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Jüdische Rundschau · 1914-02-20 · Heft 8 (20.2.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 8 (20.2.1914)
Date
1914-02-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 82 Nr. 8 J UE DI SCH E RUNDSCHAU Gymnasium usw. Die Gründung des Technikums in Haifa (Herr Dr. Tschlcnow hat am 11. April H)12 der Grundsteinlegung beigewohnt) sollte eine weitere Stärkung der Leistungsfähigkeit bewirken. Dies leitet hinüber zu den kulturellen Leistungen. Dabei handelt cs sieh um zwei Aufgaben: 1. Die Einigung der aus den verschiedenen Kul* tur• und Sprachgebieten Einwandcrmien. '2. Die Vereinigung von europäischer Bildung mit religiösem, jüdischem Wissen. ■ Die Einigung ist nur erreichbar durch die Schaffung, beziehungsweise Durchsetzung einer Sprache. Dal) diese Sprache nur die h e 0 r ä i s c It e sein kann, bedarf keiner He■ gnmiltiiig. Daß die Itelehuug und Einführung auf das Wunderbarste geglückt ist, ist bekannt. Und auf der Gnimllage des Hebräischen allein kann auch das zweite Ziel erreicht werden, durch ein tüchtiges Schulwerk, das europäisches Wissen und jüdische Tradition vermittelt, ausgebaut vom Kindergarten bis zur Hochschule. Warmer Heifall lohnte dem Redner, dem der Ver■ trete! der B. Z. V., Herr Dr. Münz, für diesen Wür• digen Abschluß des Palästina-Kurses noch seinen hesonderen Dank aussprach. Annahme des Proportionalwahlreclits ln der Berliner Gemeinde Am Sonntag, dem 15. Bchruar, fand eine Itepriisentantenversammlung der Berliner Jüdischen t iemeindc statt, in der ein Beschluß über die Reform des Wahlrechts gefaßt wurde. Der Referent für diese Angelegenheit, justizrat Ignaz. Cohn, beautragte Einführung des Proport ionn I w nhI - rechts mit gebundener Listenwahl und auch de!“ Vor- Stand befürwortete diesen Antrag. In der Debatte wurde zwar der Befürchtung Ausdruck gegeben; daß durch die Einführung dieses Wahlmodus sich in der (Jeineiudc ein zu lebhaftes Parteiwesen entwickeln könnte, aber ־ allgemein wurde die Ansicht ausgesprechen, daß es die Gerechtigkeit erfordere, das alte Wahlrecht abzuschaffen und ein besseres an dessen Stelle zu setzen. So wurde der Antrag des Referenten a n g e n o m m c n und der Vorstand beauftragt, diesen prinzipiellen Beschluß durch attsfülirliehe Einz.civorschläge zu ergänzen und diese de'r Repräsentantenversammlung zu unterbreiten. Es ist allgemein bekannt, daß die Forderung des Proportionalwahlreclits von der Partei in der Berliner Gemeinde, die durch den Neuen Jüdischen < j cmcindc verein vertreten ist, aufgestcllt wurde. Vor der letzten Vertreterwahl haben die Liberalen versprochen, diese Forderung zu erfüllen, und mm haben sie ihr Wort eingelöst. Hoffentlich wird das neue Wahlrecht der Berliner Jüdischen Gemeinde zum Segen gereichen. Bericht der Königshtitter Frauengruppe Unsere Zionistische Frauen gruppe feierte im Januar ihr 4. Stiftungsfest, welches einen sehr schönen, erfolgreichen Verlauf nahm. Nach der Festrede von Frl. Nanuy Auerbach wurden die jüdischen Feste und zum Schluß Jung-Paliistiiia durch belebte lebende Bilder dargesteift, die einen• großen Eindruck auf das zahlreich erschienene Publikum machten und sicherlich eine sehr erzieherische Wirkling ausübteu. Der jüdische Damenturnverein hatte einige seiner Mitglieder für unser Fest zur Verfügung gestellt, die mit einem graziös und energisch aus* geführten Stabreigen sehr zur Verschönerung des Abends beitrugen, und vor allen Dingen vielen unserer Gemeindemitglieder vor Augen führten, wie notwendig und nützlich das Turnen für junge Juden ist, Tanz und Frohsinn hielt die Anwesenden bis in die frühe Morgenstunde zusammen, die alle sehr befriedigt von dem Feste heimkehrten. 