese Tatsache war durch Inserat öffentlich bekannt gegeben worden. In der sehr zahlreich besuchten Versammlung sprach als erster Redner Herr Dr. Albert üoldberg, Berlin-Neuenahr. Der sehr interessante Vortrag wurde von der grollen Mehrheit der Versammlung mit starkem Beifall aufgenomnien. Als zweiter Redner spracli Herr Dr. Ha eck er, Pascwalk, der sich mit der ״Erklärung“ der Autizionisten beschäftigte und sie Punkt für Punkt widerlegte. Lebhafte Aufregung rief es hervor, als Herr Dr. üoldberg die eigen• tümliche Art erklärte, auf welche ein Teil der Unter• Schriften unter die ״Erklärung“ gelangt sei und seine Angaben durch Nennung einer Anzahl Namen bc• legte. Nach ilun sprach Dr. Baer. Die begeisterte Schilderung der Ausbreitung des I lebräischcii nameut• lieh unter der palästinensischen Jugend rief leb• baffes Interesse und laute Ziistimimmgscrklüniiigcii hervor. Da sich trotz, wiederholter Aufforderung kein Gegner zum Worte meldete, wurde die Versäumt• hing nach einer kurzen Ansprache des 1 lernt Dr, Goldberg geschlossen. Von den Stettiner Unter- Zeichnern der ״Erklärung“ war trotz der Einladung niemand erschienen. Die Herren mögen wohl nach berühmtem Vorbild die Vorsicht für den besseren Teil der Tapferkeit gehalten haben. Aber auch von den zahlreich erschienenen Anti/iohisten halte keiner den Mut. seine'Stellungnahme öffentlich zu vertreten. Sie brachten es lediglich zu Zwischenrufen und versuchten mehrfach tumultuarisch die Versammlung zu stören. Offenbar in der wohlgemeinten Absicht, uns darüber zu belehren, was bei den Antizionistcn als guter Ton gilt, den sie bei uns so schmerzlich vermissen. Wir dürfen mit dem Verlaufe der Ver- Sammlung sehr zufrieden sein. Sic hat aufklärend gewirkt und manche irrige Meinung beseitigt. Eine nationale Ehrengabe für Mathias Acher Zum 50. Geburtstag Mathias Achers (10, Ijar 567-1 — 6. Mai 101 •I) bereitet das Dr. Birnbaum• Jtibiläunis-Komitec eine nationale Ehrengabe für den grollen Schriftsteller vor. Das Komitee wendet sich an die jüdische Oeffcnllichkeit in einem Aufruf, den u. a. Sclialom Asch, Dr. Max Brod, S. Dtibnow, David Frisclunann, Jclioasch, Dr. D. Pasmanik, J. L. Perez, David Pinski, Scholem Alejehem, Abraham Reisen, Dr. Cltaiin Schitlowsky, Davis Trietsch, llillel Zeifliu unterzeichnet haben. Das jüdische Volk kann Nathan Birnbaum, einem der frühesten und hcdcutendstcn Kämpfer für die ji'ulischnationale Idee in Westeuropa, nicht schöner danken als durch eine solche Gabe, die ilun für seine älteren Jahre ein ruhiges, von äußeren Sorgen ungehemmtes Schaffen im Dienste unseres Volkes ermöglichen soll. Die Ehrengabe soll durch die Organisierung von Jubiläumsabenden und anderen Veranstaltungen an mögliebst vielen Orten sowie durch eifrige Sammeltätig• keit der einzelnen zustande gebracht werden. Sammel* blocks, Marken, Postkarten sind von dem Arbeitsaussclitill in Berlin erhältlich, das auch alle näheren Instruktionen erteilt. Seine Adresse für einfache und eingeschriebene Briefe ist: Geschäftsstelle des Dr. N. Birnbauni-Jubiläumskomitces, Berlin-Steglitz. Die Oeld-Adressc: Commerz• und Diskontobank, Depositcnkassc C, für das Dr. Birnbaum-Jubiläums-Komitce, Berlin, Charlottcnstr. 