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Jüdische Rundschau · 1914-02-20 · Heft 8 (20.2.1914) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 8 (20.2.1914)
Date
1914-02-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 18 JUEDISCHE RUNDSCHAU fNr״R satz zwischen Landbesitz und Landarbeit schon an sich wirtschaftlich verhängnisvoll, so ist er bei den gegebenen Verhiilinissen in Palästina um so gefahrvoller, als dieser Gegensatz geschaffen wird nicht zwischen jüdischem Besitz und jüdischer Arbeit, sondern zwischen jüdischem Land hesitz und arabischer Landarbeit. Zu dem rein wirtschaftliehen Antagonismus gesellt .sielt also der viel schärfere nationale Widerstreit der Interessen und Lebensformen. Läßt sich die oft schon störend genug hervortretende Kluft zwischen den Sondcrintcressen innerhalb der jüdischen Bevölkerung der Kolonien durch das gemeinsame nationale Moment überbrücken, so erfährt der wirtschaftliche Interessengegensatz zwischen jüdischem Kapital und arabischer Arbeit durch die viel mächtiger wirkende nationale Divergenz eine bedrohliche Verschärfung. Daß die in den arabischen Massen schlummernden wirtschaftlichen und kulturellen Kräfte in uieiit ferner Zukunft zur Entfaltung gelangen werden, und daß es gerade das relativ hochstehende syrische Arnbcrtmn sein wird, dem in diesem großen Ringen die Füiircrrolle zufallen wird, — daran ist nicht zu zweifeln. Kann man sich schon jetzt die Existenz unserer Kolonien ohne die Massen arbeitender Araber kaum vorstellen, — so ist der Tag nicht inehr fern, da der wachsende Einfluß der unsere Kolonien bevölkernden arabischen Elemente auch auf kulturellem Gebiete in die Erscheinung treten muß. Man hatte diese Befürchtungen nicht für Zukunftssorgen, Schon jetzt sind die Folgen dieser 1111* natürlichen Paarung zwischen jüdischem Kapital und nicht jüdisciier Arbeit die, daß das arabische Element in manchen Kolonien das jüdische zahlenmäßig übersteigt, daß also durch unsere Siedlungen mehr Araber als Juden leben. Diese Tat- Sache dürfte schon jedem liüchtig zuschaucudcn Touristen auf-, gefallen sein. Die wirtschaftlichen Folgen dieses Mißvcrhältnisscs sind vorläufig nur negativer Natur: tausende Existenzmöglichkeiten, die dem schwerrtngendem jüdischen Eiement entzogen sind und den Arabern zugute kommen. Viel schwerwiegender aber sind die diesen Verhältnissen entspringenden kulturellen Schäden. Die Ucbcrhandnalimc des arabischen Elements in den Kolonien schafft fortwährend die Notwendigkeit einer weitgehenden Anpassung des jüdischen ßcsitzerelemcnts an Sprache und Sitte der scheinbar untergebenen, in Wirklichkeit aber wirtschaftlich ausschlaggebenden und dominierenden Massen arbeitender und produzierender Araber. Im Laufe weniger Jahre haben sie alle in unseren Kolonien, Jung und Alt, Mann und Weib, arabisch sprechen gelernt, während sie hebräisch, das sie alle verstehen, nicht sprechen, mit Ausnahme vielleicht der Kinder (die aber auch arabisch sprechen!), des Häufleins jüdischer Arbeiter, deren hebräisch von Arabismcn geradezu wimmelt, — und der jungen Damen ..... Welche Pflichten und Richtlinien ergaben sich nun aus diesen Zuständen unseren nationalen Institutionen, die nach vielen Irrungen und Wirrungen endlich der einzig zweckmäßigen und fruchtbaren ״praktischen“ Kolonisationstätigkcit in Paiiistina sich zuwandten? — Um den geschilderten Schäden und Gefahren abzuhelfen, gab cs nur einen Weg: günstige Bedingungen für jüdische Arbeit zu schaffen. Das ist leicht gesagt, aber schwer, sehr schwer getan. Wie sollte dieses geschehen? Wie sollte der jüdische Arbeiter dem arabischen gegenüber konkurrenzfähig gemacht werden? Durch Schaffutig von nationalen Musterfarmen, wo ä tout prIx — im einfachen Sinne des Wortes — nur jüdische Arbeit verwendet wird, ist diesem Zwecke sehr wenig gedient, denn außerhalb dieser Farmen findet der jüdische Arbeiter nach wie vor keine Beschäftigung, weil sich der Kleinbesitzer und Bauer rtA «L*fi wohl leisten kann, er aber nicht. — Nun, es fanden!