15t) M. Ueberschuß für unser 2, Yemenitenhaiis und eine Anzahl neuer Mitglieder für unsere Orts- und Frauengruppe war der äußere Erfolg des Abends. Der von uns im vergangenen Jahre gegründete Zionistische Mädchenklub hat sich zu sehr großer Blüte entfaltet und nimmt von Monat zu Mouat an Mitgliederzahl zu. Die jungen Damen arbeiten nach einem ganz bestimmten Programm und bemühen sich vor allen Dingen, zionistische Kenntnisse• und Wissen zu bekommen. Sie haben wöchentliche Zusammenkünfte, die von der Vorsitzenden unserer Zionistischen Frauengruppe geleitet werden. An diesen Abenden wird vor allen Dingen über zionistische Fragen diskutiert, zionistische Zcitiiu- KV" “"1י, Schriften gelesen und durch Kurse versucht, die Mädchen zu Rednerinncn hcranzubildeii. Zweimal trat der Mädchcnkluh in dieser Saison y°rtl:aß‘5abenden in die Ocffcntlichkeit, die immer , einen sehr erfolgreichen Verlauf nahmen, Im De- #'•״־->" *״״• R.-A. Dr. Kopfstein-Zabrze V~j.r• pUn<>,agc" un®1 Aufgaben des Zionismus. 1111 1“,^ Lach mann: Mendel Bcilis 11׳M.״rv 1 ac1 Pflla8tu1a. An die Vorträge schlossen hpi lw!!!lo'lcn V"{! gemütliches Beisammensein an, lunK־Jüd1schc Gedichte rezitiert, jüdische sammelt *wurde.6״’ fÜr ÜC״ i£c; Der Ucberichull des letzten Abends war np groß, daß der Mädchenklub außer einer Summe, die er dem Nationalfonds zuführte, noch Mittel erübrigte, tun den Grundstock zu einer eigenen jüdischen Bibiio- 111 e k zu legen. Unter den gleichen Bedingungen Ist diese Woche in Beut 11 cu (O.-Scli.) ein Zionistischer Mädchenklub gegründet worden. Es haben sich bereits eine große Anzahl von Mädchen gefunden, die bis jetzt uns vollständig fern gestanden haben, und mm durch den Mädehenklub Interesse und Verständnis für den Zionismus bekommen haben. '.Vir hoffen, daß unserem Beispiel sowohl die anderen oberschlesisehen, aber vor allen Dingen die zionistischen Frauen mul Mädchen in ganz Deutseh- 1,1ml bald uaclifolgcii werden und sieh zu zionistischen Frauen- und Müdclieiivcreincn ziisammenschlicfleii werden; denn nur durch den Zusammenschluß werden die zionistischen Frauen das erreichen, was inan von ihnen erwartet. E. L, Kinematographische Palästina-Bilder Am lü. und 11. Februar verdankten die Berliner Zionisten der B. Z. V. einen hohen Genuß, die Vorfülmmg kiucinatographisclier Aufnahmen ads dem jüdischen Lehen in Palästina. Die .•iiifblülieuden Hafenstädte, Jaffa mit Tel- Awiw und dem schönen Gymnasium, Haifa mit dem Bau des Technikums, Jerusalem mit seinen heiligen Stätten, herrliehe l-.amlsehnftsbilder vom Jordan, vom Tiberiassee, von den Quellen Salomos, Eisenbahn״ strafk'11 und der Zug der Kamele, das Lehen in den Kolonien zur Zeit der Arbeit und zur Zeit des Sabbats, Pellaehfeier und Volksfest, Sehnlichen 11ml l.cluhaus, all das zog vor unseren Augen vorüber und erregte Begeisterung und Rührung, ja, rief naives Händeklatschen hervor, besonders heim Anblick der tüchtigen Turner, hei der Erseheinung des verdienten Dr. Mossinsohn, Direktors des Jaffaer Gymnasiums, und der russischen Kolonisationsveterauen, der Hihi. Es fanden an jedem Tage drei Vorstellungen statt. Die Nachmittagsvorstellungen wurden von vielen Kindern besucht. Bei der Abendvorstellung am Mittwoch mußten leider viele Eiulaßwünschenden ztirückgcwiesen werden. Auch Nichtzionisten konnten sich dem starken Eindruck nicht entziehen. