Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1914)
- Date
- 1914-02-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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irtui-s $m-*4. .. t $ bis. 1 1 *%,**-> |. |Nr.’8 ' MIM. II. Nr. 8 JUEDISCHE RUNDSCHAU Saite 19 Jen sich | | Fimmz- ן |euut/t11, |; 1 Arbeit- I Institute i Jen ent• '!darnach . Juiidiing ׳ )Teil das en 61<0• . fr einen | ijt“ der | welche nun von diesen beiden, ein gemeinsames Ziel verfolgenden, aber wesentlich entgegengesetzten Siedlungsformen die richtige ist und mehr Aussicht auf Erfolg in nächster Zukunft hat — diese Frage glaube ich in einer demnächst erscheinenden größeren Arbeit ״Landwirtschaftlicher Kleinbetrieb“, zur Frage der fcldwirtschaftlichcn An• Siedlung in Palästina im allgemeinen; und der Landarbeitern• Siedlung im besonderen9), der Lösung nähergebracht zu haben. •1 ׳f .,המשק הקרקעי הי־ט', לשאלת ההתישנות החקלאית והפועלים הקרקעיים העבריים בא"," Literarische Rimdcchcta auoi Worte Mosls. In der Sammlung ״Die Weisheit der V ü 1 k c r" herausgegeben von Dr. Hugo öergman tt. J. C. C. Brun׳־ Verlag (Minden in Westf.). In dieser Sammlung erscheinen charakteristische Aus•, wählen aus den Werken hervorragender Geister aller Zeiten und Völker. Eine Auswahl von Worten M o s i s scheint zunächst dem Vollständigkcitswunsch des Verlegers «itsprungen zu sein. Denn welchen Sinn sollte es haben, aus Mosis Worten, das heißt aus dem Fünfbuch (öder Scchsbuch), eine Auswahl anzustellen, da doch der gesamte Text in aller Händen ist? Und da jetzt eine stärkere religiöse Bewegung durch die Welt geht, ist eine Anthologie aus der Bibel um so weniger nötig. Das hat der Herausgeber dieses Randchens wohl gefühlt und hat etwas ganz anderes gegeben. Die ״Worte Mosis“ selbst sind stark in die zweite Linie gedrängt; fast ein volles Drittel umfaßt die Einleitung, eine Darstellung von Mosis’ Leben und der Fünf Bücher. Diese Einleitung, und besonders ihr erster Teil, gibt dem Buche seinen Wert; und dieser Wert ist, um es gleich vorwegzunehmen, ein sehr großer. 1 Hugo Bergmann, der den Lesern der ״Welt“ ja wohlbekannt ist, gibt eine Biographie'des größten der jüdischen 1 leiden, eine Ideenhiographie, die aufzeigt, welche Oedanken in dieser wahrhaft mythischen, das iicißt wahrhaft Wirksamen Gestalt lebendig sind. Er stellt Moses als den Propheten dar, den Lehrer aller Propheten, und verstellt es, in seiner , Schilderung die Beziehung zur heutigen Gegenwart herauszu-; arbeiten. Er bezeichnet als die öriiiuicigcnschaft des Pro• ' plicfen die Unbcdingthcit: ״im Kampfe um Gott ist j alles eher am Platze als Nachsicht, weichliche Milde, Kompro-; miß. Nur unbeugsame Starrheit, rücksichtsloser Kampf für t die Idee, unbedingte Forderung ist da am Platz .... Wie ' oft haben die weichen Kompromißler aller Zeiten sich über 3 den ,eifernden Gott' des alten Bundes aufgeregt; der ,Juden- | gntt‘ als ,Gott der Rache‘ ist zur ständigen Redensart gej wurden. Ich wage die Behauptung, daß die Vorstellung Gottes | als des eifernden, des ,verzehrenden Feuers‘ zu den er- . habensten und sittlich größten der Menschheit gehört. Im | Kampfe um den Geist ist jede Nachgiebigkeit unsittlich, jeder \ Kompromiß ein Verrat. Die sittliche Entscheidung dar-f keinen; Opportunismus kennen, wenn sie wahrhaft moralisch sein soll. Hier gibt es nur ein Entweder — Oder. Dieses ,Durch‘, nicht ,Drum herum‘, dem in unserer Zeit Ibsen durch seinen Peer i Hynt und dessen Verführer, den ,Oroßen Krummen‘, einen gewaltigen Ausdruck verliehen hat, diese unnachgiebige Strenge ist der Sinn der sittlichen Forderung de.s jüdischen '*rophetisinus: ,Mitten durch! — Ob auch der Weg noch so schwer'!" ״Diese Forderung hat Mosis zuerst ausgesprochen: ,Du sniist liebe« den Ewigscieitden, dejnen Gott, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ga’nzen Seele und mit deinem g a 11 z e n Vermögen.