47, . ZIONISTISCHE BEWEGUNG Mitteilung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland in einer Oroßstadt findet ein chirurgisch und gynäkologisch ausgebildetcr Arzt, der imstande ist, sich eine kleine Klinik einzurichten, eine günstige Nicdcrlassungsmöglichkeit. Es besteht auch die Aussicht auf spätere Ucbcrnahme einer umfangreichen Praxis. Die Palästina-Fahrt Im Frühjahr 11 Kü{JKam,2■ April stattfindendc Palästina-Ocseilschaftsfahrt hat sich bereits eine große Zahl von Teilnehmern aus allen Ländern gemeldet. Diese Reise ist «me allgemein jüdische und nicht auf rv»P1 ■m*er■ icl״.e8 Landes beschränkt. smdt l)cs.2״.clcrs ermäßigt (40 0/0), und 5*״; Schnelldampfer friest—Palästina und retour I. KI. Kr, 551,62; II. Kl. Kr. 387 26׳ III Kl iah Alexandrien 141 ־.״.) Kr. 217,16 ־Bel der Rückfahrt wird ein dreitägiger Ausflug nach Aegypten arrangiert, Kosten des lOtüglgen Aufenthaltes In Palästina: Kr. 400,-, In Aegypten: Kr. 65,--. Da die Zeit sehr vorgerückt ist, ist es erforderlich, daß diejenigen, die noch tcilnchmcn wollen, sich ehestens aiuneldcn. Die Anmeldung zur Fahrt erfolgt durch die Ueberweisung der Hälfte des Schifffahrtspreises an den Jüdischen Nationalfonds, Konto Paliistina-lnformatioiisbureau, Wien II. Karmeliterplatz 1", und die Anmeldung zum Programm des Aufenthaltes in Palästina und Aegypten durch die Anzahlung von Kr. UM),— als Angabe hei der ״Union• bank“, Wien, Konto Anglo Palestinc Co., Jaffa, für Sachs. Die restlichen Beträge müssen bis spätestens 10. März 1914 Ungezählt werden. Auskünfte und ausführliche Prospekte beim Pa• lästina-Informatioiishureau des Zionistischen Actions- Comitds, Wien II, Karmclitcrplatz I. Zum Peßachfest 111 etwa acht Tagen erscheint: Chad Oadja, Das Peß ach huch. Herausgegeben von Hugo Herrmali 11 im Jüdischen Verlag. Etwa 200 Seiten. Preis: steif broschiert 3 M., schön gebunden 5 M. Der Herausgeber will ein jüdisches Hausbuch schaffen, indem er Erzählungen, Schilderungen, Bc• richte sammelt, in denen der Geist unseres Frei• heitsfestes lebt. Zwei Momente bilden die Peßach* Stimmung: Die Rettung des Volkes aus Sklaverei in Freiheit, aus Bedrückung in Erlösung, und das Erwachen des Frühlings. Darum verknüpft sich die Feier des Auszugs aus Mizrajiin mit dem Schwung und der Seligkeit des Hohenliedes. Das Pcßachbuch wird von dieser doppelten Stimmung erfüllt sein. Es bringt nach einer knappen Anführung aus der Bibel und einer etwas ausführlicheren aus der Peßach• I lagadah (die durch reichen Bildcrsclumick auch selb• ständigen Wert erhält) Sagen aus der Midrasrhlite• ratur, Erzählungen (Aguon, Mendele Moclicr Sforim, Ben-Zion, Perez, I leine, Huber u. a.), Beschreihun* gen der Pcßachfcicr in Palästina in alter und neuer Zeit, bei den Samaritanern, den Kaukasiern, den Yemeiiiten und auch bei den deutschen und russischen Juden, endlich eine Anzahl von Gedichten und Betrachtiingen. Zahlreiche Illustrationen sind eingefügt, die meist den alten schönen Drucken der Peßach- Hagadnh entnommen sind. Wie im Texte, s» spricht auch liier der unverwüstliche Humor unseres Volkes. Es ist überall darauf Bedacht genommen, daß alles auch für Kinder zugänglich und verständlich bleibt; wenn das Pcßachbuch zu einem echten jüdischen Kinder- und Volksbuch wird, ist die Absicht des Herausgebers erfüllt. Vom Bezalel Der Verein Bezalel in Berlin hat an die Zionisti• scheu Vereine und Vertrauensmänner ein Rundschreiben gerichtet, worin er sie ersticht, mit den anläßlich des Puriinfestcs statt findenden Vcranstaltuitgcii eine B c z a I c I T o tn b 01 a zu verbinden. Ferner gibt er die Anregung, einen evtl, zu erzielen• den Ucbcrschuß aus der Tombola-Veranstaltung zur I liilfte für das hebräische Schulwerk und zur Hälfte für den Verein Bezalel zu verwenden. MeglUoth aus getriebenem Silber und Silbcrfillgran in verschicdcncr Ausführung empfiehlt der ״Bezalel“ seinen Freunden zum bevorstehenden Purimfest. Adresse für Bestellungen: Verein ״Bezalel'', Berlin W. 15, Bleibtrcustr. 