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Purimfcste für das hebräische Schulwerk Das Actio ns-Comitä der Zionistischen Organisation hat au die zionistischen Organisationen und Vereine folgenden Appell gerichtet: Sehr geehrte Herren Gesinnungsgenossen! Das neue hebräische Schulwerk in Palästina ist gegründet. In einer großen nationalen Erhebung liahcn unsere Brüder in Palästina unserer Jugend Stätten geschaffen, in denen sic im hebräischen Geist zu vollen Juden, zu tüchtigen Menschen herangcbildet werden.‘ Der Versuch, diesen Befreiungskampf zu stören, ist mißlungen. Die zionistische Organisation hat die Pflicht auf sich genommen, für die Sicherung des Scluilwcrks soweit zu sorgen, als cs die palästinensischc Judenheit noch nicht aus eigener Kraft vermag. Die Erkenntnis der unschätzbaren Bedeutung dieser Arbeit ist in unserer gesamten Organisation durchgcdrungeii. Die Einrichtung der hebräischen Schulen verlangt große Summen. Wir fordern die zionistischen Organisationen auf, die Purimtagc zu Veranstaltungcn von großen Volksfesten zu Gunsten unseres Sciiulwerkes zu benutzen. Immer war es üblich, das Purimfest zum Anlaß gegenseitiger Geschenke zu nehmen. In der Erinnerung an die Zeit der Befreiung des jüdischen Volkes aus schwerer Gefahr freut sich jeder einzelne Jude und ist bestrebt, jedem seiner Freunde Freude zu machen. Benutzet das Purimfest, um den Kindern unserer Brüder in Palästina Freude zu bereiten 1 Keine größere Freude kann ihnen gemacht werden, als wenn Purim, das jüdische! Volksfest, ihnen ihre hebräischen Schulen sichert. Und nun bitten wir Sic, durch Ihre Organisation die Veranstaltung von Purimfcstcn für das hebräische Schulwerk in Palästina durchzuführen. Wir erwarten von der Erfüllung unseres Wunsches bedeutende Ergebnisse, da wir überzeugt sind, daß jede einzelne Organisation sich an der Durchführung unseres Wunsclies beteiligen wird, und so werden die Purim feste, die alle unsere Organisationen durchführen, sicherlieh bedeutende materielle Ergebnisse für das Schulwerk zu liefern imstande sein, Der Zweck, für den die Veranstaltung dieser in der ganzen Welt stattfindenden Feste bestimmt sein soll, wird auch den Eifer und die Begeisterung der veranstaltenden zionistischen Organisationen wecken und erhöhen. Wir bitten Sie, uns mitzutcilen, wann und mit welchem Programm Sic das Fest durchführen werden. Zur Beachtung! Das Inhaltsverzeichnis zum Jahrgang 1<M3 der ״Jüdischen Rundschau“ ist fertig, gestellt und wird allen Abonnenten, die cs wünschen, kostenlos zugesandt. Verlag der ״Jüdischen Rundschau“. Die Palästina-Fahrt Im Frühjahr Für die nin 2. April stattfimlcmlc Palistina-Oesellscliaftsfahrt hat sich bereits eine große Zahl von Teilnehmern aus allen Ländern gemeldet. Diese Reise ist eine allgemein indische und nicht auf Teilnehmer eines Landes beschränkt. Die Fahrpreise sind besonders ermäßigt (10 לי ), und zwar: Schnelldampfer Triest —Palästina und retour I. Kl. Kr. 551,62; ff. Ki. Kr. 387,26; HL Kl. (ab Alexandrien II. Kl.) Kr. 217,16. Bei der Rückfahrt wird ein dreitägiger Ausflug nach Aegypten arrangiert. Kosten des Aufenthaltes in Palästina: Kr. 100׳, -, in Aegypten: Kr. 63,—. Da die Zeit sehr vorgerückt ist, ist cs erforderlich, daß diejenigen, die noch teilnehmcn wollen, sich ehestens anmckleii, Die Anmeldung zur Fahrt erfolgt durch die Ucbcrweistmg der Hälfte des Schifffahrtspreises an den Jüdischen Nationalfonds, Konto Palästinn-lnforinatioiisMircau, Wien