‘ ,Ganz und ungeteilt sollst du sein mit deinem Gotte.' Die israelitischen Propheten haben diese Unbctigsamkeit immer von neuem im Kampfe gegen sich und ihr Volk zu bewähren gehabt. Es sei nur an jenes Gottesurteil auf dem Berge Karmel erinnert, da Eiiah, der Prophet, dem Volke und den falschen Sehern gegenüber• stehend, die ewig denkwürdigen und für den israelitischen Prophetisnius ewig charakteristischen Worte spricht: ,Wie lange hinket ihr noch auf beide Seiten? Ist Jahve Gott, so wan■ delt mit ihm, ist cs aber Baal, so wandelt i 11 in nach.' Lieber will der Prophet sein Volk als Baalsdiener sehen, lieber mögen sie Sünder sein, aber dann ganze Sünder, wenigstens als Sünder ganze Menschen, denn daß sie wie ein Rohr im Winde schwanken. Aber, so fährt jene Schriftstcilc in glänzender Charakteristik der Masse fort, ,das Volk ant• wortete ihm gar nichts.,.‘ Sie wollen sich nicht ent• scheiden.“ Bergmann zieht aber seine ״Nutzanwendung“ auf die Gegenwart noch viel direkter. ״In der weichlichen und ver• scliwomincnen Zeit, in der wir leben und als deren Signatur man vielleicht das ,Sich n ich t-cntscheideiiAvolicn‘ wird be• zeichnen können, ist es allerdings sehr wenig beliebt, wenn derartige Forderungen des Entweder — Oder aufgestellt wer• den und am wenigsten, wenn sic von der Religion atisgehcn, Mau hat sich einen Begriff von Liehe ausgclieckt und ihm mit dev Liebe, welche die Religion verlangt, zusainmeugekoppeit, wo Liebe soviel heißt wie Duldsamkeit, verständnisvolles Verzeihen, Ausgleich, ,goldene‘ Mitte. Diese Lehre von der goldenen Mitte macht cs wohl allein dein heutigen Menschen möglich, ein Leben zu ertragen, das immer wieder in Gegensatz tritt zu dem, was man ihn lehrt und gelehrt hat und — nicht mifhürt, als angeblich verbindliche l-dire zu verkünden. Aber diese angeblich bindende Lehre wird sofort zur ,grauen Theorie‘, wenn man zu handeln beginnt. Man hat besten• falls ein mitleidiges Lächeln für den ,Narren', der verlangt, daß man im Leben das wahr mache, was mau in der Lehre für wahr hält. Dieser Gegensatz von Theorie und Praxis, das Eifern mit Worten und das Lässigsein mit der Tat, diese ,Fassadengenügsamkeit‘ — das schöne Wort stammt von Nathan Birnbaum — war freilich dem eifernden Gotte Israels und seinen Propheten fremd. Sehr schön und richtig bemerkt der Philosoph Lotze, daß dem Judentum seine lebendige Uebcrzcugung von der Realität des Göttlichen nicht — wie unserer Zeit — ,als poetische Randverzicrung einer völlig weltlichen Lcbcnsansicht galt, sondern als der tiefe Ernst der Wirklichkeit‘. Die süße, verzeihende Güte, die mau heute als die Gebärde des Religiösen zu betrachten pflegt, war daher den israelitischen Propheten fremd. Und sie wird wahrhaft religiösen Menschen itniger fremd sein. Das hat in Deutschland vielleicht niemand so tief und ein• dringlich begriffen und gepredigt, wie derjenige Philosoph, den man am ehesten neben die israelitischen Propheten stellen kann: Johann Gottlieb Fichte. ,Jene möchten sich gern ver• tragen‘ — hat Fichte einmal von seinen Zeitgenossen ge• sagt —, ,wir aber wollen weder, noch können wir uns ver• tragen; denn diese beiden Dinge sind schlechterdings unvereinbar, und wer das eine will, muß das andere lassen‘.“ Das ist aktuell, und das ist eine ursprünglich jüdische Betrachtung, nicht Betrachtung, sondern Vorurtcilung, nicht Verurteilung, sondern Unterweisung der Gegenwart. Und wir freuen uns, daß die große Zeit des jüdischen Volkes für unsere Gegenwart wieder fruchtbar gemacht wird, Lange genug war die Bibel ein aus-