׳I! Leute, die skrupellos genug waren, zu fordern, unsere i in /• institute sollten ihre Autorität und ihre Macht dazu beim:/ n, einen Druck zugunsten der jüdischen Arbeit auf die Arb! 1tgeber aus/uüben. Es sei zum Lobe der erwähnten instinu gesagt, daß sie dieses ganz ungeheuerliche Ansinnen ׳ nt• schieden /uriiekwiesen. Ein solcher Schritt wäre just darr.׳!cli angetan, den glücklich überwundenen Geist der Bevormundung und der Philanthropie wieder lieraufzubeschwören. Durch das Hiucintragen unwirtschaftlicher Elemente in den Öko• nomische» Organismus unserer Kolonien hätte man wieder ei!! 11 Zustand geschaffen, wie er in jener ״guten alten Zeit" der ״baronischen“ Administration bestand. Die Herren — sie mikI in den Kreisen der schreibenden Intellektuellen der jüdischen Arbeiterorganisationen in Palästina zahlreich vertreten -• <<11• teil endlich cinsehen, daß es geradezu unsinnig wäre, voiieih.m kleinen, auf seine Wirtschaft allein angewiesenen Gruml• Besitzer und Bauer zu verlangen, er solle aus idealen Gründen dein weniger geübten und bedeutend teureren Arbeiter den Vorzug geben vor dem fähigeren und billigeren. Nein, ein wirtschaftlicher Kampf muß nun einmal auch auf wirtsei! d't• liebem Boden ausgcfoclitcn werden. Auf dem wirtschaftlichen Boden bestellt aber für den jüdischen Arbeiter gar keine Anssicht auf Sieg. Wie oben auseiuaudergesetzt, ist der arabi-clu: Arbeiter für keine Konkurrenz angreifbar. Auf welchem Wc..c sollen min günstige .Bedingungen für jüdische Arbeit gc■ schaffen werden? Stehen wir vielleicht vor einer unlösbaren Aufgabe? Müssen wir endgültig auf jüdische Arbeit ve>• zichtcn und uns mit der Tatsache abfinden, daß jüdisches Gehl urul arabische Arbeit Ercz Israel der Kultur und d.111 jüdischen Volke zurückgewinnen werden? — Aus der richtigen Erkenntnis der gegebenen Verhältnisse und der unumgänglichen Notwendigkeiten erwuchs in den leitenden Kreisen die Ucberzeugmig, daß hier neue Wege gesucht und gefunden werden müssen. % Man fand sie auch bald. Ein neuer Kurs in der palästinensischen Kolonisationstätigkeit wurde dadurch angebahnt, daß man endgültig an! die Schaffung einer jüdischen Lohnsklaverei verzichtete und alle Kraft und alles Streben darauf richtete, einen St.״!d grundbesitzender jüdischer Landarbeiter ins Leben zu rufen. Durch eine glückliche Synthese zwischen Landarbci 1 lind Landbesitz soll der neue Typus eines nach Selbständigkeit strebenden und zur Selbständigkeit priide-ti• nierten Landarbeiters geschaffen werden, dem die Lohnarbeit nur ein Mittel ist, — um si,cU von ihr allmählich zu emauzii'iircn und zur ersehnten Unabhängigkeit zu gelangen. Dieser wahr• halt großartige und erlösende Plan kann nun auf zwei ver• schicdcncn, ja entgegengesetzten Wegen in Wirklichkeit um■ gesetzt werden: Durch Schaffung von Großbetrieben auf genossenschaftlicher Basis oder durch du Gründung von kleinen und kleinsten Betrieben auf Grundlage des I n d i v i d u a 1 b e s i t z c s. 1 >cn ersten Weg schlug der offizielle Zionismus ein, als er auf dem 9. Kongreß in Hamburg einstimmig den Oppenheimersehen Plan einer Siedlungsgenossenschaft akzeptierte; während in entgegengesetzter Richtung jene merkwürdige Institution vorgiug, die mit sehr geringen Mitteln und in engen Umrissen wahre Großtaten auf kolonisatorischem Gebiet vollbracht hat — das Odessa er Komitee, indem es durch Gewährung langfristiger Kredite an erprobte Landarbeiter die mustergültige und sicli glänzend bewährende Arbeitersiedlung En-Ganuitn um 1908 ins Leben rief. Da inan aber kaum an diesen beiden Methoden und Richtungen zugleich fcsthaltcn kann, so wird man wohl über kurz oder lang J!» - M* . .. י. *uf * *

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