II, Karmeliterplatz 1“, und die Anmeldung zum Programm des Aufenthaltes in Palästina und Aegypten durch die Anzahlung von Kr. 100,— als Angabe bei der ״Unionbank“. Wien, Konto Ariglo Palest ine Co., Jaffa, für Sachs. Die restlichen Beträge müssen bi» spätestens 10. März 1011 cingczahlt werden. Auskünfte und ausführliche Prospekte beim Paliistiiin-liiforiiialionsbiireau des Zionistischen Actions- ComitE'S, Wien II, Karmeliterplatz l. Megllloth aus getriebenem Silber und Silberfiligran in verschiedcner Ausführung empfiehlt der ״B e z a I e l" seinen Freunden zum bevorstehenden Purimfest. Adresse für Bestellungen: Verein ״Bczalcl“, Berlin W. 15, Bleibtrcustr. 34 35. Vom Jüdischen Verlag Wir machen unsere Leser auf den dieser Nummer beiliegenden Prospekt über die so rasch beliebt ge* wordene Sammlung ״Vom alten Stamm“ aufmerksam. AUS ALLER WELT Die Inszenierung eines neuen Ritualmordprozesses Mißgestimmt über «len Ausgang ries Beilisprozesses, suchen die Kicwer Gerichtsbehörden nach einem neuen Objekt zu einer Ritualiiiordbcschuldigung. Man hätte cs wirklich kaum glauben können, daß ihre Barbarei soweit reichen würde, um den in Fastow an dem jüdischen Knaben Jossel Pa sch ko w verübten Mord zur Propaganda der Ritualmordidee anszunutzen. Und doch ist es geschehen. Wie erinnerlich, wies die Leiche Paschkows dreizehn Verwundungen auf, eine Zahl, welche den Rituahnordverfcchtern wegen ihrer angeblich kabbalistisclien Bedeutung besonders zu Herzen geht. Welch ausgezeichneter Hetzstoff wäre es doch, wenn es sich um einen christlichen Knaben handelte! Gedacht, getan! Obwohl die Leiche als diejenige eines jüdisehen Knaben rekognosziert war, obwohl alle in dem Ermordeten den vermißten und verschleppten Jossel Paschkow erkannt und die lokalen Behörden auch den Täter, einen verkommenen Bauern, fcstgenommen hatten, hat doch die Kiewer Staatsanwaltschaft der Sache eine unerhörte Wendung gegeben. Sie hat den Vater Paschkows, der Handwerker ist, und seinen Gesellen verhaftet und will aus der Aftäre einen neuen Ritualmord machen, indem sie den Knaben als christlichen erklärt. Schon hat man nicht nur die lokalen Fastower Polizeibehörden, sondern auch den Kreisarzt aus der Voruntersuchung ausgcschaltct, schon mischt sich die im Sinne der echten Russen jüngst ausgestaltete Kiewer Detektivpolizei mit ihrem Chef Dubjago in die •Affäre ein, schon hat sich ein fanatisiertes, hysterisches Weib aus Schitoniir, eine Christin, eingestellt, welche in dem Ermordeten ihren Neffen erkennen will; kurzum, der Fastower Fall, der ohnehin als Widcrsniegclung der durch die Kiewer Agitation entfachten Mordgelüste ein tragisches Memento für die Juden bedeutet, soll nun gegen sie ausgenut/.t, für sie eine Katastrophe werden. Daß die Mordtat nicht nur auf Konto eines Subjekts zu schreiben ist, wurde von vornherein als Vermutung von verschiedenen Seiten ausgesprochen. Man glaubte jedoch, dal) die echt russisehen Hetzer, außerstande, regelrechte Pogrome zu veranstalten, vorläufig an einzelnen jüdischen Kindern ihre Rachewut stillen wollten. Die Tatsachen haben bewiesen, daß es weit raffiniertere Absichten waren. Nach dem von Schmakow ausgegebenen Ritualmordrezept wird ein jüdischer Knabe ermordet und dann als christlicher ausgegeben, und der ״Fall" ist da. Daß die Mörder auch Fälscher und Meineidige finden und also eine noch kompliziertere Angelegenheit als im Fall justschinski hcrvorzauberti können, ist klar. \ #*־״

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