34/35. AUS ALLER WELT Die antisemitischen Parteien Furchtbare Dinge bereiten sich vor. Die antisemitischen Parteien wollen sich fusionieren. Die Deutsche Rcfornipartei beabsichtigt, in der Deutschsozialen Partei aufzugehen mul uer Wirtschaftlichen Vereinigung im Deutschen Reichstage beizutreten. Die Wirtschaftliche Vereinigung bestellt heute schon aus drei Parteien; allerdings sind diese nicht sehr zahlreich: sic besitzen insgesamt sieben Sitze. Durch den Beitritt der Deutschen Rcformpartei würde sich das Fähnlein dieser sieben Aufrechten so star|j vermehren, daß sie — nach der nächsten Sezession — bereits das Lied anstimmen könnten: Zehn Brüder sind wir gewesen, Die|Palästinarelse des Barons Edmund Rothschild Aus Jaffa wird der ״N. J. K." geschrieben. Der hochherzige Förderer der jüdischen Kolonisation Palästinas, Baron Edmund Rothschild aus Paris weilt' seit vierzehn Jahren zum erstenmal wieder in Palästina. Seitdem er sich von der Verwaltung der von ihm begründeten landwirtschaftlichen Kolonien zurückzog und die Jcwish Golonisation Assoclation mit der Fortführung seines Lcbcnswcrkcs betraute, war er nicht mehr im Lande gewesen, obwohl er sich nach wie vor lebhaft und werktätig für die Entwicklung der dortigen jüdischen Ackerbaukoionlen interessierte. Mit freudiger Anteilnahme verfolgte er den stetigen Aufschwung der Kolonisation in den letzten Jahren und das frisch pulsicrcndc jüdische Leben in Stadt und Land. Nun will er sieh durch den Augenschein von den Fortschritten des jüdischen Sicdlinigswerkes überzeugen und wohl auch manche Pläne zu dessen zweckdienlicher Ausgcstaltung an Ort und Stelle prüfen. Zum Teil gilt die diesmalige Palästinarcise de» Barons Rothschild auch einem großzügigen wissen- 8 c h a (11 i c 11 e 11 Unternehmen, dem er in letzter Zeit sein besonderes Interesse zugewandt hat. Baron Rottv Schild hat nämlich von der türkischen Regierung die Ermächtigung erhalten, am O p h c I in Jerusalem, südöstlich vom Tcmpelplatz, Ausgrabungen vorzunehmen, die seit einigen Wochen im Gange sind. Wie verlautet, sind die bisher erzielten Wissenschaftliehen Ergebnisse von großer Bedeutung. Baron Edmund Rothschild traf mit seiner Gemahlin am Freitag, den 13. Februar, in Jaffa ein und wurde von der gesamten jüdischen Bevölkerung enthusiastisch begrüßt. Am Sonntag, den 15. d. M., besuchte er die jüdische Kolonie Petliacli-Tikwah, dann das jüdische Stadtviertel Tcl-Awiw bei Jaüa. Zchntauscnde von Personen waren in den Straßen zusammciigeströmt. Am 16. Februar besuchte Baron Rothschild das Hebräische Gymnasium und äußerte seine Befriedigung über die ungeahnte Entwicklung der hebräischen Sprache in Palästina. Am selben Tage reiste er nach den Kolonien Rischon-Lc- Zion und Rcchoboth ab. Von hier begab er sich nach Jerusalem zu zweitägigem Aufenthalt. Am Freitag, den 20. Februar, fuhr Baron Rothschild nach Cäsaräa, Haifa und der jüdischen Kolonie Sichron-Jakob. Nachrichten aus Palästina Die ״Kölnische Zeitung“ läßt sich aus Jalta vom Anfang Februar melden: Nun sollen auch iür unsere Orenzprovinz bessere Verkehrswege gebaut und eingerichtet werden. Die Tatkraft der l.okalbehördeii zeigt sieh aut kill• furellem Gebiet in Palästina in einem neuen Licht. So hat die französische Bank Perrier die Konzession für eine elektrische Anlage für Straßenbahn und Beleuchtung nebst der Wasserversorgung in Jerusalem erhalten. Der Vertreter dieser Bank weilt augenblicklich noch in Jerusalem und leitet die Verhandlungen. Mit ihm zusammen arbeitet Frangia Eilend! vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten. Auch der Bürgermeister von Jaffa, Omar Effendi cl Bidar, war in Jerusalem, um mit den Herren über eine elektrische Straßenbahn und Beleuchtung für Jaffa zu \erhandeln. Der beste Beleg für den Ernst dieser endlich der Vollendung ciitgcgengUiendcn Verhandlungen ist die Tatsache, daß die einheimische (arabische) Palästina- Kommerzbank, die sich ebenfalls um die genannte Konzession beworben hat, dafür, daß sie zurücktrat, 1500 Pfund (I türk. Pfund 18 ־ M.) erhalten hat. Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß Kon- Zessionen solcher Art nicht erst der Zustimmung aus Konstantiiiopcl bedürfen. — Eine lebhafte Tätig• keit wird auch in dem bisher so vernachlässigten Wegebau Unsetzen. liier in Jaffa z. B. ist eine Wegehaukoinmission eingesetzt worden, die zur Hälfte aus Fremden, zur Hälfte aus Einheimischen zusammeiigeset/t ist. Der Ocncralrat der Provinz hat ferner beschlossen, für 70 000 Piaster (I Piaster — 17 Pf.) eine Straße von Jaffa nach Gasa anzulcgen. Es handelt sich dabei um eine 75 km lange Strecke, die bisher nur als Naturstraßc in Betracht kam, aber genügend Brücken besitzt. Berner wurde eine Straße von Hebron nach Bet Dschebrin genehmigt und dafür 200 000 Piaster ausgeworfen, weiterhin hat der Ocncralrat beschlossen, den Plan einer selbständigen landwirtschaftlichen Schule mit Internat für osmamsche Untertanen fallen zu lassen und dafür die jüdische Ackerbausch ule in Mikwch Israel bei Jaffa mit 30 000 Piastern zu unterstützen. — Antcbi, der viele Jahre lang alle jüdischen Kolonien unter seiner Leitung hatte, ist nach seinem Scheiden aus dem . Amte als Administrator nach Frankreich gereist und hat in Paris eine Anzahl Finanzlcutc gewonnen, die nun eine“ Hypothekenbank, Credit F o 11 c i e r, in Jerusalem eröffnet haben. JUGEND-BEWEGUNG Wien. Der Ocsterrcichischc Bund ״Bl au-Weiß“ für jüdisches Jugendwandern hielt am 8, d. Mts, seinen konstituierenden Bundes tag ab. Der Obmann der Wiener Ortsgruppe, Herr Dr, Ernst Skutctzky, cröffnetc die Tagung mit einer Begrüßungsansprache. In das Bureau wurden die Herren Dr. Skutctzky, Qcrsuny und Landau gewählt. Die vorgelegten Statuten wurden gcnchmigt und die Bundesleitung beauftragt, dem nächsten Bundestag ein Reglement für die Führer vorzulegen. Die Bundesleitung wird ein Sekretariat cinrichten und durch die Herausgabe von Broschüren und Flug- Schriften und durch Entsendung eines Agitationsredners eine großzügige Propaganda cinlciten. Der Bundestag nahm mit Befriedigung zur Kenntnis, daß das k. k. Ministerium für Kultus und Unterricm den Obmann der Wiener Ortsgruppe des regsten Interesses für die Bestrebungen des Bundes versichert hatte. Der Bund zählt heute 14 Ortsgruppen in Westösterreich; außerdem existieren große jüdische Pfadfinder- Organisationen in Galizien. Die Wanderbewegung nimmt rapid zu. Jede Woche bringt dem Buna neue Wanderer und die Ankündigung neuer Ortsgruppen.

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